•  Islam richtig kennenlernen (86 - Islamische Moral)  

Wir betrachten heute die Moral des  Propheten im Kampf gegen die Feinde des Islams.  

 

Der Aussendung des Propheten des Islams lag das Prinzip zugrunde, Nachsicht zu üben. Daher behandelte er die Götzendiener und die Schriftbesitzer freundlich und gütig,  solange die Religion und die Grenzen, die Gott festgelegt hat, nicht verletzt wurden.   Hierzu gehören Schritte wie die Aussendung von Predigern, Gespräche und Verhandlungen,  Entsendung von Scheiben an die Staatsoberhäupter von Ländern, Abschluss von Friedens und Freundschaftsverträgen mit den Stämmen der Götzendienern und den Juden und Christen und  die Zuteilung von Kampfesbeute an neue Muslime.  In der Tat wies die Gesellschaft, mit der der Prophet damals zu tun hatte, zahlreiche große Probleme auf. Die Machtstrukturen bauten auf dem Stammessystem auf und  Bräuche und Ansichten aus der Zeit der Unwissenheit hatten einen tiefen Einfluss auf  das Denken und Handeln der Bevölkerung  hinterlassen. Somit stieß Prophet Mohammad (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) auf sehr ernsthafte Hindernisse bei der Verkündigung der Religion Gottes. Eines dieser Hindernisse war die Streitsüchtigkeit  und waren die bewaffneten Angriffe der Ungläubigen auf den Propheten und die Muslime. Manchmal sah sich der Prophet wegen der Umstände gezwungen militärisch gegen die Anführer der Ungläubigen vorzugehen.  Natürlich machte es die Prophetschaft ihm zur Pflicht,  auch die Kriegssituation für die Verbreitung der menschlichen und islamischen Werte und  dafür zu nutzen, das Götzentum und die Anbetung eines anderen als Gott  zu verwehren und Unwissenheit und Aberglauben aus den Gemütern zu entfernen.  Während die hartnäckigen blinden Feinde ihre Kräfte ausrüsteten und in den Krieg gegen die Muslime zogen, hat der Prophet (S) weiter daran gedacht, wie er sie irgendwie auf Gott aufmerksam machen,ihnen zur Erleuchtung durch den Glauben verhelfen und sie mit der Wahrheit des Islams vertraut machen kann.                                                    

Das größte Anliegen des Propheten in seinem Leben war zweifelsohne die Rechtleitung der verirrten Menschen und wenn er dies durch Frieden hätte erreichen können, denn hätte er sich niemals für Krieg entscheiden.  Ein Beispiel liefert die Geschichte mit dem jüdischen Stamm der  Banu Qainuqa in Medina.  Bevor der Prophet (S) militärisch gegen diese Juden, die eine Muslimin belästigt und herabgewüdigt hatten,  vorging,   hat er sie auf ihrem Bazar versammelt und ihnen gesagt: „Ihr Gruppe von Juden! Fürchtet Gott, damit es euch nicht so ergeht, wie es den Quraisch (den Götzendienern in Mekka) ergangen ist. Bekennt euch zum Islam, damit ihr in Sicherheit seid. Ihr wisst, dass ich der von Gott gesandte Prophet bin. Ihr habt es in euren Büchern stehen  sehen und die göttliche Botschaft ist an euch gerichtet.“

 

 

Und vor dem  Krieg von Chaibar gegen den jüdischen Stamm, der sich mit dem Feind verschworen hatte, um die Muslime in Medina zu vernichten,  hat der Prophet, als er Ali (Friede sei ihm) das Kommando überließ gesagt: „Zieht langsam voran , bis ihr euch ihnen genähert haben. Dann ladet sie zum Islam ein und teilt ihnen mit welche Pflichten Gott ihnen auferlegt hat. Bei Gott! Wenn auch nur eine Person durch dich rechtgeleitet wird und den Islam annimmt ist es für dich besser, als wenn dir alle rothaarigen Kamele gehörten.“

                       

