Wir beginnen mit Segenswünschen für den Propheten und werden die Verse 13 bis 19 der Sure 36 besprechen. In den Versen 13 und 14 dieser Sure, der Sure Ya Sin, lesen wir Folgendes:

(36: 13- 19)  

 

 وَاضْرِبْ لَهُم مَّثَلًا أَصْحَابَ الْقَرْيَةِ إِذْ جَاءَهَا الْمُرْسَلُونَ                                                      

„Und präge ihnen als Gleichnis die (Geschichte der) Bewohner der Stadt, als die Gesandten zu ihr kamen.“ (36: 13)

 

إِذْ أَرْسَلْنَا إِلَيْهِمُ اثْنَيْنِ فَكَذَّبُوهُمَا فَعَزَّزْنَا بِثَالِثٍ فَقَالُوا إِنَّا إِلَيْكُم مُّرْسَلُونَ

„Als Wir zwei (von unseren Propheten) zu ihnen sandten, da bezichtigten sie beide der Lüge, und so brachten Wir durch einen dritten (Propheten) Verstärkung (für sie beide). Sie sagten: `Gewiss, wir sind (von Gott)  zu euch gesandt.`“ (36: 14)

 

Während in den vorherigen Versen die Reaktion der Gläubigen und der Ungläubigen auf die  Lehren der Propheten Gottes gegenübergestellt wurden, gibt Gott dem Propheten des Islams (Gottes Segen sei auf ihm und Frieden seinem Hause) an dieser Stelle ein Gleichnis mit, welches er den Götzenanbetern in Mekka vorlegen soll. Das Beispiel handelt von einem Volke, zu dem Gott mehrere Propheten geschickt hatte. Doch dieses Volk  lehnte deren Aufruf ab und war anscheinend nicht bereit anzuerkennen, dass Gott ihnen jemanden gesandt hatte. Vielmehr glaubten sie, Gott habe sie sich selber überlassen und sie könnten sich nach Lust und Laune so verhalten wie es ihnen gerade gefällt.  Daher haben die Propheten Gottes hervorgehoben, dass sie von Gott aus beauftragt sind, zu Seiner Religion einzuladen und dass sie nichts von sich selber aussagen und keinen Lohn fordern,  sondern nur die Botschaft Gottes überbringen möchten.

                  

Wir können uns merken:

Erstens: Die Betrachtung der Geschichte und des Schicksals vorhergehender Völker ist wegweisend und lehrreich für die nachfolgenden Generationen.

Zweitens: Die Propheten haben nicht abgewartet, dass die Menschen zu ihnen kommen, sondern sie sind selber zu den anderen gegangen, damit sie ihre Sendung erfüllen.

Drittens: Manchmal wurden mehrere Propheten zu einem Volk gesandt und gleich mehrere Propheten widmeten sich seiner Rechtleitung. 

Wir setzen die Besprechung der Sure Ya Sin mit den drei nächsten Versen fort. Es sind die Verse 15 bis 17 dieser Sure, in denen es wie folgt heißt:

                           

قَالُوا مَا أَنتُمْ إِلَّا بَشَرٌ مِّثْلُنَا وَمَا أَنزَلَ الرَّحْمَـٰنُ مِن شَيْءٍ إِنْ أَنتُمْ إِلَّا تَكْذِبُونَ                               

“Sie sagten: `Ihr seid nur menschliche Wesen wie wir. Nichts (an Offenbarung) hat der Allerbarmer (auf euch) herabgesandt. Ihr lügt nur.`“ (36: 15)

 

 قَالُوا رَبُّنَا يَعْلَمُ إِنَّا إِلَيْكُمْ لَمُرْسَلُونَ

„Sie (die Propheten) sagten: `Unser Herr weiß (es), wir sind wirklich zu euch gesandt.`“ (36: 16)

 

وَمَا عَلَيْنَا إِلَّا الْبَلَاغُ الْمُبِينُ

„`Und uns obliegt nur die deutliche Übermittelung (der Botschaft).`“ (36: 17)

 

 Den Leugnern und Ungläubigen fehlen logische Argumente gegenüber dem Aufruf der Propheten Gottes. Daher reagieren sie damit, dass sie sagen: Ihr Propheten seid nicht von uns verschieden. Ihr seid Menschen wie wir.

 

Die Götzendiener von Mekka  sagten – wie anderen Versen zu entnehmen ist – ein Prophet müsse einer der Erzengel Gottes sein. Sie ließen damit durchblicken, dass sie nicht auf jemanden hören wollten, der wie sie selber ein Mensch ist sondern erwarteten, dass Gottes Gesandter von anderer Natur als sie. Falls  jedoch  Engel von Gott zur Rechtleitung der Menschen ausgesandt worden wären, hätten die gleichen Leute zu diesen nichtstofflichen Wesen, für die andere Gebote als für die Menschen gelten,  gesagt: wir werden nicht die Gebote beachten, die ihr uns hinsichtlich Ernährung und Bekleidung und Beziehungen zwischen Mann und Frau usw. verkündet, denn ihr selber  handelt ja gar nicht danach. 

Gott hat jedoch jemanden zur Rechtleitung der Menschen ausgesandt, der wie sie ist und menschliche Bedürfnisse und stoffliche Eigenschaften hat wie sie.

