• Islam richtig kennenlernen (81 – Beendigung von  Sklaventum und  Rassismus)

Wir möchten heute über die Wege sprechen, die der Prophet bei der Verwaltung der Islamischen Gesellschaft wählte.


 

    

Wenn wir die Biografie des Propheten betrachten, begegnen wir der Tatsache, dass der Prophet, als er in  Medina den Grundstein für das mächtige Islamische Reich legte, alles für Herstellung der Gerechtigkeit und Wiederbelebung der göttlichen und menschlichen Werte tat.  In einer universalen Charta hat er das Streben nach Gerechtigkeit und Gleichstellung der Menschen vor dem Gesetz in der Gesellschaft bekannt gegeben und die Kriterien für die Achtung der Menschenrechte festgelegt.

                            

Eine wichtige Sache,  für die sich der Prophet des Islams (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) voll und ganz einsetzte, war die Bekämpfung von Diskriminierung und sozialer Ungleichheit. Der Prophet (S) war fest davon überzeugt, dass die Menschen alle die gleiche Gott gegebene innere Natur (die Fitra) und menschlichen Gefühle besitzen. Daher sagte er, dass niemand wegen Rasse, Hautfarbe oder Sprache hinsichtlich der Menschenrechte bevorzugt bzw. benachteiligt werden darf, selbst dann nicht,  wenn er einen höheren Grad an Wissen besitzt. Der Prophet akzeptierte daher auch nicht, dass einige andere versklaven und ihnen auf diese Weise nicht nur die Freiheit nahmen, sondern ihnen auch die anderen Menschenrechte entziehen. Der Prophet war sich auch bewusst, dass es nur durch kulturelle Arbeit möglich ist, die falsche Auffassung, die sich seit mehreren Tausend Jahren in den Köpfen der Sklavenherren und ihrer Untertanen festgesetzt hatte, abzuschaffen.  Auch wenn entsprechende Gesetze zum Kampf gegen die Sklavenhaltung eingeführt worden wären, so hätten  diese das Denken und die Kultur der Menschen nicht ändern können und hätte sich das fest verwurzelte Klassensystem in der Gesellschaft nicht bekämpfen lassen.  Denn die Sklavenherren betrachteten die Versklavung als ihr Grundrecht und die Sklaven hatten sich mit der Zeit damit abgefunden, und stellten willenlos ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Sie hatten das Verlangen nach Freiheit und Eigenbestimmung in sich  abgetötet. Also musste dieses soziale Missverhältnis  und diese diskriminierende Ordnung langsam und klug abgebaut werden. 

Gestützt auf das Wort Gottes hat der Prophet (S)  begann der Prophet mit seiner Aufklärung und sprach von den Menschenrechten, die Gott für alle seine Menschengeschöpfe aufgestellt hat.  Er sagte: „Die Weißhäutigen genießen keinerlei natürliche Vorzüge vor den Schwarzhäutigen. Die Sklaven sind eure Brüder, über die ihr verfügt, und sie haben Rechte.  Was ihr esst, müsst ihr auch ihnen zum Essen geben, und wie ihr euch kleidet, so müsst auch ihr sie kleiden und zwingt sie nicht zu unerträglicher Arbeit und helft ihnen bei der Erledigung eurer Arbeiten.

Wenn ihr sie ruft, dann beachtet die guten Sitten und ruft sie nicht mit  „mein Sklave“ und „meine Sklavin“. Alle Männer und Frauen sind Diener Gottes. Der Besitzer von allen ist Er, ist Gott!“

Die klare und ansprechende Lehre die als Botschaft Gottes aus dem Herzen des wahren Menschenfreundes Prophet Mohammad (S)  hervorkam, wirkte erfolgreich dem Stolz der Sklavenherren und dem Minderwertigkeitsgefühl der Sklaven entgegen. Was der Prophet (S) sagte, hat entscheidend zu einem Umdenken und zur Skepsis gegenüber dem, was die Menschen von damals seit Jahrhunderten für selbstverständlich hielten, geführt.  Der Prophet rief alle dazu auf, ihr Verhalten zu ändern, und schließlich fragten sich die Sklavenhalter, ob denn ein Bruder seinen Bruder und eine Schwester ihre Schwester als Sklaven halten darf.

