• Islam richtig kennenlernen (77 )   

Im letzten Teil waren wir an dem Punkt im Leben des Propheten angelangt, wo er  sich entschied wegen  der Misshandlung der Götzendiener in Mekka, zusammen mit den Gläubigen, diese Stadt zu verlassen. Doch vor seiner Auswanderung,  der Hidschra, ereigneten sich noch während seiner Sesshaftigkeit in Mekka einige wichtige Ereignisse über die wir berichten sollten. Eines davon war die wunderbare Reise des Propheten von der Heiligen Moschee in Mekka zur Al-Aqsa-Moschee in Bait-ul Muqaddas (Jerusalem)

 

 

.  Von der Himmelfahrt (Muaridsch) des Propheten des Islams (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) wird in zwei Suren des Korans offen gesprochen. Auch gibt es in weiteren Suren Hinweise darauf. 

Im Vers 1 der Sure 17 (Isra)  begegnen wir folgenden Worten Gottes:

 Preis sei dem, der Seinen Diener bei Nacht von der geschützten Gebetsstätte zur fernsten Gebetsstätte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, reisen ließ, damit Wir ihm (etwas) von Unseren Zeichen zeigen. Er ist ja der Allhörende, der Allsehende.

Gott führte den Propheten zu einem Zeitpunkt auf diese Reise, wo  die Götzendiener ihrer Ablehnung  und Leugnung auf die Spitze getrieben hatten. Die Himmelfahrt blieb als ein unbeschreibliches Wunder im Leben des Propheten (S) verbucht. 

 

Der Heilige Koran erklärt, dass Gott auf dieser Reise dem Erhabenen Propheten des Islams die Zeichen und faszinierenden Dinge der Schöpfung zeigen wollte, damit er, nachdem er die Reiche des Daseins gesehen hat, der Menschheit die Wege zu Glück und Glückseligkeit zeigt. 

Das faszinierende Ereignis der Himmelfahrt hat der ohnehin großartigen, einmaligen Persönlichkeit des Propheten noch mehr Größe verliehen. Auf dieser  Reise durch die verborgenen Welten  lernte der Prophet des Islams die verborgenen Wahrheiten der Schöpfungsordnung kennen. Ihm wurde die Belohnung der Rechtschaffenen und die Bestrafung der  Übeltäter vorgeführt und dies waren wichtige Erfahrungen, die er von seiner Himmelfahrt mitbrachte. Während dieses großartigen außergewöhnlichen Ereignisses bereiste er sieben Himmel.  In jedem Himmel grüßten ihn die Engel und verkündigtem  ihm frohe Botschaften.  Nach dieser Reise durch die himmlischen Gefilde und verborgenen Himmelsphären blickte der Erhabene Prophet   anders auf die Welt und ihre Bewohner. Sein Blick hatte sich geweitet und sein Herz war mit noch größerem Wissen erfüllt und so konnte er auf eine neue Weise zu den Menschen über die Größe der Schöpfung sprechen.  Hadrat-e Mohammad (S) nutzte die Dinge, die er während der Himmelfahrt erlebt und gehört hatte und beschrieb bei jeder geeigneten Gelegenheit den Gläubigen  diese Wahrheiten, um ihr Wissen und Bewusstsein zu erweitern. Er setzte diese Erfahrungen ein, um die Menschen zu lehren und ihnen den Weg zu weisen.

                                     

Ein weiteres wichtiges Geschehen vor der Hidschra, waren zwei Bündnisse, die der Prophet des Islams (S) mit Bürgern aus Yathrib, wie die Stadt Medina zu dem Zeitpunkt noch hieß,  schloss.

