•  Islam richtig kennenlernen (83 - Verhaltensprinzipien des Propheten)  

Wir setzen unsere Sendereihe mit weiteren Aspekten in  der Biographie des Propheten des Islams (S) fort. Die Lebens- und Verhaltensweise des Propheten kann zweifelsohne für uns alle lehrreich sein.

Gottesdienstliche Werke und das Gebet, die Anflehung Gottes und die Suche nach inständiger Beziehung zu Ihm waren für den Propheten des Islams (der Segen Gottes sei auf ihm und Friede  seinem Hause) ein wichtiger Bestandsteil des Lebens. Es bereitete ihm die größte Freude im Leben.   Kurz nach Mitternacht, verließ er sein Bettlager, nahm die rituelle Waschung (Wudu) vor, putzte sich die Zähne  und begann aus dem Heiligen Koran zu rezitieren. In einem Winkel des Hauses verrichtete er inständig das Nach-Mitternacht- Gebet und vergoss Tränen. Prophetengemahlin Umm Salima berichtet: Ich sah in der zweiten Hälfte der Nacht, wie der Prophet in einem Winkel des Hauses zum Gebet stand. Er hielt die Hände gen Himmel, vergoss Tränen und betete: `O Gott, nimm nichts von dem von mir weg, was du mir an Segen verliehen hast und lass meinen Feind nicht frohlocken. Lass nicht die Bedrängnisse über mich kommen, von denen du mich errettet hast und überlass mich nicht  auch nur einen Augenblick lang mir selber.`

Als ich dies hörte, sagte ich zu ihm, dass er doch volle Vergebung von Gott erhalten habe. Doch der Prophet antwortete: „Es gibt niemanden, der ohne Gott auskäme. Als Hadrat-e Yunus (der Prophet Jonas) einen Moment lang sich selbst überlassen wurde,  wurde er im Bauch des (Wal)fisches eingesperrt.“ 

Imam Ali sagt: „Der Prophet Gottes (S) gab keiner Sache den Vorrang vor dem Ritualgebet und wenn es Zeit für das Ritualgebet war, schien er keinen mehr von seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten mehr zu kennen.“ Wenn der Prophet alleine das Gebet verrichtete, verblieb er lange in der Haltung der Verbeugung (Ruku)  und der Niederwerfung (Sudschud – bei der der Betende niederkniet und mit der Stirn die Erde berührt). Wenn er jedoch gemeinsam mit den anderen das Gebet verrichtete, dann verbrachte er nur kurz in diesen Haltungen. Einem seiner nahen Helfer,  der Gebetsimam   der anderen Muslime geworden war, empfahl er:  Immer wenn du zusammen mit den anderen das Gebet verrichtest, dann solltest du nach der Sure Hamd (die Pflichtsure, die vor jeder Verbeugung in den ersten beiden Gebetsabschnitten zu lesen ist) eine kurze Sure vortragen und das Gebet nicht in die Länge ziehen.“ Über die unbeschreibliche Liebe des Propheten zum Gebet und gottesdienstlichen Werken sagt Imam Sadschad (gegrüßet sei er):  „Er stand so oft zum Gebet, dass seine gesegneten Füße anschwollen. Auf die Frage `Warum betet ihr soviel?  Gott hat euch doch alles Vergangene und alles Zukünftige vergeben!`, antwortete er: `Soll ich denn kein dankbarer Diener sein?`“

                                  

Der Prophet zeigte keinerlei Interesse an weltlichem Besitz und begnügte sich mit bescheidener Nahrung. Er flickte selber seine Schuhe und Kleidung und mied jeglichen weltlichen Prunk.  Seine Gemahlin Chadidscha stellte ihm ihr großes Vermögen zur Verfügung.  Aber er war niemand, der Besitz anhäuft, sondern er gab alles für gute Werke aus und half den Bedürftigen.  Das Leben des Propheten (S) ist daher ein vorzügliches Beispiel für ein konstruktives Asketenleben.  Seine asketische Lebensführung war das Leben eines gläubigen Wohlhabenden, der seinen Reichtum auf edle und erlaubte Weise erworben hat, jedoch nicht mehr davon für sich nimmt, als das was er braucht. Ein echtes asketisches Leben  (Zuhd) ist eine Stufe des Glaubens, die  der Mensch aufgrund seines Bewusstseins aus freien Stücken  erreicht. Einige führen nur  ein Asketendasein, weil ihnen aufgrund von Entbehrungen nichts anderes übrig bleibt. Der Prophet des Islams (S) hatte die Möglichkeit  sich alle möglichen Freuden des Lebens zu leisten. Die Oberhäupter des herrschenden Stammes der Quraisch machten ihm verlockende Angebote, nur damit er von der Verkündung des Islams ablässt. Aber er zeigte keinerlei Interesse an diesen Angeboten  und schmückte sich lieber mit der Frömmigkeit  und Bescheidenheit und dem Desinteresse an weltlichen Dingen. Prophet Mohammad (S) war in allen Augenblicken seines Lebens Gott eingedenk. Wenn er arbeitete, dann nicht um den Ertrag für sich zu behalten, sondern er wollte,  dass seine Anstrengungen allen etwas nützen. Imam Ridha (Friede sei ihm) bringt folgende Überlieferung vom Propheten Mohammad. Und zwar hat dieser (S) gesagt: „Ein Engel trat an mich heran und sagte: O Mohammad. Dein Herr grüßt dich und spricht: Wenn du möchtest, werde ich die Steppe von Mekka für dich mit Gold anfüllen.“ Da hob der Prophet, so überliefert Imam Ridha (F) das Haupt zum Himmel und sagte: `O mein Herr. Ich möchte einen Tag satt sein und dir danken und dich preisen und einen Tag hungrig und dich um das tägliche Brot bitten.`“

Dieses Wort des Gesandten Gottes verbildlicht deutlich seine aufrichtige Gottergebenheit.