                                 

Nachdem der Prophet des Islams auf verschiedene Weise geistig die Menschen vorbereitet hatte, bat er die Sklavenherren ihre Sklaven freizulassen und versprach ihnen, dass dies Gottes Wohlgefallen finden wird und Gott ihnen ihre Sünden verzeiht, wenn sie dies tun.  Auf diese Art und Weise ebnete dieser Auserwählte den Weg für die Freilassung der Sklaven mit dem Ziel, im Lauf der Zeit die Menschheit ganz von diesem unschönen Phänomen zu befreien. Er selber ging den anderen als gutes Beispiel voran. Er ließ Zaid Ibn Haritha, den Sklaven, den ihm seine Gemahlin Chadidscha geschenkt hatte, frei. Um Zaid von seinem Minderwertigkeitsgefühl zu befreien, hat er ihn seinem Volkstamm Qureisch als seinen Pflegesohn vorgestellt und als Zaid erwachsen geworden war, hat er für ihn um die Hand von Zainab, einer Cousine des Propheten, geworben. Durch diese Heirat wollte er das rassistische Überlegenheitsgefühl, welches in jener Zeit insbesondere unter den arabischen Volksstämmen herrschte, bekämpfen und  das Gesetz der Gleichheit der Menschen durchsetzen und den anderen einen Beispiel geben.

Als der Prophet nach der siegreichen Rückkehr nach Mekka bei der Kaaba eine Rede hielt, erklärte er jegliche Benachteiligung, darunter die Benachteiligung aufgrund der Rasse für nichtig und sagte: „Maßstab für die Vorzüglichkeit ist alleine die Gottesfürchtigkeit. Weder kommen die Araber über die Nicht-Araber zu stehen,  noch Weiß über Schwarz, noch Reich über Arm … „

                               

 

Der Prophet hat die Rassendiskriminierung bei jeder Gelegenheit bekämpft: Es gibt noch weitere Beispiele dafür Bilal kam aus  Abessinien, Afrika. Er war dunkelhäutig und arm.  Aber der Prophet (s) wählte diesen ehemaligen  Sklaven zu seinem Muezzin (Aufrufer zum Gebet)  Eines Mittags sagte er zu ihm: „Bilal, steig aufs Dach der Moschee und rufe zum Gebet auf“.

Salman Farsi war Iraner. Er war ein naher Helfer des Propheten. Als der Prophet bemerkte, dass die anderen ihn als Nicht-Araber herablassend behandeln,  sagte er  zu den Muslimen: „Alle Menschen die es seit Hadrat-e Adam (gegrüßet sei er) gegeben hat, sind wie die Zacken eines Kammes gleich. Der Araber steht nicht über dem Nicht-Araber und dem Rothäutigen, es sei denn er wäre  gottesfürchtiger.“

                                            

Der Stammesstolz und die Benachteiligungen in den sozialen Beziehungen waren damals dermaßen groß, dass nicht jeder Mann um die Hand einer Frau, die er gerne heiraten wollte, bitten konnte. Denn einige hielten sich hinsichtlich ihres Reichtums, ihrer Position oder ihrer Herkunft für etwas Besseres. Aber der Prophet der Gerechtigkeit und Liebe war gegen diese ignoranten Einstellungen und Benachteiligungen.

Ein bekanntes Beispiel ist die vom Propheten herbeigeführte Heirat von Dschubair mit Zalfa.

