Indem wir uns noch einmal die  Einheit Gottes und Seine Attribute vergegenwärtigen,  wollen wir heute darüber sprechen, welche Wirkung es hat, wenn der Mensch die Eigenschaften Gottes kennt.

 

Sie erinnern sich dass wir in einigen Teilen Beweise für die Existenz Gottes aufzeigten und danach die göttlichen Attribute beschrieben haben.  Eine der wichtigsten Eigenschaften Gottes ist Seine Einheit – das heißt es gibt nur Den Einen Gott. Dieses Tauhid ist der wichtigste Glaubensgrundsatz des Islams.

Tauhid basiert auf der festen Wahrheit, dass Gott der Schöpfer der Welt ist, dass er Einzig ist und keinen Teilhaber hat.  Das riesige Dasein und alle Erscheinungen auf der Welt wurden von seiner mächtigen Hand erschaffen und werden durch seine Macht  und Weisheit gelenkt.  Alle Geschöpfe brauchen Ihn, Er aber ist auf nichts und niemanden angewiesen. In der Daseinsordnung sehen wir eine wunderbare Harmonie herrschen.  Statt Chaos  herrscht eine einheitliche Ordnung und Planung in der Welt und dies lässt darauf schließen,  dass sie nur den  Einen Verwalter hat, der das Rad der Welt in Gang setzt und in Gang hält.  Würden statt des Einen Gottes zwei oder mehrere Götter die Welt verwalten, so käme es zu Unheil und chaotischen Zuständen. Denn jeder dieser Götter würde versuchen, in das Reich des anderen vorzudringen und so käme zu großen Unruhen. 

 

Die Daseinsordnung wurde von dem Einen Einzigen Gott aufgrund des Guten und der Barmherzigkeit aufgebaut und sie soll dazu dienen, den Geschöpfen zu der Vollendung, die ihnen gebührt, zu verhelfen.  Alle Geschöpfe bewegen sich auf ein bestimmtes Ziel zu und keines der Geschöpfe in der Schöpfung ist sinnlos.

 

Gemäß der Tauhid-Weltanschauung, ist nichts am falschen Platz erschaffen worden und hat alles seinen Sinn.  Gott hat die Daseinsordnung auf die bestmögliche Weise  hervorgebracht, so dass es in ihr keinerlei Mängel  und Störung gibt.

Imam Ali (gegrüßet sei er) sagt gemäß seiner Ansprache 90 im Nahdschul-Balagha dass Gott alle Geschöpfe entsprechend ihrer Kapazität mit bestimmten Maßen und nach einem konkreten System fest und solid erschaffen hat, so dass sie erhalten bleiben können. Gott hat jede Sache nach einem genauen Plan in der besten Form entworfen und dann hat er ihr eine Regelung und Kapazität mitgegeben und sie  auf die Bahn für die Erfüllung ihrer Aufgabe und ihres besonderen Zweckes gelenkt.  

Die Daseinsordnung ist also eine ausgewogene Summe von vielen Bestandteilen, die einem Zweck dient und den Geschöpfen Gottes auf die würdige Stufe, die ihnen zusteht, verhelfen soll.

 

Auch der Mensch wurde mit einem Ziel erschaffen  und ihm wurden die Fähigkeiten und Potentiale mitgegeben, die er braucht, um sich zu vervollkommnen.

Der Mensch wird von Gott gewürdigt und Gott hat ihn für das Amt Seines Statthalters auf Erden auserlesen.  Er nennt den Menschen das höchste Seiner Geschöpfe.  Der Mensch besitzt in der Schöpfung wegen dem hohen Platz, den er einnimmt, Vorzüge und kommt über die  anderen Geschöpfe zu stehen.  Er besitzt wie Pflanzen und Tiere Leben und weist wie sie Wachstum auf. Aber was ihn über die anderen Lebewesen und Geschöpfe stellt, sind seine höheren Wahrnehmungen, sein rationalen Kräfte und die Fähigkeit zu sprechen. Mit Hilfe des Verstandes kann der Mensch Phänomene analysieren und die Beziehungen zwischen ihnen feststellen. Dank seines Denkens kann er sich  die weite Welt dienstbar machen.  Denn Gott hat das, was sich im Himmel und auf Erden befindet, dem Menschen dienstbar gemacht, damit die Voraussetzungen für seine Weiterentwicklung bis zur Vollendung und zum Glück geschaffen sind: Es heißt im Vers 20 der Sure Luqman (Sure 31):

„Habt ihr denn nicht gesehen, dass Allah euch alles dienstbar gemacht hat, was in den Himmeln und was auf der Erde ist, und (dass Er) Seine Wohltaten reichlich über euch ergossen hat - in sichtbarer und unsichtbarer Weise?“

Und im Vers 56 der Sure Zariyyat ( Sure 51 )steht:  „Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen (sollen).“

 

Zweifelsohne müssen wir Gott kennen, wenn wir ihn anbeten.  Der Mensch kann nur an wahres Glück gelangen, wenn er Gott kennt und ihm dient.  Um das Ideal zu erreichen, muss der Mensch den Weg dorthin kennen. Gott hat diesen Weg durch seine Propheten gewiesen.

Gemäß Tauhid-Denken herrscht Gott über das Dasein und sieht alle Taten der Menschen.  Der Mensch muss einmal vor dem Allmächtigen, der die Welt lenkt, Rede und Antwort stehen.

