In Städten begegnen wir Komplexen von Bauwerken, Plätzen usw. Jede architektonische Anlage in einer Stadt erfüllt eine besondere Funktion und alle Anlagen stehen miteinander in Verbindung. Verschiedene Faktoren gestalten die Architektur einer bestimmten Epoche, wie Baumaterial, technische Möglichkeiten, aber auch die Kultur und die Bedürfnisse der Bevölkerung.

Die Bauweise einer Epoche spiegelt die Beziehungen in der Gesellschaft und die Lebensweise der Menschen wieder.

 In längst vergangenen Zeiten begann der Mensch sich einen Weg durch die Natur zu bahnen und dabei Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Während er anfangs noch selber seine leichten Lasten trug, bürdete er sie später Tieren auf und nach der Erfindung des Rades verspürte er erst recht das Verlangen größere Reisen zu unternehmen. So befestigte er Wege, baute Straßen und später Brücken und Tunnel. Die Brücken bestanden anfangs aus kräftigen Baumästen und führten nur über schmale Bäche und Flüsse hinüber . Sie waren nicht von langem Bestand. Mit der Zeit wurde der Brückenbau weiterentwickelt und heute besitzt der Mensch das Wissen für den Bau von riesigen soliden Brücken, mit denen er die beiden Ufer eines rauschenden Flusses miteinander verbinden oder ein großes Tal überwinden kann.

Brücken gehören zu den Meisterwerken der menschlichen Baukunst. Es gibt sie quasi seitdem es Wege und Straßen gibt. Im Nahen Osten und in China baute man bereits vor Christus Steinbrücken. Wie archäologische Funde zeigen, waren Brücken auch im Iran überall üblich. In den Reimen von iranischen Dichtern wie Ferdowsi und in geschichtlichen und geographischen Aufzeichnungen wird ebenso auf Brücken verwiesen. Sie spielten eine wichtige Rolle und manchmal verhalfen sie zum Sieg über einen Feind. Die Iraner waren also mit der Methodik des Brückenbaus vertraut.

Die älteste Bogenbrücke im Iran stammt aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. Sie wurde über dem Aras-Fluss in Nordiran angelegt. Einer ihrer aus großen Steinblöcken bestehenden Pfeiler ist noch am Aras-Fluss zu sehen.

In der vorchristlichen Zeit der Achämeniden wurden ebenso Bogenbrücken gebaut. Reste von solchen Brücken befinden sich im Pasargad. Eine dieser Brücken war 16 m breit und stand auf 3 steinneren Säulenreihen. Der Königsweg (Rah Schahi) und die Seidenstraße, die Handelswegr waren, verbanden die verschiedenen Teile Irans miteinander. Für sie spielte der Brückenbau eine bedeutende Rolle. Der griechische Historiker Herodot lässt uns im Zusammenhang mit der Eroberung von Babel durch den Achämenidenkönig Kyros und seine Überquerung des Gyndes (heute Dialeh) wissen: „Als der Schah am Gyndes-Fluss angelangte, ertrank eines der Pferde in diesem. Kyros erzürnte. Er schwor einen Weg zu finden, dass jeder trockenen Fußes den Fluss überqueren kann. Auf seinen Befehl hin wurden zahlreiche Kanäle ausgegraben, damit das Wasser des Flusses in sie abfließt. Danach baute er eine Brücke über den Fluss und sie setzten sich im Frühling des darauf folgenden Jahres in Richtung Babel in Bewegung.“

Herodot berichtet ebenso über den Bau einer Brücke über den Fluss Araxe, in der Nähe der Tachte Dschamdschid (Persepolis)

Im antiken Iran wurden Brücken und Dämme (Sad) gebaut, die über Flüsse führten. Reste davon hat man in Siwand, Yassudsch, und der Provinz Lorestan entdeckt. Diese blieben wegen der Verwendung von Kalkmörtel insbesondre in den Brückenpfeilern erhalten. Seit dem ersten Jahrtausend vor Christus hat man im Iran beim Gebäudebau Kalk verwendet, und damit einen Grundstoff der heute für die Zementherstellung überall auf der Welt genutzt wird. Die Archäologen vermuten, dass die Beduinen, die in Zelten wohnten, für den Bau ihrer Feuerstellen an ihren vorübergehenden Raststellen Kalkstein verwendeten. Regen und Feuer trugen zu der Entstehung eines guten Mörtels bei. Die Beduinen erkannten die besonderen Eigenschaften dieses Materials und so begann dessen Verwendung als Baustoff. . Die Verwendung dieses Materials fand langsam auch außerhalb Irans Verbreitung, wie im Römischen Reich, in Griechenland, Europa und sogar im fernen China.

