Mar 05, 2019 18:28 Europe/Berlin
  • Meybod - die Weltstadt des Zilu 

Der Zilu ist eines des ältestes Gewebe Irans, welches  in Wohnhäusern aber auch öffentlichen Bauwerken, insbesondere Moscheen und Pilgerstätten als Bodenbelag dient.  Vor kurzem wurde das iranische Kunsthandwerk des Zilu-Webens als Weltkulturerbe  und die Stadt Meybod als Weltstadt des Zilu anerkannt.

  

In der Stadt  Meybod wurde vor circa einer Woche das Zilu-Festival gefeiert.  Zu den Feierlichkeiten gehörten unter anderem die Bildung einer Menschenkette um  ein 400 qm großes Zilumuster im historischen Narin Schloss der Stadt, die feierliche Vorstellung eines Buches, welches die Oxford-Universität über Meybod herausgegeben hat und die Enthüllung des neu gestalteten Zilu-Platzes.

 

An den Feierlichkeiten nahm auch Frau Ghada Haijavi , die Leiterin der Abteilung Asien und Ozeanien des Weltrates für Kunsthandwerk teil. Sie sagte in ihrer Ansprache, dass die Iraner auf der Welt als Behüter des einheimischen Kulturerbes bekannt sind und bat die Einwohner von Meybad, dass sie wie in der Vergangenheit das Zilu-Weben weiterpflegen sollten.   

 

 

Das Knüpfen und Weben von Bodenbelag ist ein altes Handwerk Irans und der Zilu gehört zu den ersten  handgemachten Bodenbelägen, nachdem man sich vorher mit Tierhäuten und Fellen beholfen hatte. 

Von der Struktur her ähnelt der Zilu einer Matte aus Pflanzenmaterial. Möglicherweise ist der Zilu überhaupt eine Weiterentwicklung des Mattenflechten. In der Geschichte steht weniger über den Zilu geschrieben, wenn ja,  höchstens im Zusammenhang mit Moscheengebäuden, ohne jedoch das Datum und den Ort der Anfertigung zu kennzeichnen. In den ersten Jahrhunderten der Islamischen Ära  war die Anfertigung des Zilus und seine  Verwendung in religiösen Stätten im Iran jedenfalls weit im Lande verbreitet. Das deutet darauf hin, dass schon lange vor der Islamischen Ära das Zilu-Weben  gang und gäbe gewesen sein muss.

Früher wurden in den meisten Gebieten Irans wo Baumwolle angebaut wurde, auch Zilus angefertigt. Am beliebtesten und besten war der Zilu aus der Provinz Yazd. Aber auch die Zilus von Tabriz müssen von guter Qulität gewesen sein, denn wir  lesen in der Geschichte von Yazd im Zusammenhang mit dem Bau der Freitagsmoschee in dieser Stadt, dass Murtaza Adham Amir Schamseddin von Tabriz aus für das Maqsurah (einem getrennten Bereich im Gebetssaal für den Herrscher) Zilus geschickt hat.

Zilu

 

Die eigentliche Heimat des Zilu-Webens in Yazd  ist Schahrestan-e Meybod, insbesondere Bashnighan.  Der Verwaltungsbezirk Schahrestan-e Meybod umfasst 845 Quadratkilometer. Schon vor Jahrhunderten war Meybod für seine Webkunst bekannt. In der Geschichte heißt es, dass 495 nach der Hidschra (1102 nach Christus) einer der Persönlichkeiten von Meybod namens Chatir ul Mulk- der Wezir des Sulan Mohammad Ibn Malekschan – seines Amtes enthoben worden war und seine Rivalen in einem Spottgedicht die Absetzung eines Webers bejubelten.

Es ist noch nicht so lange her, dass  Meybod eine geschlossene, landwirtschaftlich autarke Gesellschaft bildete und die Bevölkerung fast alle ihren , wenn auch bescheidenen Bedarf, selber deckte; sogar die Männerbekleidung, welche von den einheimischen Frauen aus festem Baumwollstoff angefertigt wurde.  Als Teppich und Bodenbelag benutzten die Bürger von Meybod  ihre selbst gewebten Zilus. Zu der Zeit war der Zilu in ganz Iran beliebt und in den meisten Moscheen und Pilgerstätten  wurde der Boden mit Zilus aus Meybod ausgelegt. Jedenfalls lässt sich aus der Geschichte schließen, dass dieses Handwerk in Meybod auf eine lange Vergangenheit zurückblickt und in Meybod weiterentwickelt wurde.

                                 

Das Wort Zilu stammt wahrscheinlich von dem Persischen Wort Ziru ab, d.h. „etwas was untergelegt wird“ , mit anderen Worten: der Teppich auf dem man sitzt.  Wie die Geschichte dokumentiert ist die Zilu-Weberei schon früh  in den Städten der Provinz Fars, in Chorasan und der Provinz Aserbaidschan und in Umgebung der großen Wüste (Kawir) üblich gewesen. Aber dieses Handwerk war ganz besonders in der Gegend von Yazd und davon speziell in der Stadt Meybod verbreitet und die Zilus aus dieser Gegend waren für ihre ausgezeichnete Qualität bekannt.

 

Hinsichtlich der Anfertigung und sogar des Musters ähnelt der Zilu wie gesagt den ersten handgemachten Bodenbelägen des Menschen, nämlich den Flechtmatten. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die Anfertigung von Zilus eine Weiterentwicklung des Mattenflechten ist oder zumindest vom Mattenflechten inspiriert wurde. Die Kunsthandwerker von Meybod haben mit der Zeit mehr Vielfalt in die Musterung der Zilus eingebracht und die Webtechnik verfeinert.  Die Muster sind in der Regel geometrisch angelegt und die Weber fertigen sie meist ohne Mustervorlage aus dem Gedächtnis heraus an. Zilus sind höchstens dreifarbig und es werden natürliche Farben angewendet , wie Rot aus Färberkrapp,  Blau  aus Indigo-haltigen Pflanzen  und  Braun aus Walnussschalen. Diese Farben sind sehr beständig gegenüber dem grellen Sonnenlicht in der Wüstengegend.

