• Islam richtig kennenlernen (Teil 84 - Beratung)  

Wir betrachten eine weitere Dimension im Leben des Propheten.  Es wird überliefert, dass er sich sehr oft mit seinen Gefährten beriet. Der Islam betont die Beratung mit anderen. Wenn jemand wichtige Angelegenheiten mit anderen bespricht, macht er seltener Fehler und erlebt seltener Enttäuschungen.

  

In einem Hadith des Propheten heißt es: „Solange eure Verwalter zu den Rechtschaffenen gehören und eure Wohlhabenden zu den Großzügigen und eure Angelegenheiten aufgrund der Beratung geregelt werden, ist es für euch auf der Erde besser als unter ihr. Aber wenn eure  Verwalter zu den Schlechten und eure Reichen zu den Geizigen gehören und  eure Angelegenheiten ohne Beratung verlaufen, dann ist es für euch unter der Erde besser als auf ihr.“

Der Prophet hat sich ständig mit seinen Helfern beraten. Als er erfuhr, dass die Qureisch einen Angriff auf Medina vorhatten, bildete er einen Militärrat und forderte die Gläubigen auf, Vorschläge zu machen, wie man diesen Angriff abwehren kann. Abdullah Ibn Ubai schlug vor, in der Stadt zu bleiben und von dort aus den Feind zu bekämpfen. Er sagte: „O Prophet Gottes! Zur Zeit der Unwissenheit (vor dem Islam) haben wir in der Stadt gekämpft. Und wir haben die Frauen und Kinder auf die Mauern  gebracht und wir haben ihnen Steine gegeben. Bei Gott, manchmal haben uns die Kinder einen Monat lang helfen können, indem sie uns Steine für den Kampf gegen den Feind brachten.  Wir haben die Häuser in Medina auf eine Weise miteinander verbunden, dass sie  auf jeder Seite eine Festung bildeten.  Die Frauen und Kinder oben auf den Mauern warfen Steine herunter und wir fochten mit dem Säbel auf den Straßen.“ 

Aber andere schlugen den Propheten vor,  außerhalb von Medina gegen den Feind zu kämpfen.  Einige erfahrene Männer wie Hamza Ibn Abdu Mutalib und Saad Ibn Abdu und  Numan Ibn Thalaba meinten, man müsse vor die Stadt ziehen und dort mit dem Feind konfrontieren. Sie sagten: „O Prophet, wir befürchten der Feind wird denken, dass wir aus Angst vor dem Kampf mit ihm nicht die Stadt verlassen haben und das wird ihn dreister machen.“  Dann erinnerten sie an die Schlacht von Badr und erklärten, dass sie entweder den Märtyrertod finden oder siegen wollten. 

 

Der Erhabene Prophet (S)  hatte beiden Gruppen bis zum Schluss zugehört. Obwohl er auch dafür war, in Medina zu bleiben, gab er der Ansicht der eifrigen jungen Gläubigen, die in der Mehrheit waren, den Vorzug. Also wurde beschlossen, dass sie einen Ort außerhalb der Stadt für den Kampf gegen den Feind aussuchen.  Dann ging der Prophet nach Hause, bewaffnete sich und die Muslime zogen an die Front. Die Muslime verloren diese Schlacht von Uhud, weil einige Muslime gegen einen Befehl des Propheten verstießen.

Interessant ist,  dass Gott auch nach dieser Niederlage den Propheten anwies, sich mit den anderen zu beraten. Die letzte Entscheidung sollte jedoch bei ihm liegen. Wir lesen in Sure 3 im Vers  159:
 

„und ziehe sie in den Angelegenheiten zu Rate. Und wenn du dich entschlossen hast, dann verlasse dich auf Allah! Gewiss, Allah liebt die sich (auf Ihn) Verlassenden.“

                                       

Einmal  beriet  der Prophet (S) sich mit den anderen über die Entsendung von Leuten in eine andere Gegend zur Regelung der dortigen Angelegenheiten.  Er empfahl ihnen: „Beratet mit den Gottesfürchtigen, denn sie ziehen das Leben im Jenseits dem hiesigen Leben vor und geben euren Angelegenheiten den Vorrang gegenüber den eigenen. Beratet mit einem vernünftigen Menschen und seid ihm gegenüber nicht ungehorsam, denn dann erlebt ihr eine Enttäuschung.“

In einem anderen Wort des Propheten heißt es: „Das Ratschlagen mit einem wohlgesinnten vernünftigen Menschen ist ein Segen, den Gott schickt. Also immer wenn ein vernünftiger wohlwollender Mensch einen Ratschlag gibt, dann stellt euch nicht dagegen, denn das wird  Mühsal  zur Folge haben. Wer sich mit den Weisen berät, dem wird der Weg zum Guten  und Richtigen gezeigt.

Es sei noch gesagt, dass der Prophet des Islams sich in Dingen mit den anderen beriet, in denen kein konkreter Befehl von Gott vorlag und ihm selbst die Entscheidung überlassen worden war.

