Jul 22, 2019 20:24 Europe/Berlin
  • Warum sich die ganze Welt über Irans Verhalten freut - aber die westlichen Herrscher es nicht verstehen

Um das zu verstehen, muss man die Gemütslage der Völker dieser Welt gegenüber dem Westen beschreiben.

 Von:  Yavuz Özoguz , Heute 14:32


Die Westliche Welt hat zunehmend ihren Nimbus als Symbol für Frieden und Freiheit verloren. Mit einer tagtäglich extremer werdenden Kanonenbootdiplomatie und der inzwischen offenen Völkerrechtsverbrechen (nicht nur in der Unterstützung Israels), hat die Westliche Welt die einstmals bestehenden Sympathien in der ganzen Welt verspielt. Andere Akteure sind nach und nach in die Lücke gesprungen, die der Westen hinterlassen hat, was den Westen noch ärgerlicher und noch verbrecherischer werden ließ.

Anfang Juli haben britische Piraten – anders kann man das angesichts der Rechtslage nicht nennen – einen iranischen Tanker vor Gibraltar gekapert und den Kapitän mit seinen Offizieren festgenommen. Dieser Akt des Völkerrechtsbruchs war für die gesamte Elite der Westlichen Welt normal, denn sie kennen es nicht anders. Der Westen hat das Recht das Völkerrecht zu brechen, der Westen darf demütigen, der Westen darf tun und lassen, was er will, und die andern haben zu gehorchen! Jahrzehnte lang dachte die Westliche Welt, weiterhin die Welt so beherrschen zu können.

Doch seit der Islamischen Revolution im Iran weht ein neuer Freiheitsgeist um die Welt, ein Freiheitsgeist, der viel stärker ist als der heuchlerische Freiheitsgeist des Westens. Der Westen verstand unter Freiheit die Freiheit des Kapitals die ganze Erde ausbeuten zu dürfen. Die islamische Befreiungstheologie hingegen verheißt Frieden und Freiheit auf Basis von Gerechtigkeit, etwas, was die Westliche Welt schon lange nicht mehr liefern kann. Denn würde die Westliche Welt Frieden und Freiheit auf Basis von Gerechtigkeit wünschen, dann müsste die gesamte Elite der Westlichen Welt wegen fürchterlicher Verbrechen vor ein Tribunal gestellt werden.

Anfang Juli hat der Westen den iranischen Tanker "Grace 1" gekapert. Es waren nicht nur die Briten, denn alle westlichen Länder haben ihre Unterstützung signalisiert! Am 16. Juli hat der Revolutionsführer Imam Chamenei in einer Rede und auf seiner eigenen Webseite den Briten in aller Deutlichkeit gedroht, dass ihre Piraterie nicht ohne Konsequenzen bleiben wird. Einige deutschsprachige Medien haben das zwar gebracht, aber wer glaubt schon den „kleinen“ Iranern gegen den so großen und mächtigen Westen? [1] Nur wenige Tage danach setzen iranische Revolutionsgarden einen britischen Tanker fest. Jetzt wird der Westen laut. Das sei ein Akt der Piraterie, das sei ungesetzmäßig usw. usf. Man kann es schon gar nicht mehr hören. Die gleichen Politiker, welche die Piraterie der Briten gutgeheißen haben, stellen sich jetzt gegen die Vergeltungsmaßnahme der Iraner. Allerdings gibt es zumindest einige wenige westliche Stimmen, die auch erkennen, dass hier einiges schiefläuft: „Aus Bündnistreue zu den USA setzte Großbritannien Anfang Juli einen iranischen Tanker fest – und manövrierte sich so in eine Lage, die völlig seinen Zielen widerspricht… Vieles spricht dafür, dass die Briten ihre Gibraltar-Marineaktion vor zwei Wochen gegen den iranischen Supertanker Grace 1 mittlerweile bereuen.“ Schreibt immerhin das Wochenblatt „die Zeit“ [2].