Außerdem hat Gott den Propheten verpflichtet, dass er als Erster nach den göttlichen Geboten handelt. Die Menschen sollen nämlich nicht denken, dass das, was der Prophet an Geboten überbringt, sich gar nicht beachten ließe.

                  

Wenn jemand an die Existenz Gottes glaubt, dann müsste er einsehen, dass  Gott aufgrund Seiner  Weisheit und Barmherzigkeit einen Menschen und kein anderes Wesen mit der Rechtleitung beauftragt und dass er die Menschen nicht sich selber überlässt.  Die Götzendiener von Mekka nannten Gott nur deswegen Rahman – den Allerbarmer – damit sie sagen konnten: Gott ist liebevoll  zu uns und er verlangt von uns nicht die Erfüllung von Pflichten, sondern er lässt uns so handeln wie es uns gefällt.

 

 Der Prophet und alle Propheten vor ihm haben den Gegnern der himmlischen Religion verkündet: Uns hat der Gott, der euch erschaffen hat und an den ihr glaubt, gesandt. Er hat es uns lediglich zur Pflicht gemacht, dass wir euch Seine Gebote verkünden.  Wenn wir Lügner wären, dann müsste Gott uns doch bloßstellen. Er würde nicht zulassen, dass sich ein falscher Prophet erfolgreich als Sein Gesandter ausgibt.   

 

Wir möchten wie folgt anmerken.

Erstens: Einige denken wenn Gott allbarmherzig ist, so bedeute es, dass Er die  Menschen uneingeschränkt frei sein lässt. Aber am Beispiel der  elterlichen Liebe und Barmherzigkeit in einer Familie sehen wir doch, dass diese auch nicht ihre Kinder einfach sich selber überlassen.  Vielmehr schicken sie sie in die Schule, damit sie etwas lernen und erzogen werden und sie erwarten von ihren Kindern, dass sie ihre Hausaufgaben richtig erledigen.

Zweitens: Die Propheten streben nach Erfüllung ihrer Pflicht, die Wahrheit mitzuteilen und zu erhellen.  Aber sie bürgen nicht für den Erfolg ihrer Verkündung. Wenn viele Menschen sich nicht zur Religion Gottes bekehren, bedeutet dies daher nicht, dass die Propheten ihre Pflicht versäumt hätten. Die Propheten haben ihre Pflicht erfüllt und zur Religion eingeladen. Sie waren auf diesem Wege bereit, ihr Leben herzugeben.

 

Wir sollten auch noch die Verse 18 und 19 erläutern:

Es heißt dort:

 

قَالُوا إِنَّا تَطَيَّرْنَا بِكُمْ ۖ لَئِن لَّمْ تَنتَهُوا لَنَرْجُمَنَّكُمْ وَلَيَمَسَّنَّكُم مِّنَّا عَذَابٌ أَلِيمٌ

„Sie sagten (zu den Propheten): `Wir sehen in euch (und eurem Vorhandensein) ein böses Vorzeichen. Wenn ihr nicht aufhört (mit eurer Verkündigung), werden wir euch ganz gewiss steinigen, und euch wird ganz gewiss schmerzhafte Strafe von uns widerfahren.`“ (36: 18)

 

قَالُوا طَائِرُكُم مَّعَكُمْ ۚ أَئِن ذُكِّرْتُم ۚ بَلْ أَنتُمْ قَوْمٌ مُّسْرِفُونَ

„Sie (die Propheten) sagten: `Euer Vorzeichen ist bei euch (selbst). (Ist es ein böses Vorzeichen,) wenn ihr ermahnt werdet? Aber nein! Ihr seid maßlose Leute.`“ (36: 19)

                                         

Diese Stelle im Koran  verweist auf die Argumentation der Gegner der Propheten. Statt genauer  hinzuhören, was die Propheten sagten und auf ihre menschliche und moralische Lehre zu achten, erklärten sie, diese würden Unglück bringen und seien eine Schande.  Die Gegner der Propheten drohten:  Entweder hört ihr auf mit der Verkündung oder wir werden euch verbannen und euch peinigen und töten.

                              

Zum Schluss dieses Teils können wir uns merken:

Erstens: Gegenüber dem Aufruf der Propheten zur Wahrheit benutzen die Gegner die Sprache der Leugnung, Schmähung und Drohung.

Zweitens: Aberglauben wie der Glaube an Stern- und Kartendeutung  oder Orakel  usw. gehören zu den Sitten  aus der Zeit der Unwissenheit. Einige, die keine logischen Argumente anbringen können,  versuchen bei Aberglauben Halt zu finden.

Drittens:  Es sind Unglauben und Sünden, die dem Menschen Unglück bescheren.  Wenn einige sündhaften Menschen nach außen hin  ein gutes Leben haben, so täuscht dies nur, denn sie handeln sich in Wahrheit Unglück ein.  

Viertens: Der Terminus „Israf“ betrifft nicht nur die Verschwendung von Gütern und Übertreibungen. Jede Rebellion gegenüber dem Recht und der Wahrheit fällt unter diesen Begriff und ist eine Verletzung der Grenzen und eine Maßlosigkeit.  Wer sich auf diese Weise verhält gehört zu den musrifin – den maßlosen Leuten.    

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Mar 14, 2018 07:00 CET
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