„Man hat den Eindruck, die ganzen Bemühungen, mit denen wir derzeit zutun haben, sollen über die Substanz dazu beitragen, eine Art Amnestie für Frau Merkel zu bekommen.“

ParsToday: Herr Wimmer, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen, zu diesem Interview!

Wimmer: Guten Tag, Herr Shahrokny, guten Tag nach Teheran!

 

ParsToday: Herr Wimmer, von der Bundestagswahl sind nun mehr als zwei Monate vergangenen, ohne dass eine Aussicht auf eine Regierungsbildung besteht. Woran liegt es?

Wimmer: Es liegt auf der einen Seite natürlich an dem Wahlergebnis, wo es – abgesehen von den Liberalen und der AFD – keinen Wahlsieger gegeben hat, in dem Sinne, dass man bei einer Wahl mehr Zustimmung von der Bevölkerung bekommen hat. Das Zweite  sieht man auch im Zusammenhang mit den jetzt laufenden Versuchen, eine Regierung zustande zu bringen. Das hängt alles mit der einsamen Entscheidung der Bundeskanzlerin aus dem Sommer 2015 zusammen, Deutschland an seinen Grenzen schutzlos zu stellen und Millionen Menschen, von denen wir gar nicht wissen, um wen es sich handelt, ins Land zu lassen. Die damit verbundenen riesigen Probleme, in denen wir schon stecken und auf die unser Land auch zweifelsohne zusteuert, die ziehen sich wie ein roter Pfaden durch alles, was man über die Sondierungsgespräche gehört hat, wo versucht wurde, eine Regierung zustande zu bringen. Man hat den Eindruck, die ganzen Bemühungen, mit denen wir derzeit zutun haben, sollen über die Substanz dazu beitragen, eine Art Amnestie für Frau Merkel zu bekommen. Anders kann man das politisch überhaupt nicht werten.

 

ParsToday: Sie sprachen von Sondierungsgesprächen, die nichts gebracht haben. Wie erklären Sie das?

Wimmer: Man hat ja im Zusammenhang mit dem, was darüber berichtet worden ist, gesehen, dass offensichtlich mehrere Faktoren zusammenkamen: Auf der einen Seite scheint die Bundeskanzlerin – wenn man dem Glauben schenken kann, was aus den Verhandlungen berichtet worden ist – kein herausragendes Interesse daran gehabt zu haben, dass diese Gespräche erfolgreich laufen konnten. Das zweite ist, die CSU, die ja unter dem Ministerpräsidenten Seehofer eine besonders pointierte Position im Zusammenhang mit der Schutzlosigkeit der deutschen Grenzen an den Tag gelegt hatte, ist offensichtlich zu intensiv auf die Grünen zugegangen, bei denen es nicht weit genug gehen kann. Das hat – wenn alles zutrifft – den Unmut der Liberalen hervorgehoben, die in der Frage der Migrationen und der Auswirkungen sehr viel näher bei der CSU und der AFD sind, als man das offensichtlich so darstellen will. Deswegen geht auch der ganze Unmut, der in den öffentlichen deutschen Medien jetzt organisiert wird, in Richtung FDP, um für ihre Position, die sie eingenommen hatte, zu bestrafen. Die Freien Demokraten haben das ja so dramatisch gesehen, dass sie einen Gesichtsverlust erwartet hätten, wenn sie bei diesen Gesprächen zugegen gewesen wären.

Vor diesem Hintergrund  war es in Deutschland spannender in nicht mehr gewesen.   

 

Anmerkung: Das Interview in voller Länge im Audio!

Das Interview wurde geführt, von Seyyed-Hedayatollah Shahrokny

 

 

Nov 25, 2017 15:28 Europe/Berlin
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