Wir möchten nun das Vorgehen des Propheten  in wirtschaftlichen Fragen betrachten.  Zuvor sollten wir jedoch einige grundsätzliche Punkte  darlegen:

 

Zum ersten Punkt: Im Gegensatz zu der falschen  Vorstellung von einigen  ist der Islam keine Religion, die nur auf die moralischen und immateriellen Bedürfnisse der Gesellschaft achtet. Diese Religion hält ebenfalls ein Konzept für die Deckung der materiellen Bedürfnisse bereit, wie Unterkunft, Kleidung, Nahrung und Genuss von rechtmäßigen Lebensfreuden.  Aber für alle diese Dinge gilt ernsthaft das Prinzip der Ausgeglichenheit und der goldenen Mitte. Über- oder Untertreibung werden durch das islamische Konzept verhütet.

 

Zur Zeit des Propheten Musa (Moses – gegrüßet sei er)  war das Augenmerk der Israeliten nur auf das materielle Leben gerichtet und sie eiferten nach der Anhäufung von Reichtum und zunehmender Macht. Isa (Jesus – gegrüßet sei er) war bemüht die Israeliten vom Materialismus zu befreien. Er  rief sie zur Wiederbelebung der moralischen und immateriellen Werte auf und schmälerte in den Gläubigen das Interesse am Weltlichen.  Eine Gruppe von Christen wandte sich daraufhin dem Mönchtum zu, zog sich aus der Gesellschaft zurück und versagte sich die Freuden des Lebens.

Der Prophet des Islams (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) wählte den Weg der Mitte. Er spornte einerseits die Menschen zur Arbeit und Anstrengung  im Handwerk, dem Handel und der Landwirtschaft an und ermunterte sie zur Nutzung materieller Möglichkeiten und einem angemessenen Genuss des Lebens. Andererseits mahnte er vor  übertriebener Liebe zu den irdischen Gütern und   Anhäufung von Reichtum und war um Wiederbelebung der hohen moralischen Werte des Menschen und um Stärkung seiner immateriellen Seiten und des Jenseitsglaubens bemüht.

Es leuchtet ein, dass jemand, der sich als   Anhänger der Sunna des Propheten (S) betrachtet,  seine Verhaltensweisen zum Vorbild nehmen und sein Leben so gestalten sollte, dass es der Lebensweise des Propheten Gottes entspricht. Hadrat-e Mohammad hat gesagt:

„Bei den Menschen gibt es für alle gottesdienstlichen Handlungen eine Zeit, in der sie danach eifern und verlangen, und eine Zeit, in der sie schwach und müde sind.  Wer seine starken Neigungen nach meiner Verhaltensweise ausrichtet, der ist rechtgeleitet und wer sich von meiner Verhaltensweise abwendet, der ist abgeirrt und seine Werke werden zunichte.

Ich verrichte sowohl das Gebet, als dass ich ausruhe und schlafe.  Ich faste, aber ich breche auch das Fasten (Iftar) und nehme Nahrung zu mir.  Ich lache und weine an der richtigen Stelle. Wer meine Art und Weise ablehnt und sich von ihr abkehrt, der gehört nicht zu  mir.“

Dies war der erste Punkt, den wir vor  Besprechung der Vorgehensweise des Propheten in wirtschaftlichen Angelegenheit feststellen mussten. Der nächste Punkt betrifft den Gedanken von der  Zentralität Gottes. Auch von diesem wird  die Verhaltensweise des Propheten in  Wirtschaftsfragen geprägt.  Aufgrund des Gedankens, dass Gott zentrale Achse jeglicher wirtschaftlicher Aktivitäten ist, betrachtet der gläubige Mensch Gott als den eigentlichen absoluten Herrn und Besitzer der Welt. Diese Denkweise hat fruchtbare Folgen. Der Gottgläubige  versteht sich als Treuhänder Gottes und daher macht ihn Besitz nicht trunken und er vergreift sich nicht an dem, was anderen zusteht. Gegenüber den Bedürftigen ist er nicht gleichgültig, und jeden Schritt unternimmt er mit einer Absicht, die Gott befürwortet, ohne irgendwelchen Dank und Lohn von anderen zu erwarten.

Der Prophet Gottes ist das beste Beispiel für die Praktizierung dieser Gesinnung. Als ihm das große Vermögen seiner Gemahlin Chadidscha (Friede sei ihr) zur Verfügung stand,  hat er es in edler Absicht Gott zuliebe unter den Bedürftigen in der Gesellschaft verteilt.  Oftmals  hat er  um Gottes Zufriedenheit zu erreichen mit dem Erlös aus dem Verkauf von   Datteln von Palmen, die er selber gepflegt hatte,  den Notleidenden geholfen.   

