Apr 02, 2019 04:31 Europe/Berlin
  • Noruz- im Reisetagebuch (2)

Auch heute erfahren Sie über weitere  Eindrücke die Weltreisende vom Noruzfest aus dem Iran nach Hause mitgenommen haben.

 

           

Noruz-Festtafel an der UNO

 

Wir sagten im ersten Teil, dass das alte iranische Noruzfest bei Iranreisenden auf Interesse gestoßen ist und einige von ihnen ihre Erlebnisse zum Noruzfest schriftlich festgehalten haben. Wir haben aus zwei Reisetagebüchern zitiert, in denen ein amerikanischer Iranist und ein japanischer Diplomat  über die Noruzbräuche geschrieben haben.  Sie waren um 1900 in Iran. Das heutige Noruz-Reisetagebuch ist schon älter. Es handelt von dem deutschen Carsten Niebuhr, ein Kartograph und Mathematiker. Er war der einzige Europäer, der sich zur Zeit von Karim Khan den Iran im 18. Jahrhundert angesehen hat.  Niebuhr hat ähnlich wie andere europäische Weltreisende, so  der Franzose Jean Chardin und der Deutsche Engelbert Kämpfer, die in der Safawidenzeit im Iran  waren, die achämenidische Palastanlage bei Shiras (Persepolis) besichtigt. Niebuhr war jedoch der erste,  der eingehende Studien an dieser Palastanlage durchführte. Er hat neben der Persepolis (im Iran als Tachte Dschamschid bekannt)  auch Schiras und  Bisutun  im westiranischen  Kermanshah besichtigt und 1762 eine sehr präzise Karte vom Persischen Golf  angelegt.

Carsten Niebuhr trug als erster die Inseln Tonb Bezorg, Tonb-Kutschek und Abu Musa in die geografischen Karten und als zugehörig zu Iran ein. In Bushehr kam er ans Festland.  Statt die übliche Verbindungsstraße zu nutzen, reiste er über lange Nebenwege nach  Schiras und von dort aus zur Persepolis. Dort fertigte er Zeichnungen von den Denkmälern und Felsreliefs an und kehrte nach Bushehr zurück,  um Iran über die Insel Chark zu verlassen.

Carsten Niebuhr lebte bei den Bewohnern eines Dorfes in der Nähe der Persepolis  und er hat in seinem Reiesetagbuch  seine Beobachtungen vom Alltag der iranischen Bevölkerung der damaligen Zeit festgehalten. Über Noruz schrieb er:

„Das Noruz der Iraner ist wie das Neujahr  in der antiken Ära... Am 21. März zogen sich die Dorfbewohner besser als sonst an  und sie legten die Arbeit nieder. Das einzige Zeichen dafür, dass an diesem Tag ein Festtag war, bestand darin, dass  sie sich besser anzogen und nicht arbeiteten. Es war nämlich noch der (Fasten-)Monat Ramadan. Sie durften den ganzen Tag über nichts essen. Das holten sie allerdings abends nach, aber in aller Stille und sehr ruhig. Und am 22. März wurde (in der Nacht) der (Neu)Mond gesichtet, und am nächsten Tag hat man dann das Fitr-Fest (am Ende des Ramadans) gefeiert. Aber auch das Fitr-Fest wurde sehr ruhig begangen.

Während drei der Neujahrsfesttage kamen sehr viele Bauern mit ihren Frauen und Mädchen auf Eseln oder zu Fuß von den Dörfern in der Umgebung zur Tachte-Dschamschid ( Persepolis). Vielleicht wollten sie auf  der Tachte Dschamschid spaziergehen  oder vielleicht wollten sie auch den Fremden sehen, der nach hierher gekommen war.“

So schreibt Niebuhr im 18. Jahrhundert in sein Reisetagebuch.