Diese beiden Bündnisse sind als Aqabah-Bündnisse bekannt. Durch diese Bündnisse zwischen dem Propheten und Muslimen in Medina wurden die Voraussetzungen für die Auswanderung des Propheten nach Medina geschaffen. Zuvor hatte der Prophet (S) eigentlich eine Auswanderung nach Taif, einer anderen Stadt circa 70 km südöstlich von Mekka, geplant. Doch hatten die dortigen Mächtigen das Volk gegen in aufgehetzt, als er alleine in die Gegend gekommen waren, so dass er mit Steinen beworfen wurde und beinahe ums Leben gekommen wäre. Also nahm der Prophet Abstand von einer Auswanderung nach Taif. Wir sollten nun die Auswanderung des Propheten nach Medina und die Umstände unter denen es zu dieser schicksalsbedeutenden Reise kam, beschreiben.

                                     

 

  Nachdem die Qureisch immer mehr die Muslime schikanierten, ordnete der Prophet die Auswanderung nach Medina an.  Die Muslime verließen unter verschiedenen Vorwänden Mekka und machten sich auf den Weg nach Medina.  Schließlich hatten sich fast alle  von ihnen vor den Qureisch in Sicherheit bringen können und es waren nur noch der Prophet (S), Ali (F), Abu Bakr und eine kleine Schar von Muslimen, die im Kerker saßen oder krank waren,  zurückgeblieben.

Den Qureisch befürchteten nun, dass aus  Medina der nächste  Stützpunkt für den Propheten werden könnte.  Ihre Anführer versammelten sich an einem Ort namens Dara annadwa um sich zu beraten. Ihr Sprecher sagte:  „Jetzt, wo das Fass voll ist, müssen wir einen Mutigen unter uns auswählen, der heimlich dem Leben Mohammads ein Ende setzt und wenn die Bani Haschem sich zum Protest erheben, zahlen wir das Sühnegeld für ihn.“ Aber ein Unbekannter in ihrer Runde, der sich mit Nadschdi vorstellte, verwarf diesen Gedanken und sagte: „Dies lässt sich nicht verwirklichen. Denn die Bani Haschem werden den Mörder von Mohammad nicht am Leben lassen und sich nicht mit einem Sühnegeld für ihn abfinden. Wer sich freiwillig zur Durchführung dieses Planes meldet, der muss als erster selber auf sein Leben verzichten und unter euch gibt es niemanden, der so ist.“

Da ergriff wieder einer der Anführer der Qureisch das Wort und sagte: „Wir sollten den Propheten einsperren und auf diese Weise die Verbreitung seiner  Lehre verhindern.“ Aber jemand anders hatte eine weitere Idee und sagte: „Wir müssen ihn auf ein störrisches Kamel setzen, ihm die Beine festbinden und das Kamel aufschrecken, damit es ihn gegen Felsen und Gestein stößt.  Bleibt er am Leben, wird er in das Gebiet von fremden Stämmen gelangen und wenn er dort seine Lehre verbreiten möchte, werden sie ihn umbringen, denn sie gehören zu den besonders  strengen Götzenanbetern.“

Aber auch diese Idee wurde abgelehnt, bis schließlich Abu Dschahl sagte:  „Die einzige unproblematische Lösung wäre, dass von jeder unserer Sippen jemand  ausgesucht wird und diese Leute dann gemeinsam in der Nacht das Haus Mohammads stürmen und ihn töten.  In einem solchen Fall werden die Bani Haschemi nichts ausrichten können, denn sie haben alle Sippen vor sich.“

Alle Anwesenden stimmten dem Vorschlag zu. Die entsprechenden Leute wurden für die Durchführung der Verschwörung ausgesucht.

                                    

Die Feinde des Propheten (S) kamen nicht auf den Gedanken, dass auch Mohammad wie andere Propheten aus dem Verborgenen Beistand erhielt. Sie dachten nicht daran, dass jene Hand, welche bis dahin diese leuchtende Fackel vor dem Sturm der Ereignisse geschützt hatte, auch diese  Verschwörung gegen den Propheten vereiteln kann. 

