Wir beginnen unsere heutigen Erläuterungen zur Sure 36, Sure Ya Sin, mit dem Vers 59 dieser Sure. In diesem heißt es:

(36: 59 – 65)    

 

وَامْتَازُوا الْيَوْمَ أَيُّهَا الْمُجْرِمُونَ

„Ihr Sünder und Übeltäter! Sondert euch heute (von den Rechtschaffenen) ab!“ (36: 59)

 

In den vorhergehenden Versen hat der Heilige Koran  die Lage der Rechtschaffenen im Paradies und deren dortiges körperliches und seelisches Wohlergehen beschrieben. Aber im Vers 59 heißt es nun, dass die Übeltäter von den Rechtschaffenen getrennt werden und einen anderen Weg gehen müssen. Dieser Weg führt sie  in die Verdammnis der Hölle, wo sie ein bitteres hartes Ende erwartet.  Sie haben für die flüchtigen Freuden des Diesseits die ewige Pein im Jenseits in Kauf genommen. Am Jüngsten Tag sehen sie dann das Resultat ihrer falschen Entscheidung vor sich. Das Jüngste Gericht ist der Tag der Göttlichen Gerechtigkeit und es ergäbe keinen Sinn, wenn die Guten mit den Schlechten , wie im Diesseits, in eine Reihe zu stehen kämen und im Jenseits zusammen leben und miteinander verkehren müssten.

 

Wir können uns also merken:

Erstens: Am Jüngsten Tag werden die Menschen gemäß ihres Denkens, ihrer Überzeugung und ihrer Werke voneinander getrennt. Es kann gut vorkommen, dass Eltern sich in einer anderen Reihe befinden  als ihre Kinder  und der Mensch mit Leuten zusammenkommt , die nicht seine Verwandten sind.

Zweitens:  Der Jüngste Tag ist der Zeitpunkt, an dem die Göttliche Gerechtigkeit über die  Bestrafung der Übeltäter und Belohnung der Rechtschaffenen entscheidet.

 

Es folgen die drei nächsten Verse, nämlich Vers 60 bis 62 der Sure Ya Sin:

 

أَلَمْ أَعْهَدْ إِلَيْكُمْ يَا بَنِي آدَمَ أَن لَّا تَعْبُدُوا الشَّيْطَانَ ۖ إِنَّهُ لَكُمْ عَدُوٌّ مُّبِينٌ

„Habe Ich euch, o Kinder Adams, nicht als Verpflichtung auferlegt, daß ihr nicht dem Satan dienen (und ihm nicht gehorchen) sollt – gewiss er ist euch ein deutlicher Feind –„, (36: 60)

 

وَأَنِ اعْبُدُونِي ۚهَـٰذَا صِرَاطٌ مُّسْتَقِيمٌ

„und dass ihr Mir dienen sollt?, – das ist ein gerader Weg!“ (36: 61)

 

وَلَقَدْ أَضَلَّ مِنكُمْ جِبِلًّا كَثِيرًا ۖأَفَلَمْ تَكُونُوا تَعْقِلُونَ

„Er hat ja doch viele Geschöpfe von euch in die Irre geführt. Hattet ihr denn nicht begriffen?“ (36: 62)

                                 

Diese Verse richten sich an die Sünder und Übeltäter, die am Jüngsten Tag versammelt werden und die von den Gläubigen getrennt worden sind. Dieses Gotteswort geht mit Tadel einher. Die Übeltäter werden gefragt, warum sie auf Satan gehört haben und den Weg Gottes vergessen haben!

 

Gott erinnert hier an ein Bündnis, das der Mensch mit Ihm zu Beginn der Erschaffung geschlossen hat. Als Adam und seine Gemahlin Hawa (Eva) im Paradies sich von Satan überlisten ließen, tadelte Gott sie, warum sie auf die Einflüsterungen Satans gehört und etwas gegesssen haben, das Gott ihnen verboten hatte. Wisst ihr Menschen denn nicht das Satan euer Feind ist?

Dank des ihm von Gott verliehenen Wesens weiß der Mensch, dass hässliches Tun nicht zu seiner Menschlichkeit passt. Jedoch ruft Satan, unter welchem Vorwand auch immer, den Menschen zu Hässlichem herbei, ob in menschlicher oder anderer Gestalt. Unterdessen mahnt die von Gott verliehene Urseele den Menschen, nichts Schlechtes zu tun, sondern den Anweisungen Gottes zu folgen.

