Syrien ist als Heimat der Zivilisationen bekannt und syrische Städte wie Damaskus gehören zu den ältesten auf der Welt. Aber Krieg und die Präsenz von IS-Terroristen und ihre verheerenden Aktivitäten rauben der kommenden Generation dieses Landes für immer ihre Kulturschätze.

Im Gefolge der verschärften Angriffe von Terrorgruppen auf historische Städte und Zerstörung und Entwendung von Weltkulturerbes, insbesondere im Irak und Syrien,  fand unter Teilnahme von Vertretern von 40 Ländern  eine zweitägige Konferenz  zum Thema Schutz des bedrohten menschlichen Erbes statt. Irina Bokova, Generaldirektorin der UNESCO, sagte bei Eröffnung dieser Konferenz in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Staaten: „Die Zerstörung und Auslöschung historischer Denkmäler ist in der zeitgenössischen Menschheitsgeschichte noch nie so schlimm gewesen wie jetzt  in Irak und Syrien. Frau Bokova bezeichnete die Verheerungen von Weltkulturerbe als ein Kriegsverbrechen und als Kulturelle Säuberung. Die Völkergemeinschaft müsse, so forderte sie, diesen Zerstörungsprozess stoppen.

 

Irina Bokova

Als Ziel der Konferenz in Abu Dhabi wurde die Bildung eines Hilfsfonds von 100 Millionen Dollar und  eines internationalen Netzwerkes für die  Aufbewahrung von bedrohten historischen Denkmälern an einem sicheren Ort genannt.  Der französische Staatspräsident François Hollande erklärte die Gründung des Hilfsfonds für notwendig und steuerte 30 Millionen Dollar bei. Auch andere Länder wie die Emirate am Persischen Golf und China versprachen  Einzahlungen in diesen Fonds, der im Schweizer Genf eingerichtet werden soll. 

Neben den scheinbar gut gemeinten  Erklärungen, das Kulturerbe schützen zu sollen, sind jedoch Besorgnisse hinsichtlich der Gründung eines Netzwerkes von sicheren Aufbewahrungsgebieten aufgekommen.  Es fragt sich zum Beispiel, ob die Kulturschätze, die dort vorübergehend aufbewahrt werden sollen, denn vor der Zerstörung oder vor der Entwendung bewahrt bleiben werden. Vor allen Dingen fragt es sich, wie sie denn wieder in ihr Ursprungsland zurückgelangen.

Aus den Reihen der Konferenzteilnehmer hieß es, dass die Verlagerung von Kulturschätzen wegen des  Prinzips der nationalen Souveränität nur dann erlaubt ist, wenn der  Besitzerstaat dies selber beantragt.  Gemäß diesem Plan wird dann der betreffende Kulturschatz erst an einen sicheren Ort im Inland gebracht. Die nächste Alternative ist der Transfer in ein Nachbarland oder schließlich in ein Drittland. 

 

Plünderung von syrischen Antiquitäten durch Al Kaida und die IS-Terroristen

Will man jedoch realistisch bleiben, so klingt dieser Entwurf doch  mehr nach einer schönen Parole  und in Wahrheit wird wahrscheinlich etwas anderes passieren.  Gerade Europa, welches sich  für den Schutz des syrischen Kulturerbes ausspricht, ist nämlich  eines der Zielländer  für gestohlene antike Gegenstände und die europäischen und amerikanischen Kollektionäre sind bereits im Besitz von Antiquitäten, die aus Syrien entwendet  wurden.

Vor kurzem brachte der russische Sender Russia Today einen Bericht darüber, dass die IS-Terrorgruppe ein neues Kapitel für den Verkauf von geraubten antiken Kulturgut aus Syrien eröffnet hat.  Diese Terrorgruppe kennt die Kollektionsinhaber in Europa und den USA und verkauft über die Türkei die gestohlenen Gegenstände an sie.  Ein großer Teil der gestohlenen Kostbarkeiten wurden  vorher im Internet  an ausländische Abnehmer verkauft. 