                            

Der Prophet war auch sehr gastfreundlich. Salman Farsi berichtet wie der Prophet  ihm   das Kissen, das ihm als Rückenlehne diente, gab und dass er bei jedem Gast auf diese Weise verfuhr.  Der Prophet pflegte für den Gast auf dem Boden eine Unterlage auszubreiten – wie eine Matte zum Beispiel, auf der der Gast  bequem sitzen konnte – es waren ja damals keine Stühle unter dem Volke üblich. Das Esstuch wurde auch auf dem Boden ausgebreitet. Wenn sein Gast noch aß, während er selber nichts mehr zu sich nahm, rückte er nicht vom Esstuch ab. Manchmal verließen seine Gast nicht gleich nach dem Essen das Haus, sondern unterhielten sich noch lange miteinander. Aber der Prophet sagte nicht, dass ihm das zuviel wurde. Schließlich sandte Gott den Vers 53 der Sure Ahzab (33) in dem es heißt, dass die Gäste des Propheten sich nach dem Essen wieder verstreuen sollen, weil es dem Propheten zur Last wird, wenn sie noch lange bleiben und ihn daran hindert ,  seinen vielen Verpflichtungen als Gesandter Gottes nachzukommen.

Der Prophet führte ein sehr schlichtes Leben. Auch das ist ein auffallendes Merkmal. Seine Schlafstätte war ein einfacher Teppich oder eine Schilfmatte.  Er flickte seine Schuhe und seine Kleidung von einiger Hand.  Er selber ging auf den Bazar und besorgte Dinge für den Haushalt und er half im Haus mit. Von Anas Ibn Malik, der im Hause des Propheten diente,  wird überliefert: „Ich bin Jahre lang im Haus des Propheten (S) gewesen. Er hat sich  niemals über mich beklagt oder etwas an mir beanstandet.  Er molk selber die Milch, er grüßte die Kinder und folgte der Einladung von Sklaven, (wenn sie ihn zu sich riefen). Er beklagte sich nicht über Essen, das ihm nicht schmeckte. Er achtete sorgfältig auf die Pflege der Zähne und benutzte Duftstoff und befolgte das Gebot am Freitag die rituelle Ganzwaschung vorzunehmen und Haupt und Barthaare zu schneiden und er trug weiße Kleidung.  Wenn er Essen zu sich nahm, lehnte er sich nirgendwo an, damit er beim Genuss der göttlichen Segensgaben nicht selbstgefällig aussieht.“

 Der Prophet mochte keine Sonderehrungen.  Er mochte nicht vor anderen vorwegreiten und wenn jemand ihm folgen wollte, bat er ihn: „Entweder du reitest vor mir her und ich folge dir dann, oder aber ich mache mich auf den Weg, während du mir erst später folgst, oder wir beiden setzen uns auf mein Reittier.“

Einmal sah er beim Betreten des Hauses seiner Tochter Fatima, dass sie ein Armband trug und einen neuen Vorhang aufgehängt hatte.  Da kehrte er stumm wieder nach Hause zurück. Seine Tochter Fatima Zahra (F) begriff, was das zu bedeuten hatte. Schnell nahm sie Vorhang und Armband und schickte sie mit einem Boten zum Propheten und ließ ihn wissen: Verwende es so wie du es für richtig hältst. Da sagte der Prophet:  „Ihr Vater sei ihr geopfert. Sie hat das getan was sie tun musste. Das Weltliche ist nicht für Mohammad und seine Familie.“

                                   

Der Prophet legte in Gegenwart von anderen niemals seine Kleidung ab. Er streckte auch nicht in Gegenwart eines anderen seine Beine vor ihm aus.  Wenn er mit anderen zusammen saß, schaute er nicht nur einen an, sondern verteilte seine Blicke gerecht auf alle in der Runde.  Wenn er etwas verständlich machen oder betonen wollte, wiederholte er es bis dreimal.  Wenn er jemanden rief oder jemandem eine Frage beantwortete, so tat er dies auf höfliche Weise, unabhängig davon ob es ein Mann, eine Frau oder ein Kind war.  War jemand krank so besuchte er ihn am Krankenbett und tröstete ihn.  Er verließ das Haus immer in gepflegten Zustand.  Er belohnte jeden, der  gute Werke tat. Wenn er Wasser trinken oder etwas essen wollte, sagte er zuerst Bismillah – im Namen des Einen Gottes - und wenn er zu Ende gegessen hatte sprach er Alhamdulillah – Gott sei Preis und Dank. Er tat nichts ohne Gott eingedenk zu sein.  Einmal begegnete ihm ein Mann dessen Hände voller Schwielen waren von der Arbeit. Da nahm er seine Hände  und küsste sie.  Der Prophet stand schlechten und guten Taten nicht gleichgültig gegenüber. Er lobte an der richtigen Stelle und kritisierte wenn es angemessen war.  Bei einer Versammlung war er so herzlich zu jedem Einzelnen dass jeder das Gefühl hatte, ihm näher zu stehen als alle anderen.  Manchmal forderten ihn seine Gefährten auf, seine Feinde zu verfluchen. Aber dazu war er nicht bereit sondern er betete, dass Gott alle Menschen rechtleiten möge.  Wenn er jemandem die Hand reichte, zog der Prophet nicht seine Hand als erster wieder zurück, wenn der andere sie nicht losließ. Wenn er eine Versammlung betrat, setzte er sich ans untere Ende und auf seinen Sitzungen bildete er immer einen Zirkel mit den anderen.  Er gab ausdrückliche Empfehlungen hinsichtlich von Kriegsgefangenen und Sklaven und sagte:  „Kleidet sie wie ihr euch kleidet und speist sie mit dem was ihr speist und ruft sie auf gute Weise, damit sie nicht verletzt werden.“

Der Prophet behandelt Reich und Arm auf gleiche Weise. Bei Gesprächen vermied er Streit und unnötiges Gerede und niemals hat er an diesem oder jenen herumgenörgelt oder  schlecht über ihn geredet.

 

 

 

 

 

 

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Oct 20, 2017 09:14 CET
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