•  Islam richtig kennenlernen (69)    

Vom letzten Mal wissen Sie, dass Hadhrat-e Mohammad (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) seinen Vater Abdullah schon vor der Geburt verlor und im sechsten Lebensjahr auch seine Mutter und zwei Jahre später sein Großvater und Fürsorger Abdul Muttalib starben.  Vor seinem Tode vertraute Abdul Muttalib die Fürsorge seinem  Sohn Abu Talib an.

 

 

 

Dieser Onkel Mohammads war ein großmütiger Gottesgläubiger  und eine angesehene Persönlichkeit des Volksstammes Qureisch.  Abu Talib nahm Mohammad in seiner Familie auf. Er war sehr erstaunt über dieses Kind mit seinen besonderen Eigenschaften.  Mohammad verhielt sich anders als Kinder sich verhalten.  Niemals zeigte er wie andere Gleichaltrige Begierde nach Essen. Er war mit wenig zufrieden und achtete sehr auf Sauberkeit und die Pflege des Haares.  Abu Talib sagt: „ Ich habe nie eine Lüge aus seinem Mund kommen hören.“ Mohammad zeigte kein Interesse an kindlichem  Spiel sondern bevorzugte es allein zu sein.  Er verhielt sich immer sehr bescheiden.

Wir möchten nun weiter aus der Kindheit Mohammads (S) berichten.

Keiner, der sich mit der Biografie des Propheten auseinandergesetzt hat, wird behaupten können, dass er jemals auch nur den geringsten moralischen Fehltritt begangen hätte.  Die Geschichte dokumentiert, dass die Kultur und die Werte der Zeit der Unwissenheit keinerlei Wirkung auf den jungen Mohammad gehabt haben.  In jener  völlig verdorbenen Umwelt bewahrte er seine Reinheit.  Als Heranwachsender hob der nachdenkliche Mohammad sich weiterhin durch seine besonderen Eigenschaften von den  Gleichaltrigen ab. Nach dem Verlust seiner Eltern und seines Großvaters  hatte ihn jahrelang sein Onkel Abu Talib in seinem Hause aufgenommen. Abu Talib liebte Mohammad. Seine  liebevolle Fürsorge war ein Trost für den Waisenjungen Mohammad (S).  Eines Tages wollte  Abu Talib  mit einer  Handelskarawane nach Schaam (Syrien)  ziehen. Als Mohammad davon erfuhr, wurde er traurig.  Denn  sein Onkel würde ihm fehlen.

 

 Mohammad war schon seit mehreren Jahren nicht mehr aus Mekka herausgekommen.  Seine letzte Reise lag weit zurück. Es war damals gewesen, als er mit seiner Mutter in Medina Verwandte besucht hatte.  Gerne hätte er seinen Onkel auf seiner Reise begleitet.   

Mohammad ging zu Abu Talib, der sich anschickte, mit der Karawane Mekka zu verlassen. Er hatte schon das Reitkamel bestiegen und traf die letzten Vorbereitungen. Da sah er Mohammad herangekommen. Der fasste den Zügel des Kamels und rief mit Tränen in den Augen: „O lieber Onkel. Hättest du mich nicht auch mitnehmen können?“

Abu Talib sah wie traurig Mohammad war. Er stieg ab, schloss seinen Neffen in die Arme und sagte: „Lieber Mohammad! Weißt du - es ist für mich sehr schlimm, dich traurig zu sehen.“ 

Abu Muttalib willigte ein, dass Mohammad ihn auf der langen Reise nach Schaam begleitet, obwohl er wusste, dass eine solche Reise anstrengend und gefahrenvoll ist.

                               

Die Karawane ließ die Berge um Mekka hinter sich und Mohammad konnte bald nicht mehr die Stadt, an die er sich so gewohnt hatte,  sehen. Ringsherum sah er nur die weite Ebene. Diese Reise wurde für Mohammad, der sich sehr mit der Natur verbunden fühlte, zu einer schönen Erinnerung. Die Karawane zog weiter durch verschiedene Gebiete und schließlich kam sie an einer Stelle vorbei, wo einmal die Thamud gelebt haben.  Abu Talib kannte die Geschichte dieses reichen Volkes, über die ein großes Unheil kam, weil sie  nicht die Gebote Gottes befolgt hatten. Abu Talib erzählte seinem Neffen Mohammad die Geschichte.  Mohammad fand sie sehr lehrreich. Überhaupt hatte die verschiedenen Städte und Bräuche der Menschen, die abwechslungsreiche Natur mit ihren Bergen und Tälern und der sternenübersäte nächtliche Himmel  viel Lehrreiches für Mohammad an sich. Er beobachtete wissensdurstig alles genau. Die interessanten und  schönen Erlebnisse ließen ihn die Anstrengung der Reise vergessen.  An der Seite seines Onkels fühlte er sich geborgen. 

Die Karawane der Qureisch war noch nicht am Ziel angelangt, als  Abu Muttalib  die Karawane  an einem Ort namens Bosra  bei einem Hügel anhielt.  Auf dem Hügel lebte ein bekannter christlicher Mönch in seiner Klause. Bahira war ein weiser und gebildeter Mann und kannte sich gut in  der Thora und dem Evangelium  und den alten Überlieferungen aus. Von nah und fern kamen viele zu ihm herbei.  Er wurde von den Christen sehr geschätzt.