In Iran wird seit 3 Tausend Jahren Kalk benutzt, wie Spuren in einem Friedhof westlich von Teheran zeigen. Auch die Brücken Pol-e Dochtar in Mianeh und Pol-e Dochtar an der Straße von Khorramabad nach Andimeschk (Khuzistan) sind Brücken, bei deren Bau man Kalkmörtel benutzte. Sie sind über 2500 Jahre alt.

Die Sassaniden waren ebenso Brückenbauer. Die meisten ihrer Brücken entstanden im Süden und Westen Irans, wo das Zagrosgebirge mit seinen steilen Berghängen und rauschenden Flüssen liegt. Dieses Gebiet war damals aus politischer Sicht und für den Handel sehr wichtig und wir treffen dort viele Brückenruinen an.

In der Nähe von Kermanschah in Westiran stehen die Pfeiler einer großen Brücke die sich Chosrow-Brücke nennt. Abu Dolf, ein arabischer Weltenbummler und Dichter hat im 4. Jahrhundert nach der Hidschra – 10. Jahrhundert nach Christus in seinen Reisenotizen auf diese Brücke hingewiesen. Er schrieb, dass er an der breiten Handelsstraße von Ksetiphon nach Hamadan in der Nähe des Berges Bistun die Chosro-Brücke aus der Zeit der Sassaniden gesehen hat.

Diese Brücke war 153 m lang und 4 m breit. Sie stand auf 9 Pfeilern. Die Pfeiler waren sechseckig und aus geschliffenen Felsbrocken. Die Zwischenräumen zwischen den Steinblöcken waren mit Gipsmörtel und Kieselsteinen ausgefüllt.

Vor ein paar Jahren hat man für Fußgänger eine Metallbrücke über den Pfeilern angelegt.

Einige Forscher glauben, dass die bekannte alte Brücke Choda Aferin über den Aras-Fluss die erste große Brücke ist, die in der islamischen Ära erbaut wurde. Hamdullah Mastawfi Qaswini. der Geograph aus dem 14. Jahrhundert nach Christus datiert den Bau dieser Brücke auf das Jahr 25 nach der Hidschra, also circa 646 nach Christus.

In den ersten Jahrzehnten nach Beginn der Islamischen Ära in Iran wurden vorläufige Brücken über den Euphrat gebaut. Von ihnen blieb nichts erhalten und sie werden nur noch in Geschichtsbüchern erwähnt. Interessant ist dass diese meistens auf alten Sockeln erbaut wurden und später hat man in ihrer Nähe feste Brücken errichtet. In den ersten Jahrhunderten nach der Hidschra fand im Groß-Khorassan im Nordosten und im Zweistromland der Straßen- und Brückenbau eine Aufblüte. An den Flüssen Dscheyhun und Seyhun bauten die Iraner zahlreiche Brücken. Im 4. Jahrhundert nach der Hidschra, 10. Jahrhundert nach Christus ereignete sich ein großer Wandel in der iranischen Kultur und die Architektur machte viele Fortschritte. Zu den schönen soliden Brücken aus dieser Zeit gehören die Hendowan- und die Izadsch-Brücke über den Karun, die Hirmand und Fereh-Brücke über den Hirmand sowie die Kaschkan-Brücke über dem Kaschkan in Lorestan .

Die Kaschkanbrücke ist 300 m lang und ruht auf 11 Pfeilern. Die Säulen sind aus großen geschliffenen Steinblöcken .An 12 Stellen fließt der Fluss unter der Brücke hindurch. Vom Flussbett gemessen ragte die Brücke 17 m hoch. Auf einer Inschrift in Kufi-Schrift steht das Baujahr eingetragen, nämlich 388 bis 398 nach der Hidschra d.h. circa 997 bis 1007 nach Christus. In der Nähe dieser Brücke sind noch die Reste von zwei weiteren Brücken aus der Zeit der Sassaniden zu sehen.

Jul 07, 2017 13:13 CET
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