Wir sprachen über Fürbitte und Vermittlung im Jenseits – die Schafa`a.  Dieses Schafa`a bedeutet:  Jemand, der auf einer höheren Stufe steht, vermittelt für jemandem  mit einem niedrigeren Stand, der dies verdient. Wir möchten heute näher darüber sprechen, wer die Fürsprecher am Jüngsten Tag sind.                                  

 

Der erste und wichtigste Vermittler in allen Welten, der den Menschen hilft, ist Gott selber. Im Vers 44 der Sure Zumar (39)   heißt es: "Sprich: `Alle Fürsprache gehört Allah. Sein ist das Königreich der Himmel und der Erde. Und zu Ihm werdet ihr zurückgebracht.`"

 

Jegliche Fürsprache ist im Grunde Gott zu verdanken und gehört Ihm, denn Er räumt barmherzig  die Möglichkeit der Vermittlung durch Fürsprecher ein. Wie Sie wissen, hat  Gott von Beginn  der Schöpfung an Seine Großmütigkeit walten lassen. Ein Teil der Menschen hat diese Barmherzigkeit fasziniert und sie wurden gläubig und ein anderer Teil hat sie außer Acht gelassen und ist nicht gläubig geworden. 

Am Jüngsten Tag wird die unsägliche Großzügigkeit Gottes für diejenigen, die ihr im Leben Aufmerksamkeit geschenkt haben, zum Ausdruck kommen. Sie geht weit über die Großzügigkeit, die sie im Diesseits wahrgenommen haben, hinaus.  Imam Ali sagt: „Gott ist zu seinen Dienern barmherzig. Zu seinen großzügigen Gaben gehört, dass er 100 Arten der Barmherzigkeit erschaffen hat. Eine davon besteht darin, dass die Menschen miteinander Erbarmen haben und eine Mutter ihrem Kind Liebe erweist und weibliche Tiere barmherzig zu ihren Jungtieren sind. Wenn der Jüngste Tag angebrochen ist, wird Gott diese Barmherzigkeit um 99 Arten der Barmherzigkeit steigern und mit diesen dem Volke des Erhabenen Propheten des Islams (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) Barmherzigkeit erweisen…“ (Bihar ul Anwar, Band 8)

Für die Barmherzigkeit Gottes im Diesseits und im Jenseits gilt ein besonderes System. Aufgrund dieses Systems erweist Gott Seinen Dienern über  Seine Vermittler Barmherzigkeit und Gnade. Sein erster Vermittler ist das edelste Geschöpf Gottes. Und dieses edle Geschöpf ist niemand weniger als der Prophet Hadhrat-e Mohammad (S). Gott nennt ihn im Vers 107 der Sure Anbiya (21) eine Barmherzigkeit für alle Weltbewohner.  („Und Wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten.“) Außerdem steht im Vers 79 der Sure Isra (17) : 

  

„Und unterbrich (o Prophet)  deswegen (für die Lesung) in der Nacht deinen Schlaf - als zusätzliche Leistung für dich! Es mag sein, dass dich dein Herr (dafür) zu einem löblichen Rang erweckt.“

 

Sowohl die schiitischen als auch die sunnitischen Korankommentaren haben den Begriff „löblichen Rang“ in dieser Sure damit gedeutet, dass der Prophet der große Fürbitter ist. Das  arabische Wort „Mahmud“ kommt von „Hamd“ (Lob) d.h. der Prophet erreicht einen Rang, in dem er allen etwas nützt, so dass er von allen gelobt wird!

 

Alle Gottgesandten werden am Jüngsten Tag laut den Versen 26 bis 27 der Sure Anbiya (Sure 21) Fürsprecher sein. Dort steht: „Und sie sagten: `Der Allerbarmer hat Sich einen Sohn genommen.` Gepriesen sei Er! Nein, aber sie (die Engel, und Jesus) sind (nur) geehrte Diener ;"

„sie kommen Ihm beim Sprechen nicht zuvor, und sie handeln nur nach Seinem Befehl.“

„Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen ist, und sie legen keine Fürsprache ein außer für den, an dem Er Wohlgefallen hat, und sie zagen aus Furcht vor Ihm.“

 

Diese Stelle im Koran belegt die  Fürsprache durch Propheten und Engel. Es geht an dieser Stelle darum, dass die Götzenanbeter behaupteten, die Engel seien die Töchter Gottes während  die Juden und Christen sagen, Uzair bzw. Jesus seien die Söhne Gottes.  Aber Gott weist diese Behauptungen zurück und stellt klar, dass Engel und Propheten alle Diener Gottes sind. Gleichzeitig gibt er bekannt, dass sie für jemanden, mit dem Gott zufrieden ist, Fürsprache einlegen können.

