Am 27. Februar wurde in der iranischen Hauptstadt Teheran während der Endzeremonien zur Wahl der iranischen Büchermetropole, die Stadt Kaschan als vierte Bücherhauptstadt Irans vorgestellt. Das Projekt "iranische Bücherhauptstadt" beginnt dieses Jahr am 21. März , dem ersten Noruz-Tag. Es dient der Förderung des Bücherlesens.

Das Projekt "iranische Bücherhauptstadt" beginnt dieses Jahr am 21. März , dem ersten Noruz-Tag. Es dient der Förderung des Bücherlesens. 

Jedes Jahr wird im Rahmen des Projektes: iranische Büchermetropole"  eine Stadt mit diesem Titel geehrt. Dieses Projekt lehnt an das UN-Projekt "Weltstadt des Buches" an, doch wurde es hinsichtlich seiner Ausführung  den Grundlagen für kulturellen Aktivitäten im Iran angepasst. 

Die UNSESCO verleiht seit 2001  jedes Jahr einer Stadt, die sich für die Förderung des Buches und das Bücherlesen besonders eingesetzt hat, den Titel "Weltstadt des Buches."  Ihr Ziel ist die Durchführung von Kulturprogrammen auf dem Gebiet des Buches und die Anregung zum Bücherlesen. Im Iran gibt es keinen Geldpreis für die ausgewählte Büchermetropole. Vielmehr soll jährlich eine  Anerkennung für das beste Projekt für Buch und Bücherlesen erfolgen. Weitere Ziele sind die  gesteigerte Zusammenarbeit und Beteiligung der verschiedenen staatlichen und nicht-staatlichen Einrichtungen auf diesem Sektor , Anziehung von privatem Investitionskapital, die Unterstützung neuer Ideen und Initiativen,  die Dezentralisierung von Kulturprojekten,  mehr kulturelle Gerechtigkeit sowie Förderung des Bücherlesens.

Im ersten Jahr des Wettbewerbs um den Titel "Büchermetropole des Landes" schnitt die südiranische Stadt Ahwaz  am besten  ab, weil sie neue Programminitiativen ergriff und effektiv die Möglichkeiten des Privatsektors und von Bürgerorganisationen, der Industrie und Sport- und Kulturzentren genutzt hatte. Die zweite Landesmetropole für das Buch war die Stadt Neyschabur im Nordosten Irans.  Sie hatte sich diesen Titel besonders durch die Herstellung von einer Koordination und Zusammenarbeit zwischen den staatlichen und nicht-staatlichen Einrichtungen in dieser Stadt hinsichtlich der Aktivitäten in Sachen Büchern verdient. Im vorhergehenden iranischen Jahr wurde daraufhin die Stadt Busher am Persischen Golf zur  Büchermetropole erkoren.  Busher hatte 32 innovative Projekte durchgeführt und den folgenden Satz zum Leitspruch gewählt: "Die Wege zur Freiheit kosten viel, das Buch aber ist eine Ausnahme."

                      

Nun steht das vierte Jahr  für die Durchführung des Projektes Büchermetropole des Landes  vor der Tür. Von den 10 Städten die in die engere Wahl kamen, wurde am 27. Februar auf einer Zeremonie die Stadt Kaschan der Provinz Isfahan  für den Titel ausgewählt. Außerdem wurde  noch den Städten Mahabad in West-Aserbaidschan, Sadra in der Provinz Fars, Dezful in Chuzistan und Yazd, die Zentrale der gleichnamigen Provinz, Anerkennung ausgesprochen. 

Von den 20 Dörfern die in die engere Auswahl dieses Festivals gelangten, kam  das Dorf Falhiyan in der Provinz Fars auf den ersten Platz der vierten Runde des Dorf- und Nomadenfestivals für Bücherfreunde zu stehen. Ihm folgten weitere Dörfer, die sich für die Verbreitung des Bücherlesens eingesetzt haben, zwei davon in Nord-Chorasan  und eines in der Provinz Razawi-Chorasan, beides  Nordost-Iran,  ein Dorf in der südlichen Provinz Kohgiluyeh wa Buyer Ahmad,  zwei in der Provinz Fars, eines in der zentral gelegenen Provinz Yazd, eines in der nordiranischen Provinz Mazanderan , ein weiteres in der westiranischen Provinz Hamadan und noch ein Dorf in der südiranischen Provinz Chuzistan.   

Poster für die Wahl der vierten Büchermetropole Irans (rechts) und das Dorf- und Nomadenfestival für Bücherfreunde (links) 

 

Wir sollten ihnen nun die vierte iranische Büchermetropole näher vorstellen.

Kaschan ist einer der wichtigsten Städte der Provinz Isfahan. Es liegt 1600 m über dem Meeresspiegel und 240 km südlich von Teheran und ist über Autobahnen und die Bahn  mit Teheran und Isfahan verbunden. Die Bevölkerung von Kaschan beträgt circa 400 Tausend.  Kaschan liegt am Westrand der Wüste Kawir  und ist seit eh und je für seine Lederwaren und Keramik, seine Kupfergefäße und natürlich seine Rosengärten und das Qamsar-Rosenwasser bekannt. Kaschan ist 7000 Jahre alt und ein wichtiges archäologisches Zentrum. Die meisten Historiker und bekannten Weltreisende haben diese Stadt das Tor zur Weltzivilisation genannt.

Die erste städtische Zivilisation in Zentraliran namens Sialk hat in Kaschan existiert,  3 km südwestlich von der heutigen Stadt. Die fast 7000 Jahre alte archäologische Anlage von Sialk liegt im Kaschaner Bezirk Fin. 

