„Die Ansprache war aus meiner Sicht die Ankündigung des amerikanischen Konkurses. Die  amerikanische Gesellschaft, der amerikanische Staat, ist über die Kriegspolitik der letzten 25 Jahre, wie man so schön in Deutschland sagt „auf die Felgen gefahren worden.“

ParsToday: Herr Wimmer, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu diesem Interview!

Wimmer: Guten Tag, Herr Shahrokny, guten Tag nach Teheran!

 

ParsToday: Herr Wimmer, am Freitagabend(MEZ) war die Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten, Donald Trump. In einer vergleichsweise kurzen Rede stellte er zwei Themen in den Mittelpunkt seiner Amtszeit: Wirtschaft und Sicherheit. Dazu hätte ich gerne Ihre Analyse!

Wimmer: Die Ansprache war aus meiner Sicht die Ankündigung des amerikanischen Konkurses. Die  amerikanische Gesellschaft, der amerikanische Staat, ist über die Kriegspolitik der letzten 25 Jahre, wie man so schön in Deutschland sagt „auf die Felgen gefahren worden.“ Die Probleme der Vereinigten Staaten sind sehr gravierend, die zeigen sich daran, dass jeder, der eine weiterführende Schule besucht, eigentlich mit risiegen Schulden schon ins Leben geht. Man sieht das ja auch an der amerikanischen Infrastruktur, die in einer Weise zerstört ist, wie man sie aus den Entwicklungsländern kennt. Die amerikanische Wirtschaft ist in weiten Teilen des Profits wegen in andere Länder abgewandert. Das amerikanische Wirtschaftssystem hat eigentlich diesen Namen in weiten Teilen – abgesehen davon, dass es leistungsfähig ist, aber trotzdem nicht so verdient, weil es weite Teile der Bevölkerung nicht so stellt, wie diejenigen, die sich es erlauben können. Also, die gesellschaftlichen Probleme der Vereinigten Staaten sind gewaltig. Sie machen auch innenpolitische Auseinandersetzungen, wie wir sie gestern(Samstag, den 21. Januar) an den großen Demonstrationsmärschen der Frauen in den Vereinigten Staaten gesehen haben; sie machen innenpolitische Auseiandersetzungen möglich. Ich will nicht sagen, dass man darauf hoffen soll, aber sie machen es möglich. Vor diesem Hintergrund hat der neue amerikanische Präsident eine Rede zur Amtseinführung gehalten, die eigentlich sehr nüchtern war. Er hat die Rede genutzt, um all diejenigen, die um ihn herum saßen, scharf dafür anzugreifen, dass es die Politik von Präsident Clinton bis Präsident Obama gewesen ist, die diesen Zusammenbruch der Vereinigten Staaten möglich gemacht hat und zur Folge gehabt hat. Also, vor diesem Hintergrund war das eigentlich das Entsetztlichste, was man sich bei einer Amtseinführung wünschen kann. Aber Trump hat eben auch die Notwendigkeit auf sich genommen, schonungslos zu sagen, wie die Situation der Vereinigten Staaten ist. Nur eine Frage bleibt ungelöst und offen: Die Kriegspolitik der Vereinigten Staaten der letzten 25 Jahre ist unternommen worden, um die Interessen des militärisch-industriellen Komplexes weltweit durchzusetzen. Wenn man sich nicht mehr erlauben kann, dann ist die große Frage danach, wo soll denn gespart werden, um die Infrastrukturen nach vorne zu bringen? Wo soll denn gespart werden, um den jungen amerikanischen Leuten eine angemessene Ausbildung zukommen zu lassen, ohne dass sie bis an ihr Lebensende verschuldet sind? Also, Fragen über Fragen. Aber man kann davon ausgehen, dass Präsident Trump diese Fragen angeht. Dann wird man sehen, wie weit er weiterkomm.

 

ParsToday: Herr Wimmer, ich wiederhole meine Frage. Wirtschaft und Sicherheit waren zwei Punkte, die immer wieder in der Rede Trumps vorkamen. Was bedeutet das für Sie?

Wimmer: Das weden wir vermutlich in den nächsten Wochen als Entwicklungstendenzen sehen. Der Zustandsbericht, über den ich eben gesprochen habe, war ja wirklich ein Offenbarungseid. Wenn ich aus dieser misslichen Situation herauskommen will, - das will  den Präsidenten Trump natürlich unterstellen – dann muss der neue  US-Präsident  auf der Welt eine andere Politik betreiben. Die endlosen Kriege haben dazu beigetragen, dass die Substanz der Vereinigten Staaten verflogen ist. Das hat sich alles in Schutt und mangelnder Industrialisierung niedergeschlagen. Die Welt ist  in Schutt und Asche gelegt worden und  die Vereinigten Staaten selbst haben unter dieser Entwicklung massiv gelitten. Das heißt, der amerikanische Präsident wird – wenn er die Vereinigten Staaten selber wieder groß machen will, d.h. aus diesem Elend herausführen will - wird er dann nicht die bisherige Kriegspolitik seiner Vorgänger fortsetzen können. Deswegen gehe ich auch persönlich davon aus, dass er, was die europäische Situation anbetrifft, aber aus Gründen des globalen Interesses der Vereinigten Staaten ein zentral anderes Verhältnis zu Moskau aufbauen wird. Das wird natürlich auch die Handlungsfähigkeit im Zusammenhang mit der und anderer Konfliktlage, mit der wir zutiún haben, bestimmt verbessern, denn das war ja der Grund dafür,  warum wir seit dem Irakkrieg eine gegen die Russische Föderation gerichtete amerikanische Politik gesehen haben. Wenn er aus diesem Elend in seinem eigenen Land herauskommen will, dann muss die  amerikanische Politik auf dem Globus eine andere sein.


Anmerkung:

Fortsetzung im Audio!

Das Interview wurde geführt von Seyed-Hedayatollah Shahrokny

Jan 22, 2017 16:21 Europe/Berlin
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