Feb 21, 2019 04:13 Europe/Berlin
  • Die erfolgreichsten iranischen Filme  des  37. Fadschr-Film-Festivals   

Das größte iranische Kinoereignis ist das Fadschr-Film-Festival.  Die Preisträger der diesjährigen 37. Festivalrunde für den iranischen Film wurden am Jubiläumstag des Revolutionssieges - dem 22. Bahman (11. Februar) auf der Abschlusszeremonie von der Jury vorgestellt. Wir werfen gleich einen Blick auf die erfolgreichsten Filme dieses Festivals.                            

 

 

Ebrahim Darughehzadeh- der Geschäftsführer der 37. Runde des Fadschr-Film-Festivals sagte auf den Abschlussfeiern des Festivals im laufenden  iranischen Sonnenjahr,  dem Jahr 1397 welches am 20. März zu Ende geht, habe das iranische Kino die meisten Zuschauer seit zwanzig Jahren  und daher auch die größten Kasseneinnahmen zu verzeichnen gehabt.  Es verdiene Beachtung dass das Publikum die Vielfalt im iranischen Kinofilm begrüßt. Er sagte, dass in diesem iranischen Sonnenjahr 1397 (21.3. 2018 bis 20.3.2019) 100 neue Kinosäle im Land eingerichtet wurden.

Darughehzadeh fuhr fort: „Iranische Filmwerke, ob Kurzfilme, Dokumentationen oder Spielfilme, haben weiterhin Erfolg bei internationalen Ereignissen zu verzeichnen,  und trotz der ungerechten Sanktionen der Feinde Irans ist die Kinoindustrie in Produktion und Vertrieb aktiv gewesen und gewachsen.“

Der Festivalgeschäftsführer  verwies auf den Abwechslungsreichtum der Filme, die an dem Festival teilgenommen haben. Diese Vielfalt betreffe  sowohl die Filmgattung als auch Drehorte und vor allen Dingen die Beachtung von vorrangigen Themen und nationalen Interessen. Er meinte, dies habe  zur weitgehenden Zufriedenheit von Publikum und Kritikern geführt und zeige, dass das iranische Kino trotz der Versuche des Feindes, Resignation unter den Künstlern zu schüren,  würdig und verstärkt darum bemüht war, anlässlich des 40-Jahres-Jubiläums der Revolution gute wenn nicht noch bessere Filme vorzustellen.

In einer Erklärung der Jury der 37. Runde des Fadschr-Film-Festivals wurden auf die Stärken  der Filme in dieser Runde hingewiesen. Als positiv bewertet wurden die beachtenswerte technische und industrielle Weiterentwicklung im  iranischen Kino, die Vielfalt der Filmgattungen, der Akzentuierung und des Stils, die Bemühungen der Filmemacher  um Hervorholen verborgener Aspekte der Zeit des auferlegten 8-jährigen Verteidigungskrieges und der Geschichte der letzten 100 Jahre und das richtige Gespür der Filmemacher für den Zeitgeist und die aktuellen Erfordernisse.

Der Film „23 Personen“ (23 Nafar)  des Regisseurs Mehdi Dschafari erhielt die Auszeichnung für den besten Film aus nationaler Sicht. Dieser Film gibt die Geschichte einer Gruppe junger iranischer Kämpfer wieder, die zu Beginn der irakischen Invasion in die Gefangenschaft der Armee des Diktators Saddam geraten.  Die Jugendlichen in dieser Gruppe sind höchstens 17 Jahre alt.  Die meisten von ihnen gehören zu dem Tharullah –Heer aus Kerman. Saddam Husain, der von dieser Gruppe erfährt versucht nach seinem Scheitern in Khorramschahr  agitatorisch die Situation auszunutzen und befiehlt, dass diese Jugendlichen von den anderen iranischen Kriegsgefangenen getrennt werden und man sie in seinen Regierungspalast holt.

 

Bei diesem Treffen zeigt sich  der Diktator Saddam nach außen hin betroffen, dass diese Gefangenen noch so jung sind und angeblich gezwungen wurden, an die Front zu kommen. Er sagt seiner kleinen Tochter Hala, dass sie jedem Jugendlichen einen Blumenzweig überreichen soll, macht Erinnerungsfotos mit ihnen und verspricht, dass sie bald mit Einverständnis des Internationalen Roten Kreuzes in den Iran zurückgebracht werden.

