Willkommen zu einer neuen Folge aus der Beitragsreihe „Iranische Dörfer, ihre Wunder und Attraktionen“. Wir hoffen, dass Sie seit unserer letzten Sendung eine schöne Zeit hatten und wünschen Ihnen weitere gute Momente. In unserer heutigen Folge wollen wir Ihnen das 2500 Jahre alte Dorf Tis am Golf von Oman vorstellen. Ein Dorf dessen historische Bauten die Wichtigkeit und die Geschichte dieser Ortschaft verraten. Bleiben Sie also dran.

Das Dorf Tis liegt 5 km nordwestlich der Hafenstadt Tschabahar. Es ist von hohen Bergen wie dem Schahbaz und Pilband sowie Lawri umgeben worden und der Fluß Lawri fließt auch durch die Ortschaft. Das Klima ist dort warm und trocken, im Frühling und Herbst ist es angemessen und angenehm, im Winter kühl und im Sommer sehr heiß. Die Bewohner von Tis sprechen Belutschisch; sie sind sunnitische Muslime. Laut letzten Statistiken, die 2006 erhoben wurden, leben 3873 Bewohner in dem Ort. 

Der Name Tis ist auch in Büchern, die über die Eroberungen von Alexander, dem Großen berichten, erwähnt worden. Auch in den Werken von Historikern und Geografen der islamischen Zeit wie Moqadassi (vom 10. Jh.) wurde diese Ortschaft als Hafen Teziya oder Tesi genannt. Diese Hafenstadt liegt im Süden Irans auf einer Schiffsroute und galt früher als Handelszentrum. Die historischen Bauten in diesem Dorf deuten auf die Jahre lange Geschichte dieser Ortschaft hin.

Tis war zur Zeit der Sassaniden ein Hafen der Provinz Mokran und die Seidenstraße führte durch den Ort.

Ende des 15. Jahrhunderts kamen die Portugiesen an den Persischen Golf und den Golf von Oman, um Teile Irans zu besetzen. Aber ein iranischer Führer der Region kämpfte gegen sie und es gelang ihm mehrmals die portugiesischen Truppen aus dem Hafen Tis zu vertreiben. Die Portugiesen haben in Tis eine Festung errichtet, deren Überreste immer noch dort zu sehen sind. 

Die meisten Bewohner von Tis sind Fischer, Landwirte, Viehzüchter und Arbeiter, wobei manche in den nahe gelegenen Städten tätig sind. Andere sind im Dienstleistungsgewerbe beschäftigt oder stellen Kunsthandwerke her. Zu den landwirtschaftlichen Produkten zählen Gemüse und Gerste. Aus der Viehzucht erhält man Milchprodukte. Da Tis am Golf von Oman liegt, sind viele der Männer mit dem Fischfang beschäftigt. Die Frauen und Mädchen beschäftigen sich mit Handarbeiten wie Stickereien, die den Familien auch wirtschaftlich weiterhelfen. Die Stickereiarbeiten dieser Gegend sind die besten die es in Belutschistan gibt. Matten-Knüpfung, Accessoires aus Muscheln und die Präparation von Unterwassertieren gehören zum Kunsthandwerkgewerbe dieser Gemeinde, wobei die erzeugten Produkte auch ins Ausland exportiert werden.

Das Dorf Tis ist gebirgig und hat eine dichte Struktur. Die Häuser wurden rund um die Moschee errichtet und der Ort ist von vielen Feldern und hohen Bäumen umgeben. Die meisten Wohnungen sind einstöckig mit einem flachen Dach und dünnen Lehmmauern.

Bei den alten Bauten wurden Steine, Lehm, Ziegel und Rohziegel verwendet, die neuen Gebäude aber werden aus Zement, Eisen und Ziegelblöcken errichtet.