Neben diesem inzwischen langweilig gewordenen Propagandagetöse der Westlichen Welt bei allen ihren Verbrechen, gegen die „Kleinen“ wird übersehen, wie sehr die restliche Welt auf den Iran schaut. Ja, es gibt neben der Westlichen Welt auch eine restliche Welt, und die ist letztendlich viel größer und vor allem viel jünger als die Westliche Welt. Nicht nur jeder Muslim ist darüber glücklich, wie der kleine Iran es den großen Briten heimgezahlt hat stellvertretend für alle Demütigungen und Verbrechen, die der Westen in der Welt begeht. Aber auch immer mehr nachdenke Bürger der Westlichen Welt selbst erkennen, dass wir schon lange nicht mehr „die Guten“ sind. So schreibt der Deutsche-Freidenker-Verband in seinem jüngsten Brief an die Bundesregierung: „Der Deutsche Freidenker-Verband verurteilt die Einseitigkeit der Stellungnahme der Bundesregierung, abgegeben am heutigen 20.07.2019 durch den Sprecher des Auswärtigen Amtes, zur Festsetzung von Handelsschiffen im Golf auf das Schärfste.“

Die Freiheit, den westlichen Verbrechen die Stirn zu bieten, hat auch seit der islamischen Revolution im Iran immer mehr Nachahmer gefunden, nicht nur unter Muslimen. Wenn den Türkei die Lieferung von Patriot-Abwehrraketen verwehrt wird, dann kaufen sie eben bei Russen. Und wenn die Türkei jetzt von der Entwicklung des neusten Nato-Kampfflugzeugs ausgeschlossen wird, dann kauft sie eben beim Russen. Der Westen kann über immer weniger Unterdrückte bestimmen.

Auch das von Westen dominierte Geldsystem wird nach und nach abgeworfen. Erst jüngst haben die Afrikaner ein eigenes neues Geldsystem beschlossen [3], während China und Russland diesen Weg schon lange gegangen sind, insbesondere im Handeln miteinander und mit dem Iran. Der neue venezolanische Möchtegern-West-Präsident ist genauso hilflos verhallt, trotz massiver Unterstützung aus dem Westen, wie die vom CIA gesponserten IS, ISIS und sonstigen Terroristen.

Die Macht des Westens schwindet von Tag zu Tag und das freut immer mehr unterdrückte Völker dieser Erde. Auch die neue Nazi-Karte, welche die West-Eliten gezogen haben, wird ihnen nicht helfen können. Deutschland tritt in dieser Westlichen Welt wie der drittbeste Verbündete des Verbrechersystems USA (nach Briten und Israel) auf und als größer Unterstützer aller Apartheid und Völkerrechtsverbrechen Israels. Wie das den Bürgern langfristig nützlich sein soll, ist ein Rätsel.

Es wird Zeit, dass Deutschland aufhört sein eigenes Potential in den Dienst von Verbrechersystemen zu stellen und anfängt, ein gerechter Akteur im Rahmen der Weltpolitik zu sein. Das aber ist nur dann möglich, wenn man sich auch einmal gegen das Unrecht stellt, z.B. gegen das Unrecht, das die Briten begangen haben, als sie ein iranisches Schiff kaperten. Wenn Bündnistreue bedeutet, dass man jedes Verbrechen mittragen muss, dann ist man offensichtlich die falschen Bündnisse eingegangen. Die Zukunft liegt in Bündnissen mit jungen aufstrebenden Bevölkerungen. So lange Deutschland seine Beziehungen zu Ländern wie der Türkei, dem Iran, den Irak und andere nicht auf Augenhöhe betreibt, sondern mit dem arroganten Westblick, wird sie zunehmend verlieren. Die Gewinnerstraße der Zukunft ist nicht mehr zu übersehen. Wohl dem, der auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit setzt.

[1] https://www.tagesanzeiger.ch/ausland/nah.../story/20305369
[2] https://www.zeit.de/politik/ausland/2019...atomabkommen-eu
[3] Die Verbrechen des Westens gegen Afrika am Beispiel Scheich Zakzakys und Nigerias

 

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