Dec 28, 2017 06:19 CET
  • Islam richtig kennenlernen (114  - Imamat)

Der Imam hat die Aufgabe, die Religion vor der Gefahr der Verfälschung und Veränderung zu schützen und außerdem soll er religiös rechtleiten. Es leuchtet ein, dass die Erfüllung beider Verantwortungen die Makellosigkeit des Imams erfordert. Diese muss sich im Verhalten des Imams widerspiegeln, damit sie optimale Wirkung auf die Allgemeinheit hat.

Im letzten Teil sagten wir, dass der Imam von Gott bestimmt wird und nicht durch Wahlen. An dem Ergebnis von Wahlen  zeichnet sich die Meinung der Mehrheit. Gott hat im Vers 159 der Sure 3 (Ale Imran) dass der Prophet sich über die Angelegenheiten des Volkes mit ihm berät. 

Zweifelsohne sind Wahlen und Volksbefragung ein geeigneter Weg, um eine Lösung für eine Reihe von öffentlichen und gesellschaftlichen Problemen zu finden. Aber das Imamat gehört nicht zu diesen Angelegenheiten, denn das Imamat ist eine Art Bund mit Gott. Wir sagten, dass auf einer Seite dieses Bundes Gott steht. Also lässt sich die Frage wer der Imam - der Vorsteher und Lenker des muslimischen Volkes sein soll,  nicht dadurch lösen, dass eine Reihe von Leuten sich beraten und ungeachtet ihres begrenzten Wissens jemanden für dieses Amt wählen. Der Koran hat in den Versen, in denen er über den Imam spricht, erklärt, dass Gott den Imam wählt. Gemäß dem Vers 124 der Sure 2 ( Baqara) wählte er zum Beispiel Ibrahim (Abraham), nachdem dieser mehrere göttliche Prüfungen erfolgreich bestanden hatte, zum Imam der Menschen - zu ihrem Vorbild und Führer.  

Da der Imam besondere Eigenschaften besitzt und außer Gott niemand diese genau kennt, kann nur  Gott mit Seinem Allwissen feststellen, wer sich am besten als Imam eignet und die muslimische Gemeinde rechtleiten kann. 

 

In der Sure  92      (Lail) heißt es im Vers 12 …. ان علینا للهدی

„Uns obliegt wahrlich die Rechtleitung.“

Es ist Gottes Brauch und Gesetz, dass er die Menschen in ihrem Innern durch die Vernunft und von außen durch Propheten rechtleitet. Nach dem Letzten Propheten bricht die Rechtleitung von außen nicht ab, sondern durch Imame, die dem Propheten nachfolgen, werden die Menschen auf den rechten Weg geführt. Die Menschen bedürfen aus bestimmten Gründen eines Propheten,  und brauchen aus denselben Gründen nach dem Letzten Propheten einen Imam, der dessen Weg  fortsetzt und die Imame wurden aus den gleichen Gründen auf demselben Wege  wie die Propheten bestimmt. Das heißt: Genauso wie der Prophet von Gott bestimmt wird, erfolgt auch die Bestimmung des Imams, welche mit der Rechtleitung der Menschen zu tun hat und ein göttlicher Bund ist, durch Gott. Der bekannte iranische Philosoph und Gelehrte Abu Ali Sina (Avicenna) sagt hierüber: „Der Imam muss makellos sein und auf höchster Stufe göttliche Attribute besitzen. Kein normaler Mensch kann feststellen, ob jemand mit diesen Eigenschaften und dieser Haltung ausgestattet ist, und falls doch, dann nur sehr ungenügend. Daher kann nur Gott, der Wissende und Weise Planer,  den Imam bestimmen. Denn er ist über die Geheimnisse der Menschen im Bilde, er kennt das Verborgene und den Weg zum wahren Glück der Menschen,  und die Planung für die  Welt liegt in seiner Hand.“  

Imamat ist das Amt zur Führung und Rechtleitung der Gesellschaft. Wer dieses hohe Amt bekleidet, den müssen die höchsten moralischen Eigenschaften schmücken und in jeder Hinsicht muss er vollkommen sein.

Ein wichtiges Attribut des Imams ist „Ismat“. Ismat ist eine innere Abwehrkraft, die aus dem Glauben und der Gottesehrfurcht und einer tiefen Überzeugung entspringt und vor allen Formen der Verdorbenheit, Sünde und Abweichungen absichert. Diese Immunität  hält von jeglicher Rebellion gegenüber Gott dem Allmächtigen ab.

Wenn wir sagen, dass die Reize der Sünde und der Verdorbenheit keine Wirkung auf den haben, der Ismat besitzt, soll dies nicht  bedeuten, dass eine von Gott gewollte innere oder äußere  Macht   den Imam zwingen würde sich von allem Schlechten fernzuhalten oder dass Ismat  ihm die Fähigkeit nähme, Gott gegenüber ungehorsam zu sein. Das ist nicht der Fall. Vielmehr hütet sich  ein „Masum“, d.h. jemand der Ismat besitzt, aus völlig freien Stücken und aufgrund eigener Entscheidung vor den Abgründen der Sünde. 

Es kann sein, dass jemand etwas Unwürdiges tut, weil er nicht erkennt, dass es hässlich ist, oder nicht weiß, welche schädlichen Folgen es hat. Ein anderer ist sich möglicherweise im Klaren darüber, dass eine Tat schlecht ist und eine innere Stimme warnt ihn auch davor,  jedoch gibt er dem Druck  seiner Gelüste und Neigungen  nach und  sündigt.

