• Islam richtig kennenlernen (71) 

Wir möchten heute weiter aus dem Leben des Propheten des Islams berichten. Chadidscha, die Tochter des Chuwailid  hatte mittels Abu Talib dem jungen Mohammad  den Vorschlag unterbreitet, dass  er sich um ihre Handelsgeschäfte kümmert. Chadidscha war wohlhabend und sehr angesehen in Mekka.  

 

Sie hatte von der Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit und dem guten Wesen Mohammads gehört. Chadidscha, deren Handelskarawanen auch in  Yathrib (Medina) und Schaam (Altsyrien) bekannt waren, wurde wegen ihres Edelmutes und Anstandes geschätzt. In einer Zeit, in der Zinsgeschäfte und Wucher weit verbreitet waren, verlieh sie Geld, ohne Zinsen zu berechnen. Sie machte den Bedürftigen großzügige Geschenke.

Abu Talib sagte über den Vorschlag Chadidschas zu seinem Neffen Mohammad: „Mohammad! Du bist nun erwachsen und die Zeit ist gekommen, dass du ein eigenes Leben beginnst. Auch wenn ich dich vermisse werde, so hoffe ich doch, dass du, wenn du die  Handelsreise, die Chadidscha dir vorgeschlagen hat, antrittst, ein kleines Kapital für dich gewinnen kannst.“

Mohammad (S) bat seinen Onkel um etwas mehr Zeit zum Nachdenken. Und Abu Talib sagte: „Wozu du dich auch immer entscheidest, ich bin damit einverstanden.“

Schließlich nahm Mohammad (S) den Vorschlag an, die Handelsgeschäfte für  Chadidscha  zu betreuen. Chadidscha sagte zu ihrem Diener Misara, dass alle auf dieser Handelsreise den Anordnungen Mohammads folgen sollen und ihm nicht widersprechen dürfen. Sie empfahl Mohammad, sich mit ihrem Sklaven Misara zu beraten,   weil er genug Erfahrung hat und klug ist.  Mohammad bereitete  mit Hilfe von Misara und den anderen Sklaven Chadidschas die Handelsware vor.

 

  Am Abend vor der Abreise merkte Mohammad, dass sein Onkel  Abu Talib beunruhigt ist, und fragte ihn nach dem Grund. Da sagte Abu Talib: „Mohammad! Ich werde dich sehr vermissen und außerdem fürchte ich um dein Leben.  Erinnerst du dich was der Mönch Bahira damals, als du 12 Jahre alt warst, darüber gesagt hat?  Du bist nun ein kräftiger junger Mann. Dennoch bin ich in Sorge, denn du bist dort fremd und die Tücken  der Bösen sind zahlreich. Bitte  gib auf dich Acht!“

Mohammad (S) tröstete Abu Talib, nahm Abschied von ihm und machte sich an der Spitze der Karawane auf den Weg  nach Schaam (Syrien).

                                  

Die Karawane zog langsam weiter in Richtung Schaam.  Als einige in der Karawane auf dem langen Weg zum Ziel erkrankten,  ließ Mohammad (S) die Karawane Rast einlegen, damit die Kranken behandelt werden. Misara sagte zu ihm: „Wenn wir zu spät in Schaam angelangen werden, die anderen Händler aus Mekka ihre Ware bereits angeboten haben, und wir ziehen den Kürzeren.“

Aber Mohammad hatte ein weiches Herz. Er wollte nicht, dass die Kranken in der Karawane   es schwer haben. So kam es, dass die Karawane mit zwei Tagen Verspätung an ihrem Ziel angelangte.

 

Misara suchte einige Händler auf,  die er kannte und mit denen er vorher bereits Geschäfte betrieben hatte. Aber diese hatten bereits die Waren, die sie brauchten, bei anderen Handelskarawanen gekauft.  Einige der Handelsleute aus Mekka sagten, es sei ein Fehler gewesen, dass Chadidscha  eine solche große Karawane einem unerfahrenen jungen Mann anvertraut habe.  Das Gerede beunruhigte Misara. Aber Mohammad tröstete ihn, dass Gott schon helfe werde. Er blieb ganz ruhig.

 

Es war am Nachmittag als aus Palästina eine große Karawane mit vielen Waren in Schaam eintraf. Diese Karawane war ein guter Abnehmer für die Waren aus Mekka. Aber nur die Karawane von Mohammad führte die Ware, die die Handelsleute aus Palästina gerne hätten, mit sich.   Nun brauchte sich Misara keine Sorgen mehr zu machen. Er war stolz auf Mohammad und sagte sich:  Wenn wir wie die anderen Karawanen aus Mekka am ersten Tag in Schaam eingetroffen wären, hätten wir jetzt keine Ware mehr anzubieten. Aber nun erwartet uns ein guter Gewinn.

 

                                  

Es waren einige Tage seit der Rückkehr der Handelskarawane aus Schaam vergangen. Mohammad hatte einen sehr guten Erlös für Chadidscha erzielen können, so hoch wie nie zuvor.  