                                 

Im Jahre 1925 ist Akio Kazama als Botschafter Japans im Iran gewesen. Er war  ungefähr 3 Jahre lang in unserem Lande. Kazama  begeisterte sich für die iranische Kultur,  hat sich über die Geschichte Iran informiert und löblich über die iranische Kunst ausgesprochen. Kazama  liebte die Farsi-Literatur, insbesondere die Dichtung von Hafis, Khayyam und Firdausi. Er hielt überall wo er im Iran hinkam seine Eindrücke in Form von Notizen fest.  Zurückgekehrt in seine Heimat veröffentlichte er seine Erinnerungen.  Sein Reisetagebuch ist lesenswert und macht uns mit den Ansichten und Gesichtspunkten eines Politikers und Akademikers über Iran vertraut.

Kazama hat während seines Aufenthaltes im Iran die verschiedensten Städte und Stätten besichtigt und  in seinem Reisebericht auch über deren Geschichte geschrieben.  In Isfahan hat er sich zum Beispiel den Ali Qapu –Palast angeschaut. Er beschreibt  detailliert dieses historische Bauwerk und fügt hinzu, dass der Safawidenkönig Schah Abbas hier das Noruzfest begrüßt und sich das (Pferde)Polo – diese alte Sportart aus der iranischen Antike – in der Landessprache Tschugan genannt -  angeschaut hat. 

Kazama weist an mehreren Stellen in seinem Reisetagebuch aus Iran auf das Noruzfest der Iraner hin. Wir bringen einen Ausschnitt:

           

„Die Betriebsamkeit und das Leben zu den Festtagen und das Straßentheater lassen (uns Japaner) in der Regel zum Artillerie-Platz kommen.  Insbesondere zum iranischen Neujahrsfest in der Tag-und-Nachtgleiche im Frühling und zum Opferfest (während der Hadschzeit)  kleidet sich jeder in der Stadt neu und festlich. Jung und Alt, Mann und Frau kommen aus dem Haus (um einen Spaziergang oder Festbesuch zu machen).

Der iranische Kalender richtet sich nach dem Sonnenjahr. Dieses beginnt zusammen mit dem Frühling und endet zusammen mit dem Winter. In diesem Kalender gibt es kein Durcheinander oder Fehler mit der Jahreszeit, wie man sie in anderen Ländern antrifft. Das neue iranische Jahr beginnt im März nach europäischer Zeitrechnung, wenn die Vögel zu singen und viele Blumen, von jeder Sorte,  zu blühen anfangen.

Zu Noruz, lädt der iranische König am Abend des 21. März, des ersten Farwardins im neuen Jahr, alle ausländischen, in Teheran ansässigen Delegierten zu einem prächtigen Empfang im Palast ein. Zu Beginn des neuen iranischen Jahres, welches sich Noruz nennt, ziehen alle Menschen in der Stadt und auf dem Dorf neue Kleidung an und feiern fröhlich.  Der Schah lädt alle inländischen Politiker und Befehlshaber und inländische und ausländische Positionsträger am Noruzmorgen in seinen Palast zu den Begrüßungszeremonien ein.  Der Brauch des Salame-Noruz – der Noruz-Begrüßung - ist aus der iranischen Antike erhalten geblieben. Der Schah reicht jedem Amtsträger und allen Persönlichkeiten die Hand und überreicht persönlich jedem von ihnen eine neu geprägte goldene Festmünze. Ich habe auch eine Goldmünze, auf der das Porträt von Resa Schah abgebildet war, erhalten.“  

 

 

1808 ist James Justinian Morier aus England als Sekretär des britischen Botschafters  Sir Harford Jones in den Iran gekommen. Morier blieb fast 6 Jahre lang. In seinem Buch über den Iran war er nach eigenen Aussagen bestrebt, seine Erlebnisse aus dieser Zeit, die mit der Herrschaft der Qadscharendynastie zusammenfällt, leicht verständlich zu beschreiben und neue Aspekte, die andere nicht bemerkt oder nicht erwähnt hatten, zu schildern.