Auch auf dem Kriegsschauplatz blieb der Prophet Gottes den moralischen Grundsätzen treu.  Bei der Schlacht von Badr waren die Muslime vor den Feinden an den dortigen Brunnen angelangt und hatten in deren Nähe ihre Stellungen bezogen.  Aber der Prophet (S) erlaubte seinen Feinden, dass sie Wasser schöpfen.  Ein weiterer Beweis für den Großmut des Propheten war, dass er den Kriegsgefangenen verzieh.  Ein wahres klares Zeichen für den Großmut des Propheten und seinen Wunsch Blutvergießen zu vermeiden  war die allgemeine Amnestie die er nach der unblutigen Eroberung von Mekka bekannt gab. Durch diese großzügige Geste wollte er die Gegner des Islams rechtleiten. Wenn aber keine andere Alternative mehr außer der bewaffneten Auseinandersetzung vorhanden war, hat der Prophet seinen Soldaten gesagt, dass sie während der Schlacht folgende Grundsätze beachten müssen:

Erstens, dass sie den Feind zum Islam einladen und ihr Bekenntnis anerkennen falls sie Muslim werden. Und wenn sie den Islam nicht annehmen, dann sollten die Muslime den Feind einladen, dass sie unter dem Schutz der Muslime leben und dafür Tribut (die Dschizya) zahlen.  Wenn der Feind jedoch weiterhin darauf bestand Krieg gegen die Muslime zu führen, dann sollten die Muslime auf Gott vertrauen und ihn bekämpfen. Dabei durften sie aber keine Zivilisten angreifen, keinen Baum fällen oder ein Haus oder einen Acker zerstören und sie durften sich von dem Fleisch von Vieh nur in dem Maße ernähren bis ihr Hunger gestillt war.

 

            

Der Prophet des Islams hielt jeden Vertrag genau ein. Wenn er mit einem Volk oder einem Volksstamm einen Friedensvertrag abgeschlossen hatte,  achtete er genau auf dessen Einhaltung.  Die Muslime  durften kein Mitglied dieses Volksstammes angreifen. Aber wenn der Vertragspartner gegen das Friedensabkommen verstieß, dann gab es für den Propheten keinen Grund mehr seine Verpflichtungen aus diesem Vertrag einzuhalten und er gab dies dem Feind  bekannt.  In der vorislamischen Zeit wurden die meisten Gefechte am Morgen begonnen und manchmal überfielen sie einen anderen Stamm mitten in der Nacht, um ihn auszuplündern.  Solche unfairen Methoden lehnte der Prophet ab. Zugleich setzte er bei Kriegen gegen den Feind des Islams dennoch Überraschungstaktiken ein, jedoch auf eine Weise, dass die Zivilisten keinen Schaden erlitten.

Bei Gefechten in Städten und Wohngebieten, geraten normalerweise die Frauen, Kinder und körperlich Schwachen in Gefahr.  Die Islamische Moral gebietet, dass die muslimischen Kämpfer Zivilisten keinen Schaden zufügen.  Nur wenn diese Waffen in die Hand nehmen um die Muslime zu töten, dürfen die Muslime auch gegen sie  vorgehen.

Imam Sadiq (a) sagt:  Immer wenn der Prophet Gottes (S) ein Heer ausschickte, rief er die Kämpfer vorher herbei  und sagte zu ihnen:  „Macht euch auf den Weg im Namen Gottes und mit Gottes Hilfe und  auf dem Wege Gottes und für die Lehre des Propheten Gottes. Begeht keinen Verrat bezüglich der Kampfesbeute. Massakriert niemanden. Begeht keine List. Tötet keinen alten schwachen Mann, kein Kind und keine Frau und fällt keinen Baum.“

Der Prophet hat zahlreiche Empfehlungen dafür gegeben, dass den Schutzlosen kein Leid zugefügt werden darf. Er  beeindruckte manchen Feind mit seinem Sinn für Gerechtigkeit,  seiner Menschenfreundlichkeit und seinem hohen Geist.     