Die irakische Presse veröffentlicht daraufhin Videos und Bilder von dem Treffen. Aber die 23 Jugendlichen sind mit all dem nicht einverstanden und beginnen einen Hungerstreik, damit man sie zu den anderen Gefangenen zurückbringt.  Es passiert so einiges, bis man schließlich auf ihre Forderung eingeht.  Letztendlich kehren sie erst 1990,  zwei Jahre nach Kriegsende, aus der Gefangenschaft zurück. 

Es sind schon auf der Grundlage der Erinnerungen von Kriegsgefangenen und von Dokumenten eine ganze Reihe von Büchern geschrieben. „23 Personen“ ist die Verfilmung eines solchen Buches mit dem Titel „ Jene 23 Personen“. Dieses beruht auf  den Erinnerungen von Ahmad Yusufzadeh. Der Regisseur hat Schauspieler eingesetzt, die noch keine Kameraerfahrung haben und gerade das steuert zur Anziehungskraft und Glaubwürdigkeit des Filmes bei.  Es gibt keinen konkreten Einzelheld in diesem Film, sondern alle dreiundzwanzig jungen Kriegsgefangenen sind die Helden der Geschichte.

 

 die authentischen ehemaligen Kriegsgefangenen, und deren jugendlichen  Darsteller im Film "23 Personen" 

 

Ein anderer Film glänzte zweifelsohne besonders auf der Abschlusszeremonie des 37. Fadschr-Filmfestivals dieses Jahres. Es ist ein Film von der Regisseurin Narges Abyar. Der Titel lautet: „Die Nacht in der es  Vollmond wurde“. (schabi keh mah kamel schod). Dieser Film kandidierte in 13 Abteilungen für den ersten Preis und erhielt schließlich 6 mal den Simorgh - die Trophäe dieses Festivals - und zwar für die beste Hauptdarstellerin und den besten Hauptdarsteller, die beste Schauspielerin in einer Nebenrolle, die beste Regie und die beste Filmproduktion. Außerdem wurde der Film dieser Regisseurin  mit dem Preis für das beste Maskenbildnis und   Kostümbild ausgezeichnet.

Die Geschichte dieses Filmes ist wahr und sehr aufregend:

Abdul Hamid verliebt sich im Teheraner Bazar in Faizeh, die Tochter einer seiner Kundinnen.  Letztere  hat unter großen Mühen als Alleinstehende ihre beiden Kinder – Faizeh und Schahab groß gezogen und ist nicht einverstanden mit der Heirat. Doch Faizeh setzt sich durch und heiratet schließlich Abdulhamid.  Nach der Heirat wird  der jungen Frau nach und nach  klar, welche Probleme es bei der  Familie von Abdulhamid gibt. Diese Familie ist, ob gewollt oder ungewollt, in Gesetzesverstöße verstrickt: darunter Schmuggelgeschäfte und das Tragen und die Aufbewahrung von Waffen und ähnliches.  Um ihre eigene Familie vor Gefahren zu schützen, fasst Faiseh schließlich den Entschluss ihre Heimat zu verlassen und in Europa zu leben und trifft Vorkehrungen um mit ihrem Bruder einen Asylantrag zu stellen. Zu diesem Zweck macht sie sich , obwohl die Mutter dagegen ist, mit ihrem Bruder auf den Weg nach Pakistan. Dort beginnt dann ein neues Abenteuer für sie.

