• Islam richtig kennenlernen (68)  

Wir möchten in diesem Teil unseres Beitrags  über die Kindheit des Propheten des Islams (S)sprechen.

                                               

Bei den Arabern  in der vorislamischen Ära der Unwissenheit  änderte sich öfters der Beginn der Zeitrechnung.  Mal anlässlich des Todes einer bekannten Persönlichkeit, mal wegen eines blutigen Stammeskrieges wurde das Ausgangsjahr der Zeitrechnung verändert.   Sogar unter den  arabischen Volksstämmen war der Kalenderbeginn unterschiedlich weil sie ihre Zeitrechnung nach dem für sie jeweils wichtigen Ereignis verschieden änderten. Ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Arabischen Halbinsel, dass  Anlass zur erneuten Bestimmung des Kalenderbeginns führte,  gab es um  570 nach Christus. In diesem Jahr, dass auch Aam ul Fil – das Elefantenjahr - genannt wurde , griff der jemenitische Herrscher   Abraha die Kaaba in Mekka an, um sie zu zerstören, aber auf Befehl Gottes wurde sein Heer von Vögeln mit Steinen angegriffen und vernichtet. Genau in diesem Jahr kam  der Prophet Mohammad (der Segen Gottes sei auf ihm und Friede seinem Hause) in Mekka auf die Welt. Es war der 17. Rabi al Awwal und ein Freitag.

 

Mohammad (S) war vom Volksstamm der Qureisch und der Sippe der Bani Haschim. Sein Vater war Abdullah, Sohn des Abdul Muttalib. Seine Mutter hieß Amina. Mohammads Vater Abdullah war ein rechtschaffener gläubiger Mensch. Nach seiner Heirat mit Amina schloss er sich einer Handelskarawane an, die von Mekka nach Schaam, dem damaligen Großsyrien, zog. Seine Frau Amina aber erwartete ein Kind.  Auf dem Rückweg von Schaam nach Medina erkrankte Abdullah schwer und starb, ohne dass seine Hoffnung seinen Sohn und seine Gemahlin in Mekka zu sehen, in Erfüllung gegangen wäre.  Amina trauerte mehrere Monate lang um den Verlust ihres Gemahls. Die Geburt ihres Kindes rückte immer näher.

 

Es  war kurz vor Tagesbeginn. Die Geburtswehen setzten ein.  Es waren schwere Augenblicke. Doch Gott schickte Amina Beistand: Amina erlebte etwas Wunderbares. Ihr war als ob die Sterne zu ihr kommen und ihr Haus mit Licht erfüllen und bald darauf brachte sie ihren  Sohn zur Welt  -  von dem ein strahlendes Licht ausging. Und Amina hörte einen Ruf und eine Stimme sagen: „In deinem Sohn sind die hohen Eigenschaften der vorangegangenen Propheten vereint – der Mut des Noah,  die Aufrichtigkeit  und das Gottvertrauen Abrahams, das Antlitz Josefs, die Sprachgewandtheit Salihs, die Standhaftigkeit Moses und die Frömmigkeit und Großherzigkeit Jesu!“

 

Gleichzeitig mit der Geburt von  Prophet Mohammad (S), kam es zu mehreren auffälligen Ereignissen, die in der Geschichte verzeichnet sind.  Zum Beispiel stürzten die Götzen in der Kaaba auf ihr Gesicht.  In der Vorterasse des Kasra-Palastes  (Ktesiphon) des Sassanidenreiches im Iran  entstand ein großer Spalt und 14 seiner Zinnen fielen herunter. Das große Feuer im Tempel der  Zoroaster  in Persien, welches 1000 Jahre lang gebrannt hatte, erlosch.  Der See von Saveh (einem Ort westlich von Qum) trocknete aus.  Der Sassanidenkönig  in Persien Chosrau der I. sah im Traum, wie sein Palast einstürzt. Alle diese Ereignisse kündigten an, dass die Ära des Götzentums ablaufen und die Sinnbilder der bösen Mächte untergehen würden.  Vielleicht  dienten diese Ereignisse auch dazu, die Menschen, die tief in die Götzenanbetung, Verdorbenheit und Unrecht abgesackt waren, wachzurütteln und sie auf einen neuen Wandel vorzubereiten. Jedenfalls waren es Vorboten für eine große  Veränderung. Solche ungewöhnlichen Ereignisse sind natürlich  nicht nur anlässlich der Geburt des Propheten des Islams (S) vorgekommen, sondern auch die Geburt von anderen Propheten war von ähnlichen Ereignissen begleitet.  

                                       

Abdul Muttalib, der Großvater Mohammads (S), dankte Gott für die segensreiche Geburt und gab seinem Enkelkind den Namen Mohammad.  Auf die Frage, warum er diesen Namen gewählt hat, obwohl er nicht unter den Arabern üblich war, sagte er: „Ich möchte, dass  er im Himmel und auf der Erde gelobt wird.“

Amina nährte ihr Kind eine Weile, bis der Entschluss fiel, dass es besser einer Amme unter den Beduinen außerhalb der betriebsamen Stadt Mekka anvertraut wird, damit es in einem gesunden Landklima aufwächst. Vier Monate nach der Geburt Mohammads (S) kamen Frauen vom Stamme der Saad nach Mekka. Unter ihnen die sittsame Halima, die bereit war, sich des kleinen Halbwaisen anzunehmen und seine Amme zu sein.

