Dec 13, 2018 07:30 Europe/Berlin
  • Im Kalten Krieg waren wir der Brückenkopf und gleichzeitig hatte man uns unter Kontrolle

Statement zu der Konferenz über die Rolle der NATO im postsowjetischen Raum, Minsk, 13.12.

Übermorgen beginnt eine NATO-Konferenz in Minsk, der Hauptstadt von Weißrussland. Dazu die nachfolgende Stellungnahme. Dabei ist auch das Video des Westend-Verlages in Frankfurt über eine Veranstaltung zum Thema:

„Freundschaft mit Russland“ vom 4. 12. 2018 einbezogen.
Nach den Erfahrungen des Kalten Krieges ist es nicht schwer, die Lage zu beschreiben, in der wir uns befinden.
Im Kalten Krieg waren wir der Brückenkopf und gleichzeitig hatte man uns unter Kontrolle. Ja, man hat die Sowjets totgerüstet, aber vermutlich weder angestrebt noch damit gerechnet, dass die Sowjets sich der DDR entledigen würden. Zu keinem Zeitpunkt war die deutsche Wiedervereinigung das Ziel der westlichen Politik, noch nicht einmal als „Beifang“.
Mit dem Zerfall der UdSSR kam der Traum aus der alliierten Invasion im russischen Bürgerkrieg in greifbare Nähe, Russland zu strangulieren und kirre zu machen. Die Umstände um Yukos sprechen da Bände. Gleichzeitig wurde ein Ost-Limes zwischen Riga und Odessa geschaffen, um Zusammenarbeit zu verhindern und das Gebiet westlich dieses Limes völlig auf amerikanische

Bedürfnisse abzurichten, auch in der Zusammensetzung von Gesellschaften.
Entspannungspolitik, um Parteien an den Tisch zu bringen, führt in die Irre. Es geht um die bedingungslose Kapitulation der Russischen Föderation ( oder des Iran) und über was soll Moskau denn verhandeln, wo die Angelsachsen nur das konsequent verfolgte Ziel haben, Russland zu strangulieren und zur Unterwerfung zu zwingen. In Deutschland kann man das beurteilen, auch den Wortbruch, was die absprachewidrige Ost-Erweiterung der NATO anbetrifft. Der Waffenstillstand 1918 fußte auf den 14 Punkten des US-Präsidenten Wilson mit der Zusage, keine Grenzverschiebungen zu Lasten auch Deutschlands zuzulassen. Versprochen-gebrochen, wie die Beispiele von Eupen-Malmedy bis Schlesien, das Memelland und Danzig bis heute deutlich machen.
Um nicht in europäischer Erstarrung, Aufgabe und Krieg zu enden, muss der amerikanisch-britisch geführte Westen seine Politik ändern und Russland am Tisch der guten europäischen Nachbarschaft einen gleichberechtigten Platz endlich einnehmen lassen.
Die jetzige Politik des „Londoner Dreiecks“ hat nur den Zweck, gegen Indien, China und Russland ausreichend eigenes Brückenkopf-Gelände zur Verfügung zu haben. Krieg ist das Ziel, mit uns als dem zentralen Schlachtfeld in Europa.
 

Willy Wimmer, Staatsminister im Verteidigungsministerium a.D.

 

 

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