Wir freuen uns, einen weiteren Abschnitt in der Sure 36, Sure Ya Sin, mit Ihnen zu besprechen, und wir beginnen gleich bei den Versen 45 und 46 dieser Sure.  Sie lauten:

(36:45 – 50)   

 

 وَإِذَا قِيلَ لَهُمُ اتَّقُوا مَا بَيْنَ أَيْدِيكُمْ وَمَا خَلْفَكُمْ لَعَلَّكُمْ تُرْحَمُونَ                                    

„Und wenn zu ihnen gesagt wird: „Hütet euch vor dem, was vor euch, und dem, was hinter euch ist, auf dass ihr Erbarmen finden möget! (.., wenden sie sich ab)“ (36: 45)

 

وَمَا تَأْتِيهِم مِّنْ آيَةٍ مِّنْ آيَاتِ رَبِّهِمْ إِلَّا كَانُوا عَنْهَا مُعْرِضِينَ

„Kein Zeichen von den Zeichen ihres Herrn kommt zu ihnen, ohne dass sie sich davon abwenden.“ (26: 46)

                                              

In den vorherigen Versen waren mehrere Zeichen angeführt worden, die in der Schöpfung für die  Macht und Herrlichkeit Gottes vorhanden sind. Nun geht es in den obigen beiden Versen darum, dass ein Teil der Menschen sich ablehnend verhält und sich von der Wahrheit und dem Recht abwendet, anstatt sich Gott und Seinen Propheten zuzuwenden und sich durch die göttlichen Zeichen belehren zu lassen. Wenn sie aufgerufen werden,  auf ihr Handeln und Verhalten zu achten, damit sie nicht im Leben bestraft werden und die jenseitige Strafe auf sich ziehen, ignorieren sie es, und handeln so unpassend wie zuvor. Dabei würde Gott Ihnen Gnade und Barmherzigkeit erweisen, wenn sie von den Sünden ablassen und zur Wahrheit zurückkehren. Gott würde ihnen ihre vorherigen Fehler vergeben.

 

Wir stellen fest:

 

Erstens:  Die Zeichen Gottes in der Schöpfung sind zahlreich, aber der Glaube und das Bekenntnis auf der Seite der Menschen sind gering.

Zweitens:  Der Weg zur göttlichen Barmherzigkeit steht immer offen, es sei denn der Mensch verschließt mit eigener Hand das Tor zu ihr.

 

Im Vers 47 der Sure 36 heißt es weiter:

        

وَإِذَا قِيلَ لَهُمْ أَنفِقُوا مِمَّا رَزَقَكُمُ اللَّـهُ قَالَ الَّذِينَ كَفَرُوا لِلَّذِينَ آمَنُوا أَنُطْعِمُ مَن لَّوْ يَشَاءُ اللَّـهُ أَطْعَمَهُ إِنْ أَنتُمْ إِلَّا فِي ضَلَالٍ مُّبِينٍ                                  

„Und wenn zu ihnen gesagt wird: „Gebt von dem aus, womit Allah euch versorgt hat“, sagen diejenigen, die ungläubig sind, zu denjenigen, die glauben: „Sollen wir jemanden ernähren, den Allah, wenn Er wollte, ernähren würde? Ihr befindet euch nur in deutlichem Irrtum.“ (36: 47)

 

Dieser Vers deutet  auf einen häufigen eigensinnigen Trugschluss von Gottesleugnern hin. Gott gebietet den Gläubigen, dass sie den Bedürftigen etwas geben, und jeder vernünftige und gerechte Mensch sieht darin ein gutes Werk. Aber einige Nicht-Gläubige zweifeln eigensinnig sogar dieses Gebot Gottes an und  sagen: Wieso hat Gott euch Gläubigen geboten, dass ihr den Bedürftigen Nahrung und Kleidung gibt? Warum tut Er das nicht selber? Vielleicht will Er gar nicht, dass die Hungernden satt werden?!

 

Es liegt auf der Hand, dass solche Einwände und Fragen einem engstirnigen eigensinnigen Denken entspringen, denn es ist doch klar, dass alles was wir besitzen, auch das, was wir den Bedürftigen geben, aus der Versorgung stammt, die Gott uns zukommen lässt. In Wirklichkeit gehört uns selber gar nichts. Gott hat uns einen Geist, Vernunft und einen Körper verliehen. Dank dieser Geschenke haben wir Möglichkeiten zur Verfügung und geht es uns finanziell gut.

