Wir besprechen auch heute weiter iranische Folkloretexte und bringen außerdem den letzten Teil des iranischen Märchens von Malek Dschamschid und dem Seepferd.

Zu den Folkloretexte gehören neben Lieder, die bei der Arbeit und bei Spielen gesungen werden und den romantischen Melodien auch die Lala i . Ein  Lala`i ist ein  Gute-Nacht-Lied. In einem solchen Schlaflied klingen immer zarte Gefühle für Kinder mit. Die Schlaflieder in persischer Sprache sind leider kaum schriftlich festgehalten worden und deshalb sind viele von ihnen mit der Zeit in Vergessenheit geraten.

Schlaflieder gibt es schon seit altenZeiten. Vielleicht schon seit Anbeginn der Menschheit.Sie zeugen für die schöne unvermischte Liebe zwischen Mutter und Kind und diese Liebe gibt es zweifelsohne seitdem es Kinder und Mütter gibt.  Schlaflieder sind die Folklore der Mütter und drücken ihre Gefühle aus. Sie sind wie ein Fenster, das Einblick in die Kammer der Mütterherzen und in die Wünsche und Sehnsüchte  von Müttern gewähren.

 

Schlaflieder gehören zu der mündlichen Literatur eines jeden Landes. Jede Mutter kennt sie auswendig. Sie liest sie nicht ab und kennt nicht ihre Herkunft , aber diese Schlaflieder sprechen ihr aus dem Herzen. Es sind die Wünsche und Sorgen und Klagen einer Mutter, die von Generation zu Generation gingen  bis sie uns erreichten, und dabei nicht alt wurden. Keine anderen Lieder können sie ersetzen.     

 

Angesichts dieser langen und wahrscheinlich längsten Geschichte einer Folklore können wir wahrscheinlich von einem Erbe aus der Antike sprechen. Forscher sind aber der Meinung, dass Schlaflieder nicht nur dazu dienten um Kinder in den Schlaf zu wiegen sondern auch dazu, dass Mütter ihre Wünsche in Form eines Liedes zum Ausdruck brachten. Zu der Unverwüstlichkeit der Schlaflieder hat wohl auch der schöne Klang, die Wiederholung der Worte lala lala (wie: schlaf, schlaf) , die Schlichtheit der Sprache beigetragen.

 

                    Doch nun zu unserer Geschichte.

Sie erinnern sich: Der König hatte einen Sohn namens Malek Dschamschid und hatte für diesen ein Seepferd, ein Fabelwesen, einfangen lassen. Die Stiefmutter von Malek Dschamschid wollte den Prinzen vernichten, doch das Seepferd verriet dem Prinzen ihre bösen Pläne. Malek Dschamschid war schließlich  mit dem Seepferd aus dem Palast geflohen. Er verdingte sich als Hirtenjunge im Garten des Königs. Die jüngste Tochter des Königs verliebte sich in ihn. Doch  ihr Vater war gegen ihre Heirat und verbannte sie aus dem Palast. Seine andere beiden Töchter heirateten die Söhne der Wezire. Der König ärgerte sich sehr über seine jüngste Tochter. Er wurde aus Gram richtig krank. Ein Arzt empfahl ihm für die Genesung frisches Wildbret.  Alle drei Schwiegersöhne machten sich auf den Weg zur Jagd. Malek Dschamschid erhielt nur einen kranken Gaul und einen alten morschen Bogen, aber die beiden anderen Schwiegersöhne konnten sich die besten Pferde und den besten Pfeil und Bogen nehmen. 

Malek Dschamschid machte sich getrennt von seinen Schwagern auf den Weg und in einer menschenleeren Gegend angekommen, steckte er ein Haar seines Seepferdes in Brand . Sofort stand das Seepferd vor ihm und Malek Dschamschid berichtete ihm was alles passiert war. Dann bat er das Seepferd  ein Königszelt auf dem Berg aufzustellen und alle Tiere in der Ebene zu jagen , so dass kein Tier mehr übrig bleibt.  Das Seepferd stellte sofort ein goldenes Zelt mit einem Thron bereit, der so herrlich war, dass jeder König sich einen solchen gewünscht hätte. Malek Dschamschid kleidete sich in seine Gewänder und ließ sich auf dem Thron nieder und wartete bis seine beiden Schwäger eintreffen.

Unterdessen hatten seine Schwäger vergeblich die ganze Gegend nach einem Beutetier abgesucht. Schließlich  erblickten sie das Zelt von Malek Dschamschid auf dem Hügel und dachten ein fremder König hätte es aufgeschlagen. Als sie das Wildbret hinter dem Zelt liegen sahen, baten sie um eine Audienz. Sie erkannten nicht dass der königlich gekleidete Mann auf dem Thron ihr Schwager ist, grüßten respektvoll  und baten um Wildbret  für ihren kranken Schwiegervater .

„Aber das ist meine Beute,“ sagte Malek Dschamschid und keiner darf sie berühren. Wenn ihr Wildfleisch wollt, dann müsst ihr meine Diener werden und ich  muss euch mein Siegel aufdrücken.“  

Die beiden anderen Schwiegersöhne des Königs waren schockiert, aber dann dachten sie, es ist ja niemand weit und breit, der es sieht. Also willigten sie. Denn sie wollten doch die Sympathie des Königs für sich gewinnen. Keiner würde etwas erfahren.

