•  Islam richtig kennenlernen (75)   

  Wir berichten weiter aus dem Leben des Propheten des Islams (S). Wie gesagt hatte eine neue Phase begonnen, nachdem Hadrate  Mohammad (S) nach drei Jahren nicht mehr insgeheim sondern öffentlich den Islam zu verkünden begonnen hatte. Der Prophet bekämpfte in dieser Phase offen das Götzentum. Mit den Koranversen, die ihm der Reihe nach offenbart wurden, machte er die Menschen auf seine Lehre aufmerksam.

 

 

  Die Koranverse waren von einer einleuchtenden Logik und das Verhalten des Propheten beeindruckend. Einerseits  schlossen sich immer mehr Menschen seiner Bewegung, was andererseits  die Ungläubigen des mächtigen Stammes der Qureisch noch mehr veranlasste, mit alle möglichen Methoden die neue Religion aufzuhalten. Sie verleumdeten den Propheten Gottes und verspotteten ihn. Sie nannten ihn einen Wahnsinnigen oder einen Zauberer. Sie warfen ihm Dornen und Gestrüpp auf den Weg, beschimpften ihn und manchmal bewarfen sie ihn mit Steinen.  Auf diese Weise setzten sie dem Propheten zu und wollten ihn isolieren.

Die  Anführer des Götzentums  setzten die Muslime unter Druck, um das Licht des Islams auszulöschen. Der Prophet jedoch wurde nicht wankelmütig. Er ertrug geduldig alle Schwierigkeiten und Gott tröstete ihn mit den Versen aus dem Koran und spornte ihn an, standhaft zu bleiben.

Die Götzendiener scheuten keinerlei Misshandlung der Muslime. Sie drohten ihnen und quälten sie. Neu Muslime oder Sklaven, die sich zum Islam bekannten, folterten sie besonders heftig Die einen peitschten sie aus oder verprügelten sie, andere zwangen  sie unbekleidet auf dem heißen Wüstensand in der prallen Sonne zu liegen. Damit wollen sie sie von ihrem Glauben an den Einen Gott abbringen. Aber die meisten Muslime erduldeten alle Schikanen und wandten sich nicht von ihrem Glauben ab. Die Zahl der Gefolterten war groß. Einer von ihnen war Bilal.  Bilal war ein Sklave aus Abessinien.  Er gehörte Umaya Ibn  Chalaf.  Als Umaya erfuhr, dass er Muslim geworden war, folterte er ihn in der Öffentlichkeit. Er zwang ihn im heißen Sommer mit entblößten Körper  auf den Kieselsteinen zu liegen und ließ einen großen Stein auf seine Brust wälzen. Dann verlangte er von ihm, dass er seinen Glauben an Mohammad und seinen Gott aufgibt. Aber Bilal wiederholte nur immer folgende Worte:

Ahad, Ahad – Gott ist Einer –Gott ist Einer.  Bilal gab trotz der Folter nicht nach, bis schließlich einer der Wohlhabenden von Mekka ihn freikaufte und freiließ.  Bilal wurde nach seiner Befreiung einer der nahen Gefährten des Propheten.

 

Auch Amar wurde wie seine Eltern, Yassir und Somaya schwer gefoltert. Somaya und Yassir starben unter der Folter, ohne ihren Glauben an den Einen Gott aufzugeben. Das Herz der Muslime  war so erfüllt von diesem Glauben,  dass ihr Wille trotz aller Folterungen nicht gebrochen werden konnte. Der Prophet war  Zeuge der Leiden der Muslime und  darüber sehr bekümmert. Doch inspiriert von den hoffnungsfrohen Koranversen spornte der die Gläubigen an, durchzuhalten und versprach ihnen den Sieg. Angesichts der Härten und Qualen, die seine Helfer ausgesetzt waren, empfahl er ihnen gemäß Anweisung Gottes, nach Abessinien auszuwandern. Dies war eine Möglichkeit, einige seiner Gefährten vor der Gewalt der Götzendiener in Sicherheit zu bringen.

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So kam es, dass die erste Gruppe von Muslimen  zur Wahrung der islamischen Bräuche aus der Stadt Mekka wegzog. Sie begaben sich heimlich nach Abessinien. Es wäre 10 oder 15 Personen, darunter vier muslimische Frauen.  Sie wanderten im Monat Radschab im 5. Jahr nach der Berufung des Propheten aus.  Nach dieser ersten Gruppe zogen weitere Muslime in dieses Land.  Dschafar ibn Abu Talib, der Bruder von Ali war einer der Anführer der Auswanderer. Als die Herrscher von Mekka erfuhren, dass diese Muslime ihnen entkommen konnten,  überkam sie die Furcht, dass die Muslime  in Abessinien etwas bewirken könnten. Daher entsandten sie zwei Stellvertreter mit kostbaren Geschenken zum König von Abessinien, dem Negus, der ein Christ war.  Sie wollten ihn dazu bringen, dass er ihnen die eingewanderten Muslime ausliefert.

