In Fortsetzung unserer einfachen Kurzexegese erfahren sie mehr über die Verse 20 bis 27 der Sure 36, Sure Ya Sin. In den ersten beiden dieser Verse, die Verse 20 und 21,  heißt es wie folgt:

(36: 20- 27)

 

وَجَاءَ مِنْ أَقْصَى الْمَدِينَةِ رَجُلٌ يَسْعَىٰ قَالَ يَا قَوْمِ اتَّبِعُوا الْمُرْسَلِينَ

„Und es kam vom äußersten Ende der Stadt ein Mann gelaufen. Er sagte: `O mein Volk, folgt den Gesandten (Gottes)!`“ (36: 20)

 

اتَّبِعُوا مَن لَّا يَسْأَلُكُمْ أَجْرًا وَهُم مُّهْتَدُونَ

„Folgt denjenigen, die von euch keinen Lohn verlangen und (selbst) rechtgeleitet sind.“ (36: 21)

                        

Im letzten Teil war auf die Bemühungen der Gesandten Gottes um Rechtleitung der Menschen hingewiesen worden. Nun geht es in den obigen Versen in einem Beispiel um Gläubige, die zur Verteidigung  der Propheten Gottes gegenüber den Unterdrückern der Wahrheit  aufs Spiel setzen. In jener Stadt, in der drei Propheten erschienen waren, lebte ein Mann namens Habib Nadschar. Er hatte erfahren, dass die Propheten Gottes misshandelt werden und man vorhat, sie zu töten. Daher kam er eilig herbeigelaufen und forderte noch andere auf, ihm zu helfen. Als wahrer Gläubiger wusste er, dass er nicht nur selber gläubig sein muss sondern auch die anderen zum Glauben einladen soll,  damit die Feinde nicht die Gesandten Gottes umbringen. Diese Gottesboten waren ja gekommen, um die Menschen rechtzuleiten, ohne irgendein Entgelt oder eine Belohnung von ihnen zu erwarten.

 

Anhand dieser Verse können wir uns einprägen:

Erstens: Es ist Aufgabe der Gläubigen, die Religion und die Anführer von Recht und Wahrheit zu verteidigen.

Zweitens: Die Pflicht die Religion zu verteidigen, gilt auch wenn man alleine oder zu wenigen ist. Es ist nicht rechtens, angesichts einer nur geringen Zahl von Helfern vor  der Verteidigung von Recht und Wahrheit zurückzuschrecken.

Drittens: Wir sollten diejenigen befolgen, die auf dem Weg Gottes sind und bei denen wir sicher sind, dass sie den richtigen Weg gehen.

                                  

Es folgen die Verse 22 bis 24 der Sure Ya Sin:

 

وَمَا لِيَ لَا أَعْبُدُ الَّذِي فَطَرَنِي وَإِلَيْهِ تُرْجَعُونَ

„Und warum sollte ich nicht demjenigen dienen, der mich erschaffen hat und zu dem ihr zurückgebracht werdet?“ (36: 22)

 

أَأَتَّخِذُ مِن دُونِهِ آلِهَةً إِن يُرِدْنِ الرَّحْمَـٰنُ بِضُرٍّ لَّا تُغْنِ عَنِّي شَفَاعَتُهُمْ شَيْئًا وَلَا يُنقِذُونِ

„Soll ich mir etwa anstatt Seiner (andere) Götter nehmen? Wenn der Allerbarmer für mich Unheil will, nützt mir ihre Fürsprache nichts, und sie (können) mich nicht erretten.“ (36: 23)

 

إِنِّي إِذًا لَّفِي ضَلَالٍ مُّبِينٍ

„Ich würde mich dann gewiss in deutlichem Irrtum befinden.“ (36: 24)

                                         

Jener Mann, der herbeigeeilt war, um den bedrohten Propheten Gottes zu helfen und die anderen diesbezüglich um Unterstützung bat, sagte zur Verteidigung des Ein-Gott-Glaubens, er sähe keinen Grund weshalb er die imaginären Götzen anbeten solle, wo er doch weiß, dass der Eine Gott ihn erschaffen hat.  Er sagte: Wenn ich jemanden anbeten und jemandem dienen soll, dann muss ich Ihm, dem Einen Gott,  dienen. 

