•  Islam richtig kennenlernen (79)      

Mit der Hidschra des Propheten,  seiner Auswanderung von Mekka nach Medina,  beginnt  die Zeitrechnung des Islams und mit Eintreffen des Propheten in Medina ein neues Kapitel in der Geschichte der Verbreitung des Islams.  Das erste Kapitel in dieser Geschichte bestand in dem Wirken des Propheten (der Segen Gottes sei auf ihm und Friede seinem Hause) in seiner Heimatstadt Mekka.  Das zweite Kapitel in Medina dauerte 10 Jahre.  Hadrat-e Mohammad (S) hat Medina in einen religiösen, gesellschaftlich

                         

 

Der Prophet hat also zur Errichtung einer islamischen Regierung und für die langfristige Zukunft der Islamischen Gemeinde (Umma)  die Muslime in Medina umeinander versammelt um eine neue kulturelle und gesellschaftliche Identität zu schaffen. Das war einer seiner wertvollsten Schritte.  Die Bekämpfung der Götzenanbetung und Vielgötterei  und die Verbreitung des Glaubens nur an den Einen Gott (Tauhid), erforderte eine Gesellschaft mit gemeinsamer Identität. Der Prophet des Islams  baute diese gemeinsame Identität auf dem Tauhid-Glauben auf.   Dieser Glaube an nur den Einen Gott und die Religiosität waren das wichtigste Merkmal der vom Propheten Mohammad (S) gegründeten Gesellschaft und Regierung.

 

Mit dem Ruf  -  قولوا لا اله الا الله تفلحوا     „Sagt: Es gibt keinen Gott außer dem Einen Gott, damit ihr gerettet werdet“ verkündete der Prophet des Islams, dass der Mensch nur zur Seligkeit und Rettung findet, wenn er  sich zu Gott als den Einen Gott, der keine Teilhaber hat, bekennt.

Inmitten einer Umgebung voller Aberglauben und Unwissenheit  gründete der Prophet ein neues Regierungssystem, das auf dem Gedanken des Tauhids basierte. In dieser Tauhid-Regierungsordnung in Medina  ist der eigentliche Herrscher, Gott,  der Allmächtige, d.h. Herrschaft und Gesetz stammen von Gott. Gott verfügt über alles.  Natürlich wählt Er für die islamische Gesellschaft einen Menschen wie den Propheten, der rein von Sünden und Irrtümern ist, damit die göttlichen Gesetze und Bestimmungen umgesetzt werden.

 

In dieser Tauhid-Ordnung gilt es als verwerflich, dass der Mensch einen anderen Menschen oder Gegenstände anbetet, sondern Anbeten und Dienen  sollen nur auf den Einen Gott ausgerichtet sein.  Daher bildeten die Liebe zu Gott und der Glaube an Ihn das Handlungsmotiv in der Tauhid-Gemeinschaft des Propheten (S). Der Glaube entsprang dem Herzen der Menschen und verlieh ihnen die korrekte Orientierungsrichtung für ihr Handeln.

 

Ebenso war die Beachtung der Gerechtigkeit ein wichtiges Merkmal der Regierung des Propheten (S) in Medina.

                       

Die Gerechtigkeit ist eine Notwendigkeit in der Daseinswelt. Die göttlichen Gesetze und die göttliche Handhabe basieren auf der Gerechtigkeit. Ohne Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit kann die Menschheit nicht zu ihrem Wohl gelangen. Ohne Gerechtigkeit gehen menschliche Gesellschaften und politische Mächte zur Willkür über und gehen schließlich zugrunde. Der Prophet des Islams (S)  hat es als eines der wichtigen Ziele, die er bei der Gründung seiner politischen Ordnung verfolgte, bezeichnet, Gerechtigkeit herzustellen und Unrecht und Unterdrückung zu verhüten. Er hat gesagt: „Fürchtet euch vor dem Fluch des Unterdrückten, denn zwischen einer solchen Verwünschung und (der Erhörung durch) Gott gibt es keinen Schleier.“ Der Prophet  mahnte auch die Unterdrückten, dass sie nicht gegenüber dem Unrecht der Unterdrücker schweigen dürfen.

Im Koran wird der Grundsatz der Gerechtigkeit an zahlreichen Stellen hervorgehoben und alle werden angespornt, Gerechtigkeit walten zu lassen. Der Prophet (S) hat sich sehr dafür eingesetzt, dass in seiner Gemeinschaft die Gerechtigkeit beachtet wird.  In der islamischen Gesellschaft zur  Zeit des Propheten waren alle gleich gestellt und einander Brüder. Keiner stand über einem anderen, es sei denn er war gottesfürchtiger. Der Prophet (S) hat nicht Reichtum und Macht als Kriterium für Überlegenheit genannt. Weder hat er einen Armen wegen seiner Armut herablassend, noch einen Wohlhabenden wegen seines Besitzes besonders respektvoll behandelt. Vielmehr hat er  gesagt:  „Wenn jemand sich gegenüber einem Reichen, der zu ihm kommt, unterwürfig zeigt, weil er sich vom Weltlichen und von dessen Reichtum etwas zu seinem Vorteil verspricht, der hat zwei Drittel seines Glaubens verloren.“

 

