Gemäß dem Koran haben die Gläubigen ein gewisses Recht bzw. eine gewisse Pflicht gegenüber allen Mitgliedern der Gesellschaft. Sie sind verpflichtet gegenüber Missständen nicht zu schweigen und ihre Liebe zum Glauben macht es notwendig, dass sie aufeinander achten, damit die Gesellschaft unversehrt und frei von Sünde bleibt.

Dies ist  der letzte Teil unserer  Serie "Das Leben meistern mit Hilfe des Korans". Für die bessere Gestaltung der sozialen Beziehungen ist es wirksam, auf die richtige Weise Fragen zu stellen, gegen Unrechtmäßiges zu protestieren und Anleitung zu geben. Diese Methodik spiegelt sich in dem islamischen Gebot, das Gute zu empfehlen und das Schlechte zu verwerfen wider.

Es kommt vor, dass jemand durch sein Verhalten die Regeln der Gesellschaft verletzt, aber  ein anderer durch Empfehlung des Guten und Verwerfen des Schlechten erreichen möchte, dass er sein Verhalten ändert. Dies scheint auf den ersten Blick normal und nicht so schwierig zu sein, während es jedoch gar nicht so einfach ist, diese religiöse Pflicht zu erfüllen. Wenn das Empfehlen des Guten und Verwerfen des Schlechten und die Kritik Früchte tragen sollen, so erfordert dies eine gewisse Geschicklichkeit. Es ist eine Kunst, jemanden auf seinen Fehler aufmerksam zu machen, ohne dass er sich darüber aufregt.  Daher kann es sei, dass wir aus Furcht davor,  dass sich unser Gegenüber ärgert und beleidigt wird, davon ablassen ihn zum Guten aufzurufen und vom Schlechten abzuhalten. Das ist jedoch schade, denn der Fortschritt eines jeden Menschen wird erst durch fruchtbare Kritik gewährleistet und das soziale Leben kann nur durch die Erfüllung des Gebotes erhalten bleiben, das Gute zu empfehlen und das Schlechte zu verwehren  - Dieses Gebot ist im Islam unter der Bezeichnung Amr be Maruf und als Nai min Munkar bekannt. 

                  

das Gute empfehlen

 

 

Das Wort Maruf steht für etwas Gutes, wörtlich für etwas Vertrautes, etwas nämlich, mit dem die edle menschliche Ur-Seele - die Fitra völlig vertraut ist. Also ist Amr be Maruf - die Empfehlung oder Anweisung zum Maruf ein Aufruf zu guten Werken.  Das Wort Munkar in dem Terminus:  Nai min Munkar  ist mit Inkar verwandt,nämlich dem Unbekannten und es ist etwas gemeint, was der  edlen Ur-Natur des Menschen  fremd ist, etwas Schlechtes also. Daher bedeutet Nai min Mukar das Abhalten von hässlichen verwerflichen Taten. 

Der Aufruf zum Guten ist deshalb wichtig, weil der Mensch, da er ein geselliges Wesen ist, in einer Gruppe lebt und Gemeinschaften entstanden sind, die Unterschiede aber in vielem auch gemeinsame Merkmale aufweisen.  Es ist klar, dass die Vervollkommnung der Menschen in solchen Gemeinschaften nur in einer intakten Umwelt möglich ist. Die Religion ist ein Konzept, welches von Gott in Form der Himmelsbücher und der religiösen Bräuche herabgeschickt wurde und Richtlinien für ein Denken, Fühlen und Handeln des Menschen beinhaltet, durch die er selber und die Gesellschaft sich weiterentwickeln können.  In einer religiösen Gemeinschaft kommt es daher zum Bruch mit gesellschaftlichen Tabus und sozialen Abweichungen, wenn diese Werte und Regeln missachtet werden oder in Vergessenheit geraten. Wenn dies passiert gerät  die Gesundheit dieser Gesellschaft in Gefahr.  Deshalb empfiehlt die Religion  ihren Anhängern die Bewahrung der religiösen Regeln.

 

Die Muslime müssen nicht nur selber diesen Regeln treu bleiben, sondern auch die anderen dazu anhalten sie zu beachten.  Das Empfehlen des Guten und das Verwerfen des Schlechten schaffen die Grundlage für das Handeln nach den Sitten und die Stärkung der Werte. Wenn die Mitglieder der Gesellschaft aufeinander achten und sich gegenseitig einladen, das Rechte zu tun und sich gegenseitig davon abhalten, schlecht zu handeln, dann werden nach und nach die guten Werte in Geist und Seele des Menschen gefestigt.

