Will Wimmer, Staatssekretär a.D., meint, dass es noch viel zu früh ist, ein endgültiges Urteil über das  frisch gewählte Präsidenten Trump zu fällen. "… das europäische Interesse  muss (aber)darauf gerichtet sein, Frieden und Stabilität überall auf dem Globus herzustellen. Da ist das Atomabkommen mit dem Iran eine Messlatte für den neuen amerikanischen Präsidenten aus europäischer Sicht."

ParsToday: Herr Wimmer, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu diesem Interview!

Wimmer: Guten Tag Herr Shahrokny, guten Tag nach Teheran!

ParsToday: Herr Wimmer, die Wahl des Kandidaten der republikanischen Partei in den USA, Donald Trump, hat viele Menschen in aller Welt, einschließlich in Deutschland, schockiert. Sie sind aber dadurch erleichtert. Was finden Sie an ihm so positiv?

Wimmer: Also, da gibt es eine ganz klare Ansage für den Kandidaten, Trump. Er hat im Zusammenhang mit dem, was man in Amerika Wahlkrieg nennen kann, jedenfalls deutlich gemacht, dass er zu den anderen Staaten auf diesem Globus, auf dem wir ja alle gemeinsam leben, versuchen wird, vernünftige Beziehungen zu unterhalten und Streitfragen  erst gar nicht aufkommen zu lassen. Das ist für einen durchschnittlichen Mitteleuropäer interessant, weil ja die  demokratischen Präsidenten seit Bill Clinton die Einkreisung der Russischen Föderation betrieben haben und wir im  letzten Jahr oft genug den Eindruck hatten: "Wir stehen unmittelbar vor kriegerischen Auseinandersetzungen mit der Russischen Föderation." Wenn Trump als möglicher Präsident da versucht, wieder zu den gesitteten Beziehungen zwischen den Staaten zurückzukehren, ist das ein großer Fortschritt.

 

ParsToday: Herr Wimmer, das, was Sie gerade beschrieben haben, betrifft angeblich die amerikanisch-russischen Beziehungen. Aber was zum Beispiel das Atomabkommen zwischen Iran und der sog. G5+1 betrifft, sieht es ganz anders aus.

Wimmer: Wir müssen alle ein strategisches Interesse daran haben, dem möglichen neuen amerikanischen Präsidenten, Trump, auch deutlich zu machen, dass es nicht ein sektorales Vorgehen sein kann, wobei ich auch auf der anderen Seite als Mitteleuropäer sehe, wenn man gegenüber der Russischen Föderation   versucht, wieder gesittete, vernünftige und mögliche Beziehungen aufzubauen, dann wird das Auswirkungen auf andere Teile der Welt haben.  Wir müssen natürlich sehen -  das hat sich im Wahlkrieg der Vereinigten Staaten gezeigt –dass die Situation, die ich mal mit dem Oberbegriff "Israel" umschreiben will, eine zentrale Bedeutung für die Wahlen und den  möglichen Präsidenten, Trump, haben wird. Wir sehen ja nun mit Interesse, wie die Finanzierung dieses Wahlkrieges durchgeführt worden ist und das wird Rückkupplungen auf die praktische Politik haben. Und es ist kein Geheimnis, dass der mögliche neue amerikanische Präsident, Trump – denn er ist noch nicht gewählt, muss man sehen, die Wahlmänner müssen erst noch zusammenkommen -, offensichtlich über besonders interessante Beziehungen zum israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu verfügt. Welche Auswirkungen das insgesamt auf die globale Politik haben wird, das wird man sehen. Aber das europäische Interesse  muss darauf gerichtet sein, Frieden und Stabilität überall auf dem Globus herzustellen. Da ist das Atomabkommen mit dem Iran eine Messlatte für den neuen amerikanischen Präsidenten aus europäischer Sicht.

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Das Interview in voller Läne im Audio.

Das Interview wurde geführt von: Seyed-Hedayatollah Shahrokny

 

 

Nov 14, 2016 15:35 Europe/Berlin
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