• Islam richtig kennenlernen (76)  

Wir schlagen eine weitere Seite in der Biografie des Propheten auf (Gottes Segen sei auf ihm und Frieden seinem Hause).

 

 

 

                              

Es waren sieben Jahre vergangen, seitdem Mohammad (S) von Gott zum Propheten berufen worden war.  Auf der ganzen arabischen Halbinsel hatte sich die Kunde vom Islam verbreitet. Die Religion strömte  wie ein lebensspendender Fluss aus der edlen Quelle der Offenbarung und stillte den Durst der Wahrheitssuchenden.  Die Götzendiener hatten vergeblich versucht, die Gruppe von  Muslimen, die  nach Abessinien ausgewandert waren, zu einer Rückkehr zu zwingen. Der Erfolg des Islams, der den Glauben an den Einen Gott lehrte, bereitete den Anführern der Götzenanbetung in Mekka große Sorgen. Alle ihre Gegenmaßnahmen waren gescheitert.  Da fassten sie den üblen Entschluss, die Muslime auf allen Linien zu boykottieren und zu isolieren. 

 

Die Anführer der mächtigen Qureisch stellten ein Abkommen auf und 80 von ihnen unterzeichneten es. Das Abkommen über die Boykottierung der Muslime legten sie in eine Schatulle und hängten es in der Kaaba auf. Laut diesem Abkommen einigten sie sich auf den Abbruch aller Beziehungen zu dem Propheten und der Familie der Bani Haschim. Sie wollten keine Verwandschaftsbeziehungen mehr zu ihnen pflegen, jeden Handel mit ihnen abbrechen und sie im Unglück nicht mehr unterstützen.  Durch die Wirtschaftsblockade gegen die Bani Haschim  wollten sie die Verbreitung des Islams eindämmen.  

 

Auf diese Weise machten die Islamfeinde dem Propheten und den Muslimen das Leben sehr schwer. Aber Abu Talib, der Mohammad als Einziger unterstützte, blieb nicht tatenlos. Er bat alle seine Verwandten, dass sie dem Propheten in dieser schweren Lage beistehen.

                                      

Die Wirtschaftsblockade brachte die Muslime immer mehr unter Druck, so dass die Familie der Bani Haschim nicht weiter in Mekka bleiben konnte.  Daher siedelten sie in ein Tal, in der Nähe der Stadt über, das Abu Talib gehörte und nach ihm  Schiyb Abu Talib , das  Tal des Abu Talib,  benannt wurde. In diesem gab es nur ein paar ärmliche Häuser und nur wenig Schatten. Um einen Überraschungsangriff des herrschenden Stammes der Qureisch zu verhindern, stellten die Muslime Posten auf den Anhöhen auf.  Außerdem achteten sie sorgfältig darauf, dass dem Propheten nichts zustößt.

 

Die Blockade dauerte drei Jahre lang. In dieser Zeit gerieten die Bani Haschim unter unerträglichen Druck. Die Anführer der Götzendiener gaben haargenau darauf Acht, dass niemand dieser Sippe  etwas abkauft oder ihnen etwas verkauft oder ihnen Nahrung bringt.  Manchmal bestand die Nahrungsration  der Männer nur aus einer Dattel am Tag.

 

In diesen drei Jahren gab es  nur in den Heiligen Monaten einige Erleichterungen für die Muslime im Tal des Abu Talib. Diese Heiligen Monaten galten auch für die Polytheisten als eine Zeit, in der überall Sicherheit und Frieden zu bewahren war.  Die Muslime verließen in dieser Zeit das Tal, um ein wenig Handel zu betreiben. Nur in dieser Zeit fand der Prophet erneut Gelegenheit seine Lehre unter der Bevölkerung von Mekka und in der Umgebung dieser Stadt zu verkünden. 

Allerdings ließen die Götzenanbeter der Qureisch auch in den Heiligen Monaten nicht davon ab, die Muslime zu schikanieren.

                                    

Während der Blockade überwachten die Spione der Qureisch die Wege die zum Tal des Abu Talib führten um sicher zu sein, dass keiner den Muslimen Nahrung bringt.  Aber ihre erbarmungslosen  Sanktionen konnten die Gläubigen nicht von ihrer Standhaftigkeit abbringen. Wie die Geschichtsschreiber  berichten haben der Prophet, seine Gemahlin Chadidscha und Abu Talib während der Blockade alles, was sie noch besaßen, vergeben.

 

Es war eine schwere Zeit für die  Bani Haschim. Sie litten Not und Hunger und ihre Kinder weinten in der Nacht und der Hitze des Tages.  Der Prophet rief die Gläubigen mit einer einmaligen Geduld zur Ausdauer auf und oftmals verzichtete er auf seine eigene Nahrungsration und verteilte sie unter den anderen.  Seine Gemahlin Chadidscha und sein Onkel Abu Talib waren seine größten Unterstützer in dieser schweren Zeit.