                                                   

Als die Gesandten aus Mekka beim Negus eintrafen, überreichten sie erst ihre Geschenke und dann sagten sie: „O Negus,  eine Reihe von unseren jungen kurzsichtigen  und dummen Leute haben sich vor kurzem  von dem Brauch ihrer Vorfahren abgewandt und sich einer neuen Lehre zugewandt.  Es ist eine Lehre, die weder mit eurer noch mit denen unserer Väter übereinstimmt.  Diese Gruppe ist vor kurzem in euer Land geflüchtet  und nutzt die Freiheit in diesem Gebiet aus.  Die Großen unseres Volkes bitten euch, diese Gruppe aus eurem Gebiet auszuweisen, damit sie in ihr eigenes Land zurückkehren.“

Einige der  Minister und Vornehmen zu Hofe stimmten den Gesandten aus Mekka zu und sagten dem Negus, er solle die Muslime ausliefern. Aber der Negus war klug und gerecht. Er sagte:

„Ich werde ihnen niemals die Schar, die in meinem Land Schutz gesucht hat, übergeben, ohne die Sache zu untersuchen.  Ich werde sie erst dann ausliefern,  wenn sich herausstellt, dass das, was diese beiden Abgesandten über sie sagen,  stimmt.

Der Negus ließ die eingewanderten Muslime aus Mekka an den Hof holen. Alle zu Hofe warteten darauf, welchen Entschluss ihr König fassen  würde. Der Negus fragte die Muslime: „Was ist  eure Lehre, die weder wie der Brauch eurer Väter noch wie unsere Lehre, nämlich die Religion Jesu ist?“

Da antwortete Dschafar Ibn Abi Talib: “O König! Wir waren eine Schar von Unwissenden und Götzenanbetern. Wir aßen das Fleisch von verendeten Tieren  und haben laufend Hässliches getan, das Heilige der  Verwandtschaftsbeziehungen nicht beachtet und die Nachbarn schlecht behandelt. Die Stärkeren von uns haben die Schwachen unterdrückt. So war unser Alltag bis Gott er Allerhöchste einen Prophet unter uns auswählte.  Jemand, dessen Herkunft wir kannten und dessen glänzende Vergangenheit hinsichtlich Rechtschaffenheit und  Zuverlässigkeit und Sittsamkeit. Dieser erhabene Prophet  hat uns herbeigerufen zur Anbetung nur des Einen Gottes. Er hat  die Preisung der Götzen getadelt und uns die Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit und gutes Verhalten zu den Verwandten  und Nachbarn ans Herz gelegt. Er bat uns, dass wir uns von Unreinem fernhalten  und uns vom Blutvergießen, Unzucht, Erpressung und dem Übergriff auf das  Eigentum von Waisen enthalten.  Er sagte, dass wir den Einen Gott anbeten sollen und nichts als Teilhaber neben Ihn stellen dürfen. Er forderte uns auf das Ritualgebet zu verrichten, und die Zakkat-Abgabe zu entrichten…“

Dschafar fuhr fort: „Da haben wir ihn bestätigt und an ihn geglaubt. Wir haben den Einen Gott gepriesen und ihm gedient und uns von dem ferngehalten, was er uns verboten hat, und nur das akzeptiert, was Er erlaubt hat …. Das ist der Grund, weshalb die Qureisch  uns anzufeinden begonnen haben. Sie haben uns misshandelt und gefoltert, damit wir von unserer Lehre ablassen und wieder die Götzen anbeten.  Da wir ihrem Unrecht ausgesetzt waren, haben wir in eurem Land Schutz gesucht, um unsere Religion zu wahren. Und wir hoffen, dass niemand in eurem Land uns ein Unrecht antut.“   

 

                                         

Der Negus war so beeindruckt von dem, was Dschafar gesagt hatte, dass er ihn bat, einige Verse aus dem Himmelsbuch des Propheten vorzutragen. Da  zitierte Dschafar Verse aus dem Beginn der Sure 19 (Maryam) in denen über die Keuschheit der Jungfrau Maria und über den Rang von Jesus gesprochen wird.

Dem Negus rollten beim Zuhören Tränen über die Wangen und nässten seinen Bart. Auch die Geistlichen, die bei ihm standen, weinten.  Der Negus sagte:  Bei Gott, das ist die Wahrheit. Was der Prophet euch überbracht hat, stammt aus der gleichen Quelle wie das, was Jesus der Sohn der Maria  überbrachte. Ihr könnt beruhigt sein! Ich werde euch niemals diesen beiden Leuten ausliefern.“

                     

Wider Erwarten mussten die beiden Abgesandten der Quraisch die Versammlung unverrichteter Dinge verlassen.   Amr Ibn Aas der Abgesandte der Qureisch ging noch einmal zum Negus und sagte: „O König!  Diese dummen Leute sagen Komisches über Jesus, was nicht eurer Meinung entspricht. Schickt jemanden nach ihnen und befragt sie über Jesus!

Der Negus fragte Dschafar Ibn Abtu Talib: „Wie denkt ihr über Jesus Christus?“ Dschafar  antwortete: „Wir sind davon überzeugt, dass Hadrat-e Jesus der Diener Gottes und sein Prophet ist. Er ist ein Leben und ein Wort von Gott, welches Maryam verliehen wurde. „ Der König von Abessinien antwortete: „Du sprichst die Wahrheit!“

Er lobte die Überzeugungen der Muslime und sagte: Ihr könnt hier  in Abessinien überall hingehen und wisset, dass ihr bei uns in Sicherheit seid.“  Dann gab er die Geschenke der Qureisch an deren Abgeordneten zurück.  Die Muslime konnten in Abessinien ein gutes Leben in Sicherheit führen.

 

 

 

Oct 17, 2017 19:05 CET
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