 

Der Prophet empfahl auch den muslimischen Kämpfern, dass sie niemanden töten dürfen, der zum Krieg gezwungen wurde oder den man dafür angeheuert hatte.  In der vorislamischen Zeit war es für alle Mitglieder eines Stammes Pflicht, in den Krieg zu ziehen, aber einige Wohlhabenden und Vornehmen, die nicht am Krieg teilnehmen wollten stellten einen Söldner ein und schickten ihn für ein Entgelt an die Front. Aber der Prophet befahl den Muslimen, dass sie Sklaven und solche Söldner nicht töten dürfen. 

 

Auch gehörte es zu den unbedingten Regeln, dass Boten Immunität genießen.  Aber unter den damaligen Stämmen auf der Arabischen Insel tötete man Boten ohne Bedenken. Der Prophet mahnte die Muslime dies nicht zu tun. Während des Hudaibiya-Friedensschlusses waren drei der angesehenen Persönlichkeiten von Mekka in  das Lager des Propheten gekommen, um mit ihm zu sprechen und die Botschafter der Stammesoberhäupter der Qureisch zu überbringen. Sie genossen vollständige Sicherheit während ihres Treffens mit dem  Propheten. Urwat ibn Masud Thaqafi, einer der Großen aus der Stadt Taif, war bei diesem Treffen so beeindruckt von der hohen Moral des Propheten und von der Achtung die ihm seine Helfer entgegenbrachten, dass er bei der Rückkehr sagte: „Ich bin mit dem Großkönig von Persien, dem Kaiser vom Rom und dem Herrscher von Abessinien in ihren Palästen zusammengetroffen. Bei Gott:  Bei keinem König habe ich in seinem Palast erlebt, dass er so beliebt gewesen wäre wie Mohammad unter seinen Helfern.“

Urwat ibn Masud Thaqafi bekannte sich später zum Islam. Er bat den Propheten Gotes (S) dass er nach Taif (seine Heimat ) gehen darf um  seine Verwandten zum Islam einzuladen. „Der Prophet sagte: „Ich befürchte, dass sie dich töten werden. „Aber er erlaubte ihm es . Urwat Ibn Masud ging daraufhin nach Taif und lud die Menschen dort zum Islam ein, aber die Bewohner in Taif stellten sich gegen ihn und machten ihn zum Märtyrer.

 

Auf dem Kriegsschauplatz erprobt jede Seite ihre militärische Macht. Ob nun jemand im Krieg eine Niederlage erlebt oder siegt, in beiden Fällen darf gemäß Islam der Feind nicht beschimpft werden.    Das Beschimpfen anderer zeugt für  Charakterschwäche. Der Islam betont ein gutes Verhalten in allen Situationen.  Die Religion Gottes verwirft Schmähung und Beschimpfungen. Als der Prophet Gottes noch in Mekka war, haben ihn die Feinde beleidigt und geschmäht. Sie haben Steine nach ihm geworfen und ihn auf verschiedene Weise gequält. Aber in dieser Zeit hat er nicht ein einziges Mal ein schlechtes Wort gesagt. Er war immer auf die Einhaltung der moralischen Grundsätze bedacht, trotz der schweren Angriffe der Götzendiener und Feinde und deren klaren Verbrechen gegen die Muslime und die Familie des Propheten.  Zu den wertvollen Anstrengungen des Propheten zählt, dass er die Redensart der Menschen seiner Zeit verändert hat.  Unter den Arabern aus der vorislamischen Zeit der Unwissenheit war es Sitte, während der bewaffneten Konflikte sich gegenseitig zu beschimpfen. Aber der Prophet  mahnte die Gläubigen, dies zu unterlassen  und sich nicht gegenseitig zu beschimpfen. Er hat gesagt: „Beschimpft nicht die Götzendiener  als uneheliche Kinder, denn jedes Volk hat für sich eine Art der Heirat.“
 

 

Oct 20, 2017 11:12 CET
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