Die IS-Terroristen versteigern antike Gegenstände aus Syrien in Europa  

Yaha Fanusie,  Leiter der syrischen  Behörde für die Untersuchung von Finanzsanktionen, sagt: Die IS-Mitglieder sind durch den Verkauf von antiken Gegenständen aus Syrien an große finanzielle Ressourcen gelangt. Die Antiquitäten und Gegenstände unter der Erde sind für sie zu einem großen strategischen Einkommensquelle geworden.“ Dieser syrische Verantwortliche sagte zu Russia Today:  „Die IS-Terrorgruppe hat zweifelsohne mächtige Mittelsmänner für den Verkauf der antiken Gegenstände.  Die Antiquitäten, die sie aus der Stadt Tadmor ungehindert stehlen, verkaufen sie über die Türkei an amerikanische und europäische Kollektionäre.“

Die IS-Terrorgruppe  hat zurzeit mehr als 4 Tausend antike Denkmäler in Syrien unter ihrer Kontrolle und verdient jährlich  Millionen Dollar an der Ausplünderung historischer Stätten.  Russischen Rechercheure haben zuvor erklärt, dass diese Terroristen mehr als 200 Millionen Dollar an dem Verkauf von kostbaren Kunstgegenständen aus Tadmor verdient haben.  Unter den antiken Gegenständen, die auf dem Schwarzen Markt von den Terroristen angeboten werden, befinden sich Gegenstände, die mehr als 8 Tausend Jahre alt sind. Sie wurden von den antiken Anlagen in den syrischen Provinzen Homs (Tadmor), Idlib  und Aleppo  gestohlen.

Auktion in Europa für antike Gegenstände aus Syrien 

Gemäß Sachverständigen wurden gleich zu Beginn  der Syrienkrise im Jahre 2011 bereits tausende antike Kostbarkeiten von verschiedenen Gruppen aus Suren herausgeschmuggelt und auf dem Schwarzen Markt verkauft. Gemäß diesen Quellen  ging es dabei darum, einen Teil der Unkosten für den Krieg gegen die syrische Regierung zu bestreiten und außerdem wollten sich die Anführer dieser Gruppen bereichern.  Eine große Zahl der Befehlshaber der sogenannten freien Syrischen Armee waren  bald Millionäre  und erwarben Prachtvillen  in Spanien, Deutschland, England und den USA.  

                             

In den vergangenen Wochen beschlagnahmte die Schweizer Staatsanwaltschaft eine Anzahl von antiken Gegenständen, die die Terroristen aus der historischen Stadt Tadmor über Katar geschmuggelt hatten. Die in England erscheinende Zeitung „Guardian“ berichtete darüber und schrieb, dass diese antiken Gegenstände in Zollfreilagern in Genf gelagert wurden, für die keine Kontrolle besteht. Guardian weiter: „Zu  den entdeckten Antiquitäten gehörten ein Denkmalkopf, eine  Krone und zwei Tafeln  sowie  fünf antike Gegenstände aus Jemen und Libyen. Die Schweizer Generalstaatsanwaltschaft gab bekannt, dass diese Gegenstände solange im Genfer Museum für Kunst und Geschichte aufbewahrt werden, bis das Urteil über die Zurücksendung in die Herkunftsländer herausgegeben wurde. 

Entdeckung von geschmuggelten antiken Denkmälern aus Irak und Syrien 

Vor circa zweieinhalb Jahren, als die Terrorangriffe auf Irak und Syrien tobten, haben einige Teilnehmer auf einer UNESCO-Sitzung zum Thema „Antikes Erbe Iraks“  davor gewarnt, dass die IS-Terroristen zur Deckung ihrer Ausgaben antike Gegenstände aus Irak auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Einige Beobachter sprechen von unterirdischen Tunneln, die  die Terroristen für den Schmuggel von  gestohlenen Antiquitäten nach Asien oder Europa an den Grenzen angelegt haben.

