• Warum schweigen China und Indien gegenüber dem Massaker an den Rohingya-Muslimen in Myanmar? 

Trotz der internationalen Proteste gegen das Massaker an den Rohingya-Muslimen in der Provinz Rakhine von Myanmar hält diese Tragödie an und UN-Beobachter haben nach der Inspektion dieses Gebietes die Situation als so fürchterlich bezeichnet, dass es die Vorstellung des Menschen übersteigt. 

Die Weltöffentlichkeit erwartet, dass Staaten, die Einfluss in Myanmar besitzen  diesen einsetzen, um das Massaker an den Rohingya-Muslimen zu stoppen. In diesem Beitrag möchten wir untersuchen, weshalb China und Indien gegenüber diesem Massenmord schweigen.

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Unter den Ländern der Region und sogar auf internationaler Ebene besitzt China herausragende Beziehungen zu der Regierung von Myanmar. Während der Sanktionen, die der Westen der Militärregierung dieses Landes auferlegten, haben China und Indien Myanmar allseitig unterstützt und ihren Einfluss  auf dieses Landes mehr denn je verstärkt.  Die strategische Lage Myanmars in Südostasien, insbesondere seine Nähe  zu der internationalen Straße von Malakka im Pazifik,  ebenso wie die Öl- und Gasressourcen haben diesem Land eine besondere Position verliehen.  Daher ist China nicht nur der wichtigste Handels- und Wirtschaftspartner von Myanmar während der westlichen Blockade und der internationalen Isolierung der Militärregierung dieses Landes gewesen, sondern  es gilt auch als der wichtigste Rückhalt  dieser Regierung gegenüber dem internationalen Druck  wegen dem Massaker an den Rohingya-Muslimen.  Die beiden Veto-Staaten im UN-Sicherheitsrat China und Russland sind Bündnispartner von Myanmar. Beide Länder haben die Veröffentlichung der Erklärung des Sicherheitsrates gegen die Regierung von Myanmar in Bezug auf die Rohingya-Muslime verhindert  bzw. suspendiert. China betrachtet seine Politik gegenüber der Regierung in Myanmar als  Unterstützung deren angeblichen Bemühungen zur Wahrung der Stabilität ihres Landes.

 

Thaung Tun,  der Nationale Sicherheitsberater von Myanmar hat gesagt:

„Myanmar zählt hinsichtlich der Verhinderung der Herausgabe der Resolution des UN-Sicherheitsrates auf China und Russland als zwei ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, denn besonders Peking ist ein sehr guter Freund von Myanmar.“

Die chinesische Regierung verfolgt mit ihrer Unterstützung  für die Regierung von Myanmar vor allen Dingen folgende Ziele: Peking möchte sich die  Brennstofflieferungen aus diesem Land sichern, die strategisch wichtige Straße von Malakka freihalten und verhindern, dass diese von den USA beherrscht wird, und ebenso verhindern,  dass Washington seinen Einfluss auf Myanmar verstärkt.

 China hat mehr als 14 Milliarden Dollar in Myanmar investiert. Die Ziele Chinas in Myanmar sind vornehmlich wirtschaftlicher Natur. Myanmar genießt in der Regionalpolitik Chinas eine Sonderstellung im Vergleich zu den anderen Staaten.  Gemäß einem Vertrag, der 2009 zwischen der Regierung von China und der von Myanmar unterzeichnet wurde, sollen über zwei große Pipelines Gas und Erdöl von Myanmar nach China geliefert werden.   China möchte die Lieferung von Brennstoff aus Myanmar gewährleisten und seine Abhängigkeit von der Deckung des  Energiebedarfs aus dem Nahen Osten, welche  die USA politisch und wirtschaftlich ausnutzen könnten,  verringern.  Der Ausbau der Zusammenarbeit mit Myanmar ist daher für Peking sehr wichtig.

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Der Leiter des russischen Instituts für strategische Planung und Prognosen, Aleksandr Gusev sagt:

„China ist ein ernsthafter strategischer Partner der Regierung von Myanmar und hat weitgehende Investitionen auf dem Wirtschaftssektor dieses Landes vorgenommen wie auf dem Sektor des  Straßenbaus und bei der Errichtung  von zwei Häfen, was der USA nicht besonders gefällt.“

 

Die Gleichgültigkeit Chinas gegenüber dem Massaker an den Rohingya-Muslimen hat also etwas damit zu tun, dass China die regionalen und internationalen Mächte, die ihre Präsenz in Myanmar verstärken wollen, überrunden möchte.  Nach Aufhebung der Sanktionen gegen Myanmar seitens des Westens, haben die europäischen Länder und haben besonders die USA erhebliche Anstrengungen gemacht, um an eine wichtige wirtschaftliche Position in der südostasiatischen Region zu gelangen und in der Straße von Malakka präsent zu sein. Dies hat China in gewissem Maße beunruhigt. Der vorherige US-Präsident Barack Obama hat Myanmar zweimal einen Besuch abgestattet, was durchblicken lässt, welche Bedeutung dieses Land für Washington in Südostasien hat. China ist außerdem daran gelegen, dass der Konflikt mit den Muslimen  auf die westlichen Gebiete von Myanmar, den Süden der Philippinen und Thailand beschränkt bleibt und sich nicht auf seine eigenen Gebiete, insbesondere سین کیانگ  Xinjiang   ausdehnt.  So kommt es dass China sich trotz der internationalen Proteste gegen die Verbrechen, welche die  Regierung von Myanmar gegen die  Rohingya-Muslimen begeht, in Schweigen hüllt, um auf diese Weise weiterhin die Gunst dieses Landes zu gewinnen.