Im Zusammenhang mit dem Grundsatz der Gerechtigkeit  gehörte es ebenso zu dem sozialen und politischen System des Propheten, Rassendiskriminierung, Stammesstolz und Benachteiligungen zu verwerfen.  Der Prophet hat in seiner jungen Staatsordnung völkischen Fanatismus bekämpft und bekanntgegeben dass nur die Gottesfürchtigkeit und die Rechtschaffenheit ein Kriterium dafür ist, das jemand anderen voraus ist und höher eingestuft wird.  Um zu demonstrieren, dass der Islam die Rassendiskriminierung verurteilt hat der Prophet den ehemaligen Sklaven Bilal aus Afrika zu seinem besonderen Muezzin – dem Gebetsaufrufer ernannt und er hat Salman Farsi, der ein Iraner und naher Helfer   war, gelobt.  Auf diese Weise hat der Prophet tatkräftig die diskriminierende Einstellung in der damaligen Gesellschaft bekämpft und stattdessen göttliche Werte zum Kriterium für die Übergabe eines wichtigen Amtes und die soziale Stellung  gemacht.

                               

 

Doch die junge Staatsordnung des Propheten hatte noch weitere Merkmale. Sie legte großen Wert auf Gelehrsamkeit und Religionswissen.  Die ersten Verse, die  dem Propheten des Islams offenbart wurde, beginnt mit der Aufforderung zum Lesen und in ihnen wird Wissen und die Bedeutung des Schreibens hervorgehoben.  Dies zeigt deutlich, wie hoch das Wissen im Islam eingestuft wird.  In der vom Propheten in Medina begründeten Gesellschaft war es ein Merkmal für Überlegenheit, wenn jemand großes Wissen und Weisheit besaß.

Überhaupt kann sich eine Zivilisation und politische und soziale Ordnung nur entfalten, wenn sie mit Wissen und Weisheit einhergeht.

 

Wir sehen in der Geschichte, dass das Ansehen der Kirche zurückging, nachdem einige abergläubische und unwissenschaftliche Gedanken dem Christentum zugefügt wurden, und es auf falsche Wege geriet. Als die Kirche im Mittelalter Wissenschaft und Wissen bekämpfte  und unlogische Maßnahmen ergriff, schuf sie im Westen Bedingungen, die das säkulare Denken begünstigt hat.  Aber die gesellschaftlichen Ordnung und die Zivilisation, welche der Prophet des Islams den Weltbewohnern vorstellte, lehnen wissenschaftliche und rationale Erkenntnisse nicht nur nicht ab, sondern regen den Menschen ständig zum Wissenserwerb und Nachdenken an. Daher wurde der Islam zur Wiege von großen Denkern und Gelehrten in verschiedenen Fächern.

 

In der Tauhid-Regierungsordnung des Propheten mit ihrer universalen Ausrichtung waren würdiger Charakter,  Gelehrsamkeit,  Gottesfürchtigkeit und Gerechtigkeit die wichtigsten Kriterien für eine höhere Einstufung von Personen.

                       

Ein weiteres Anliegen des Propheten hinsichtlich der Regierungsordnung war die Einheit der Islamischen Gemeinde.  Wie gesagt, hat der Prophet nach seiner Ankunft in Medina Verträge zwischen den verschiedenen Bündnissen abgeschlossen.  Der allgemeine Bündnisvertrag von Medina ist einer der wichtigsten von ihnen. Er war der erste Vertrag zwischen dem Propheten (S) und den Sippen und Volksstämmen in Medina. Diese Verträge waren das beste Mittel zur Herstellung von einer nationalen Einheit und religiösen Solidarität. Die Einheit zwischen den zerstrittenen Stämmen war nötig, um eine politische Einheit zu erzielen.  Auch das Bündnis zwischen den Muhadschirin (den Einwanderern aus Mekka) und den Ansar (den Muslimen in Medina) war eine Maßnahme zur Erreichung von Einheit. Mit der Verbrüderung zwischen ihnen wurde, um die Achse des Gottglaubens, Freundschaft hergestellt. Durch das Brüderbündnis konnte der Prophet die Muslime vor einigen Gefahren schützen. 

Die Hervorrufung einer emotionalen und gesellschaftlichen Verbundenheit zwischen den Muslimen und der Frieden unter ihnen war eines der großen Anliegen, auf die der Prophet (s) immer bedacht war.  Im Heiligen Koran wird von der Verbrüderung als der höchsten Stufe der Beziehungen zwischen den Gläubigen  gesprochen.  Verwerfung und Abneigung, Neid und Feindschaft schaden der seelischen Gesundheit des Menschen und verhindern die Beschäftigung mit konstruktiven und kreativen Dingen. Von aufbrausenden und aggressiven, feindseligen Menschen kann man kein fruchtbares Denken erwarten. Streit und Misstrauen und Feindschaft vergällen das Leben in einer Gesellschaft.  Daher hat der Prophet gemäß einer Überlieferung gesagt: „Soll ich euch ein Werk vorstellen, welche über dem religiösen Fasten, dem Ritualgebet und dem Spenden steht?  Dieses Werk ist die Versöhnung zwischen den Menschen. Wahrlich!   Verderbnis unter den Menschen hat die Vernichtung zur Folge!“

 

Der Prophet verfolgte in seiner Staatsordnung ebenso die Wiederbelebung der moralischen Werte und ihre Verbreitung und er lebte jene, die die hohen moralischen Tugenden besaßen. Er lobte diese Eigenschaften auch bei Andersgläubigen.  

 



 

 

Tags

Oct 18, 2017 11:41 CET
Kommentar