                        

Der geehrte Prophet des Islams (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) hat die Gesellschaft mit einem Schiff verglichen. Er verbildlicht die Pflicht das Gute zu empfehlen und das Schlechte zu verwerfen an Hand eines einleuchtenden Beispiels  und bezeichnet es als ein natürliches Recht des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft, dass er auf ihren Zustand  achtet. Er sagt: Ein Sünder unter den Menschen ist wie jemand, der mit einer Reisegesellschaft in einem Boot sitzt und mitten auf dem Meer beginnt an einer Stelle ein Leck in der Bootswand zu bohren und - wenn jemand dagegen protestiert - sagt:  Ich kann mit meinem Anteil umgehen wie ich will. Wenn ihn die anderen nicht von diesem gefährlichen Tun abhalten, wird es nicht lange dauern und Wasser in das Boot eindringen und alle zusammen müssen im Meer ertrinken.

 

Gemäß dem Koran haben die Gläubigen ein gewisses Recht bzw. eine gewisse Pflicht  gegenüber allen Mitgliedern der Gesellschaft. Sie  sind verpflichtet gegenüber Missständen nicht zu schweigen und ihre Liebe zum Glauben macht es notwendig, dass sie aufeinander achten, damit die Gesellschaft unversehrt und frei von Sünde bleibt. Dies soll mit gegenseitigem Ratschlag und Zusammenarbeit zur Errichtung einer gesunden Gesellschaft einhergehen . Der Koran empfiehlt in der Sure 3 Ale Imran im Vers 104 :

"Und es soll aus euch eine Gemeinschaft werden, die zum Guten aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. Jene sind es, denen es wohl ergeht."

                           

 

 

Gemäß dem Koran besteht das Empfehlen des Guten darin, zum  Glauben einzuladen und zur Gerechtigkeit und zur Geduld aufzurufen an Gott zu Erinnerung und aufrichtig zu handeln. Und zu dem Schlechten, das verworfen und verwehrt werden soll, gehören Unrecht und Unterdrückung, Sünde und Verrat, Hervorrufen von Spaltung und das Bekämpfen der religiösen Wegführer, das Verbergen der Wahrheit und Ähnliches. 

Entscheidend ist es auf die richtige Art und Weise bei der Erfüllung des Gebotes, das Gute zu  empfehlen und das Schlechte zu verwerfen, vorzugehen.  Man muss die richtigen und erfolgreichen Methoden für berechtigte Kritik kennen, denn wenn das nicht der Fall ist, kommt es leicht zu Missverständnissen und sinnloser Diskussion,  Ablehnung und Wirkungslosigkeit.  Wenn jemand akzeptiert, dass Kritik ähnlich wie eine bittere Medizin ist, dann geht er wie der Drogist  vor: Er versieht die bittere Tablette oder Pille mit einem angenehm schmeckenden Belag, damit der Patient wenig davon merkt, dass die Arznei bitter ist, die Tablette einnimmt und diese ihre Wirkung haben kann.

                         

das Gute empfehlen, das Schlechte verwehren

 

 

 

Der Koran macht auf die Voraussetzungen, die für die Empfehlung des Guten erfüllt sein müssen, aufmerksam. In der Medizin zieht man die Bedingungen des Patienten in Betrachtung, wenn man einen chirurgischen Eingriff erwägt und nimmt eventuell von einer Operation Abstand, weil der Patient  zum Beispiel zu alt oder noch zu klein ist oder die Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass eine Operation nichts mehr nützen würde. Wenn ein Psychiater versucht das schlechte Verhalten eines Patienten abzuändern, zieht er zuerst das Potential des Patienten in Erwägung.  Einige Menschen reagieren aufgrund einer Persönlichkeitsstörung oder einer Erkrankung des Charakters wie zum Beispiel der Verhärtung des Herzens infolge von Erzsünden, oder kurzem Verstand oder weil sie kindisch sind, empfindlich  auf Mahnungen und guten Ratschlag.  Gott empfiehlt in einem solchen Fall, dass man nicht mehr mahnen und keinen guten Rat mehr geben soll, falls man weiß dass es nichts nützt. In diesem Fall ist der Gläubige von der Erfüllung dieser Pflicht befreit.

                           

Damit geht unsere Sendung über den Koran als Richtschnur für die Fertigkeiten im Leben zu Ende. Wir hoffen sie hat ihren Gefallen gefunden. 

 

 

Jan 31, 2018 01:51 CET
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