In seinem Reisetagebuch schildert Morier  das Noruz und Noruzfest wie folgt:

 

„Der Morgen des  21. (März – sprich erster Farwardin)  wurde mit drei Kanonenkugeln zu Ehren des Anbruches des neuen Jahres gefeiert. Noruz ist eines der alten Feste der Iraner.  Richardson sagt: `Die wichtigsten Feste der Iraner sind die, die zu den Zeitpunkten der  Tag- und Nachtgleiche gefeiert werden, außerdem das Wasserfest im Sommer und das Feuerfest im Winter. Das erste Fest im Jahr wird Noruz genannt  und zu Beginn des neuen Jahres im Monat März begangen. Es dauert sechs Tage und anscheinend feiern alle Bevölkerungsgruppen  dieses Fest mit. Die Wohlhabenden schicken den Bedürftigen Spenden und alle kleiden sich neu,  und ihre Häuser stehen offen für verschiedene Gruppen - religiöse, Musik- und Tanzgruppen. Es gibt eine Art von Theaterspielen,  ländliche Sportarten und weitere gemeinsame  Unterhaltung. Auch die  Toten werden nicht vergessen ebensowenig wie einige Sinnlosigkeiten:  Sie stellen Speisen auf die Dächer ihrer Häuser und hohe Türme, weil sie glauben, dass die Seelen der Helden und ihrer Freunde sich davon nehmen.`“ Morier , der im 19. Jahrhundert einige Jahre im Iran war schreibt weiter, nachdem er den Orientalisten Richardson aus dem 18. Jahrhundert zitiert hat:  „Das Noruzfest beginnt genau   in dem Moment , wo die Sonne in das Sternbild des Widders tritt. Dieses Fest dauert drei Tage.  Der Noruzbeginn ist zugleich der Beginn des Frühlings in der Natur.  Dieses Fest ist wie in der Zeit von Chardin (der in der Safawidenzeit den Iran bereist hat) eines der größten Feste der Iraner. Ich habe in Teheran erlebt, mit welcher großen Freude dieses Fest gefeiert wird. Man feiert dort kürzer und ohne irgendwelche religiösen Bräuche. Es gibt keine religiösen Gruppen oder gelobte Speisen, die sie für die Toten hinstellen. Aber die Bürger eilen am  Morgen zu einander, umarmen sich und sagen Eydet mubarak –„Herzlichen Glückwunsch zu deinem Fest“ , so wie wir in England unseren Freunden zu Weihnachten  gratulieren. Nach wie vor schicken die wohlhabenden Bürger den Armen Spenden. Alle ziehen neue Sachen an und es sind verschiedene Arten von Sport in diesen Tagen üblich.“

 

In einem anderen Teil seines Iranberichtes schildert Morier die Geschenke des Quadscharenkönigs an seine Familie und die Vornehmen am Königshof und berichtet: „Es sind kostbare Geschenke, die der Schah am Noruz-Tag verteilt. Jedem der Persönlichkeiten an seinem Königshof schickt er eine „Chal`at“

 ( eine Festrobe aus Brokatstoff mit einem Schalgürtel)  und manchmal auch ein mit  schönem Sattel und Zaumzeug geschmücktes Pferd.  Außerdem verteilt er aus  seiner allgemeinen  Schatzkammer  an seine Verwandten   handvollweise Geld.  Neben ihm steht in Reichweite eine große Schüssel voller Münzen vermengt mit Gold und Silber. Er taucht seine Hand in die Schüssel und nimmt sich an Münzen heraus, was hineinpasst und schüttete es dem auf die ausgestreckte Hand dessen, der ihm einen Dienst geleistet und seine Gunst erworben hatte.“

Dann erwähnt Morier noch den 4. Farwardin, an dem der Schah der Elite eine Audienz gestattete und berichtet über die Geschenke die die Stadtgouverneure und Prinzen für diesen Tagen für den Schah besorgt hatten und ihm im Rahmen einer feierlichen Zeremonie überreichten. Morier hat in seinen  Iran-Erinnerungen dann auch ausführlich die Vergnügungen am Königshof anlässlich des Noruzfestes geschildert.

 

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