In Wahrheit hat Gott die Reichen verpflichtet, dass sie die Bedürfnisse der Armen und den Hunger der Hungernden stillen. Ähnlich wie Gott  eine Mutter verpflichtet, ihr Kind mit der Milch zu ernähren,  die Er in ihrem Oberkörper entstehen lässt.

                             

Folgendes können wir uns merken:

Erstens: Wenn uns bewusst wird, dass alles worüber wir verfügen können, eine Versorgung seitens Gott und nicht wirklich unser Eigentum ist, fällt es uns leichter, etwas davon an andere weiterzugeben.

Zweitens: Infaq – das Spenden – ist ein Zeichen für den Glauben. Wer nicht spendet,  der ist in Ungläubigkeit und Gott-Undankbarkeit verfallen.

Drittens: Wenn jemand das Gebot zu spenden falsch deutet, dann hat er etwas, was allgemein als gut und schön betrachtet wird, abgewertet und  als falsch und abwegig eingestuft.

 

Wir schließen für heute mit den Versen 48 bis 50 der Sure Ya Sin:

 

وَيَقُولُونَ مَتَىٰ هَـٰذَا الْوَعْدُ إِن كُنتُمْ صَادِقِينَ

„Und sie (die Ungläubigen) sagen: `Wann wird dieses Versprechen (über den Jüngsten Tag und das Jenseits)  eintreten, wenn ihr wahrhaftig seid?`“ (36: 48)

 

مَا يَنظُرُونَ إِلَّا صَيْحَةً وَاحِدَةً تَأْخُذُهُمْ وَهُمْ يَخِصِّمُونَ

„Sie haben nur einen einzigen (himmlischen) Schrei zu erwarten, der sie ergreift, während sie noch miteinander streiten.“ (36: 49)

 

فَلَا يَسْتَطِيعُونَ تَوْصِيَةً وَلَا إِلَىٰ أَهْلِهِمْ يَرْجِعُونَ

„Da werden sie kein Vermächtnis (mehr) hinterlassen können und auch nicht zu ihren Angehörigen zurückkehren.“ (36: 50)

                            

Nach dem vorherigen Vers, der  von dem eigensinnigen Geist einiger Ungläubiger bezüglich der Gebote Gottes handelt, heißt es über sie in dem Vers 48, dass sie sich auch über den Jüngsten Tag lustig machen. Sie sagen zu den Gläubigen: Ihr wisst doch gar nicht, wann dieser Jüngste Tag sein wird, warum habt ihr dann ständig Angst davor und gebt so streng darauf acht, was ihr tut?  Wenn es wirklich einen Jüngsten Tag gibt, dann sagt uns doch, wann das sein soll, damit wir auf ihn warten.

Der Koran gibt eine passende Antwort auf diese Ausflüchte und die  Suche  nach Anzweifelung.  Die Ungläubigen sollen wissen, dass es noch kein Beweis für die Nicht-Existenz des Jüngsten Tages ist, wenn keiner weiß wann das sein wird.  Wissen den die Menschen die in einem erdbebenreichen  Gebiet leben genau, wann es wieder ein Erdbeben geben wird?  Sie wissen nur, dass die Erde mit Sicherheit in ihrem Gebiet wieder beben wird. Deshalb sind sie immer darauf vorbereitet.     

Der Jüngste Tag wird gemäß Wissen und Macht Gottes eintreten und die Menschheit hat keinen Einfluss darauf. Wenn immer Gott es will, kann er in einem Augenblick das gesamte All zusammenstürzen lassen und keiner wird irgendeinen Widerstand leisten können.  Es wird so schnell eintreten und alle überraschen, dass keiner mehr zu seinen Angehörigen zurückkehren oder einen letzten Willen äußern könnte.

                   

Wir sehen:

Erstens: Die Jenseitsleugner können nicht beweisen, dass es keinen Jüngsten Tag gibt, deshalb versuchen sie, mit einigen Fragen Zweifel an ihm hervorzurufen.

Zweitens: Der Jüngste Tag ist von Gott verheißen worden. Wenn nicht klar ist, wann er eintritt, ist dies kein Beweis dafür, dass es  ihn nicht gibt.

Drittens: Das Ende der Welt und der Beginn des Jenseits  ereignen sich, während die Menschen in ihren alltäglichen Streit verwickelt sind.

Viertens:  Am Ende der Welt werden die verwandtschaftlichen und emotionalen Beziehungen aufgelöst. Im Jenseits wird jeder für sich, getrennt von den Eltern, von Kindern und dem Ehepartner, vor das göttliche Gericht gebracht und  seinen Lohn oder auch seine Strafe erhalten.

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Apr 11, 2018 12:52 CET
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