Wir haben im Zusammenhang mit öffentlichen Gebäuden im Iran die historischen Badehäuser vorgestellt. Auch heute noch etwas zu diesem Thema.

In den vergangenen Jahrhunderten wurden Badehäuser nicht gebaut, um damit Geld zu verdienen, sondern es galt als ein wohltätiges Werk und ein Handeln nach den religiösen Überzeugungen. Wohlhabende ließen öffentliche Badeanstalten bauen, weil sie auf eine Belohnung im Jenseits hofften und gut in Erinnerung bleiben wollten. Nicht nur der Bau eines öffentlichen Bades sondern generell der Bau von öffentlichen Bauwerken wie Moscheen, Schulen oder Wasserspeicher galt als gutes Werk.

Einige von diesen Bauwerken, die noch erhalten blieben, sind das Scheych-Bahai-Bad und das Schah-Abas-Bad in Isfahan, oder das Wakil-Bad in Schiras, das Gandschali Chan –Bad in Kerman und das Chadscheh Imad-Bad in Kaschan aber auch das Atabak- Bad in Qum.

Bahauddin Mohammad Ibn Hussein Amili, der unter dem Beinamen Scheych Bahai berühmt wurde, war ein Gelehrter. Er hat in der Zeit vom 16. bis 17.Jahrhundert nach Christus gelebt und besaß große Kenntnisse in der Philosophie, Logik, Sternkunde und Mathematik. Aber von ihm sind auch literarische Werke und Gedichte erhalten geblieben. Scheych Bahai schrieb circa 95 Abhandlungen und Bücher. Er bildete viele Schüler aus. Einige bekannte Bauwerke aus der Zeit der Saffawiden wurden von ihm entworfen.

Wer nach Isfahan reist, wird sich sicher auch das Scheych-Bahai-Badehaus angesehen haben, in dem mit der Flamme einer großen Kerze das Badewasser angewärmt wurde, wobei auch Methangas aus Abwässern herangezogen wurde.  Dieses Bad wurde 1654 errichtet.   Das  Tropföl aus der Ölpressewerkstatt neben dem Bad sorgte dafür, dass die Kerze zur Wassererwärmung niemals abbrannte. Es wurde in dieser Werkstatt aus verschiedenen Ölkernen Öl gewonnen und das wenige Tropföl, das in einem Behälter aufgefangen wurde, wurde für das Bad verwendet.

Ali Asghar Behramand, hat jahrelang das Heizsystem des Scheych-Bahai-Bades in Isfahan untersucht und gesagt:  „Da Gold ein ausgezeichneter Wärmeleiter ist, hat das im Wasserspeicher des Bades verwendete Gold dazu beigetragen, dass bei geringer Hitze eine große Energie erzeugt wurde und das Wasser im Speicher sich erwärmte.

Er weiter: Das kalte Wasser wurde über ein Rohr über den Heizbehälter geführt  und konnte nach dem Durchlaufen des Behälters mit der Kerze angewärmt und zum Verbrauch bereit gestellt werden.

Ein weiteres historisches ist Mehr Padin in der Stadt Mehris, Provinz Yazd. Die Stadt Mehris ist schon sehr alt und in Geschichtsbüchern heißt es, dass sie zur Zeit der Sassaniden von Bedeutung war.  Zu den historischen Bauwerken in dieser Stadt gehören die Hauptmoschee, eine Zitadelle, ein Wasserspeicher, der Bazaar und einige alte Häuser aus Rohziegeln mit schönen Windtürmen , und dem alten Badehaus Mehr Padin. Es liegt in geringer Entfernung zu der Hauptmoschee. Der jetzige Bau stammt aus der Zeit der Qadscharen, doch ist das Badehaus noch älter und wurde vor über 300 Jahren erbaut.

Es besteht aus zwei getrennten Trakten – für männliche und weibliche Badegäste. Der schönere und größere Teil ist für die Damen bestimmt. Am Eingang führt eine Treppe in das Badehaus hinein. Das Sarbineh – der Vorraum zum Umkleiden  ist mehrwinklig und hat zahlreiche Nischen. In der Mitte liegt  ein Ziegelsteinbecken. Es ist 8-eckig und einen Meter tief.  Die Decke besteht aus einem Gewölbe. Durch viele Luken im Gewölbe fällt Licht ein.