Gemäß dieser Weltanschauung ist das Sein des Menschen nicht auf das weltliche Leben und seine Freuden oder auch Leiden beschränkt.  Aus der Sicht eines Gottgläubigen, ist das Diesseits keine Bleibe, sondern ein Durchgang. Es ist wie eine Stufenleiter zur Erreichung der gewünschten Vervollkommnung. Die Welt gilt in diesem Weltbild als Ort der Prüfung und der Anstrengung. An diesem Ort werden  die Aufrichtigkeit und die Würde der Menschen auf die Probe gestellt. 

 

Der Glaube an die Attribute Gottes wirkt sich positiv auf das Verhalten und die Art des Menschen aus. Jemand der Gott kennt und begriffen hat, dass der unbesiegbare Allmächtige  ihm hilft und er Ihm vertrauen kann,  wird von Ängsten befreit und erzielt wahre Zuversicht und innere Ruhe.

Er wird nicht bei einem Unglück verzagen und keine Angst vor Problemen und Hindernissen haben und mit einem festen Willen, der aus dem Glauben an Gott hervorgeht, weiterstreben.  Denn er weiß, dass jene gewaltige Macht, die alles Dasein hervorgebracht hat,  ihn schützt. Wer sich bewusst ist, dass er den Schutz Gottes, der alles weiß und alles sieht,  genießt, der fühlt sich nicht auf der Welt alleine gelassen. Der Mensch, der von Gott überzeugt ist,  blickt optimistisch auf die Schöpfungsordnung  und wird niemals resignieren.  Die Tauhidi-Sichtweise spendet ihm Hoffnung auf den Ursprung allen Seins und seine Liebe zu Gott spornt ihn zu konstruktiven Taten an.  Er wird auf diese Weise auch von  hässlichen Taten abgehalten.  Dieser Mensch verneigt sich vor Gott, weil er davon überzeugt ist, dass alle Größe bei Gott ist. Er verneigt sich vor niemand anderem und  bittet den Allmächtigen, dass Er ihm Würde verleiht. Der Mensch, der nur an den Einen Gott glaubt und nur Ihn anbetet, ist davon überzeugt, dass Gott alles gehört und er über die ganze Welt herrscht und er weiß, dass wenn Gott ihm eine Zeitlang einen Segen vorenthält, der ihm vorher beschert wurde,  es zu Seinem Wohl ist und Gott damit seine Seele veredeln und läutern will.  Er weiß: Gott ist Weise und Gütig und er gleicht auf verschiedene Weise die Probleme im Leben der Gläubigen wieder aus.  Wer nur an den Einen Gott glaubt, der ist sich sicher, dass Gott gemäß seiner Verheißung im Jenseits die Rechtschaffenen mit Gaben belohnen wird, die sich nicht mit den diesseitigen Gütern vergleichen lassen.

Die Menschen sind normalerweise den verschiedenen Arten von moralischen Abweichungen und geistig-seelischen Krankheiten ausgesetzt.  Solche Krankheiten belasten ihn und behindern  seine  Weiterentwicklung. Eine Möglichkeit, das Herz von schlechten Eigenschaften zu befreien, besteht darin, über die Attribute Gottes nachzudenken.  Der Koran befreit den Menschen von Krankheiten  und Abweichungen im Denken und in der Moral, denn Gott spricht im Vers 57 der Sure  Yunus  (10):

„O ihr Menschen! Nunmehr ist von eurem Herrn eine Ermahnung zu euch gekommen und eine Heilung für das, was euch (wegen Mängel im Glauben und der Moral) in eurer Brust bewegt, und eine Führung und Barmherzigkeit für die Gläubigen.“
 

 

Nehmen wir an, jemand leidet unter Neid oder Gier.  Wenn er aufgrund der Lehren Gottes einsieht, dass niemand von selber an Reichtum und Rang gelangt, wird er darauf hoffen, dass Gott ihm Gnade erweist, denn er wird Gott als denjenigen erkennen, in dessen Hand alles liegt. Denn in der Sure Fatir
Fatir (35) steht im Vers 2:

 

Was Allah den Menschen an Barmherzigkeit gewährt, das kann keiner zurückhalten; und was Er zurückhält, das kann nach Ihm keiner freigeben; und Er ist der Allmächtige, der Allweise.“

 

Wenn sich der Mensch mit religiösen Eigenschaften schmückt, wird er anders leben. Wer an die Attribute Gottes wie Güte und Großzügigkeit denkt, in dem wird auch der Keim der Güte und Hilfsbereitschaft wachsen.  Und wenn er daran denkt, dass Gott weise und weitsichtig ist und über alles im Bilde und ihm  bewusst ist, dass Gott überall gegenwärtig ist und nicht vergisst, dass Gott ihn sieht, hält er sich von Gott-Ungehorsam fern.

 

Eines der Attribute Gottes besteht darin, das er Sattar al Uyub ist – nämlich die Mängel und Fehler verdeckt. Gütig verdeckt er die hässlichen Taten Seiner Diener.  Wir sollten wie Gott, der Barmherzige, die Fehler der anderen verdecken und sie nicht bloßstellen.  Jedenfalls ist jede Eigenschaft Gottes schön,  verdient es, gepriesen zu werden und hat eine sehr wertvolle Wirkung auf die Menschen.

Im nächsten Programm wollen wir über Nabuwat, die Aussendung von Propheten - und Gottes Gesamtkonzept für die Rechtleitung der Menschen sprechen.


 

 

 

 

Apr 17, 2017 07:48 CET
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