Es ist logisch,  dass der Mensch dem dient, der ihn erschaffen hat und dies entspricht auch der inneren Stimme des Menschen. Unterdessen entbehrt das Anbeten von Götzen  jeglicher logischer Grundlage. Sollte jemand mir einen Schaden zufügen wollen, so können diese Götzen ihn nicht abwenden und ebensowenig können sie  jemanden daran hindern, mir Gutes zu tun.  Es ist doch klar, dass jemand den Irrweg betritt, der nicht mehr auf die Vernunft und die Fitra – die Gott gegebene menschliche Natur - achtet. Dies ist außerdem nicht entschuldbar. 

 

Wir können uns einprägen:

Erstens: Die Anbetung des Schöpfers leuchtet ein und ist vertretbar. Was nicht einleuchtet,  ist die Anbetung von Götzen.

Zweitens:  Nicht nur der Schöpfungsbeginn liegt in der Hand Gottes, sondern auch das  Lebensende des Menschen. Auch das ist ein logisches Argument dafür, dass wir Ihm dienen sollen. Diese Gottesdienstbarkeit  entspricht der menschlichen Vernunft und erwidert den Ruf der inneren menschlichen Natur.

                          

Was nun sagen die nächsten Verse über den Gläubigen, der sich zur Verteidigung des Ein-Gott-Glaubens und der Propheten aufgerafft hatte,  aus? In den Versen 25 bis 27 der Sure Ya Sin lesen wir:

 

إِنِّي آمَنتُ بِرَبِّكُمْ فَاسْمَعُونِ

„(Leute!) Gewiss, ich glaube an euren Herrn, so hört auf mich.“ (36: 25)

 

قِيلَ ادْخُلِ الْجَنَّةَ ۖ قَالَ يَا لَيْتَ قَوْمِي يَعْلَمُونَ

„(Aber sie machten ihn zum Märtyrer und) es wurde (zu ihm) gesagt: `Geh in den (Paradies)garten ein.` Er sagte: `O wüsste doch mein Volk davon,`“ (36: 26)

 

بِمَا غَفَرَ لِي رَبِّي وَجَعَلَنِي مِنَ الْمُكْرَمِينَ 

„dass mein Herr mir vergeben und mich zu den Geehrten hat gehören lassen!“ (36: 27)

                             

Der engagierte Gläubige bekannte sich, nachdem er seine logischen Gründe genannt hatte, zu den Propheten, die in seine Stadt gekommen waren und rief die anderen auf, sich auch auf deren Seite zu stellen, auf ihn zu hören und nachzudenken.  

Aber die Ungläubigen waren stur, und wollten nicht auf die Wahrheit hören, sondern sie machten diesen Gläubigen zum Märtyrer. Denn sie dachten, so würden sie seine Mahnungen loswerden. Gott ließ den tapferen Gläubigen in das Paradies der Zwischenwelt einkehren, welches bis zum Jüngsten Tag bestehen bleibt.

 

 Die rechtschaffenen Gottesdiener, welche den Märtyrertod finden, werden bis zum Jüngsten Tag in diesem Paradies weilen. Gott sagt über die Schahada – die Gläubigen die mit ihrem Blut für den Glauben gezeugt haben, im Vers 169 der Sure Ale Imran (Sure 3):

 

„Und denkt nur ja nicht, diejenigen, die auf Allahs Weg getötet worden sind, seien (wirklich) tot. Nein! Vielmehr sind sie lebendig bei ihrem Herrn und werden versorgt.“

           

Jenem gläubigen Mann war also so sehr an dem Wohl seines Volkes gelegen, dass er sogar für diejenigen, die ihn getötet hatten, Mitleid empfand und wünschte, dass sie Rechtleitung fänden und auf den Weg zur Seligkeit gelangten.

                     

Wir schließen mit folgenden Merkpunkten:

Erstens: Für die Verteidigung der Religion und ihrer Anführer muss der Mensch bis zuletzt standhaft den Weg Gottes gehen, und sei es, dass er dafür den Märtyrertod stirbt.

Zweitens: Die Märtyrer für Gott genießen  in der Zwischenwelt, die nach dem Tod beginnt und bis zum Jüngsten Tag anhält, ein besonderes Leben. Ihnen werden in diesem Zwischenreich die Gnaden und der Segen Gottes beschert.

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Mar 14, 2018 07:15 CET
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