Liebe Freunde. Sie haben schon viele verschiedene traditionelle Bauwerke im Iran kennengelernt. Wir möchten Sie heute mit einer islamisch-iranischen Tradition vertraut machen, die eine erstaunliche Rolle für die Baukultur gehabt hat. Es handelt sich um das Stiftungswesen. Es wird „Waqf“ genannt.

Etwas Gott zu liebe zu spenden ist eines der wichtigsten Bestandteile des Glaubens und in allen Himmelsreligionen von Bedeutung. Auch die Stiftung („Waqf“) ist ein Beispiel für das Spenden einen gläubigen Menschen. Der gläubige Mensch stiftet etwas in Hoffnung auf den Lohn Gottes.  Das Stiften wirkt sich wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell sehr positiv auf die Gesellschaft aus und war schon immer als eine religiöse und menschliche Sitte im Iran üblich. Und nicht nur im Iran sondern auch unter anderen Völkern blickt das Stiftungswesen auf eine lange Vergangenheit zurück.

Unter den meisten Völkern hat es die gute Sitte gegeben Gebäude für öffentliche Zwecke auf eigene Kosten errichten zu lassen. Im Alten Ägypten  wurden Grundstücke für solche Zwecke und für den Bau von Tempeln gestiftet und deren Einnahmen für die Instandhaltung oder für die Zeremonien bzw. das Gehalt der Tempeldiener verwendet.  Mit diesen Geschenken wollte der Spender das Wohlgefallen der Götter erzielen. So steht es auf den Tafeln vermerkt, die erhalten blieben. Ihnen ist auch entnehmen, dass es nicht erlaubt war, ein gestiftetes Gebäude an jemanden  zu übertragen.

Auch unter den Römern gab es ein System von Wohltätigkeitsinstituten. Eigentümer und Grundstücke und Gebäude, wurden von Wohltätigen den Armen zur Verfügung gestellt und niemand durfte Besitz von ihnen ergreifen. In Ländern wie Deutschland, Frankreich, England und den USA  und einigen anderen Ländern konnte ein gestiftetes Besitztum und Gebäude nicht weitervererbt werden und das Einkommen aus diesen wurde für Bedürftige bestimmt. Die Geschichte der Stiftung zeugt von der guten Absicht von Menschen, die an ihre Mitbürger dachten.

Wie war es im antiken Iran?

Gegen Ende der Herrschaft der Sassaniden-Dynastie entstanden eine Anzahl von Wohltätigkeitsstiftungen zur Rettung der Menschenseelen und ihr Einkommen wurde verwendet, um Armen zu helfen und um Gebäude zu allgemeinen Zwecken zu errichten. In den Geschichtsbüchern steht, dass die Iraner in der Antike einen Teil ihres Einkommens für wohltätige Zwecke und Spenden an die Bedürftigen vorsahen und vor ihrem Tod einen Teil ihres Vermögens wie Gärten, Grundstücke,  Wasser oder ein Haus für wohltätige Zwecke stifteten.  Es gab mehrmals im Jahr Zeremonien und besondere Festen für Spendensammlungen.

Die Chronisten halten den Begründer  dieser Spendenfesten für Dschamschid, den König der Pischdaden. Er lud zu diesen Festen alle zu einem Bankett ein. Es wurde Gott für seinen Segen gedankt und die Armen wurden beschenkt.

Das Stiften nimmt als eine schöne Sitte auch im Islam einen hohen Platz ein. Es ist eines der festesten guten Bräuche. Im Heiligen Koran gibt es keinen Vers der speziell für das Stiften ein religionsrechtliches Gebot nennt, aber es gibt eine große Zahl von Versen, die auf das Spenden und die Wohltätigkeit hinweisen und in denen alle aufgefordert werden, den Bedürftigen zu helfen.

Und das Stiften ist eine solche Hilfe.   Das Stiften oder Weihen hat es in verschiedener Form gegeben. Zum Beispiel hat die Mutter der geehrten Maria – gegrüßet sei sie – vor der Geburt ihres Kindes, dieses dem Tempel geweiht, damit es Gott dient. Das steht im Koran.

Auf der anderen Seite hat der Koran an vielen Stelle getadelt, dass der Mensch Besitz anhäuft und darauf stolz ist. Er hat auch getadelt  auf religiös unrechtmäßigen Wegen an Besitz zu gelangen und gefühllos  mit den Armen umzugehen und sie abzuweisen.

