•   Islam richtig kennenlernen (74)

Sie haben im letzten Teil erfahren, dass der Prophet (S) drei Jahre lang heimlich zum Islam eingeladen hat und danach auf Anweisung Gottes  öffentlich zu ihm herbeirief. Den öffentlichen Aufruf begann er bei seinen Verwandten. Er lud die angesehenen Persönlichkeiten seines Stammes ein, um sie zu bewirten und zugleich ihnen eine wichtige Nachricht mitzuteilen. 

 

 


 

  Seine Verwandten kannten die Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit des Propheten besser als alle andere  und außerdem waren sie weniger voreingenommen  und wahrscheinlich würden sie den  Propheten auch dann unterstützen, wenn sie sich nicht zu ihm bekennen.

Langsam rückte der Zeitpunkt, zu dem die Gäste eingeladen waren heran.  Alles war vorbereitet. Die Großen der Sippe Bani Haschemi, darunter die  Oheime des Propheten, trafen einer nach dem anderen ein: Abu Talib, Hamza, Abbas und Abu Lahab.  Es wurde ein großes festliches Tuch ausgebreitet. Ali und Zaid boten den  Gästen einfache aber leckere Speisen an. Nach dem Mahl war die Zeit gekommen, dass der Prophet seine wichtige Mitteilung macht.

Er stand auf und sagte mit klarer Stimme:

„Wahrlich! Niemals wird der Wegführer einer Gemeinschaft seine Verwandten belügen und ich schwöre bei Gott, außer dem es keinen anderen Gott gibt, dass ich Sein Gesandter bin zu euch und zu allen Weltbewohnern. Ihr meine Verwandten! Wisset dass ich nur eurer Wohl will und an nichts anderes denke … Niemand von den Menschen hat für seine Verwandten etwas Besseres überbracht, als das was ich überbringe. Gott hat mich angehalten, dass ich euch zu Ihm herbeirufe.“

Da unterbrach Abu Lahab den Propheten und spottete: „Wir sind gespannt auf dein Geschenk.“

Der Prophet fuhrt fort: „Ich überbringe euch das Glück dieser und der anderen Welt. Ich rufe euch zu zwei Worten herbei. Dem Bekenntnis, dass nur der Eine Gott der Schöpfer ist und dass ich Sein Gesandter bin. Wer von euch wird mich nun in dieser Sache unterstützen, damit er mein Bruder, Stellverstreter und Nachfolger unter euch sei?“ 

                                         

Alle Anwesenden schwiegen. Keiner wollte die Einladung  des Propheten zum Islam annehmen. Bis auf Ali (Friede sei mit ihm), der jüngste von allen.  Der Prophet wiederholte zum zweiten und dritten Mal seine Frage, wer sich im anschließen will. Und wieder meldete sich nur Ali und erklärte ihm seine Unterstützung.   Da sagte der Prophet: „Dieser Junge, ist mein Bruder, Nachfolger und Vertreter unter euch.“

Es ging ein Raunen durch die Versammlung. Abu Lahab begann wieder zu spotten und andere verspotteten Abu Talib  und sagten: „Hat Mohammad dich beauftragt, dass du nach ihm deinen Sohn, Ali, gehorchen sollst?!“ Aber Abu Talib, der immer schon den Propheten unterstützt hatte, bat die anderen zu schweigen und er sagte zum Propheten: „Mein Sohn! Du hast die Botschaft deines Herrn ausgerichtet und wir haben sie gehört. Nun lass uns Zeit, damit wir darüber nachdenken.“

                     

Zu der Zeit war es zweifelsohne sehr schwierig  zum Glauben an den Einen Gott aufzurufen und die Götzenanbetung zu beseitigen. Von Anfang an war klar, dass einige sich dagegen stellen werden. Aber Gott fordert den Propheten auf, offen zum Islam einzuladen, auch wenn die Zahl der Feinde und Spötter groß ist. In den Versen 94 und 95 der Sure 15 (Hidschr) heißt es:

“ So verkünde denn laut, was dir befohlen wird, und wende dich von den Götzendienern ab.

„Wir genügen dir (als Schutz) vor den Spöttern,“

                                      

Der Prophet hatte also seinen allgemeinen Aufruf begonnen.  Er überlegte gut, wie er für den Islam werben kann. Einmal ging er zum Berg Safa und sprach zu den Menschen wie folgt: „Werdet ihr mir glauben, wenn ich euch sage, dass heute Nacht oder morgen ein Feind  euch angreifen wird?“ Die Menschen, die ihm zuhörten, sagten: „Ja, wir werden dir glauben, denn wir haben dich noch nie lügen hören."  Da sagte der Prophet: „Ich bin für euch wie ein Wächter, der den Feind in der Ferne sieht und schnell zu seinem Volk herbeieilt, um es zu retten. O ihr Qureisch! Ich warne  euch vor einer harten Strafe, die auf euch zukommt.“

Aber Abu Lahab, der Onkel des Propheten, wollte nicht, dass die Worte des Propheten eine Wirkung bei den anderen hinterlassen. Er hinderte durch Lärmen und Verleugnungen den Propheten am Weitersprechen und die Menschenmenge verstreute sich wieder.

