• Islam richtig kennenlernen (82  - Verhalten zu Juden und Christen)  

In diesem Teil unserer Sendereihe erfahren Sie mehr über das Verhalten des Propheten in der damaligen islamischen Gesellschaft gegenüber den Anhängern der anderen Religionen.

 

 

Was das Verhalten des Propheten zu Nicht-Muslimen betrifft, können wir nach seinem Verhalten als Person und seinem Verhalten auf gesellschaftlicher Ebene unterscheiden.  Sein persönliches Verhalten zu den Nicht-Muslimen war so liebevoll, dass Gott ihn deswegen im Koran lobt und ihn als eine Barmherzigkeit für alle Menschen, ob Muslime oder Nicht-Muslime beschreibt. In der Sure 21 (Anbiya) heißt es nämlich im Vers 107:

 

„Und Wir haben dich nur als Barmherzigkeit für die Weltenbewohner gesandt.“

Ja der geehrte Prophet des Islams ist ein Gnadengeschenk an alle Menschen. Es war sein Herzenswunsch allen Menschen das Wohl im diesseitigen Leben als auch im jenseitigen zu verschaffen. Gott, der Allerbarmer, sagt über die große Menschenliebe des Propheten in der Sure 26 (Schuara)  im Vers 3:

Vielleicht grämst du dich noch zu Tode darüber,  dass sie nicht glauben.“

 

An diesem Vers sehen wir, wie sehr der Prophet die Ungläubigen und Leugner von Recht und Wahrheit bedauerte und wie sehr er wünschte, die Menschen zu retten, so sehr, dass er in seelische Bedrängnis kam  und Gott ihm Trost spendete.  Der Prophet des Islams hat alle Menschen ausnahmslos wie geliebte Kinder betrachtet. Wie ein Stück von sich selber. Es bekümmerte ihn sehr, wenn jemand den falschen Weg, der in die Vernichtung führt, ging. Ähnlich wie ein liebevoller Vater bekümmert ist, wenn sein Kind zugrunde geht.

                                

Das Verhalten in Politik und Gesellschaft gegenüber Nicht-Muslimen hing zweifelsohne von deren Verhalten gegenüber den Muslimen ab.  Der Prophet verhielt sich mit den nicht-muslimischen Gruppen, die nicht gegen die Muslime kämpfen und sich an die Abkommen mit den Muslimen hielten, auf friedliche  und freundliche Weise. Wir lesen in

Sure 60 (Mumtahana) – Verse 8 und 9, über den Umgang mit zwei verschiedenen Gruppen von Nicht-Muslimen wie folgt:

„Gott verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiss, Gott  liebt die Gerechten.“

„Er verbietet euch nur, diejenigen, die gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch aus euren Wohnstätten vertrieben und zu eurer Vertreibung Beistand geleistet haben, zu Freunden zu nehmen. Diejenigen, die sie zu Freunden nehmen, das sind die Ungerechten.“                  

                       

Nun möchten wir einige Beispiele für das Verhalten des Propheten (S) zu den damaligen Juden und Christen anführen.

 

Durch Abschluss von Verträgen mit den Nicht-Muslimen ermöglichte der Prophet des Islams diesen das friedliche Zusammenleben mit der Islamischen Gemeinde.  Verträge wie die medinensische Charta gewährleisteten Einheit und Konvergenz in der Islamischen Gesellschaft.  Der Prophet (S) wollte die weltweite Verkündung seiner Botschaft. Ein solches Ziel ist natürlich nur in einer ruhigen,  sicheren Atmosphäre, ohne Krieg und Blutvergießen verwirklichbar.  So kommt es, dass der Prophet bei gegebener Gelegenheit mit den Ungläubigen in Mekka einen Friedensvertrag abgeschlossen hat.  Nach diesem  Vertrag von Hudaibiya und Stabilisierung der internen Grundlagen der Islamischen Macht,  hat er im 7. Jahr nach der Hidschra mit der Verkündung und dem Aufruf auf Weltebene begonnen.