 

                                       

Drei Jahre waren seit Beginn der Blockade vergangen als Offenbarungsengel Dschibriil (Gabriel) dem Propheten erschien und ihn wissen ließ, dass die Termiten das Schriftstück, auf dem  das  Bündnis zwischen den Götzendienern gegen die Muslime  stand und das in der  Kaaba in einer Schatulle hing,  vernichtet hatten. Von dem Text sei nur noch der  Name Gottes verblieben.

Der Prophet unterrichtete Abu Talib davon. Zusammen mit ihm und mit einigen anderen Muslimen verließen sie das Tal und gingen zur Kaaba. Einige der Qureisch sahen sie neben der Heiligen Moschee sitzen. Sie fragten Abu Talib: „Ist es nicht an der Zeit, dass du aufhörst deinen Neffen zu unterstützen?“ Da sagte Abu Talib:

„Mein Neffe hat von seinem Herrn eine Botschaft erhalten und wenn es stimmt, was er sagt, dann müsst ihr aufhören uns zu meiden und zu boykottieren. Und wenn es eine Lüge ist, dann überlasse ich ihn euch.“

Die Götzendiener willigten ein. Sie fanden die Bedingungen von  Abu Talib fair.  

Abu Talib sagte daraufhin: „Mohammad hat erklärt, dass die Termiten den Bündnispakt zerfressen haben.“ Sie aber sagten: „Mohammad lügt!“

Abu Talib bat sie, das Schreiben aus der Kaaba herauszuholen. Da sahen sie, dass das Schriftstück bis auf einen kleinen Teil, auf dem der Name Gottes stand, von den Termiten zerfressen worden war. Damit wurde klar, dass der Prophet die Wahrheit gesagt hatte. In Erkenntnis des Wunders bekannten sich einige sofort zum Islam.

                                     

Die Anführer der Qureisch waren Zeuge der Vernichtung ihres schriftlichen Bündnisses geworden.  Außerdem wussten sie um die Antipathien, die sie in Mekka und Umgebung   durch das Unrecht an den Muslimen, eingehandelt hatten.   Zudem mussten sie gemäß Vereinbarung mit Abu Talib die Blockade abbrechen.

Die Bani Haschim  konnten also   in ihre Häuser in Mekka zurückkehren.  Doch die Anführer der Götzendiener  hörten nicht auf mit ihren Feindseligkeiten.  Bald darauf starb Abu Talib, der Onkel des Propheten. Der Prophet war sehr traurig über diesen Verlust. Kurz vor dem Sterben legte Abu Talib seinen Kindern ans Herz:

„Ich möchte euch Mohammad anempfehlen. Denn er ist der Amin (der Zuverlässige) der Qureisch und der Ehrlichste der Araber und mit allen Tugenden geschmückt. Er hat eine Lehre überbracht, an welche die Herzen glauben. Aber aus Angst vor Tadel verleugnen die Zungen sie. Ich sehe, dass die Schwachen sich zu seiner Unterstützung erheben und Mohammad mit ihrer Hilfe aufgestanden ist, um die Reihen der Qureisch zu durchbrechen. Ihr meine Verwandten, werdet Freunde und Unterstützer seiner Religion, des Islams. Jeder der ihm folgt, wird glücklich werden. Wenn mir der Tod noch eine Frist gewähren würde, so würde ich die schlimmen Ereignisse dieser Zeit von ihm abwenden.“

                                      

Schon bald danach verlor der Prophet auch einen anderen großen Unterstützer – seine Gemahlin Chadischah.

Beide bitteren Ereignisse  trugen  sich im 10. Jahr nach seiner Aussendung als Prophet Gottes zu.

Abu Talib hatte großen Einfluss in Mekka besessen und den Propheten vor den Drohungen der mächtigen Götzendiener geschützt und Chadischah hatte ihr ganzes Vermögen für den Fortschritt des Islams hergegeben.

 

                                               

Die Götzendiener setzten  ihre hasserfüllten Taten fort und der Prophet war laufend  Drohungen ausgesetzt und sein Leben war in Gefahr.  Nur wenige Tage nach dem Tod von Abu Talib schüttete einer der Qureisch dem Propheten  Asche aufs Haupt. Als er nach Hause kam und seine Tochter Fatima (Friede sei ihr) ihn sah, holte sie Wasser herbei und begann weinend sein Haupt und Antlitz zu säubern. Der Prophet tröstete sie:  „Weine nicht! Gott wird deinen Vater schützen.“ Dann füge er hinzu: „Als Abu Talib noch lebte, konnten die (Götzendiener der) Qureisch nicht so etwas mit mir tun.“

 

 

Die Verschwörungen und Schikanen und Drohungen der Götzendiener eskalierten nach dem Tod von Abu Talib  weiter, und schließlich einigten sich die Islamfeinde darauf, den Propheten umzubringen.  Sie wollten nicht, dass der Ruf des Islams weiter in Mekka und Umgebung zu hören ist.  Die Muslime mussten also nach neuen Wegen und nach neuen Orten suchen, um den Islam verbreiten zu können. Da bot die Auswanderung nach Medina die beste Alternative…

 

 

 

 

 

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Oct 17, 2017 19:15 CET
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