• Islam richtig kennenlernen (73)

Wir haben über die geheimnisvolle Nacht gesprochen, die Mohammad (S) in der Höhle Hara mit Andacht und Gebet verbrachte, als er plötzlich den Offenbarungsengel Gabriel erblickte, der die ersten Verse des Korans offenbarte.  In dieser Nacht erhielt Mohammad die himmlische Botschaft, dass er zum Propheten Gottes ernannt worden ist. Wir schildern nun weiter das Geschehen nach diesem einmaligen Ereignis.

 

                                                           

Mohammad (S) war vor die Höhle Hara getreten. Als er diesmal zum sternenübersäten Himmel hochblickte und auf die Stadt Mekka, die still  im fahlen Mondlicht  lag, sah, schien der Welt neues Leben eingehaucht worden zu sein und die ganze Daseinswelt flüsterte: Friede sei dir oh Ausgewählter Gottes! Mohammad (S) setzte bedächtig und tief in Gedanken versunken einen Schritt vor den anderen: Jenes wunderbare Wort mit jenem besonderen Klang hallte weiter in seinem Ohr nach:  Lies! Lies im Namen deines Herrn, …

Diese Worte beruhigten sein Herz, in dem ein Meer von Gefühlen wogte, aber es verlangte ihn,  nach Hause zu eilen, um sich auszuruhen und dieses Geheimnis mit seiner Vertrauten,  Chadidscha, zu teilen.

                              

Als Chadischa die Pforte öffnete bemerkte sie den besonderen Glanz in den Augen Mohammads (S) und sie spürte, dass etwas sehr wichtiges geschehen war. Mohammad (S) ruhte ein wenig aus und dann erzählte er Chadidscha was er gesehen hatte.  Da verspürte Chadidscha eine seltsame Aufregung und Freude und sie rief mit Tränen in den Augen: „O du Zuverlässiger von Mekka!  Du bist immer ein verlässlicher Mensch, rechtschaffen und ehrlich gewesen! Du bist der Helfer der Unterdrückten und die Stütze der Wahrheit und des Rechtes. Alle sprechen von deinem gütigen Herzen und deinem freundlichen Wesen und dein Streben nach der Liebe zu den Verwandten. Darum hat sich der Herr der Welten  dir zugewandt. Ich schwöre bei dem, in dessen Hand das Leben von Chadidscha liegt, dies ist der Lohn für deine Mühen und deine Entsagungen. Friede sei dir, o Prophet Gottes!“

Chadidscha bekannte sich somit als erster Mensch auf der Welt zum Propheten.

                                 

Mohammad (S) war eingeschlafen und Chadidscha war mit einem Herzen voller Gewissheit zu ihrem Cousin, dem weisen Waraqa Ibn Naufal geeilt. Sie  erzählte im alles. Waraqa Ibn Naufal bat sie, dieses Geheimnis zu hüten. Chadidscha fragte ihn: „Mein Cousin, ich möchte mehr über Dschibril wissen!“ Waraqa ibn Naufal sagte:  „Dschibril (Gabriel)  ist der große Engel Gottes und der Vermittler zwischen dem Schöpfer und den Propheten Gottes. Er ist der Engel, der auch Moses und Jesus Offenbarungen überbracht hat. Überall wo er herabkommt,  ereignen sich für die Menschen dort erstaunliche Dinge.“

Chadidschas Augen leuchteten vor Freude und sie sagte: „Er ist meinem Gemahl Mohammad, in der Höhle Hara erschienen. O Sohn meines Onkels. Was steht in den früheren Heiligen Schriften über Mohammad?“

 

Waraqa Ibn Naufal sagte: „Chadidscha!  Ich selber habe in den Überlieferungen der Vorfahren gelesen, dass Gott, der Hocherhabene, in diesem Gebiet einen Propheten berufen wird, der ein Waise ist. Er gewährt ihm Zuflucht und versorgt ihn. Es ist der letzte Prophet und nach ihm wird kein Prophet mehr kommen.  Wenn das, was du mir erzählt hast, sich ereignet hat, dann wisse, dass das was Gabriel der Zuverlässige gesagt hat, die Offenbarung des Herrn  und Mohammad der Prophet Gottes ist. Sag Mohammad,  dass er in seiner Sache  festen Schrittes bleiben soll!“

                                   

Mohammad (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) war also zum Propheten berufen worden und er war beauftragt worden, die Menschen zu dem Einen Gott der Welt herbeizurufen. Als dem Propheten die ersten  Verse der Sure  Muddathir geoffenbart wurde, nämlich:

stehe auf und warne;““ und deinen Herrn, Den preise als den Größten,““ und deine Gewänder, die reinige,“ und die (Unreinheit des) Götzen(dienstes), die meide,“…

da war der Prophet sich sicher, dass Gott durch ihn Sein Licht auf der Erde verbreiten will.

Ali (Friede sei ihm) war der erste männliche Gläubige, der sich zum Propheten bekannte. Zu dem Zeitpunkt war er gerade erst circa 10 Jahre alt.  Als der Prophet Ali den Islam anbot, legte Ali (F) begeistert seine kleinen Hände in die kräftigen Hände des Propheten Gottes(S). Der Prophet drückte ihm die Hände liebevoll und in dem Augenblick sagte Ali (F) mit einem Herzen voller Glauben: „Ich bekenne, dass es keinen Gott außer Den Einen Gott gibt und das Mohammad der Prophet Gottes ist.“ So wurde Ali (F)  mit dem Bekenntnis zu der Einheit Gottes und der Prophetschaft Mohammads(S) zu einer der ersten, die an den Islam glaubten.