Mehrere Jahre vorher hatte er bei der Ankunft in Medina, als die Juden dort noch aktiv waren, einen Vertrag aufgesetzt über die Einheit der Einwanderer aus Mekka (Muhadschirin) und der Einwohner von Medina (Ansar), den auch die Juden in dieser Stadt unterzeichneten.  Dieser Vertrag, gemäß dem Besitz und Religion der Juden zu  achten waren, ist ein   wichtiges geschichtliches Beweisdokument dafür, wie sehr der Prophet Gottes hohe Werte wie Freiheit, Disziplin und Gerechtigkeit schätzte  und ihnen Respekt zollte und wie er mit diesem Abkommen eine vereinte Front gegenüber den Angriffen von außen hervorrief.

 

In dem Vertrag des Propheten mit den Juden und den Einwohnern von Medina heißt es, dass die Unterzeichner eine geschlossene Nation bilden. Weiter steht darin, dass jeder Jude der sich dem Islam anschließt, von den Muslimen unterstützt wird und es keinen Unterschied mehr zwischen ihm und den anderen Muslimen geben wird. Keiner sei berechtigt ihm ein Unrecht anzutun oder jemanden gegen ihn aufzuhetzen oder seinen Feind zu unterstützen.  Außerdem stand in diesem Abkommen, dass die Muslime und Juden frei ihre Religion ausüben können.  Keiner darf ein Recht des Bündnispartners verletzen. Wenn dies geschieht, so ist derjenige zu unterstützen, dem ein Unrecht angetan wurde. 

Wir sind hiermit Zeuge, dass vor 14 Jahrhunderten, als in Europa das Mittelalter herrschte und die Mehrheit der Araber in Ignoranz und Unwissenheit lebten, der Prophet einen Vertrag mit den Juden unterzeichnete, der alle ihre Religions- und Menschenrechte beachtete und den Juden Sicherheit garantierte. 

                                  

Ein anderes Beispiel haben wir bei den  Christen von Nadschran vor uns. Sie wollten nach ergebnisloser Debatte über den Status von Jesus ein Mubahala mit dem Propheten durchführen.    Dabei  hätten sie  Gott darum anflehen sollen, klarzustellen welche Seite im Recht ist,  und den Lügner verwünschen müssen. Dies hätte bedeutet, dass sie,  falls sie selber der Lügner waren, sich selber verwünscht hätten. Das wagten sie jedoch nicht und gaben die Teilnahme am Mubalah auf, was in Wahrheit ein Eingeständnis über die Rechtmäßigkeit des Islams, des Propheten und seinem Hause war.  Gemäß dem Friedensvertrag, welcher der Prophet daraufhin mit ihnen schloss,   hatten die Christen von Nadschran Recht auf freie Ausübung ihrer Religion. Die christliche Bevölkerung in Nadschran und den nahegelegenen Gebieten standen im Schutz Gottes. Sie  wurden vom Propheten Gottes unterstützt und der Schutz ihres Eigentums, Lebens und ihrer Religion wurde vertragsmäßig gewährleistet. Als Gegenleistung mussten ihre Grundbesitzer  die Charadsch eine Grundbesitzerersatzabgabe  für Nicht-Muslime  und die Schutzsteuer für männliche wehrfähige Nicht-Muslime (Dschiziya) entrichten, die sich nicht an einer Verteidigung  des Islamischen Gebietes mitbeteiligen wollten.