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Mit ihrem Film „ Die Nacht, in der es Vollmond wurde“ hat sich die Regisseurin Narges Abyar eine besondere Position  unter den iranischen Filmemacherinnen verschafft. Sie hat sich nämlich einem Thema zugewandt, über  das kaum eine Regisseurin im Iran gewillt ist einen Film zu drehen, nämlich das Thema Terrorismus.  Abyar hat ihrem spannenden Film eine wahre Geschichte über die takfiristische Terrorgruppe Dschundullah im Südosten Irans zugrunde gelegt. Diese Terrorgruppe ist von der wahhabitischen Dschihad-Ideologie überzeugt, die sich gegen die Schiiten richtet.  Ethnischer Stolz und  Hass motiviert sie zu Terroranschlägen und grausamen Verbrechen in der iranischen Provinz Sistan wa Balutschistan und sorgt dort für Aufruhr.  Frau Abyar ist dieses Militär- und Sicherheitsthema   aus der Sicht einer Frau angegangen, die ungewollt in Kontakt mit dieser Terrorgruppe kommt.  Diese Regisseurin hat Faiseh, die ahnungslos in die Familie des Anführers dieser Gruppe, Abdul Malik Rigi heiratet, zur Hauptperson gewählt  um aus deren Sicht  die Grausamkeit der Gebrüder Rigi und ihrer gefährlichen Ideologie darzustellen.  Trotzdem geht sie bei der Darstellung der Familie von Rigi, insbesondere von Abdul Hamid Rigi, dem Ehemann Faisehs und seiner Mutter  sehr menschlich und feinfühlig vor.

Der Film „Schabi keh mah kamel schod“ zeigt nicht nur die Fähigkeiten von Narges Abyar für die Regie eines Filmes und Schaffung militärischer Szenen  sondern zeugt auch für die technischen  Möglichkeiten des iranischen Kinos bei der kostspieligen und umfassenden  Rekonstruktion  historischer Ereignisse.

Narges Abyari erhielt den Preis für den besten Film und die beste Regie für ihr Werk "Die Nacht, in der es Vollmond wurde"

 

Wie in ihren vorhergehenden Filmen, zum Beispiel in dem Film über eine Mutter, die auf ihren im Krieg verschollenen Sohn wartet,  schildert Narges Abyar auch in diesem Film das Schicksal einer besonderen Gruppe von Frauen im Iran.  Der Film beginnt romantisch und ruhig  und zunächst wird der Zuschauer mit der Geografie und den Bräuchen der Balutschen vertraut, unter denen das gemeinsame Leben von Faiseh und Abdulhamid beginnt. 

Abdulmalik Rigi  und seine abwegige Gruppe Dschundollah ,die angeblich zur Verteidigung der Rechte der iranischen Balutschen Terroranschläge verübt, erscheint erst blass im Hintergrund der Filmgeschichte Abyars. Doch allmählich überschattet seine Gestalt die Liebe des jungen Paares und angesichts der Untaten dieser fanatischen Gruppe beginnen  die  Grundlagen der Ehe Faizehs mit Abdulhamid immer mehr zu zerbröckeln. 

 

Bis zur letzten Sekunde ist Abyar in ihrem Film bemüht den Kontrast zarter menschlicher Gefühle und Liebe zu einer Umgebung voller Gewalt hervorzuheben. Der Film „Die Nacht an dem es Vollmond wurde“ ist übrigens der vierte Film von Narges Abyar. Sie hat erst vor circa 6 Jahren  ihren ersten Film gedreht und war vorher jahrelang als Schriftstellerin tätig. Inzwischen ist sie, im Alter von weniger als 50 Jahren, als  tüchtige und versierte iranische Regisseurin bekannt.  Eine der besonders starken Seiten dieses Films ist die gute Darstellung durch die Akteure. Diese haben ihr Bestes getan.

 

Zu den wichtigsten Preisen des Fadschr-Filmfestivals gehört der „Kristallene Simorgh“ für den besten Film aus der Sicht des Publikums.  Die Zuschauer können nach jedem Film im Kino ihre Stimme abgeben. Der Favorit der Zuschauer war bei den diesjährigen Fadschr-Filmfestival ein Film von Said Rustai und dem Produzenten Seyyed Dschamal Sadatiyan. Dieser Film trägt den Titel  „6,5 per Meter“ (Metri Schisch o nim).

                

 

 

                       

 

 

Der Film „6,5 per Meter“ – handelt von einem Polizisten, der  den Anführer einer Drogenverteilerbande festnehmen will. Dieser Film  führt gelungen die Probleme und sozialen Folgen der Drogensucht vor Auge.  Es gibt erschütternde Szenen über das Leben der Drogenabhängigen und über die Problemsituation ihrer heranwachsenden Kinder, die Szenen aus einem Dokumentationsfilm gleichkommen.  Zwischen der ergreifenden Filmgeschichte werden  sehr dramatische Bilder von Süchtigen eingebaut. 

 

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