Gemäß den Koranexegeten bezieht sich  der Vers 30 der Sure 8 (Anfal) darauf, dass der Offenbarungsengel Gabriel den Propheten über das Vorhaben seiner Feinde in Kenntnis setzte.  In diesem Vers heißt es:

„Und als diejenigen, die ungläubig sind, gegen dich Ränke schmiedeten, um dich festzusetzen oder zu töten oder zu vertreiben. Sie schmiedeten Ränke, und (auch) Allah schmiedete Pläne. Aber Allah ist der beste Planer.“

Es war Gottes Wille, dass der Prophet die Stadt verlässt, während jemand anders sich des Nachts auf sein Bettlager legt, damit die Götzenanbeter denken, dass der Prophet noch im Hause ist.  Für dieses gefährliche Vorhaben kam nur der opferbereite Ali (F) in Frage. Der Prophet (S) sagt zu ihm: „Leg dich heute Nacht an meine Schlafstelle  und decke dich mit dem grünen Tuch, mit dem ich mich immer beim Schlafen zudecke, zu. Die Feinde habe ein Mordplan gegen mich geschmiedet und ich muss nach Medina auswandern.“

                                                          

Die Nacht  begann  und Ali (F) hatte sich dort zum Schlafen hingelegt, wo der Propheten immer schlief.  Unterdessen  begannen 40 Leute das Haus des Propheten zu umzingeln und ließen es nicht mehr aus den Augen. Doch Gott, der Allmächtige wollte, dass der Prophet  unbemerkt das Haus verlässt und  dem Mordanschlag dieser Niederträchtigen entkommt.

 Die Verschwörer warteten bis kurz vor dem Morgengrauen auf den Befehl zum Angriff.  Schließlich  erschienen sie, die Hand am Säbelknauf, aufgeregt am  Schlaflager des Propheten. Aber wer sich vom Kissen erhob und das grüne Tuch beiseite schlug war nicht der Prophet sondern sein treuer Helfer  Ali (Friede sei mit ihm). Gelassen fragte er sie, was sie wollen.  Sie riefen: Wir wollen Mohammad! Wo ist Er?“ Ali antwortete:  „Habt ihr ihn denn mir überlassen, so dass ich ihn euch wieder ausliefere? Er ist nicht im Haus.“

                             

Die Männer, die gekommen waren, um den Mordauftrag durchzuführen, waren wutentbrannt. Der Mordplan war gescheitert und die Qureisch waren überaus verärgert darüber. Da  Mohammad nach ihrer Meinung noch nicht weit von Mekka entfernt sein konnte, machten sie sich auf die Suche nach ihm. Um ihn abzufangen und festzunehmen,  postierten  sie an allen Wegen nach Medina  Wächter und bestellten versierte Spurenleser.  Einige der Quraisch ergriffen selber die Initiative. Sie durchkämmten die nördlichen Teile von Mekka, von wo aus man normalerweise die Stadt in Richtung Medina verließ.  Aber der Prophet war, um ihr Vorhaben zu vereiteln, in den Süden von Mekka gegangen. Er verbarg sich in einer Höhle namens „Thaur“, zusammen mit Abu Bakr.  Die Leute der Qureisch kamen bis dicht an diese Höhle heran. Aber Gott hatte Beistand geschickt und eine Spinne frisch ihr Netz vor den Eingang weben und eine Taube ein Nest bauen lassen. Beim Anblick des Spinngewebes und des Taubennestes dachten die Verfolger, dass niemand in der Höhle sein kann und betraten sie nicht.

Die Späher der Qureisch suchten 3 Tage und Nächte lang nach dem Propheten, aber dann gaben sie alle die Hoffnung auf.

So konnte der Prophet(S) Mekka in Richtung Medina verlassen.  Es heißt in der Geschichtsschreibung, dass der Prophet beim Verlassen von Mekka gesagt hat: „O Mekka, bei Gott! Ich verlasse dich und ich weiß, dass du das liebste und am meisten geschätzte Stück Land für Gott bist und wenn mich deine Bewohner nicht vertrieben hätten, dann hätte ich dich nicht verlassen.“

 

 

Oct 17, 2017 19:30 CET
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