Als drittes möchten wir hervorheben, dass dem Verhalten des Propheten in Fragen der Wirtschaft der  Jenseitsglaube zugrunde liegt.  Der Islam regt  zu allen wirtschaftlichen Tätigkeiten an, es sei denn sie würden gegen das Religionsrecht verstoßen und negative Folgen für das Jenseits haben. Er respektiert das Eigentumsrecht des Einzelnen und die Nutzung von Errungenschaften für ein würdiges Lebens, aber erinnert den Menschen zugleich aufgrund der Lehre vom Jenseits auch an die Welt nach dem Tod, damit er nicht etwa  wegen Geschäften und Handel,   Gott und das Jenseits vergisst.   Der Mensch muss Vorräte für das Jenseits anlegen und darf nicht alles nur für das flüchtige weltliche Leben ausgeben.  Der Koran beschreibt die Menschen, für die Gott eine zentrale Rolle besitzt und die an das Jenseits glauben, indem er genau auf diesen Punkt hinweist und in der Sure 24 (Nur) im Vers 37 wie folgt über sie sagt:

 

„Männer, die weder Handel noch Kaufgeschäft ablenken vom Gedenken Allahs, von der Verrichtung des Gebets und der Entrichtung der Zakkat-Abgabe, die einen Tag fürchten, an dem Herzen und Augen sich verdrehen werden.“

In einem überlieferten Wort des  Propheten (S) heißt es:

„Gebt Spenden auf dem Wege Gottes, und sei es nur ein paar Kilo Datteln oder weniger oder eine Handvoll oder weniger oder sogar nur soviel wie die Hälfte einer einzigen Dattel und wenn jemand nichts besitzt, dann soll er mit guten Worten die Herzen frohstimmen. Denn am Jüngsten Tag,  wenn ihr vor Gott zu stehen kommt, dann werdet ihr gefragt: `Hab  Ich dich nicht so und so behandelt?  Hab Ich dir nicht Ohren und Augen zur Verfügung gestellt? Hab ich dir nicht Eigentum und Kinder geschenkt?` Der Mensch antwortet: `Ja!` Da spricht Gott der Allerhöchste: `Dann schau! Was du für die Welt nach dem Tod vorausgeschickt hast!` Er schaut vor und hinter sich , nach rechts und nach links und findet nichts, mit dem er sein Gesicht vor dem Feuer der Hölle schützen könnte (Nur al Thaqalain, Bd. 5, S.292)

 

Und noch ein grundlegender Punkt:

Ein Grundsatz der Bewegung aller Gottesgesandten war die Verwirklichung der Gerechtigkeit.

Der Prophet des Islams (S)  hat diese Mission seiner Vorgänger fortgesetzt und nach der Herstellung von Gerechtigkeit in der Gesellschaft gestrebt: Er sagt: „Mein Herr hat mir die Gerechtigkeit (Qist und Adl) anempfohlen.“

Die Gerechtigkeit in der Wirtschaft ist ein klares Beispiel. Klarer ausgedrückt darf es in der Islamischen Gesellschaft keine wirtschaftlichen Bedingungen geben, bei denen die einen in Wohlstand leben und andere große Armut leiden.  Eine Islamische Ordnung kann nicht zulassen, dass die Kluft zwischen den Schichten so groß ist, dass sich deutlich eine Benachteiligung und Ausbeutung der mittellosen Schichten abzeichnet.  In einem islamkonformen Wirtschaftssystem  muss jede Art von Riba (Zinsgeschäfte und Wucher), Bestechung und unrechtmäßige Aneignung von Geldern zum Beispiel durch Unterschlagung  bekämpft werden. Übergriffe auf das Allgemeineigentum müssen unterbunden werden. Jeder darf nur das erhalten was ihm rechtmäßig zusteht. 

Wenn wirklich auf Gerechtigkeit geachtet wird, wird es keine Armut, die viele unerwünschte moralische und soziale Fehlentwicklungen mit sich bringt, mehr geben und die Reichen werden nicht mehr prahlen können.  Dieses Ziel vor Augen hat der Prophet des Islams nach  Gerechtigkeit auf der wirtschaftlichen Ebene gestrebt.  Natürlich passte dies den reichen  Aristokraten, die ein sorgenloses Leben auf der Arabischen Halbinsel führten, nicht und zur Wahrung ihrer Interessen und Position begannen sie daher den Propheten und seine Anhänger hart zu bekämpfen. So verhängten sie einen Handelsboykott gegen sie. Prophet Mohammad (S) und die anderen Muslime verbrachten wegen diesem Boykott drei Jahre lang unter sehr großen Härten  in einem Tal, das Abu Talib gehörte (Schiyb Abu Talib). Die Islamfeinde rissen außerdem alles Eigentum der Muslime in Mekka, die nach Medina ausgewandert waren, an sich,  um es  für ihr unwürdiges Leben zu verwenden.

 

Unterdessen hat der Prophet  durch gerechte Verteilung von Reichtum und durch Beseitigung  der Kluft zwischen den Bevölkerungsschichten  Brüderlichkeit unter den Muslimen hergestellt. Er hat das  Mitgefühl  zwischen ihnen so sehr gestärkt, dass sie einander mit dem was sie besaßen unterstützten. Zum Beispiel haben die Gläubigen  die Familien von  Kämpfern, die in ein Gefecht gezogen waren,  bis zu deren Rückkehr versorgt.

Der Prophet des Islams begründete,  inspiriert vom Koran, den Geist des Selbstverzichtes (Ithar).Ithar bedeutet, die anderen sich selber vorzuziehen. Im  Lichte dieses Gedankens erreichte die islamische Gesellschaft dank einer gerechten islamischen Wirtschaft, die auf der Menschenliebe aufbaute, einen Höhepunkt.  Über die Muslime, die Selbstverzicht üben, heißt es in der Sure 59, (Haschr) an einer Stelle im Vers 9:

„… und sie ziehen die anderen  sich selbst vor, auch wenn sie selbst Mangel erlitten. …“

                                  

Durch die Verwirklichung der islamischen Grundsätze konnte der Prophet eine ideale Gesellschaft in  Medina bilden,  in der die Muslime in den Genuss einer gerechten Wirtschaftsordnung  gelangten.

 

 

Mar 05, 2018 21:14 CET
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