• Iranische  Erfahrungen auf dem Gebiet der Energieeinsparung

Der Energiebedarf der Menschheit ist groß und es ist ein alter Wunsch der Menschen an eine Energiequelle zu gelangen, die nicht versiegt. Darüber haben schon unsere Vorfahren vor Hunderten von Jahren nachgedacht.   Wir wollen in einer mehrteiligen Sendung die Erfahrungen und Erfolge im Iran auf  dem Gebiet der Energieeinsparung und  einer nachhaltigen Entwicklung betrachten.

Genügend Energie zu einem angemessenen Preis ist für die moderne Zivilisationen wie das Blut für den Körper und deshalb haben die Preisschwenkungen auf dem Ölmarkt und für andere fossile Energieträger die Staaten in Besorgnis versetzt.  Die internationale Energieagentur gab bekannt, dass der Energiebedarf bis 2030 um 50 Prozent ansteigen wird und die Welt nur noch für 4 Jahrzehnte lang Erdöl haben wird, wenn der heute übliche Verbrauch an diesem Energieträger anhält.  Die Länder müssten diese Zeit dafür nutzen eine langfristige geeignete Lösung für das Energieproblem zu finden.

Ein Blick auf die Menge des Energieverbrauchs weltweit zeigt, dass ein großer Prozentsatz dieser Energie - ungefähr 48 Prozent, in Gebäuden verbraucht werden.  Der Mensch verbringt circa 70 Prozent seines Lebens in Gebäuden und verbraucht in dieser Zeit eine große Menge an Energie.  Deshalb besteht eine Lösung zur Reduktion des Energiekonsums in  Bauwerken und weniger Verbrauch von Energieressourcen darin,  in den Bau  von Gebäuden mit weniger Energiebedarf zu investieren.

Die Suche nach Lösung für eine Senkung des Energieverbrauches in Bauwerken wurde 1970 aufgenommen  und man hat entsprechend neue Projekte entworfen und nach Baumaterial gesucht, welches Energie sparen hilft.  

Gemäß Untersuchungen verbraucht der Mensch im jetzigen Jahrhundert täglich durchschnittlich 60-mal so viel wie im Zeitalter der Landwirtschaft  und 6-mal so viel wie er in den 50iger Jahren des 20. Jahrhundert verbraucht hat.  Der Anteil am zunehmenden Energieverbrauch ist besonders in den Städten und in Gebäuden groß und hat Gefahren für die ganze Erde heraufbeschwört, wie die Erwärmung unseres Planeten, die Zerstörung der Ozonschicht und saurer Regen.  Andererseits hat sich der Mensch, ob zu Hause oder auf der Arbeit, an die Schaffung von Erleichterungen und Bequemlichkeiten gewöhnt und ist von den mechanisierten Systemen und deshalb von einem uneingeschränkten Energieverbrauch abhängig geworden.

                      

 

 

Trotz aller Anstrengungen steckt der Mensch heute hinsichtlich der Energieeinsparung in einer Situation, die noch nie so kritisch gewesen ist. Daher ist nachhaltiges Bauen, welches eine bessere Energienutzung und Beachtung der Umwelt mit einschließt heute eines der  dringendsten  Anliegen für viele Staaten.

Der Gebäude- und Städtebau kann in Wahrheit an jedem Ort der Welt sowohl zur Verheerung als auch zur Verbesserung der Umweltbedingungen auf der Erde führen.  Es ist also eine der wichtigsten Pflichten von Architekten und Planern ein nachhaltiges Bauen anzustreben.

                       

Die Bauindustrie hat einen entscheidenden Einfluss  auf die Umwelt, denn es werden in großem Umfang Ressourcen der Erde und Rohmaterial und Energie eingesetzt und es entstehen große Mengen an Bauschutt. Diese Industrie verbraucht fossile und erneuerbare Energien und hat einen erheblichen Anteil an der Produktion von Treibhausgasen und anderen festen und gasförmigen Reststoffen. Parallel zu der Zunahme der umweltzerstörenden Faktoren, ist die Verbrauchsmenge an Energie in Bauwerken ebenso gestiegen.  In gleichem Maße hat die Bedeutung der Messung der benötigten Energie für Bauten und der Produktion von Baumaterial zugenommen. In vielen Ländern bestimmt die Bauindustrie 25 bis 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs für sich. Studien zeigen, dass der Energieverbrauch von Gebäuden - während ihrer Nutzungszeit in einer Zeitspanne von 50 Jahren -  80 bis 90 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs eines Gebäudes ausmacht. 

Die Beachtung, Messung, und Kontrolle der Verbrauchsmenge an Energie auf der Welt sind aus zweierlei Hinsicht wichtig:

Auf der einen Seite  wird auf diese Weise der Verbrauch von fossiler Energie und dadurch die  Produktion von Kohlendioxid  vermindert und die Erwärmung der Erde verlangsamt und auf der anderen Seite  kann es allen Generationen zur Pflicht gemacht werden,  den Energieverbrauch zu senken insbesondere im Bereich fossiler Energien. Durch Schutz knapper Energiequellen der Erde kann sichergestellt werden, dass die kommenden Generationen diese Ressourcen nutzen können.