 

Die Geschichte bezeugt, dass das Leben Mohammads (des letzten Propheten Gottes) von Kindheit an, bis zu dem Tag seiner Aussendung, mit erstaunlichen Ereignissen einherging.  Halima berichtet über jene Zeit, in der sie und ihre Familie unter einer Dürre litt,  wie folgt:  „Mir war ein kleines Waisenkind namens Mohammad anvertraut worden. Schon als wir kurz hinter Mekka waren,  spürte ich verwundert, dass sich meine leere Brust mit Milch gefüllt hatte,  so dass ich sowohl mein eigenes Kind als auch Mohammad stillen konnte. Als wir zuhause ankamen, sage mein Ehemann begeistert: `Halima, Schau nur! Trotz der Dürre haben unsere Kamelstuten plötzlich prall gefüllte Euter.`  Schon da habe ich begriffen, dass dieses Kind uns Segen bringt und uns glücklich machen wird.“

Halima hatte also Mohammad mit in die Steppe genommen, um ihn zu betreuen. Mohammad (S) wuchs beim Stamme der Bani Saad auf, bis seine Stillzeit zu Ende gegangen war. Halima, betreute ihn noch weiter bis zum fünften Lebensjahr. Sie liebte Mohammad und hatte sich sehr an ihn gewöhnt. Mohammad (S) lernte bei diesem Volksstamm Hoch-Arabisch und sich gut auszudrücken.  Allen fiel auf, dass das Verhalten dieses Kindes sich deutlich von dem der anderen unterschied.

Einmal bat Mohammad Halima um Erlaubnis mit einem anderen Kind in die Steppe rauszugehen.  Halima war besorgt, aber sie erlaubte es ihm.  Jedoch bevor  sie ihn gehen ließ, brachte sie ihn ins Zelt. Sie ordnete seine Haare und dann hängte sie ihm ein Halsband um. Mohammad (S) fragte: „Was ist das?“ Halima, die ihm ein Amulett umgehängt hatte,  antwortete: „Das ist ein Beschützer. Es wird dich vor dem bösen Blick schützen.“

Da öffnete Mohammad mit seinen kleinen Händen das Halsband und sagte: „Liebe Mutter! Sei beruhigt! Ich habe jemanden, der mich immer schützt!“ Dann ging er raus in die Steppe.  Halima schaute ihm nach und dachte: „Wie  kommt es, dass dieses Kind so weise spricht?“

Halima betreute Mohammad bis zu seinem 5. Lebensjahr. In dieser Zeit hatte sie Mohammad mehrere Male zu seiner Mutter gebracht, damit seine Sehnsucht gestillt wird.  Als sie ihn schließlich zum letzten Mal zu Amina brachte, fiel ihr die Trennung sehr schwer.

Mohammad war also wieder nach Mekka zurückgekehrt und ihm wurde die Liebe seiner Mutter Amina und seines Großvaters Abdul Muttalib  zuteil. Alle liebten den fünfjährigen Mohammad mit seinem beeindruckenden Blick,   seinem schönen Gesicht und seiner erstaunlichen Weisheit.

Ein Jahr verging. Amina machte sich auf den Weg nach Medina, um zusammen mit ihrem Sohn Mohammad das Grab ihres Gemahls Abdullah und seine Familie aufzusuchen.  Amina blieb einen Monat in Medina bei den Verwandten zu Gast. Aber auf dem Rückweg wurde sie krank und starb in einem Ort namens Abwaa. Dort wurde  sie beigesetzt.

Mohammad war Vollwaise geworden. Er hatte nie seinen Vater gesehen, der vor seiner Geburt starb und nun musste er auch auf die Liebe seiner Mutter verzichten. Der Großvater Abdullah Muttalib nahm sich seiner an.

                                             

Abdul Muttalib wurde in einer Zeit, die bedeutend für die geistig-seelische Erziehung eines Kindes ist, der einzige Fürsorger für Mohammad, den Sohn seines verstorbenen Abdullahs. Abdul Muttalib hatte weise verspürt, dass seinen Enkel eine bedeutende Zukunft erwartet und so kümmerte er sich würdig um Mohammad. Wenn er bei der Kaaba zusammen mit den Oberhäuptern der Qureisch und seinen Söhnen saß, rief er Mohammad sofort herbei, damit er sich zu ihm setzt. Er versicherte den anderen: „Bei Gott, er wird einen hohen Rang haben.“ Aber  als Mohammad (S) acht Jahre alt geworden war, verlor er auch seinen Großvater Abdul Muttalib. Da wurde er sehr traurig.

 Doch Gott wollte, dass er die Kraft besaß,  all diese Verluste zu überwinden.  Mohammad sollte  einmal alle Menschen lenken und die Leidenden auf der Welt trösten.  Also musste er als Kind Leid und Entbehrungen kennenlernen und Tapferkeit erlernen. Durch Ertragen dieser Leiden wurde seine Seele stark und fest, so dass er später den großen göttlichen Auftrag  übernehmen konnte.  Der Onkel Mohammads Abu Talib sorgte nach dem verstorbenen Abdul Muttalibs für den Waisen Mohammad und nahm ihn bei sich auf. Abu Talib war eine angesehene und edle Persönlichkeit.

 

 

 

  

 

 

Oct 13, 2017 18:21 CET
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