Es gibt außerdem noch zahlreiche Überlieferungen darüber, dass die Propheten am Jüngsten Tag vermitteln können, zum Beispiel das folgende Prophetenwert:

„Die Propheten werden für alle, die aufrichtig sich zur Einheit Gottes bekennen, Fürsprache einlegen und sie vor dem Feuer der Hölle retten.“

Auch Religionsgelehrte werden am Jüngsten Tag Fürsprecher sein. In einer Überlieferung heißt es, dass Imam Sadiq (Friede sei ihm) - gesagt hat :

„Wenn der Jüngste Tag beginnt und ein Gelehrter und ein Gottesdiener vor Gott gebracht werden, wird man den Gottesdiener  ins Paradies führen, aber den Gelehrten zurückhalten. Es wird zu ihm gesagt:  `Bleib stehen,  damit du für die Menschen Fürsprache einlegst, weil du sie  gut erzogen und rechtgeleitet hast.`“ (in Ilal al Schara`i,  Band 2)

In den Chroniken wird von einer Frau berichtet, die zur Prophetentochter Hadhrat-e Fatima Zahra (Friede sei mit ihr) kam und sagte: `Ich habe eine alte Mutter, die  einige Fragen zum Ritualgebet hat. Sie schickt mich, damit ich euch darüber befrage und ihr eure Antwort mitteilt.“ Daraufhin legte sie die Fragen vor, und Hadhrat-e  Zahra beantwortete eine nach der anderen. Es waren 10 Fragen.  Die Frau schämte sich und sagte: „O Tochter des Propheten Gottes! Ich habe viele Fragen gestellt und es ist euch zuviel geworden.“

 

 Da sagte Hadhrat-e Zahra (F): „Fällt jemandem das Tragen einer  Last schwer, wenn er mit 100 Tausend Goldmünzen dafür belohnt wird, sie aufs Dach zu bringen?“  Die Frau verneinte.  Da sagte Hadhrate Fatima Zahra: „Für jede Frage, die ich beantworte, erhalte ich einen Lohn, der größer ist als das. Meinen Vater, den Propheten Gottes (S) habe ich sagen hören: `Am Jüngsten Tag werden den Gelehrten unserer Anhänger (Schiiten)  so viele Gewänder ausgehändigt, wie  sie um Erwerb von Wissen und die Rechtleitung der Diener Gottes bemüht waren.  Dann wird ein Ruf erschallen: `Gebt jedem von denen, die bei euch Wissen erworben haben  ein Gewand!` Da werden sie beginnen, die Gewänder zu verteilen.“ Dann fügte  Hadhrat-e Fatima (F)  hinzu: „Jedes dieser Gewänder wird aus Licht und abertausend Male besser sein als das, worauf die Sonne scheint.“

 

Im  Vers 86 der Sure Zuchruf (Sure 43) steht, dass diejenigen die die Wahrheit bezeugen, am Jüngsten Tag Fürsprecher sein können. Aber auch diejenigen, die  auf Gottes Wegen den Märtyrertod fanden  und ihr Leben für den Glauben hergaben, können am Jüngsten Tag Fürbitte einlegen. Der Prophet hat laut Al-Khisal gesagt:  „Drei Gruppen tragen Gott, dem Allmächtigen, am Jüngsten Tag Fürbitten vor und ihre Fürbitte wird anerkannt: die Propheten, dann die Gelehrten und dann die Märtyrer“

Die Möglichkeit der Fürbitte seitens der Märtyrer  ist umso größer,  je höher ihre Stufe der Gottesdienstbarkeit beim Märtyrertod gewesen ist. Es hängt davon ab, wie sehr sie sich der Führungsrolle des Propheten und der Edlen aus seinem Hause bewusst waren und diesen gefolgt sind. Zum Beispiel besitzen Hamza (der Onkel des Propheten) und Dschafar Tayyar und die Märtyrer von Karbala einen höheren Rang und daher können sie entsprechend auch mehr Fürsprache einlegen. Imam Ali (F) sagt über die Größe der Märtyrer:  „Gott  lässt die Märtyrer am Jüngsten Tag würdig und leuchtend eintreten. Und sollten die Propheten an ihnen vorbeikommen und auf dem Pferd sitzen, werden sie absteigen, um ihnen Achtung zu erweisen.“

 

Der Koran ist einer der wichtigsten Fürsprecher am Jüngsten Tag. Im Diesseits ist er ein Mittel zur Rechtleitung und im  Jenseits ein Mittel der Rettung.  Wer nach dem  Wohlgefallen Gottes, dem Herrn der Welten, und nach spiritueller Vollendung strebt, der soll den Koran befolgen. Denn dieses Himmelsbuch wird ihn im Leben den rettenden Weg führen und aus der Dunkelheit ins Licht leiten und es wird ihn am Jüngsten Tag vor der Strafe und der Hölle retten und ins Paradies Gottes bringen.

In einer Überlieferung von Imam Ali (F) heißt es: „Wisset, dass der Koran Fürsprecher ist und seine Fürsprache anerkannt wird. Er ist ein Sprecher, dessen Wort bestätigt wird. Demjenigen, für den der Koran am Jüngsten Tag  Fürsprache einlegt, wird verziehen und der, über den der Koran sich beklagt, wird verurteilt werden. (Nahdsch-ul Balagha, Predigt 176).

Hierzu hat auch der geehrte Prophet (S) gesagt: „Kein Fürsprecher, ob nun von den Propheten, oder den Engeln oder von anderen, ist vor Gott segensreicher  als der Koran.“

 

 

Jan 24, 2017 21:18 CET
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