Hörerpostsendung am 29. April 2018 - Bismillaher rahmaner rahim - Wir sind dem Wonnemonat Mai schon sehr nahe gekommen liebe Hörerfreunde und hier in Iran sind wir schon im Wonnemonat Ordibehescht. Diese beiden Frühjahrsmonate zählen in unseren Ländern zu den schönsten Monaten des Jahres, weil das Grünen und Blühen in der Natur und angenehme Temperaturen in der Regel diese Monate bestimmen.

Im iranischen Monatsnamen Ordibehescht ist schon der Name des Paradieses  nämlich Behescht eingebunden. Und unter Paradies stellt man sich ja in der Regel eine schöne Natur mit angenehmen Temperaturen vor.

«Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu gelangen, solange man einen Garten hat.» 

Dieses persische Sprichwort zeugt von der Bedeutung und Wertschätzung der Gärten in Iran. Tatsächlich geht das moderne Wort „Paradies“ auf den avestischen Begriff pairidaeza, Umfriedung, zurück. Daraus wurde im Mittelpersischen Pardes und in der griechischen Überlieferung paradeisos.

Warum wir die heutige Hörerpostsendung mit diesem Thema beginnen, erfahren Sie nach unserer ersten Musik. 

„Liebe Mitglieder der deutschen Redaktion von IRIB in Teheran, nach der Umstellung der Frequenzen ist IRIB wieder recht gut und verständlich – sowie ohne Störungen zu empfangen. Ich höre sehr gern die Sendungen aus dem kulturellen Leben und die Sendungen über den Tourismus in Iran.

Nun ist das Frühjahr auch in Deutschland angekommen, die Temperaturen sind gestiegen und die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf. Kurz vor Ostern hat sich der Winter hoffentlich ein letztes Mal gezeigt. Nun kann die Arbeit im Garten beginnen und ich verbringe wieder mehr Zeit in der Natur. Dem Kurzwellenhobby möchte ich aber trotzdem treu bleiben und auch die Freundschaft zu IRIB ist mir wichtig.

Da ich recht gern auch im Garten arbeite, würde mich interessieren, ob es in Iran auch üblich ist, Obst und Gemüse in kleinen Gärten selbst anzubauen und zu ernten. Gibt es auch privat angelegte kleine Blumengärten oder sogar kleine Gartenvereine?

So - für heute möchte ich wieder schließen. Ich wünsche Ihnen in Teheran alles Gute, einen schönen Frühling und viel Gesundheit.

Viele Grüße an alle in der Redaktion. Ihr Hörer Lutz Winkler“

Lieber Herr Winkler, besten Dank für Ihre Zeilen, das Bild vom Kloster Unserer Lieben Frauen in Magdeburg, den Empfangsbericht und die zuvor schon eingegangenen Ostergrüße mit der netten österlichen Zeichnung Ihrer Frau.

Zu Beginn der Sendung sind wir ja schon kurz auf die Wertschätzung der Gärten in Iran eingegangen. In einem Land mit vielen Wüsten und Steppen wie Iran und Hitze und Trockenheit, kann man sich vorstellen, dass Wasser, schattenspendende Bäume, schöne Blumen und auch Nutzpflanzen seit alters her eine große Bedeutung hatten.

Selbst der große deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe dichtete folgende Zeilen über persiche Gärten:

 „Grabet euer Feld ins zierlich Reine,Daß die Sonne gern den Fleiß bescheine;Wenn ihr Bäume pflanzt, so sei’s in Reihen,Denn sie läßt Geordnetes gedeihen.Auch dem Wasser darf es in KanälenNie am Laufe, nie an Reine fehlen.“

Wer heute als Tourist nach Iran kommt kann traditionelle Gartenanlagen in Schiraz, Kaschan, Yazd, Kerman, Isfahan und auch in Teheran bewundern. Einige dieser Gärten wurden auch in die UNESCO-Weltkulturerbeliste eingetragen.

Von April bis Oktober 2017 gab es ja in der Bundeskunsthalle in Bonn eine Ausstellung mit dem Titel:

Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste und Der Persische Garten. Zeitgleich beginnend mit dieserAusstellung lud  ein persischer Garten auf dem Museumsplatz bis in den Oktober hinein zum Verweilen und Genießen ein. Unser Hörerfreund Fritz Andorf hat diese Ausstellung im letzten Jahr besucht.

Die Bedeutung von Gärten in der iranischen Kultur spiegelt sich ja auch vielfältig in den Kachelmalereien und den floralen Teppichmotiven wieder.