Unterdessen war  Chadidscha  seit längerem gedanklich mit einem Traum beschäftigt. Im Traum sah sie wie am dunklen  Himmel über der Stadt Mekka ein heller Punkt am Horizont erscheint. Dieses Licht begann zu strahlen, bis es wie eine leuchtende Sonne am Himmel von Mekka erschien. Dann neigte sich die Sonne dem Horizont zu, kam auf ihr Haus (das Haus der Chadidscha) herunter  und erfüllte es mit Licht und Helligkeit.

Als Chadidscha aufgewacht war, hatte  sie eine seltsame Freude und Aufregung in sich verspürt. Dieser schöne Traum beschäftigte sie und sie wollte unbedingt wissen, was er bedeutet. Sie spürte, dass ein großes Glück  sie erwartet, aber sie wusste nicht welches. Da dachte sie: Vielleicht ist dieses Glück der hervorragende Erlös, den Mohammad Amin -der Zuverlässige - von Schaam mitgebracht hat. Aber dann sagte sie sich:  Nein! Ein solcher Traum kann nichts mit materiellen Dingen zu tun haben. Es muss sich um etwas Außergewöhnliches handeln. 

                                  

Chadidscha ging zu ihrem betagten Cousin, Waraqa Ibn Naufal, der unter den Arabern als Weiser galt, und von dem es heißt, dass er ein Judenchrist war. Chadidscha schilderte Waraqa Ibn Naufal ihren Traum, denn er verstand sich auf die Traumdeutung.  Waraqa Ibn Naufal dachte tief nach und sagte dann: „Chadidscha! Dieser Traum ist eine große Verheißung  an  dich. Du wirst bald den edelsten und besten Mann auf der Erde heiraten. Ein Mann der auf der ganzen Welt bekannt werden wird.“

Misara, der Bedienstete Chadidschas hatte auf der Reise viel Erstaunliches an Mohammad (S)kennen gelernt. Er berichtete seiner Herrin nach der Rückkehr von dem hohen Charakter Mohammads und so wurde Chadidscha sich immer mehr der hohen Stufe bewusst, auf welcher der junge Mohammad stand.  Sie erkannte in ihm einen einmaligen edlen Menschen und sie war von seiner Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit und seiner hohen Moral und seiner Spiritualität begeistert.  Chadidscha bewunderte die Anständigkeit und den Glauben Mohammads und war zutiefst beeindruckt von ihm.  Sie sagte sich:  Vielleicht bedeutet diese Sonne in meinem Traum das edle hohe Wesen Mohammads.

                

Es hatten schon viele  Wohlhabende und angesehene Männer von Mekka Chadidscha einen Heiratsantrag gestellt.  Chadidscha wusste, dass Mohammad (S) niemals um ihre Hand anhalten wird, weil er nicht reich war, während sie die wohlhabendste Frau ihres Stammes Qureisch war. Aber ihr Traumgesicht ließ sie schließlich den Entschluss fassen, selber Mohammad vorzuschlagen, dass sie heiraten. Chadidscha suchte bei einer ihrer Freundinnen namens Nafisa, einer angesehenen Mekkanerin, Unterstützung. 

Nafisa ging zu Mohammad und sagte: „O Mohammad!  Deine  Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Sittsamkeit ist in aller Munde.  In Mekka würde jedes Mädchen gerne deine Frau werden. Du bist nun 25 Jahre alt. Warum heiratest du nicht? …“

Mohammad selber hatte schon seit geraumer Zeit daran gedacht, zu heiraten und suchte nach einer sittsamen und gläubigen Ehefrau für sich.  Bei den Worten von Nafisa senkte er den Kopf.

Nafisa fuhr fort:

„Wie ist es wenn ich dir eine Dame vorstelle, die zugleich Schönheit, Edelmut, Sittsamkeit und Reichtum  besitzt und in Mekka für ihre guten Werke bekannt ist? Würdest du sie heiraten?“

Mohammad (S) fragte: „Wen meinst du?“

Nafisa: „Die meisten wohlhabenden Männer von Mekka wollen sie zur Frau haben, aber sie macht die Heirat vom Glauben und dem Edelmut abhängig. Das aber sind Dinge, die in unserer Zeit  selten bei  jemandem  zu sehen sind.“

Dann fuhr sie fort: „Mohammad! Ich spreche von Chadidscha!  Chadidscha wirft sich genauso wenig wie du vor den Götzen nieder und sie verwirft dies als falsch.  Auch sie sucht nach der ewigen Wahrheit und eine innere Kraft hält sie von Sünde und Schlechtem ab.“

 

Mohammad (S) dachte über die Worte von Nafisa nach. Er wusste, dass er keine der Frauen oder Mädchen heiraten kann, die blind die Götzen anbeten.

Da sagte er zu Nafisa: „Chadidscha ist die reichste und edelste Frau von Mekka.  Wird sie mich, der ich ein junger mittelloser Mann bin, heiraten?“

Da freute sich Nafisa über die Antwort von Mohammad: „Das überlasse mir“, sagte sie zu Mohammad und eilte dann zum Haus von Chadidscha. 

 

 

 

 

Tags

Oct 14, 2017 18:51 CET
Kommentar