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Auch Indien hat in den letzten Jahren intensiver mit China um eine größere Präsenz in Myanmar gewetteifert. Da die Regierung von Myanmar einen Ausgleich in seinen Beziehungen zu den regionalen und internationalen Mächten wie China und die USA herstellen will, war sie mehr als in der Vergangenheit an  einem Ausbau der Beziehungen zu Indien interessiert.

 

In dem vornehmlich hinduistischen Indien sind die Buddhisten nicht beliebt und es gibt auch Spannungen zwischen Hindus und Muslimen.  Deshalb ist Neu Delhi der Konflikt in Myanmar zwischen Buddhisten und  Muslimen in gewisser Hinsicht recht. Indien ist sich auch darüber im Klaren, dass China es begrüßen wird, wenn Neu Delhi mit einer Flut von muslimischen Flüchtlingen aus Myanmar konfrontiert würde. Indien schweigt daher nicht nur gegenüber der blutigen Unterdrückung der Muslime in Myanmar sondern erhöht auch den Druck auf das muslimische Nachbarland Bangladesch, in dem es Rohingya-Muslime  aus Myanmar, die nach Indien geflüchtet sind, wieder nach dorthin ausweist. 

Maulana Mahmud Madani, Generalsekretär der Jamiat Ulema-e Hind, einer muslimischen Organisation in Indien,  sagte zur Nachrichtenagentur IRNA:

„Die Entscheidung der indischen Regierung, muslimische Rohingya-Flüchtlinge auszuweisen, während die Myanmar-Regierung einen Massenmord an diesen begeht, ist nicht nur verwunderlich sondern schadet dem Ansehen des Landes erheblich.“

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Während die Regierung von Myanmar heftigem internationalen und regionalem Druck ausgesetzt wird, damit sie den Massenmord an den Rohingya-Muslimen einstellt, hat der indische Premierminister Narendra Modi auf seiner jüngsten Reise nach Myanmar die Regierung dieses Landes unterstützt, damit Neu Delhi  bei dem Erwerb von Vorteilen im Handel und der Wirtschaft und bei den Investitionen in Myanmar mit China und westlichen Staaten, davon insbesondere den USA, mithalten kann.   Die Regierung in Neu Delhi hat sich auch nicht an der Erklärung der interparlamentarischen Union im indonesischen Bali hinsichtlich der Verurteilung der Verbrechen der Regierung Myanmars in Form der Ermordung von Rohingya-Muslimen beteiligt, was den Protest der Regierung von Bangladesch zur Folge hatte.

Zafarul Islam Khan, Mitglied der beratenden Versammlung in Indien, sagte IRNA gegenüber:

„Es ist ein unmenschliches Vorgehen, wenn die indische Regierung Rohingya-Muslime, die ins Land gekommen sind, ausweist und darüber hinwegsieht, dass sie getötet werden.  Neu-Delhi muss diese Politik revidieren, denn im Gegensatz zu dem, was die indischen Regierungspolitiker behaupten, bedeuten die asylsuchenden Rohingya-Muslime  keinerlei Gefahr für die Sicherheit dieses Landes.“

Man beachte, dass der indische Ministerpräsident Modi bei seinem Treffen mit den Verantwortungsträgern der Regierung von Myanmar von einer gemeinsamen Bekämpfung des Terrorismus gesprochen hat, obwohl die Staatengemeinschaft dieses Land wegen seines staatlichen Terrorismus gegen die Rohingya-Muslime, welche die UNO zu der am  meisten unterdrückten Minderheit auf der Welt erklärt hat, verurteilt und dessen Einstellung fordert.

Während die indische Regierung nicht nur gegenüber den Verbrechen der Regierung von Myanmar schweigt und diese sogar gegenüber dem internationalen Druck verteidigt,  hat die Bevölkerung von Indien bei großen Demonstrationen in verschiedenen Städten des Landes  sich der Weltöffentlichkeit angeschlossen und den Stopp der Verbrechen der Regierung von Myanmar an den Rohingya-Muslimen  gefordert. Das bedeutet, dass die Bevölkerung von Indien nicht die Standpunkte der Regierung in Neu Delhi unterstützt und erwartet, dass ihre Regierung jene menschenrechtlichen Fragen beachtet, die zur Zeit  der Kolonialherrschaft Englands über Indien vor 1947  von der Regierung in London in Indien missachtet wurden,  was zum Aufstand der indischen Bevölkerung gegen England führte. 

 

 

Oct 09, 2017 19:42 Europe/Berlin
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