• Islam richtig kennenlernen (72)

Sie erinnern sich:  Nafisa,  hatte Mohammad (S) den Heiratsvorschlag von Chadidscha vermittelt. Sie hatte zu Mohammad über die hohen Eigenschaften ihrer Freundin Chadidscha, der wohlhabendsten und angesehensten Dame von Mekka gesprochen. Aber Mohammad hatte   Nafisa gefragt: „Wird  Chadidscha mich, der ich ein junger mittelloser Mann bin, heiraten?“

 

 

 

    Nafisa  sagte erfreut über diese Antwort von Mohammad: „Das überlasse mir!“ Dann eilte sie zum Haus von Chadidscha, um die Vorbereitungen für ein näheres Gespräch zwischen Mohammad und Chadidscha zu treffen.

Einige Tage später begleitete Mohammad Nafisa zum Hause der angesehensten Dame von Mekka.  Chadidscha und Mohammad  sprachen miteinander. Chadidscha begann mit den Worten:  „Mohammad! Keiner unter den Arabern steht über dir, was seine Abstammung betrifft. Du weißt, dass ich viele Freier habe. Aber ich habe einiges über dich gehört. Ich selber kenne deinen Großmut und dein gutes Wesen und möchte gerne wegen deiner Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit  und deinem guten Wesen deine Gemahlin werden. Vertraue auf meine Aufrichtigkeit, denn ich vertraue auf deine.“

                                   

 Mohammad legte viel Wert auf die Achtung der Älteren in der Familie und ihrer Meinung. Also sagte er zu Chadidscha: „Ich muss darüber mit meinen Oheimen  sprechen.“ Nachdem sich Mohammad (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seiner Familie) mit seinen Onkeln beraten hatte und diese sich einverstanden erklärten, wurde ein Treffen vereinbart an dem die Verwandten und Familienältesten beider Seiten teilnehmen.

Das Treffen fand im Haus von Chadidscha statt.   Als erster sprach Abu Talib, der Onkel des Propheten.  Erst pries  er  Gott und dann sagte er über  seinen Neffen: „ Mohammad, der Sohn meines Bruders Abdullah überragt jeden von den Männern der Qureisch, mit dem er verglichen wird.  Zwar besitzt er keinen Reichtum, aber wisset, dass Reichtum ein vergänglicher Schirmschatten ist, jedoch Edelmut und Glaube bleiben.“

Nachdem Abu Talib gesprochen hatte, erhob sich  Waraqa Ibn Naufal, der betagte Cousin von Chadidscha. Er sagte: „Keiner von den Qureisch leugnet eure Vortrefflichkeit und euren Edelmut und  wir möchten von ganzem Herzen das Haltetau eures Edelmutes ergreifen und zu euren Verwandten werden.“  

Daraufhin wurde  die Morgengabe festgelegt und  Mohammad und Chadidscha wurden miteinander vermählt.

Mohammad verließ das schlichte Haus seines Onkels Abu Talib und zog zu Chadidscha in ihr Haus.  Doch die neue bequemere Umgebung änderte nichts an der Lebensweise des jungen Mohammads. Er begnügte sich weiterhin  mit einfachen Speisen, dachte viel nach  und war Gott zugewandt.

Das gemeinsame Leben von Mohammad (S) und Chadidscha (Friede sei mit ihr) kann als hervorragendes Beispiel für eine erfolgreiche Ehe gelten. Chadidscha schloss immer mehr Bekanntschaft mit den hohen Eigenschaften Mohammads (S). Sie betrachtete sich als seinen Vertrauten und unterließ nichts um ihn zu unterstützen.

                                  

 Es war Mohammads großes Anliegen, den Entbehrenden in Mekka zu helfen.  Er litt sehr darunter, dass die Menschen Götzen anbeteten.  Immer mehr zog er sich aus der verdorbenen Gesellschaft zurück und seine Seele wurde immer mehr auf die große Berufung, die ihn erwartete, vorbereitet.  Sein Antlitz spiegelte zusehends den Glauben und die Erkenntnis in seinem Herzen wieder.

Mohammad (S) litt  in der düsteren Atmosphäre von Mekka wie ein Gefangener im dunklen Kerker. Für ihn war diese Atmosphäre unerträglich.  Jedoch je mehr die Welt in das Dunkel des Unrechts und der Verdorbenheit absank, desto mehr wurde Mohammad (S)  auf die Befreiung aus diesen Missständen vorbereitet.