                              

Über die fromme Bescheidenheit des Propheten und sein schlichtes Leben werden zahlreiche Begebenheiten berichtet.  Zum Beispiel folgende:

Einmal gab der Prophet (S) Imam  Ali 12 Drachmen und sagte: „Kauf mir Kleidung!“

Ali (F) ging auf den Markt und kaufte zu diesem Preis ein Mantelhemd und brachte es dem Propheten. Da sagte der Noble: „Ein preiswerteres und einfacheres Gewandt wäre besser für mich gewesen. Wenn der Verkäufer einverstanden ist, dann gib ihm diese Kleidung zurück.“

Ali (F) brachte die Kleidung zurück, ließ sich das Geld geben und kam erneut zum Propheten (S). Diesmal begleitete der Prophet Gottes(S) ihn zum Bazar. Unterwegs sahen sie ein weinendes Sklavenmädchen. Sie fragten nach dem Grund ihres Kummers. Da klagte es: „Man hat mir 4 Drachmen gegeben, damit ich einkaufen gehe, aber ich habe das Geld verloren und nun traue ich mich nicht ins Haus zurück.“ Da gab der Prophet (S) ihm vier der 12 Drachmen.  Danach  ging er auf den Bazar und kaufte ein Mantelhemd für 4 Drachmen. Auf dem Rückweg sah er jemanden, der nichts zum Anziehen besaß. Da  schenkte er ihm das Mantelhemd, kehrte auf den Markt zurück und kaufte sich ein neues.  Auf dem Rückweg erblickte  er wieder das Sklavenmädchen, das noch immer traurig war.  Der Prophet fragte, was passiert sei und das Mädchen klagte: „Ich habe Angst vor Strafe, wenn ich nach Hause, denn ich bin  lange weggeblieben.“

Da  begleitete der Prophet das Sklavenmädchen bis vor das Haus ihres Herrn. Anlässlich der Ehre, dass der Prophet an sein Haus gekommen war, verzieh der Besitzer dem Sklavenmädchen und ließ es frei.  Da sagte der geehrte Prophet (S): „Welche segensreiche 12 Drachmen waren das, dass sie zwei Menschen kleideten,  die Kleidung brauchten,  und einen Menschen befreiten.“

                 

Der Prophet war der beste Treuhänder. Wenn ihm ein Gut anvertraut wurde, achtete er genau darauf es zu bewahren und seinem Besitzer unversehrt wieder zurückzugeben, ob es nun ein Muslim war oder ein Nicht-Muslim oder Götzendiener.  Er erhielt schon vor seiner Berufung zum Propheten den Beinamen Amin, der Zuverlässige. Und auch nach seiner Aussendung haben ihm sogar seine Gegner kostbare Gegenstände zur Aufbewahrung anvertraut, weil sie nicht an seiner Ehrlichkeit zweifelten. Als Prophet Mohammad (S) Mekka verließ, um nach Medina auszuwandern, bat er Ali (F) einige Tage in der Stadt zu bleiben und die anvertrauten Güter ihren Besitzern zurückzugeben.    Der Prophet des Islams (S) empfiehlt: „Gib ein anvertrautes Gut dem, der in dich vertraut hat,  zurück und (auch) wenn jemand gegen dich einen Verrat begangen hat,  so begehe du keinen Verrat gegen ihn.“ Er hat ebenso gesagt:  „Wenn jemand dir etwas sagt und um sich schaut (um zu sehen ob jemand zuhört, d.h. wenn er nicht möchte, dass die anderen etwas davon erfahren) dann sind seine Worte ein Gut, das er dir anvertraut hat.“ 

                      

Im Gefecht von Chaibar litten die Muslime unter  großer Nahrungsknappheit und sie waren zum Teil gezwungen, sich von Fleisch zu ernähren, dessen Verzehr makruh ist – also verpönt.  Die Muslime hatten einige Festungen der Juden von Chaibar bezwungen, aber die Festung in der sich die  Nahrungsvorräte befanden  hatten sie nicht erobern können. Da kam ein Hirte herbei, der die Schafe der Juden von Chaibar hütete und bat den Propheten, dass er ihm den Islam erklärt. Nachdem er aufmerksam dem  Propheten zugehört hatte, wurde er Muslim. Dann sagte er: „Diese Schafe hier haben mir die Juden von Chaibar anvertraut. Aber was soll ich nun machen, wo ich nichts mehr mit den Besitzern dieser Schafe zu tun habe.“

Da sagte der Prophet vor hunderten hungrigen Soldaten: Gemäß  unserer Lehre gehört es zu den größten Sünden, ein Pfand zu veruntreuen.  Du musst alle Schafe bis zur Festung (der Juden) bringen und sie ihren Besitzern abliefern.“ Der frisch zum Muslim gewordene Hirt  befolgte sofort diese gerechte und beeindruckende Anweisung des Propheten.


 

 

 

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Oct 20, 2017 09:05 CET
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