 

Als Bahira die Karawane der Qureisch sah, schickte er jemanden zu ihr. Der Bote lud Abu Talib in Bahiras Namen zu einem Essen ein.  Abu Talib nahm die Einladung an. Während er und die anderen zu Bahira gingen, sollte Mohammad auf das Gepäck und die Kamellasten Acht geben.

Bahira hatte ein Tuch ausgebreitet und es  mit verschiedene Speisen gedeckt. Er begrüßte die Gäste und sagte, nachdem er sich alle Gesichter genau angesehen hatte: „Mir scheint, dass ihr einen eurer Begleiter nicht mitgebracht haben.“ Da sagten seine Gäste: „Richtig! Es ist ein Knabe. Er gibt auf das Gepäck und die Lasten der Karawane Acht.“

Bahira bat ihn zu holen.  Als Mohammad die Klause betrat, warf Bahira einen Blick auf ihn. Dann bat er ihn, neben ihm Platz zu nehmen und behandelte ihn mit besonderem Respekt.

Nach dem Essen und einer kurzen Rast, wollte die Karawane Bosra verlassen, doch Bahira zog  Mohammad und Abu Talib zur Seite. Der Mönch fragte : „Abu Talib!  Gehört dieser Knabe zu deiner Familie?“ Abu Talib sagte: „Er ist mein Sohn!“ Aber Bahira sagte: „Nein!(das kann nicht sein) er hat keine Eltern mehr. Er hat sie als kleines Kind verloren!“  Abu Talib antwortete: „Ja , du hast recht. In Wahrheit bin ich sein Onkel. Ich habe seine  Fürsorge übernommen.“

Da fragte Bahira Mohammad, wie er heißt. Mohammad nannte ihm seinen Namen.  Und Bahira sagte: „Ja! Genau! Mohammad oder Ahmad!  Mein Sohn! Ich beschwöre dich bei Lat und Uzza!...“ Mohammad unterbrach ihn, als er die zwei Götzen Lat und Uzza aus der Zeit der Unwissenheit nannte und bat Bahira:  „Sprich zu mir nicht von Lat und Uzza , denn für mich gibt es auf der Erde nichts, was ich mehr verabscheue als sie.“

Da nickte Bahira zum Zeichen der Bestätigung mit dem Kopf und fuhr fort: „Ich beschwöre dich bei deinem Gott, dass du meine Antworten aufrichtig beantwortest.“ Abu Talib sagte zu Bahira:

„Sei sicher, o großer Mönch, dass alle bisher nur die Wahrheit aus seinem Mund gehört haben.“

Da erfasste Bahira eine große Freude und er stellte die nächsten Fragen.

Bahira fragte Mohammad, was er am liebsten mag. Und der zwölfjährige Mohammad antwortete:  „Die Einsamkeit“

Bahira fragte weiter: „Woran denkst du, wenn du alleine bist?

Mohammad: „An die Erschaffung, das Sein, Leben, Tod und die andere Welt.“

Bahira fragte wieder:  „Was liebst du am meisten von dem was du auf der Welt siehst?“

Mohammad antwortete:  „Die Natur und von der Natur den Himmel und die Sterne.“

Bahira stellte die nächste Frage: „Träumst du viel?“

Mohammad antwortete:  „Ja, und danach sehe ich die Träume  auch wenn ich wach bin.“

Bahira schien an eine Wahrheit gelangt zu sein. Er bat Abu Talib um Erlaubnis, die Stelle zwischen den Schulterblättern Mohammads sehen zu dürfen. Abu Talib schaute Mohammad an und weil dieser nichts dagegen hatte, zeigte er Bahira diese Stelle. Als Bahira das Muttermal an dieser Stelle erblickte, traten ihm die Tränen in die Augen. Aufgeregt sagte er: „ Alle diese Zeichen stehen in den Himmelsbüchern und in den Überlieferungen der Vorfahren. Er ist  jener Ahmad! Gegrüßt seist du, o Geheimnis  der Himmelsbücher. Du bist genau der, dessen Kommen die Thora und das Evangelium angekündigt haben und dessen Zeichen die früheren Propheten genannt haben.“

Dann wandte sich der Mönch an Abu Talib und sagte: „Deinen Neffen erwartet eine sehr große Zukunft. Er wird die Götzen vernichten und das Unwesen des Unglaubens und Götzentums beseitigen. Er ist der beste Menschensohn und der letzte Überbringer göttlicher Botschaft.  Dein Neffe hat eine sehr strahlende Zukunft. Gib sehr gut auf ihn Acht. Ich habe in den Büchern gelesen, dass er einmal durch diese Gegend kommen wird.“

Bahira schaute zum Himmel empor und dann auf das schöne Gesicht von Mohammad. Er seufzte tief und sagte:  „Ach wäre mein Leben so lange, dass ich die Größe deines Aufrufes miterleben könnte.“

Die meisten Geschichtsschreiber bringen,  dass Abu Talib nach dieser Begegnung mit Bahira seine Reise nach Schaam abbrach und um Mohammad (S) besser schützen zu können, nach Mekka zurückkehrte.

 

 

 

 

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Oct 13, 2017 18:26 CET
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