Sein ganzes Leben lang hat er mit Leib und Seele für diesen Glauben gekämpft, bis er auf dem Wege Gottes den Märtyrertod fand.

                                 
Die  erste Zelle der Islamischen Gesellschaft bestehend aus drei Gläubigen war nun in Mekka entstanden, und der Prophet begann entschlossen seinen Aufruf zum Glauben an den Einen Gott. Bereits in den ersten Tagen nach der Aussendung begann er, zusammen mit Chadidscha und Ali, das Gebetsritual in der Form, wie es der Engel Gabriel ihn gelehrt hatte, zu verrichten.  Zaid Ibn Haritha war nach Ali der zweite der sich von der männlichen Bevölkerung Mekkas zum Propheten bekannte.

Zu Beginn war es angebracht, dass der Prophet nur heimlich zum Islam einlädt. Diese Zeit des heimlichen Aufrufes hielt circa drei Jahre an. Gezielt rief der Prophet nur diejenigen zum Islam auf, bei denen er eine seelische geistige Glaubensbereitschaft erkannte. Er lud sie ein, von der Götzenverehrung abzulassen und nur dem Einen Gott zu dienen, ihn zu preisen und für Ihn das Gebetsritual  zu verrichten.  Dank der unablässigen Bemühungen des Propheten Gottes war schließlich eine Gruppe von Männern und Frauen dem Aufruf des Gesandten Gottes gefolgt. Diese Zeit der Verkündigung im Verborgenen war eine Gelegenheit um die nötigen Grundlagen für die Ausbreitung des Islams zu schaffen und der Prophet bildete mit diesen ersten Gläubigen die Ausgangszelle für eine islamische Regierung. Da die Zahl der Muslime in diesen drei Jahren noch klein war, waren die Anführer und Götzendiener der Qureisch anfangs nicht über diese neue Bewegung beunruhigt und hielten sie für schnell vergänglich. Also unternahmen sie nichts dagegen.  Die Muslime selber versuchten ihrerseits zu verhüten, dass sich die Götzendiener aufregen und deshalb verrichteten sie ihr Gebetsritual heimlich. Dennoch kam es zu einigen Zusammenstößen zwischen den frischen Muslimen und den Götzenanbetern in Mekka. Als schließlich der Prophet  seine nahen Verwandten zum Islam und zur Anbetung nur des Einen Gottes aufrief und sie vor der Götzenanbetung warnte, begannen die versteckten und offenen Feindschaften gegen den Propheten.  

                                       

Damit eine intensive Reformbewegung sich auf alle Aspekte des Lebens der Bevölkerung auswirken kann  und die Gesellschaft einen vollständigen Wandel  erfährt, sind ohne Zweifel zwei Faktoren erforderlich. Zunächst  müssen Reformer Redemacht besitzen,  damit sie die Ziele ihrer Bewegung völlig klar für alle darlegen. Andererseits ist ein geregeltes System zur Verteidigung notwendig, um bei einem Angriff der Gegner, geeignet zu reagieren. 

                             

Der Prophet konnte sich perfekt ausdrücken und optimal und effektiv die Ziele seiner Bewegung darlegen. Sein Vortrag der Koranverse war  so schön und beeindruckend, dass einige Götzendiener aus Angst, in ihren Bann zu geraten, sich die Ohren zuhielten, wenn sie in der Nähe waren.  Aber was den Faktor der Verteidigung anbelangte, so besaßen die Muslime keine passenden Mittel und Möglichkeiten. In den drei Jahren der heimlichen Verkündung  hatten sich nur 40 Menschen dem Islam angeschlossen.  Doch dann begann der Prophet, der Anweisung Gottes folgend, mit der öffentlichen Verkündigung.

 

                              

Nach Ablauf der ersten drei Jahre lud der Prophet seine nächsten Verwandten ein, sich dem Islam anzuschließen.  Für ein großes revolutionäres Programm muss man natürlich im kleineren Kreise  anfangen und was war da besser, als dass der Prophet Gottes seinen öffentlichen Aufruf bei seinen Verwandten beginnt.  Die Verwandten kannten am allerbesten die Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit und Reinheit des Propheten.  Außerdem verband sie die Verwandtschaftsliebe und diese veranlasste sie eher als andere, ihm zuzuhören, und hielt sie von Neid und Feindseligkeiten ab.  Die Einladung der Verwandten hatte aber auch noch einen anderen Vorteil, nämlich den, dass sie den Propheten, selbst wenn sie ihm nicht folgen, wegen der Stammesverbundenheit und der Verwandtschaftsgefühle verteidigen. Die  Mehrheit der Verwandten des Propheten in Mekka besaß Einfluss.

 In der Sure 26 (Schuara) wird der Prophet aufgefordert:  
„Und warne die Nächsten deiner Sippe.“

Nachdem dem Propheten dieser Vers geoffenbart worden war, lud er 45 Persönlichkeiten seines Stammes ein. Er hatte vor, ihnen während der Bewirtung, sein großes Geheimnis mitzuteilen… 

 

 

 

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Oct 17, 2017 18:51 CET
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