                                 

Mohammad (S) war 40 Jahre alt geworden.  Schon als Kind hatte er die Natur geliebt. Daran hatte sich nichts geändert. Er pflegte den Berg bei Mekka zu besteigen und sich nach dorthin von dem Lärm der Stadt zurückzuziehen. Die Höhle Hara war  seine Zufluchtsstätte. Manchmal blieb er tagelang dort.  Chadidscha und Ali, sein Cousin brachten ihm dann etwas zu essen und Wasser.  Chadidscha sprach davon, dass sie und die Kinder ihn zu Hause vermissen und der heranwachsende Ali, Sohn von Abu Talib, den Mohammad seit längerem zu sich ins Haus genommen hatte und betreute, sprach über seine aufrichtigen Gefühle für den liebevollen Fürsorger. Doch Mohammad (S) antwortete ihnen: „Ja, das weiß ich und ich kenne eure Liebe zu mir. Aber in diesen Tagen verspüre ich auf seltsame Weise das Verlangen, nur des Herrn der Welten eingedenk zu sein und außer der Liebe zu Ihm nichts in mein Herz einkehren zu lassen.“

 

 

Schließlich war es so weit. Die wunderbare geheimnisvolle Nacht war angebrochen.  Der Mond warf sein fahles Licht auf den Berg Nur und auf die südliche Ebene von Mekka. Mohammad sah vom Berg aus die Stadt und ihre Umgebung in tiefen Schlummer versunken.  Es herrschte überall eine große bedeutsame  Stille, Himmel und Erde schienen in dieser dunklen Nacht  auf ein großes Ereignis zu warten.  Mohammad war  jedoch hellwach und dachte nach. Kein Laut war zu hören. Diese geheimnisvolle Stille schien ein besonderes Ereignis anzukündigen. Da strahlte plötzlich ein Licht am Horizont auf.

 

Dieses Licht hatte Mohammad noch nie gesehen, es füllte sein ganzes Blickfeld aus.  Mohammads begann zu beben.  Da erschien plötzlich ein prächtiges Wesen vor ihm. Mohammad hatte es schon einmal im Traum gesehen aber diesmal konnte er es deutlich erblicken. Dieses Wesen hatte ein anziehendes erhabenes Antlitz.  Mohammad sah es überall am Himmel. Es war der Offenbarungsengel Dschibril (Gabriel). Gabriel trat näher und sprach:  „O Mohammad, lies!“

                                    

Mohammad antwortete dem Offenbarungsengel, nachdem dieser ihn aufgefordert hatte zu lesen:

Ich kann nicht lesen!

Gabriel wiederholte: „Lies!“

Und Mohammad sagte wieder, er könne nicht lesen.

Doch Gabriel wiederholte seine Aufforderung erneut und diesmal  drückte er Mohammad:

                         

„Lies im Namen deines Herrn, der erschuf,“

„erschuf den Menschen aus einem Anhängsel“

„Lies! Denn dein Herr ist der Allgütige,“

„der lehrte durch die Feder,“

„den Menschen lehrte, was er nicht wusste.“

                                

                              

Dies waren die ersten Verse der Sure 96, Sure Alaq.

Da begann Mohammad (Segen sei auf ihm) erfüllt von einer himmlischen Liebe und Freude, in den himmlischen Ruf einzustimmen und las die Botschaft.

Erneut erschallte jene Stimme und sie sprach:  „Mohammad! Du bist der Prophet Gottes und ich bin Sein Engelsbote Dschibril!“

                                

Mein Gott! Was hatte Mohammad da gehört?! Er hatte sagen hören: Mohammad – du bist der Prophet Gottes.

Nein, das hatte er nicht geträumt. Es war kein Traum und er war völlig bei Sinnen und hellwach.

Ja! Gott wollte erneut mit einem Seiner Diener sprechen und unter all den Menschengeschöpfen befand  er Mohammad als den besten Empfänger für die Offenbarungsbotschaft und wählte ihn aus.  Mohammad (S) der unentwegt darüber nachgedacht hatte, wie er die Menschen vor dem Abirren vom rechten Weg retten konnten, spürte nun eine gewaltige Aufgabe bevorstehen – die Aufgabe, die Menschen aus der Ignoranz zu befreien und sie auf den Weg zum wahren Glück zu führen. Die Botschaft Gottes deutete auf den Weg hin, der zu gehen ist.  Sie leitete eine schwere Mission ein.  Mohammad verspürte ein seltsames Gefühl. Er spürte eine starke Hitze und seine Schultern bebten vor Aufregung.  Er wollte sich erheben, aber fühlte sich nicht in der Lage dazu.  Da warf er sich nieder und weinte heftig.  Dies war die aufregende Geschichte von der Berufung Mohammads (S) zum Propheten. 

 

Tags

Oct 14, 2017 19:12 CET
Kommentar