   Was Syrien anbelangt, so hat der Generaldirektor der Museen für antike Denkmäler dieses Landes bekannt gegeben, dass ein Teil der historischen Denkmäler zum Schutz vor Plünderung durch Terroristen an einen sicheren Ort gebracht wurden. Mamun Abdul Karim versicherte dem Daily Telegraph gegenüber, dass die sichergestellten Kulturgüter bei erneuter Gefährdung innerhalb 24 Stunden an einen sicheren Ort in Beirut, Libanon,  verlagert werden können. 

Mamun Abdul Karim, Generaldirektor der syrischen Museen für antike Denkmäler 

Die Tatsache,  dass das zionistische Regime bei der Plünderung von syrischen Kulturschätzen die Hand im Spiel hat, verwundert nicht. Syrien hat bei der UNESCO eine Beschwerde gegen dieses Regime wegen illegalen Ausgrabungen in B`ir Adscham eingereicht.  B`ir Adscham ist ein Dorf  in Quneitra, einer Provinz im Südwesten Syriens und  liegt  in dem Teil der Golan-Höhen, der nicht von Israel besetzt wurde. Daraufhin forderte die UN-Organisation eine Erklärung von dem zionistischen Besatzerregimes.  Gemäß dem Haager Abkommen aus dem Jahre 1954 über den Schutz von Kulturerbe im Falle von bewaffneten Konflikten,  sind die Konfliktparteien  zur Zusammenarbeit  beim Schutz des Kulturgutes verpflichtet.  Das zionistische Regime ist nicht berechtigt,  syrisches Kulturerbe auszugraben und an sich zu reißen. 

syrisches Kulturerbe in einem deutschen Museum 
Der Wert von historischen Denkmälern, die auf illegalen Wegen in die Museen von London, USA, Tel Aviv und andere Länder gelangten, wird auf mehr als 2 Milliarden Dollar geschätzt.

Gemäß Schätzungen beträgt der Wert der antiken Gegenstände aus Syrien,  die auf illegalem Wege in Museen in London, den USA, Tel Aviv und andere Länder gebracht wurden, mehr als 2 Milliarden Dollar.

Übrigens hat der Louvre in Frankreich vorgeschlagen, dass die historischen Weltkulturschätze, die in den Kriegsgebieten in Syrien und Irak verblieben sind, in einem Sicherheitslager im Norden Frankreichs aufbewahrt werden sollen. Auch schlug Staatspräsident  François Hollande die Aufbewahrung von gefährdetem Kulturerbe in Frankreich vor, und zwar in einem Schatzzentrum in Lyon.

Es ist interessant, dass ein beträchtlicher Teil von den  Tausenden  von wertvollen Stücken des Weltkulturerbes, welcher der Louvre in Paris  aufbewahrt, aus  historischen und antiken Denkmälern Irans besteht. Mindestens 2500 dieser Kostbarkeiten wurden im Iran geplündert.  Einige davon sind so voluminös, dass sie mit einem großen Lastwagen herangefahren werden mussten. Es fragt sich, wie diese schweren Gegenstände aus dem Iran nach Frankreich gebracht wurden. Aus einigen Berichten geht hervor, dass sie über den Irak nach Paris gelangten.  Die meisten Kulturgüter wurden unter der Herrschaft der Qadscharen, insbesondere unter den Qadscharenherrschern Nasereddin Schah und Muzafereddin Schah aus dem Land gebracht.

Und nun schlägt der französische Staatspräsident die Bewahrung  syrischer Denkmäler bis Ende des Krieges vor. Ist das wirklich so gut gemeint, wie es den Anschein hat? 

 

 antikes iranisches Denkmal im Louvre in der Abteilung "Persien"
Dec 18, 2016 07:01 Europe/Berlin
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