Im Koran heißt es: Wenn ihr etwas besitzt, so leiht es Gott aus, Er wird euch dafür üppig belohnen.  Gott etwas auszuleihen bedeutet auch den Bedürftigen helfen.

In der Sure 2 steht im Vers 245:

Wer will Gott ein gutes Darlehen geben, damit er es ihm vervielfache? Gott ist es der (den Menschen) knapp oder reichlich zuteilt und zu Ihm werdet ihr zurückgebracht (und werdet euren Lohn erhalten).

 

Das Stiften ist einer der wichtigsten Wege, anderen Mitgefühl zu zeigen und im Vergleich zu anderen Spenden und Wohltaten ist eine Stiftung normalerweise von längerem Bestand und längerer Wirkung.

Unter einer Islamischen Regierung ist die Betreuung von Stiftungsangelegenheiten und deren Aufsicht Aufgabe der Regenten. Das Wort Waqf  bedeutet von der Wortwurzel her „Einsperren“, „Absperren“ und „zum Ruhen kommen“. Im Islamischen Religionsrecht bezeichnet man damit die Wahrung von einem bestimmten Besitzgut und die Bestimmung seines Nutzens für Angelegenheiten wie fortlaufende Spenden und Wohltaten.

Der verstorbene Mohaqeq Heli hat „Waqf“ wie folgt definiert : „Waqf ist ein Bündnis oder ein Vertrag, aus dem die Bewahrung des eigentlichen Besitzes und die Verwendung seines Nutzens für andere hervorgeht.  Da mit Waqf (Stiftung) versucht wird, die Bedürfnisse anderer zu beseitigen und es für das Allgemeinwohl verwendet wird, ist diese Angelegenheit eine wichtige Sache in einer Islamischen Gesellschaft.

In zahlreichen überlieferten Worten des Propheten (s). und der Edlen aus seinem Hause (a), werden die Menschen auf verschiedene Weise ermuntert,  von ihrem Besitz zu stiften. Der Prophet (s) hat gesagt: „Wenn der Mensch stirbt, schließt sich die Akte seiner Taten, bis auf drei Dinge:  laufende Spenden, ein Tun, welches nützt, und ein rechtschaffener Nachkommen, der für ihn betet.“

Imam Sadiq a.s. hat ebenso gesagt:  Sechs Dinge, nutzen dem  gläubigen Menschen nach seinem Tod: Ein rechtschaffenes Kind, welches für ihn um Vergebung bittet, ein Koran, aus dem gelesen wird, ein Brunnen, den er gebohrt hat, ein Baum, den er einpflanzt, Wasser, das er zum Fließen brachte und eine gute Sitte, die nach ihm weiter beachtet wird.“

Wir sehen an den Islamischen Schriften und entnehmen den Worten der Großen der Religion, dass der Islam die Beseitigung der Armut will und das Allgemeinwohl anstrebt. Ein Weg zur Bekämpfung der Armut ist die Zunahme von Stiftungen, durch dass das allgemeine Eigentum zunimmt. Das Stiften ist eine immaterielle und kulturelle Maßnahme. Bei Stiftung geht es nicht um einen größeren Gewinn.   Für den Stifter bedeutet es Läuterung der Seele und charakterliche Veredlung und für die Gesellschaft eine Minderung der Armut

Im Vers 18 der Sure 9 heisst es

Die Moscheeen sollen von denen instand gehalten werden, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben, das Gebet verrichten, die Zakkatsteuer geben und niemand fürchten außer Gott. …

Dieser Vers deutet indirekt auf die Pflege der Moschee und Stiftung Moscheen hin.

In der Geschichte des Islams haben schon viele diese gute islamische Sitte gepflegt und Eigentum und Gebäude für allgemeine Zwecke gestiftet.  En großer Teil von städtischen Gebäuden im Iran sind solche Stiftungen und auf dieser langen Liste stehen Moscheen, theologische Schulen, Badehäuser, Brücken, Karawansereien, Takkiyehs, Wasserspeicher usw. Es gibt sie an allen Orten Irans. Sie wurden von Wohltätigen gebaut und gestiftet und haben unbestreitbar einen Beitrag zur Baukultur im Iran geleistet.  Wir werden noch einige Beispiele für diese Bauwerke bringen.

Jul 07, 2017 14:44 CET
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