In den Moscheen und an anderen religiösen Stätten werden vor allen Dingen die blau-weißen Zilus benutzt. Rotblaue Zilus sind gut für Zuhause – sie werden „Dschuhari“ genannt. Eine andere Art gilt als die beste, nämlich der Naftal-Zilu. Er ist  grün und rot.

Bis vor einiger Zeit zählten die meisten,  unter anderem auch Teppichexperten, den Zilu  zu den  Gelims. Zwar ist der Zilu auch ein Webteppich wie der Gelim,  aber Zilu und Gelim  unterscheiden sich in verschiedenen Punkten, sowohl hinsichtlich des verwendeten Materials als auch der Webtechnik. Die Webtechnik für den Zilu ist komplizierter als bei den meisten anderen Geweben. Der Zilu passt zu dem Leben der Bauern und Gelim zu dem Leben von Viehzüchtern und Nomaden. Beim Zilu sind sowohl die Schuss- als auch die Kettfäden aus Baumwolle und bei dem Gelim dient vor allen Dinge Tierwolle als Rohmaterial. Daher ist der Gelim für die kalten Gebiete und der Zilu für wärmere Regionen geeignet.  

Das Zilu-Museum in Meybod zeigt eine Kollektion von alten Zilus aus den Moscheen der Stadt . Es liegt östlich  der alten Karawanserei der Stadt und ist das einzige Zilu-Museum im Iran und auf der Welt.

                

 

Die historischen Zilus im Meyboder Zilu-Museum wurden von Freunden des Kulturerbes und dem Generalbüro für Kulturerbe der Provinz Yazd gesammelt. Die Museumsausstellung umfasst 55 der kostbarsten Zilus, geordnet nach alten und modernen Zilus. Der älteste Zilu in diesem Museum ist ein Zilu aus der Freitagsmoschee von Meybod. Es ist sogar das Datum darauf vermerkt, nämlich 808 nach der Hidsdchra , d.h. 1405 nach Christus.  Er wurde angefertigt von  einem Weber namens Ali Beydi ibn Hadschi Meybodi,  ist in den Farben Blau, Weiß und Rot gehalten und weist eine besondere Webtechnik  auf. Das Design ist ein Mehrabi-(Gebetsnischen) Motiv.

Die Zilu-Webkunst der Stadt Meybod wurde als geistiges Kulturerbe in  die Liste nationaler Werke Irans aufgenommen. Dieses Kunsthandwerk wurde von der Jury des Weltrates für Kunsthandwerk, die seitens der  UNESCO und der Asean-Organisation für die Unterstützung von Kunsthandwerk AHPADA (Association of South East Asian Nations (ASEAN) Handicraft Promotion and Development Association ) tagte, mit der Note A bewertet.

 

Vor zwei Jahren ist die Antragsakte für den Zilu zur nationalen Registrierung bei der Behörde für das iranische Kulturerbe eingereicht worden. Es wurden zugleich die ersten Schritte für eine internationale Registrierung dieses Kunsthandwerkes in die Wege geleitet.  Im Gefolge des Antrags auf Anfertigung einer Akte für die internationale Eintragung des Zilus von Meybod, kamen einige Gutachter Asiens und Ozeaniens in den Verwaltungsbezirk Meybod  und besichtigten mehrere Zilu-Webstuben und das Zilu-Museum in Meybod. Ihr Bericht  wurde von der Leitung der Abteilung Asien und Ozeanien des Weltrates für Kunsthandwerk anerkannt und zwecks endgültiger Abstimmung beim Weltrat für Kunsthandwerk in England eingereicht. Dieser akzeptierte die internationale Eintragung.

Der Zilu aus Meybod und Umgebung hat auch in anderen Ländern seine Freunde und wird nach  Russland, Mittelasien, Irak, Türkei, Georgien, aber auch  in die USA, nach Italien, England und Deutschland ausgeführt.  In den Anrainerstaaten des Persischen Golfes wie die Vereinten Arabischen Emirate, Kuwait und Katar gibt es ebenfalls Zilu-Käufer.  

 

              

Zilu-Museum

 

Ein wichtiger Punkt in der  Akte zur internationalen Registrierung des Zilus war die Anfertigungs- und Verkaufsmenge von Zilus und ihre Bedeutung für das Wirtschaftsleben der Stadt Meybod. In dem Verwaltungsbezirk Schahrestan-e Meybod sind an die 200 große und kleine Zilu -Webstätten tätig und circa 500 Personen arbeiten in diesem Bereich. Dazu kommt, dass man in den vielen Dörfern, Ortschaften und Städten im Iran, insbesondere in der Nähe der Wüste, gerne die  Zilus aus Meybod benutzt.

 

Ein Kenner der Zilu-Webkunst aus der Provinz Yazd, der zur Wiederbelebung dieses Kunsthandwerks beigetragen hat, erklärt, dass die Zilu-Webstuben in Meybod  einen regelrechten Bestandteil der Wohnhäuser bilden und die meisten Mitglieder der Familie mit in die Zilu-Anfertigung eingebunden sind. 

 

Kurzum:  Der handgewebte Zilu ist originell und seit eh und je  eng verknüpft mit dem Leben , der Wirtschaft, der Religion und Kultur der Bevölkerung von Meybod und deshalb verdient diese Stadt auch den Namen „Weltstadt des Zilu“. 

 

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