Eines Tages sagte der Prophet Gottes (S) zu Dschubair: „Es wäre gut wenn du eine Frau heiratest und eine Familie gründest und das Junggesellenleben beendest, damit dir diese Frau eine Hilfe für die Angelegenheiten des Lebens und des Jenseits ist.“

Dschubair sagte:  „O Prophet Gottes! Ich besitze weder Eigentum noch  Anziehungskraft und komme weder  aus einer bedeutenden Familie noch aus einem  großen Stamm. Wer gibt mir schon jemanden zur Frau und welche Frau ist bereit, einen armen, kurz geratenen Mann mit schwarzer Haut zu heiraten?“

Der Prophet sagte: „O Dschubair, Gott hat mit dem Islam den Wert der Menschen verändert. Viele Leute wurden zur  Zeit der Unwissenheit sehr geachtet, aber der Islam hat sie herabgestuft.  Viele galten in der Zeit der Unwissenheit als niedrig und geringfügig, und der  Islam hat ihren Rang erhöht.  Durch den Islam hat Gott die Formen der Eigenliebe aus der Zeit der Ignoranz und den Stolz wegen Herkunft und Familie ausgelöscht.   Alle Menschen, von Weiß bis Schwarz, Qureisch und Nicht- Qureisch, Araber oder Nicht-Araber stehen jetzt auf einer Stufe. Niemand kommt über einen anderen zu stehen, es sei denn wegen seiner Gottesfürchtigkeit und seinem Gottgehorsam.  Ich bezeichne den unter den Muslime als besser als dich, dessen Werke und Gottesfürchtigkeit größer sind als deine. Aber nun handle nach dem, wozu ich dich angewiesen habe.“

Der Prophet sagte, nachdem er  Dschubair auf seinen Irrtum aufmerksam  und ihm Hoffnung gemacht hatte, er solle  zum Haus von Ziyad Ibn Labid Ansari gehen und um die Hand seiner Tochter Zalfa bitten.

                                        

Ziyad Ibn Labid war einer reichsten und angesehensten Einwohner von Medina und wurde von seinem Volksstamm sehr geschätzt. Als Dschubair sein Haus betrat, waren auch einige Verwandten und Mitglieder des Stammes zugegen.  Dschubair setzte sich und schwieg erst kurz. Dann sagte er zu Ziyad: „Ich bringe dir eine Botschaft vom Propheten. Soll ich es dir privat sagen oder offen?“ Ziyad sagte: „Die Botschaft des Propheten  bereitet mir Ehre, sprich offen!“

Da sagte Dschubair: „Der Prophet hat mich geschickt, damit ich um die Hand deiner Tochter Zalfa anhalte.“  Ziyad fragte: „Hat der Prophet selber dies zu dir gesagt?“ Dschubair:  „Ich rede nicht von meiner Seite aus. Alle kennen mich. Ich bin kein Lügner!“

Ziyad sagte: „Eigenartig! Es ist bei uns üblich, unsere Tochter nur an einen Gleichrangingen aus unserem eigenen Stamm zu vergeben. Geh! Ich werde selber den Propheten aufsuchen und die Sache  mit ihm besprechen.“

                             

Ziyad ging zum Propheten (S)und sagte zu ihm: „Es ist bei uns Brauch und Gewohnheit,  unsere Töchter  nur Gleichrangigen aus dem eigenen Stamm, die  alle Ansar und eure Helfer sind,  zu vergeben.“

Der Prophet Gottes aber sagte: O Ziyad! Dschubair ist ein gläubiger Mensch. Die Privilegien und die Rangstufen, von denen du sprichst, gelten heute nicht mehr. Ein gläubiger Mann ist einer gläubigen Frau würdig.“

 Ziyad ging nach Haus und sprach mit seiner Tochter Zalfa. Zalfa aber sagte:  „Wer Dschubair auch immer sei, weil der Prophet Gottes (S) dies möchte, bin auch ich damit zufrieden.“

 

 


 

 

 

Oct 18, 2017 11:50 CET
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