Der Auftrag des Propheten war mit dem Beginn des allgemeinen Aufrufes zum Islam in eine schwierigere  Phase getreten. Die Ungläubigen unter den Qureisch starteten ihre Feindseligkeiten, offen und heimlich. Die Aristokraten von Mekka waren Götzenanbeter. Sie nutzten die Unwissenheit des Volkes aus,  unterdrückten die Armen und hatten große Reichtümer angehäuft. Gegenüber der Bewegung des Propheten und seiner Einladung zur Anbetung nur des Einen Gottes konnten sie natürlich nicht schweigen.  Diese Bewegung war nämlich gegen jegliche Bevorzugung einer Rasse oder eines Volksstammes, rief  zur Gleichberechtigung und Brüderlichkeit auf und sie schenkte den Sklaven und den Entbehrenden in der Gesellschaft besondere Aufmerksamkeit. 

Also bedienten sich  die Mächtigen von Mekka aller möglichen Methoden, um die Verbreitung der Lehre Mohammads (S) zu verhindern.

Aber die erleuchtenden Koranverse aus dem Munde des Propheten (S) wirkten anziehend auf die empfänglichen Herzen und brachten neues Leben in die abgestorbene  Gesellschaft. Der Prophet rief zur Anbetung nur des Einen Gottes auf. Er tadelte die Götzenanbetung und das Sklaventum, den Zinswucher und die abergläubischen Sitten aus der Vorzeit.

Die Zahl der Muslime in Mekka wuchs. Das versetzte die Götzenanbeter noch mehr in Besorgnis. Ihnen war klar: Solange der einflussreiche Abu Talib seinen Neffen unterstützt, können sie nicht hart gegen den Propheten vorgehen. Einige von ihnen – unter ihnen auch Abu Sufyan suchten Abu Talib auf, um ihn von seiner Unterstützung für den Propheten abzubringen. Abu Sufyan sagte: „O Abu Talib, hindere deinen Neffen an seiner Tätigkeit. Er tadelt unsere Bräuche, er hält uns für unverständig und unsere Väter für abgeirrt.“

Abu Talib gab den  Anführern der Qureisch eine zufriedenstellende Antwort  und beschwichtigte sie. Doch weil der Prophet weiter zum Islam aufrief und die Situation sich zugunsten der Muslime änderte,  suchten die Großen von Mekka erneut Abu Talib auf. Sie setzten ihn unter Druck, damit er seine Unterstützung für den Propheten aufgibt und sagten: 

„O Abu Talib, Wir haben dich gebeten, dass du deinen Neffen von uns zurückhältst. Aber das hast du nicht getan.  Er hält uns für unverständig  und bemängelt unsere Götter. Bei Gott, das können wir nicht länger ertragen.  Wenn Mohammad von seinem Aufruf ablässt, werden wir ihm soviel  Reichtum und Macht überlassen, wie er haben möchte. Und wenn nicht, werden wir ihn und dich, der du sein Unterstützer bist, bekämpfen.“

 

Als Abu Tailb dem Propheten die Botschaft der Anführer des Götzentums mitteilte, sagte der Prophet: „Bei Gott, wenn sie mir die Sonne in die rechte und den Mond in die linke Hand geben würde, damit ich von meinem Tun ablasse, so werde ich dies niemals tun. Ich werde vielmehr mein Werk so lange fortsetzen bis entweder das Gebot Gottes vorwärts kommt oder ich auf diesem Weg sterbe.“ 

Die Worte des Propheten hatten eine so große Wirkung auf das Herz von Abu Talib, dass er ungeachtet aller lauernden Gefahren, ihm versprach: „Bei Gott! Ich werde nicht davon ablassen, dir zu helfen. Erfülle  deine Aufgabe!“

So kam es dass die Götzendiener den Gedanken verwerfen mussten, den Propheten durch Versprechungen von der Verkündung des Islams abzubringen.

 

                                 

Zweifelsohne hat der   Koran während der Prophetschaft Mohammads (S) eine elementare Rolle für die Verwirklichung seiner Vorhaben gespielt. Durch den schönen Klang des Korans wurde der kostbare Inhalt seiner Verse unterstrichen und die Götzendiener von Mekka kamen nicht gegen diese Wirkung   an. Auch gegenüber der  überzeugenden Logik des Korans waren sie sprachlos.  Da aber der Koran immer mehr Einfluss unter dem Volk fand, entschlossen sich die Götzendiener  nach neuen Wegen zu suchen, um den Prophet und die Muslime zu bekämpfen, damit sie der Verbreitung der himmlischen Lehre einen Riegel vorschieben.  Eine ihrer Methoden bestand darin, den Propheten Gottes (S) zu verspotten und zu schikanieren  Sie verleumdeten ihn auch und nannten ihn einen Zauberer oder einen Verrückten. Auf diese Weise wollten sie den Propheten verletzen und ihn  in der Gesellschaft isolieren. Aber der Prophet blieb geduldig. Er hatte eine Geduld wie sie nur bei den Propheten und Gottesfreunde zu finden ist. Der Prophet des Islams (S) ertrug alle Härten und Beleidigungen und so nützten auch diese Machenschaften  der Ungläubigen und der Götzendienern nichts.

 

 

 


 

 

 

 

 

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Oct 17, 2017 18:57 CET
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