Die Lage des Dorfes in der gebirgigen Landschaft sowie der Strand schaffen einen attraktiven Ausblick und machen diesen Ort noch anziehender. Der wundervolle Strand des Golfs von Oman mit seinen Vögeln gehören zu den einzigartigen Wundern von Tis.

Wie schon erwähnt, ist Tis eine Gegend mit sehr vielen historischen Bauten. Die Festung der Portugiesen liegt 500m über dem Meeresspiegel. Die Architektur dieser Zitadelle insbesondere die Zimmer und Terrassen sind der Karawanserei Schah-Abassi in Bisutun sehr ähnlich. Die Zimmer sind auf drei Seiten des Innenhofes angelegt. Die Burg wurde aus Ziegeln und Steinen gebaut. Sie hat auch ein 6,5 Meter hohes Minarett, das als Wachstelle diente und einen Blick auf die Mündung des Tis-Golfes freigibt. Der Stil dieses Minaretts und die Steinlegungen rundherum, gleichen der Bauweise der Seldschuken. Es sind dort Überreste von einer Zisterne aus Stein, Putz und Mörtel zu sehen. Beim Deckenbau wurden Holzstücke verwendet, die aus anderen Ortschaften dorthin gebracht wurden. 

Zu den historischen Bauten zählen noch die Burgen „Piruzgat“, „Belutschgat“, die Festung „Pilband“, sowie die Höhlen „Ban-Misti“, der antike Brunnen „Tis-Kuban“ und der Damm „Tis“.

Jeder dieser genannten Bauten ist eine Touristen-Attraktion. Der Berg Schahbaz-Band birgt viele Höhlen, eine davon ist natürlich und halbkreisförmig. Im Inneren der Höhle ist ein kleines Grabmal aus weißem Putz zu sehen.

Eine der künstlichen Höhlen liegt rund sieben Schritte entfernt und weist wunderschöne Eingravierungen auf. Sie ist sehr niedrig mit einer etwa 80 cm hohen kegelförmigen Öffnung.

Wie in anderen Städten und Dörfern Irans haben auch die Bewohner von Tis spezielle religiöse und nationale Feiern. Zum Opfer- und Fitr-Fest ziehen sich die Einwohner schön an, es wird gekocht und man besucht Verwandte und Nachbarn. Auch verrichtet man spezielle Gebete. Zum Jahrestag der Geburt von Prophet Muhammad (Friede sei mit Ihm) wird ebenfalls gefeiert und es werden fröhliche Lieder gesungen. Die traditionellen Hochzeitsfeiern zählen zu den interessanten Zeremonien dieser Ortschaft. Es gibt dort zwei Musikklänge namens „Likou“ und „Naznik“. Auch Verse aus den Büchern großer iranischer Dichter wie Hafez, Saadi und Khayyam werden mit einem einheimischen Akzent vorgetragen.

Zu den Sportarten, die in dieser Gemeinde betrieben werden, gehören Kamelreiten und Schwimmen.

Die Bewohner kleiden sich in Tis mit belutschischen Trachten. Die Männer tragen eine Kopfbedeckung, einen Schal, der um den Bauch gewickelt wird, eine weite Hose mit langem Hemd und eine Weste. Zur Kleidung der Frauen gehört ein Kleid, einer Kopfbedeckung, ein Schleier und weitere übliche Kleidungsstücke, die Frauen normalerweise tragen. Die Kleider sind dabei oft mit Stickereien verschönert.

Als Souvenirs und Mitbringsel kaufen die Touristen in Tis heimische Speisen und Gewürze, geknüpfte Matten sowie verschiedene Accessoires aus Muscheln. Um in die Gemeinde zu gelangen, fährt man über eine asphaltierte Strecke von Nikschahr Richtung Tschabahar-Kenarak.

Liebe Hörerfreunde, wir sind wieder einmal am Ende unserer Sendung angelangt. Ihnen eine schöne Woche, bis zum nächsten Mal, Gott schütze Sie!

Jan 15, 2017 11:54 CET
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