                               Musik

Im Iran haben die geografischen und klimatischen Bedingungen jahrhundertelang dazu beigetragen, dass die Bevölkerung sparsam mit der Nutzung von Energien wie Sonne und Wind umging.  Der traditionelle Städtebau Irans insbesondere nahe der Kawir, der Wüste, führte dank der Beachtung von bestimmten Regeln und der Nutzung geeigneten Baumaterials aus der Umgebung effektiv zu einer Energieeinsparung.

 

Das Klima spielt in der iranischen Bauweise eine wichtige Rolle.  Die traditionellen Gebäude werden dem zumeist ariden und heißen Klima  durch die Verwendung geeigneten Baumaterials  und einer entsprechenden Architektur angepasst um die Einwohner vor Kälte und Wärme zu schützen.  Diese Gebäude haben mächtige und hohe Wände um einen Wärmeverlust zu verhindern. Gleichzeitig werfen diese Hausmauern einen wohltuenden Schatten auf die anliegenden Straßen und Gassen. Charakteristisch für diese Gebäude ist auch die Nutzung von dem in der Umgebung vorhandenen Baumaterial.

 

Die Stadt Yazd blickt auf eine lange Vergangenheit zurück.  Sie liegt zentral auf der iranischen Hochebene  und dort überschneiden sich wichtige Verbindungsstrecken des Landes. Die Natur ist hart und das Klima relativ trocken. Aus diesen Bedingungen der Umwelt ging eine fleißige bescheidene Bevölkerung hervor, die für ihre Friedfertigkeit bekannt ist.  Diese Menschen haben es verstanden aus dem Gebirge unterirdisch Wasser auf ihre Felder zu leiten. Mit Hilfe dieses Wassers fertigten sie Rohziegel an und errichteten mit diesen ihre Häuser und so  entstand die historische Stadt Yazd am Rande der Wüste. Diese Stadt wurde mit ihren Rohziegelbauten auf  einer Fläche von 900 Hektar als die Stadt der Windtürme und die Stadt der Wasserspeicher berühmt.  Yazd ist schon sehr alt und liegt in einer heißen Halbwüste, aber diese Stadt hat man geschickt so gebaut, dass man auch in einem heißen Sommer am Tag das Haus verlassen kann,  denn die Hausmauern spenden  kühlen Schatten und  in den  Saabaat – den überdachten Gassen, weht eine kühle Brise.  

                   

Yazd - die Stadt der Windtürme

 

Das Einsparen von Energie beim Bau und der Nutzung der Gebäude in dieser Stadt liefert ein gutes Modell zur Begegnung mit der heutigen Energiekrise.  Yazd ist ein lebendiges Paradebeispiel für Lehm-Architektur. Im Juli 2016 wurde die Altstadt Yazd auf der 41. Sitzung der Unesco  im polnischen Krakau  in die Liste für das Weltkulturerbe aufgenommen. 

Yazd ist im Ausland  wegen seiner gut überlegten und naturfreundlichen Architektur als  nachhaltige Stadt im Gespräch. Charakteristisch für den Gebäudebau in Yazd sind Windtürme, unterirdische Wasserkanäle (Qanat) und die Verwendung von  thermisch isolierfähigem Baumaterial, welches es vor Ort gibt, -  wie Rohziegel und Kahgel (eine Mischung aus Lehm und Stroh).  Diese Bautechnik in Yazd leistet einen erheblichen Beitrag zur nachhaltigen Energie.  Die nachhaltige Energie wird auch durch  weitere Aspekte wie einen Innenhof und ein tiefergelegene Gärtchen mit Pflanzen die wenig Wasser brauchen und der Umwelt angepasst sind begünstigt. 

182 Länder sind Mitglied in der Stiftung Energy Globe deren Leiter, der Österreicher  Wolfgang Neumann vor kurzem im Iran war. Mit Hinweis darauf, dass Yazd als Metropole für Energienachhaltigkeit auf der Welt vorgestellt werden kann, sagte er: „Yazd hat schon vor vielen Jahren in Bezug auf die Umwelt die Gestalt einer nachhaltigen Stadt angenommen.“ Der Leiter von Energy Globe sagte: „Ich bedauere es, nicht  in den vergangenen 35 Jahren nach Yazd gekommen zu sein und dass ich bislang nichts von diesen Erfahrungen, die man der Welt vorstellen kann, wusste.“ Er fuhr fort: „Wir müssen uns anschauen, wie sich die Menschen vor mehreren Jahrhunderten, als die Stadt Yazd als ökologisch nachhaltige Stadt  entstand, an ihre Umwelt angepasst haben und wie hier diese friedliche Co-Existenz zwischen Menschen und Natur und zwischen den verschiedenen Religionen zustande gekommen ist,  und zwar selbst in Zeiten, in denen anderswo auf der Welt Kriege  im Gange waren..  Dies ist eine wichtige Frage und alle auf der Welt müssen diese schönen bedeutenden Merkmale kennenlernen.“

             

 

                       Yazd, die Stadt der Windtürme

 

Im nächsten Programm werden wie die wichtigsten Merkmale der Architektur von Yazd, nämlich die Windtürme der Gebäude  und ihre Rolle für die Energieeinsparung betrachten.

 

 

 

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Jul 23, 2018 21:04 Europe/Berlin
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