Propheten und Imame sind genau über die ruinösen Wirkungen der Sünde im Bilde. Daher unterlassen sie  das Sündigen nicht aus Zwang, sondern aufgrund freier Entscheidung. Ismat bedeutet also kein erzwungenes Fernbleiben von der Sünde. Zur Verdeutlichung folgendes Beispiel: Ist es denkbar, dass ein vernünftiger Mensch ohne Rettungsschirm oder ähnlichem sich von einer hohen Bergspitze herabstürzt oder freiwillig ein tödliches Gift einnimmt? Zweifelsohne wird er das nicht tun. Zwingt ihn jemand dazu, dass er solche Dinge nicht tut, oder liegt es an seiner Vernunft und an seinem Wissen über die Folgen, wenn er sich solcher Schritte enthält?

 

 

 Zweifelsohne sind es die Voraussicht und der Gedanke an die schrecklichen Konsequenzen eines Sturzes aus der Höhe oder der Einnahme von Gift, welche den Menschen von solchen dummen Handlungen abhält. Wir können auch noch folgendes Beispiel anführen: Ein kluger wachsamer Pilot wird niemals mit einem Flugzeug fliegen, in dem eine Bombe installiert wurde, die jeden Augenblick explodieren kann. Es steht ihm frei, dieses Flugzeug zu starten bzw. nicht zu starten. Er nimmt jedoch Abstand davon weil er genau weiß, was dann passieren wird und seine Vernunft verhindert, dass er dieses Flugzeug besteigt. Es zeigt sich also welche Rolle der Stand der Kenntnisse dabei spielt, dass jemand von einer Handlung abgehalten wird.  Die Menschen, die Masum sind,  sind genau über die bitteren Folgen der Sünde im Bilde. Ihre Ismat –ihre Reinheit von  Sünden und Fehlern - geht auf ihr besonderes Wissen zurück, aufgrund dessen sie realistisch die Folgen der Sünde voraussehen.  Der Imam erreicht eine solche Stufe des Wissens,  der Erkenntnis  und Selbstbeherrschung, dass noch nicht einmal der Gedanke  an  die Sünde sein edles Denken trüben könnte.  

Jedoch bei einigen wirkt das Wissen über die schädlichen Folgen der Sünde  nicht so stark, dass sie sich nicht zum Sündigen verleiten ließen.  Wir beobachten in unserer Umgebung den einen oder anderen, den das Wissen darüber, wie schädlich eine seiner schlechten Gewohnheiten ist, nicht von dieser Gewohnheit abhält. Viele wissen dass das Rauchen oder der Alkohol-und Drogenkonsum schädlich sind, und dennoch werden sie auf schlimme Weise abhängig von diesen Stoffen. Das Wissen  über den Schaden der Sünde  kann ebenso zwar wirksam sein, aber oftmals genügt es nicht zur Unterlassung der Sünde.  

Aber bei den lauteren gläubigen Menschen ist es völlig anders. Nicht nur das Wissen um die verheerenden Folgen hält sie vom Sündigen ab, sondern  auch der Glaube und das tiefe Wissen über den Einen Schöpfer des Daseins. Sie erkennen die Macht und Größe Gottes und Seine ständige Anwesenheit überall im Dasein und spüren sich immer in Gegenwart des Weisen und Wissenden Herrn der Welten.  Deshalb wehren sie alles ab, was Gott missfällt.  

Daher befiehlt Gott im Koran diesen lauteren gläubigen Menschen zu folgen. Denn es heißt im Vers 59 der Sure 4 (Nisa):

 

„O die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und den Befehlshabern  unter euch (den Nachfolgern des Propheten)! …“

 

Dieser Vers ruft die Menschen auf, Gott, dem Propheten und den Ulul-Amr zu folgen und mit Ulul-Amr ist kein anderer gemeint als die Imame. Wir entnehmen dem Vers, dass diese Gehorsamspflicht uneingeschränkt gilt. Wenn die Propheten und Imame irgendwelche Fehler besäßen oder begingen, dann hätte Gott den Gehorsam von Bedingungen abgemacht und die Menschen hätten den Propheten und Imamen nur so lange folgen müssen, wie sie richtig handeln, und ihnen nicht folgen dürfen, falls sie Fehler begehen und sündigen.

 

Zur Verdeutlichung können wir die Anweisung des Korans hinsichtlich der Eltern anführen. Der Koran ehrt die Eltern und fordert mit Nachdruck, sie zu achten und ihnen Dank zu erweisen. Doch ist die Anweisung, den Eltern zu gehorchen, eingeschränkt, obwohl sie doch von Gott auf eine hohe Stufe gestellt werden. Im Vers 15 der Sure 31 ( Luqman ) wird der Mensch angewiesen, nicht auf seine Eltern zu hören, wenn sie ihn zum Götzendienst und zu Hässlichem erziehen  wollen und auffordern. Der Koran schränkt also den Gehorsam gegenüber den Eltern ein, aber den Gehorsam gegenüber den Propheten  und Imamen schränkt er nicht ein. Daraus können wir also schließen, dass diese Edlen auf einer so hohen Stufe der Reinheit stehen, dass ihre Befolgung keiner Bedingung unterworfen ist, sondern absolut gilt. Denn ihnen zu gehorchen kommt dem Gehorsam gegenüber Gott und dem Propheten gleich und der Mensch kommt dem Glück umso näher, je mehr er den Weg geht, den sie gezeigt haben. 

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