Nicht nur das innere Wesen mahnt den Menschen sondern auch die Geschichte ist eine Mahnung. Wenn wir den Blick nach außen wenden und  tiefer über die Geschichte der Vorfahren nachdenken, sehen wir, dass viele Menschen der Sünde und dem Unheil anheimgefallen sind und auf dem Irrweg landeten, der in die Vernichtung führte.  Bei Betrachtung des Lebens dieser Menschen stellen wir fest, dass der wichtigste Grund für ihr Abschweifen vom geraden Weg darin bestand, dass sie Leuten mit falschem Glauben und abwegigem Denken,  die bereits in die Irre gegangen waren, gefolgt sind.

 

Wir lernen:

Erstens: Im Inneren des Menschen hat Gott mit ihm durch die Ur-Seele (Fitra) und den Verstand einen Bund geschlossen und von außen hat Er die Propheten geschickt, um den Menschen das Versprechen  abzunehmen,  niemals dem Pfad des Satan zu folgen.

Zweitens: Es gibt nur zwei Zustände, in denen sich der Mensch befinden kann, nämlich entweder ist er Diener Gottes oder er ist Diener Satans.

Drittens: Bei jedem Ritualgebiet beten wir zu Gott, dass er uns auf den rechten Weg leitet. Gemäß obiger Stelle in der Sure Ya Sin besteht der gerade Weg darin, Gott zu gehorchen und Ihm  zu dienen.

Viertens: Wir müssen den Verstand und die Denkkraft nicht  nur zur Erreichung der diesseitigen Annehmlichkeiten  einsetzen, sondern  sie auch nutzen, um mehr über die Geschichte der Vorfahren zu erfahren und um eine Lehre aus dem bitteren Schicksal derjenigen zu ziehen, die sich von Satan täuschen ließen.

                                                         

Es folgen die Verse 63 bis 65 der Sure 36 (Ya Sin):

 

هَـٰذِهِ جَهَنَّمُ الَّتِي كُنتُمْ تُوعَدُونَ

„Das ist die Hölle, die euch stets angedroht wurde.“ (36: 63)

 

اصْلَوْهَا الْيَوْمَ بِمَا كُنتُمْ تَكْفُرُونَ

„Ihr sollt ihr heute ausgesetzt sein dafür, daß ihr ungläubig wart.“ (36: 64)

 

 الْيَوْمَ نَخْتِمُ عَلَىٰ أَفْوَاهِهِمْ وَتُكَلِّمُنَا أَيْدِيهِمْ وَتَشْهَدُ أَرْجُلُهُم بِمَا كَانُوا يَكْسِبُونَ

„Heute versiegeln Wir ihnen ihre Münder. Ihre Hände werden zu Uns sprechen und ihre Füße Zeugnis ablegen über das, was sie getan haben.“ (36: 65)

                                    

Auch diese Verse handeln von dem Dilemma der Sünder im Jenseits.  Die Propheten hatten den Menschen auf Erden die Verheißung Gottes über die Belohnung der Rechtschaffenen und die Bestrafung der Übeltäter mitgeteilt , doch viele von ihnen habe diesen Verheißung nicht ernst genommen. Sie haben  nicht daran geglaubt und sich sogar darüber lustig gemacht.  Doch am Jüngsten Tag sehen sie mit eigenen Augen die Verwirklichung dieser Verheißung. Sie sehen nicht nur die Hölle vor sich, sondern sie müssen sie auch betreten und ihr Feuer am ganzen Leibe verspüren.  

Es ist nicht nötig, dass die Sünder und Übeltäter vor dem Gericht der Göttlichen Gerechtigkeit etwas sagen. Dann könnten sie ja während ihrer Aussagen Dinge verheimlichen oder leugnen. Vielmehr werden ihre Hände und Füße und andere Bestandteile ihres Körpers anstatt der Zunge Aussagen machen und darüber berichten, was sie getan haben.

 

Wir entnehmen diesen Versen:

ErstensDie Propheten haben den letzten Beweis für die Menschen erbracht und immer vor der Gefahr der Hölle gewarnt.

Zweitens: Am Jüngsten Tag wird der Mund, der dem Mensch das Reden erlaubt,  versiegelt und stattdessen werden seine Hände und Füße sprechen.

Drittens:  Die Körperglieder- und Organe  besitzen eine Art Aufnahmefähigkeit und kennen daher das, was mit ihnen geschieht registrieren und festhalten und im Jenseits darüber berichten. 

 
Apr 23, 2018 11:47 CET
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