Rundherum sind Steinplateaus, unter denen  man die Schuhe abstellen kann.

In dem eigenlichten Baderaum sind mehrere kleine Wasserbecken. Die Decke wird von schönen verzierten Säulen gestützt. Das Hauptbaumaterial sind Ziegelsteine, die auf schöne Weise fantasievoll und dekorativ angeordnet wurden.  Restauratoren haben im  Mehr Padin-Bad  heutigen Geschmack mitspielen lassen und bei der Restaurierung verschiedenfarbige und verschieden große Ziegelsteine  verwendet.  Die meisten Teile dieses Bades  sind wie die Wasserbecken achteckig angelegt, was ein angenehm harmonisches Bild liefert.

Das Wasser für dieses Bad stammt aus einem Qanat – unterirdischen Brunnenkanal - gleichen Namens. Übrigens rührt das Wort Mehr Padin von „Mehr“ gleich „Sonne“ und „Pad“ her und  bedeutet „Heimat der Sonne“.

Das Wakil-Badehaus in Schiras ist ein bekanntes Bauwerk aus der Zeit der Zadinsten. Es wurde von Karim Chan Zand errichtet und liegt neben der Wakil-Moschee. Karim Chan gab sich den schlichten Titel des  Wakil ul Raaya, das heißt Statthalter des Volkes. Deshalb  wurde das Badehaus Wakil-Bad genannt. Karim Chan ließ viele Gebäude zu gemeinnützigen Zwecken in Schiras bauen. Der Wakil-Komplex ist der bedeutendste und das Wakil-Badehaus ist ein wichtiger Teil  dieser Gebäudeanlage.

Das Bad nimmt eine Fläche von 11 Tausend Quadratmetern ein und wurde 1773 nach. Christus erbaut.  Es besteht aus 4 Trakten, die miteinander in Verbindung stehen und ist einmalig schön verziert. Heue wird es als historisches Bauwerk der Stadt Schiras behütet.

Der Eingang ist ein schöner Gang mit einer reichlich verzierten Stuckwerkdecke vorrangig sieht man Blumenvasenmotive.  Durch entsprechende Öffnung in der Decke fällt Licht ein.

Im Umkleideraum des Bades –  wurde vor allen Dingen Marmorgestein verwendet. Vier Steinbecken verteilen sich auf den Raum, an dem an den Wänden die erhöhten Plattformen entlanglaufen. Die Säulen sind aus schwefelhaltigem Gestein an einem Stück. Das Kuppelgewölbe ist sehr schön bemalt und der Boden des Wakil-Bades besteht aus mehreren Lagen Ziegelsteinen mit einem soliden Mörtel der sich Sarudsch nennt und aus Tonerde und Kalk hergestellt sowie mit Pflanzenfasern und Asche aus Heizöfen vermischt wird.

Der Heizraum des Bades besteht aus drei Teilen: einem für warmen Wasser, einem für kaltes und einem für lauwarmes Wasser.  Unter allen Teilen des Bades waren Kanäle angelegt worden, um den Boden warm zu halten. Sie wurden  von warmen Wasser oder warmer Luft durchströmt wurden. Weitere Kanäle waren dazu da, Dämpfe und schmutzige Luft nach außen zu leiten.

In den vergangenen Jahren waren eine Zeitlang Teile dieses Bades für ein Haus der Kraft und antike Sportübungen umfunktioniert worden und danach wurde es dem Archäologischen Institut überlassen. Da dieses Badehaus nun auf der Liste der nationalen Kulturdenkmäler steht, wurde es für den Empfang von in- und ausländischen Touristen restauriert.  Seit  kurzem enthält es auch  eine Museumsausstellung für Kunsthandwerk.

Übrigens waren die besonders schön verzierten Abschnitte in diesem Bad für sehr renommierte Badegäste gedacht. Hier wurde besonders gutes Baumaterial verwendet, weshalb diese Teile am wenigstens vom Zahn der Zeit zerstört wurden.

Jul 07, 2017 14:19 CET
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