 

 

Das Kunsthandwerk und die Gründung von modernen Industriewerken parallel zur sozialen Entwicklung haben eine wichtige Rolle für den Fortschritt in Kaschan gespielt.  Die Stadt konnte sich in den letzten Jahrhunderten besonders dank des  Handels mit handgeknüpften Teppichen wirtschaftlich weiter entwickeln.  Ein wichtiger Grund für die menschliche Ansiedlung und Weiterentwicklung in diesem Gebiet ist die Fin-Quelle in 2 km Entfernung von Kaschan . 

Man hat Münzgeld aus der achämenidischen Zeit (vor Christus) gefunden  und in Niasar, Choramdascht und Natanz Feuertempel entdeckt . Die Historiker verweisen auf archäologische Gebiete wie Niasar und Nusch Abad  und auf  eine Siedlung aus der vorislamischen Zeit der Sassaniden, namens Saroyeh , in der Nähe von Kaschan. Alles deutet darauf hin, dass es schon vor mehreren Tausend Jahren in  Kaschan eine Zivilisation gab.

In der Islamischen Zivilisationsära spielte Kaschan auch eine wichtige Rolle und diese Stadt war für ihre Töpferei und  das Metallhandwerk sehr bekannt.  Mit Beginn des 5. Jahrhunderts nach der Hidschra (10. Jahrhundert nach Christus) und der Machtergreifung der Seldschuken gewann Kaschan immer mehr an Bedeutung. Einige Kaschaner,  die sich in den Dienst der Seldschuken-Regierung stellten, wurden berühmt. Der Historiker Rawandi schreibt:  "Die Mehrheit der Minister und Hofschreiber und Buchhalter der Regierung stammten aus Kaschan." 

Unter den Seldschuken erreichten Kunst und Wissenschaft einen Höhepunkt und Kaschan war ein wichtiges Zentrum für Gelehrsamkeit und Literatur. In dieser Zeit wuchs die Stadt und es wurden viele öffentliche Gebäude errichtet, wie Moscheen, Madrasa (theologische Schulen) Chaneqah (Darwischstätten) Daral- Schafa`- Spitäler - und Büchereien. 

                             

 Kaschan hat im 7. Jahrhundert nach der Hidschra - 13. Jahrhundert nach Christus,  bei dem verheerenden Angriff der Mongolen großen Schaden erlitten. Ein Teil der Stadt wurde völlig zerstört und ausgeplündert.  Doch die Stadt lebte bald wieder wegen ihrer Werkstätten und ihre Teppich- und Stoffwebereien und ihrem Töpferwerk  auf. Es wurden neue Gebäude errichtet und der Bazaar wurde vergrößert. Als im 10. Jahrhundert der  Hidschra (16. Jahrhundert nach Christus) die schiitische Dynastie der Saffawiden die Macht übernahm, begrüßten die Kaschaner, welche überzeugte Schiiten waren, dieses Ereignis.  Das Handwerk und die Web- und Knüpfkunst von Kaschan  blühte auf. Kaschan stellte die schönsten Seiden-,  Baumwoll- und Samtstoffe  und die besten Woll- und Seidenteppiche her. Der französische Forschungsreisende Jean Chardin schreibt:  "Dem  Wohlstand und Leben  der Bevölkerung von Kaschan liegen die Textindustrie und das Weben von Seidenstoffen und die Herstellung von Brokatexemplaren mit Silber und Goldfäden zugrunde." 

handgeknüpfter Teppich aus Kaschan

 

Unter den Qadscharen, deren Herrschaft Ende des 18. Jahrhunderts begann, erlebte Kaschan ruhige Zeiten. Die Stadt entwickelte sich aber weiter.  Ihr Name ist jedoch auch auf eine andere Art mit der Qadscharenzeit verknüpft, und zwar erinnert er  an den bekannten iranischen Kanzler eines mächtigen Qadscharenkönigs, namens Amir Kabir. Amir Kabir war eine einmalige Persönlichkeit in der iranischen Geschichte. Er setzte sich mit großer Liebe für die Unabhängigkeit  und Erstarkung Irans ein und führte Reformen durch.  In seiner etwa dreijährigen Kanzlerzeit war er um Anhebung des kulturellen Niveaus und Regelung der Wirtschaft  und um ein sauberes Klima in der Politik sowie größere Gerechtigkeit und Beseitigung der Armut und Mangel an Bildung bemüht . Doch der Qadscharenkönig Naser ad-din  Schah ließ ihn schließlich  am 10. Januar 1852 im Fin-Badehaus von Kaschan töten. 

Es gibt mindestens 19 gut erhaltene historische Gebäude in Kaschan.  Diese sind typisch für den traditionellen Baustil von Kaschan, aber besonders groß und kunstvoll gestaltet. Bekannt ist zum Beispiel das Haus der Brudjerdi und das Haus der Tabatabia sowie der Abbassiyan, die Agha Bozorg Moschee und Madrasa und die Imam-Madrasa.  Sie gelten als architektonische Meisterwerke  Irans und sind ein Anziehungspunkt für Touristen aus dem In- und Ausland. 

(historische Gebäude in Kaschan: 

 

Kaschan ist die Wiege der Zivilisation und alten iranischen Kultur und trägt den Namen "Haus der Gläubigen" (Dara-l Muminin).  Aus dieser Stadt sind viele bekannte Persönlichkeiten der Wissenschaft und Literatur hervorgegangen.  Es ist ein beliebtes Reiseziel. Eine der Traditionen Kaschans, die viele Reiselustige im Frühling nach Kaschan kommen lassen,  ist die Gewinnung von Rosenwasser.

Übrigens hat Kaschan drei Schwesternstädte,nämlich Umeå in Schweden,   Kasanlak in Bulgarien und Sabzewar im Nordosten Irans. 

 

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Mar 06, 2018 07:53 Europe/Berlin
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