                                 

Es gab aber auch Fälle, wo dem Prophet des Islams (S) nichts anderes übrig blieb als zu konfrontieren. Dies insbesondere im Zusammenhang mit den Juden: z.B.  die Konfrontation mit dem Juden aus dem Stamm der Qainuqa , die eine schwere Beleidigung gegen eine Muslimin begangen hatten, sowie den Juden der Banu Nadhir, die den Propheten in ihre Festung eingeladen hatten, aber ihn töten wollten. Der jüdische Stamm Banu Quraiza zwang den Propheten ebenso zu einer Konfrontation, weil er den Vertrag mit dem Propheten verletzte und sich beim Ahzab-Krieg – dem Angriff auf Medina – mit den Qureisch  und Feinden des Propheten gegen die Muslime zusammentat. Die Konfrontation des Propheten mit diesen Juden ging also auf deren eigenes feindliches Verhalten zurück. Sie haben in Medina, der Hauptstadt des Islams, Komplikationen heraufbeschworen und der Prophet war zur Wahrung von Sicherheit und Frieden zur Konfrontation gezwungen.  

Ein wichtiger Punkt hinsichtlich des Verhältnisses des Propheten zu den Anhängern der anderen Gottesreligionen besteht darin, dass diese Beziehungen nicht nur auf zivilrechtlicher,  gesetzlicher und politischer Ebene  bestanden.  Die Geschichte bezeugt, dass  sein persönlicher Umgang mit ihnen von  Ethik, Spiritualität und einem erzieherischen Aspekt geprägt war. So kam es, dass viele bei einer Begegnung mit dem Propheten  so sehr von ihm beeindruckt waren, dass sie Muslim wurden.

                                  

  Die Überlieferung berichtet über folgende Begebenheit: Einmal trugen einige einen Verstorbenen am Propheten vorbei um ihn beizusetzen.   Der Prophet stand zur Achtung des Verstorbenen auf. Da sagte ihm einer: „O Prophet Gottes, dieser Verstorbene war ein Jude.“

Aber der Prophet antwortete, die Wertschätzung jedes Menschen verdeutlichend,  mit folgenden Worten : „Ist dies denn nicht die Leiche eines Menschen?“

Der Prophet pflegte erkrankte Nicht-Muslime aufzusuchen.  Beim Besuch am Krankenbett bot er dem Kranken den Islam an und oftmals wurde der erkrankte Nicht-Muslim angesichts des liebevollen Verhaltens des Propheten zum Muslim.  Der Prophet verhielt sich zu den anderen höflich und gütig.

Der Prophet pflegte direkte und indirekte Beziehungen zu den Anhängern anderer Gottesreligionen. Er trat mündlich oder schriftlich mit ihnen in Kontakt und sprach allgemein zu jedem, entsprechend der Situation, auf drei Ebenen – der Ebene der Weisheit, der guten Mahnung oder eines geziemenden Disputes , d.h. unter Anwendung der besten Diskussionsmethoden.  Es kam vor, dass Nicht-Muslimen aus anderen Gebieten nach Medina kamen und im Gefolge eines sachlichen, wissensfundierten Gespräches mit dem Propheten und seiner Beantwortung von zahlreichen Fragen, schließlich Muslim wurden. Ein Beispiel ist der Christ Dscharud aus Bahrain gewesen. Nachdem der Prophet ihm zahlreiche Fragen beantwortet hatte, wurde ihm die Wahrhaftigkeit des Islams klar und er schloss sich den Muslimen an.  Gemäß dem Koran hatte der Prophet den Auftrag, die anderen durch Weisheit, gute Mahnung und durch Diskussion auf beste Weise zur Religion Gottes herbeizurufen. Er hatte nicht den Auftrag, durch Gewalt zum Glauben zu zwingen. Der Prophet hat mit seinen weisen Standpunkten und Worten die anderen überzeugt, so dass sie den Islam annahmen.  Wenn dies nichts nützte, führte er mit ihnen  auf bestmöglichste Weise ein sachliches Streitgespräch. Er hat Andersgläubige zu einer gesunden freundschaftlichen Beziehung eingeladen  und sie konnten unter Beibehaltung ihrer eigenen Religionen aufgrund eines Vertrages im Schutze der Islamischen Regierung leben.

 

 

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Oct 20, 2017 08:47 CET
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