Malek Dschamschid sagte, dass sie ihre Schultern entblößen müssen und er drückte ihnen seinen Siegel zwischen beide Schulterblätter. Dann brahcte er ihnen die Beute. Aber als er die Beute geschlachtet hatte,   hatte er sich gewünscht, dass alle gute Wirkung des Fleisches sich in den Tierhäuptern ansammelt.  Er behielt den Kopf der Tiere für sich und das Seepferd brachte ihn in Windeseile in die Stadt zurück, so dass er noch vor den anderen dort ankam.

Malek Dschamschid gab seiner Frau, der jüngsten Prinzessin, die Tierschädel, damit sie sie kocht .

Die anderen beiden Schwiergersöhne gaben ihren Frauen , den beiden anderen Prinzessinnen das Fleisch zur Zubereitung. Als der König von ihren Fleischspeisen zu sich nahm, änderte sich nichts an seinem Zustand.

 

Als dann die jüngste Tochter ihre Speise brachte, befahl der König, sie nicht reinzulassen. Da  vermittelte der Wezir und schließlich ließ der König sie doch kommen.

Er aß  etwas von dem Fleisch, welches die jüngste Prinzessin zubereitet hatte,  und fühlte sich plötzlich wieder völlig gesund.

         

Malek Dschamschid steckte wieder ein Haar des Seepfpferdes in Brand. Als das Seepferd erschien, sagte Malek Dschamschid, es soll ihm, da wo er das Zelt errichtet hat einen schönen Palast aus abwechselnd goldenen und silbernen Ziegeln errichten. Das Seepferd baute einen solchen Palast und Malek Dschamschid führte seine Gemahlin hinein. Bald ging in der Stadt das Gerücht um, dass der Sohn eines reichen Handelsmannes außerhalb der Stadt einen wunderschönen Palast erbaut haben und die Leute kamen in Scharen herbeigeströmt  um den Palast zu sehen.   

Als der König davon erfuhr, machte er sich zusammen mit seinen Weziren und seinen beiden anderen Schwiegersöhnen auf den Weg um zu sehen, wer es ist, der diesen Palast errichtet hat.

Als Malek Dschamschid verbeugte sich höf lich vor dem König. Er fasste das Pferd des Königs am Zügel und ließ den König absteigen und führte ihn respektvoll in seinen Palast . Dann beschenkte er ihn mit einer Perlenschnur und einem kostbaren Ring.

 

Der König betrachtete den Ring und stellte fest, dass weder er noch ein anderer  König  je einen  solchen schönen Ring besessen hat.

Dann wandte er sich an Malek Dschamschid und sagte zu ihm: „Nun wo du hier lebst, bist du mein Gast. Du kannst dir wünschen was du möchtest.

 

Da sagte Malek Dschamschid, der einzige Wunsch den er habe, sei, dass ihm seine beiden Sklaven wieder zurückgegeben werden.

Der König fragte: „Welche zwei Sklaven denn? Wer sind sie?“

Da zeigte Malek Dschamschid auf seine beiden Schwager.

Der König aber sagte: „Das sind doch meine Schwiergsöhne. Seit wann sind sie deine Sklaven?“

 

Malek Dschamschid sagte:

„Wenn der König mir nicht glaubt, dann soll er befehlen, dass sie ihr Hemd ausziehen, damit ich ihm mein Siegel zwischen ihren Schulterblättern zeige.“

Der König befahl , dass die beiden Schwiegersöhne ihrHemd ablegen und da sah er das Siegel von Malek Dschamschid zwischen den Schulterblättern und beinahe wäre er in Onmacht gefallen.

Aber da kam seine jüngste Tochter herbei und tröstete ihren Vater. Der König wunderte sich, und fragte: „Was machst du denn hier?“ Da sagte sie, dass er, Malek Dschamschid doch ihr Gemahl ist und der ärmliche Jüngling war, weswegen der König sie aus dem Palast vertrieben hat.

Dann erzählte Malek Dschamschid dem König all das was passiert war. Der König freute sich und nahm seine Tochter und Malek Dschamschid  mit in seinen Palast. Und Malek Dschamschid entfernte das Siegelzeichen zwischen den Schultern seiner Schwager.

Der König befahl, man soll Lichtergirlanden aufhängen und 7 Tage lang wurde gefeiert.

Am Abend des 7. Tages ernannte der alte König Malek Dschamdschid zu seinem Thronfolger.

Malek Dschamschid war der  König dieser Stadt geworden. Er blieb 40 Tage in seinem Palast und machte sich dann mit einer Reiterschar auf den Weg in seine Heimatstadt. Er fand seinen Vater vor, der vor lauter Kummer blind geworden war .Da bat er schnell sein Seepferd, dass es seinen Vater wieder sehend macht. Als der König seinen Malek Dschamschid sah, nahm er ihn in die Arme und küsste sein Gesicht. Malek Dschamschid aber vertrieb die böse Stiefmutter aus dem Palast. Er wurde König über beide Städte.

Jun 16, 2017 19:29 CET
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