Arthur Popp schreibt in diesem Zusammenhang: "Garten ist das wichtigste Thema für die Iraner. Man sieht in allen Teppichen ein Bild des Gartens mit vielen Bäumen und Teichen geschmückt mit Blumen. In der Vorstellung der Iraner ist der Garten ein Teil des Paradieses. Im Garten ist jeder Iraner, wenn auch für einen Augenblick, getrennt von seiner Welt. Seine Seele und sein Geist erholen sich im Garten"

Um noch einmal auf die Frage von Herrn Winkler zurückzukommen, kann man sagen, dass es aber  so eine Art Kleingarten- und Schrebergartenkultur wie in Deutschland hier nicht gibt. Aber die Iraner versuchen – und sei es auf kleinstem Raum – neben ihren Häusern Bäume und Blumen zu pflanzen. In ländlichen Gegenden ist das dann natürlich ausgeprägter. Generell kann man noch sagen, dass bei den Bäumen dann lieber Nutzpflanzen als Zierpflanzen verwendet werden. Nach Möglichkeit ist es aber eine Kombination, sodass man  je nach Klimazone dann entsprechend Granatäpfel, Feigen, Maulbeeren, Trauben, Datteln, Oliven, Kakipflaumen u.a. Bäume finden kann. Wenn es die Fläche neben dem Haus erlaubt, werden auch Kräuter – die hier in großen Mengen frisch verzehrt werden – angebaut.

In ländlichen Gegenden sind dann größere Gärten oder Plantagen in der Umgebung der Orte zu finden, die dann auch einen hohen Stellenwert in der Freizeitgestaltung der Familien haben.

Bei den Zierpflanzen spielen die Rosen eine besondere Rolle, wie es auch in der persischen Dichtung zum Ausdruck kommt. So hat zum Beispiel der große persische Dichter Saadi, dessen Mausoleum in seiner Geburtsstadt Schiraz in einer Gartenanlage zu bewundern ist, zwei seiner wichtigsten Werke mit Bustan – soviel wie Duftgarten -  und Golestan – Rosengarten benannt.

Bleiben wir in der Natur und kommen wir zu einer anderen Mail. Schon Ende März schrieb unser werter Hörerfreund Stephan Lipsius uns folgende Zeilen per Mail:

„Sehr geehrte Redaktion, liebe Freunde, 

leider komme ich erst heute dazu, Ihnen anlässlich des "Tag des Waldes" (21. März), der seit den 1970er Jahren auf Anregung der FAO ("Food and Agriculture Organization of the United Nations") international begangen wird, einige Zeilen zu senden. Der Wald ist in Deutschland bis heute ein kraftvoller Mythos. In der Vorstellung der alten Germanen waren Bäume beseelt. In der Eiche wähnten die Germanen den Donnergott Donar (Thor), während die Linde von der Liebesgöttin Freya bewohnt wurde. Und der römische Geschichtsschreiber Tacitus klagte im Jahr 9 n. Chr. über das Land der Germanen im Norden mit seinen schauerlichen, dichten und unheimlichen Nebelwäldern.  

Mit der Industrialisierung wurde aus dem Wald zunehmend ein Ort der Verheißung, ein stummer Zeuge einer anderen Welt. Und in den Märchen der Brüder Grimm ist schließlich der Wald ein Ort der Gefahren, des Verlustes, des Verlorenseins und Irrens, der Räuber und wilden Tiere. Aber auch ein Ort des Zaubers, ein weites Land der Seele, das Joseph v. Eichendorf 1810 treffend in seinem Gedicht "O Täler weit, o Höhen / O schöner grüner Wald, / Du mein Lust und Wehen / Andächtiger Aufenthalt / Da draußen, stets betrogen / saust die geschäftige Welt..." in Worte fasste.  

In diesem Kontext würde mich interessieren, welchen Waldbestand es in der Islamischen Republik Iran gibt, wie es um diesen bestellt ist und welche Rolle der Wald im Iran im Bewusstsein der iranischen Bevölkerung spielt. Vielen Dank!  

Herzliche Grüße und alle guten Wünsche, Ihr Stephan Lipsius“ 

Lieber Herr Lipsius, vielen Dank für Ihre Mail und Ihre Frage.

Die Wälder und das Wasser gehören zu den wichtigsten Ressourcen für die Menschen auf dieser Erde. Wir hier in Iran wissen aufgrund unseres Klimas und der Konfrontation mit Niederschlagsmängeln und Dürren die Bedeutung des Wassers und auch des Waldes besonders zu schätzen, wie ja auch schon bei der Frage nach den Gärten zum Ausdruck kam. Wenn man an Iran denkt, dann denkt man in der Regel zuerst einmal eher an Wüsten- und Steppenlandschaften sowie kahle Felsgebirge. Aber wenn man nach genaueren Informationen schaut, kann man erfahren, dass es bis in die 1980er Jahre noch 18 Millionen Hektar Wald gab in Iran. In Deutschland gibt es heute rund 12 Millionen Hektar Wald. Das klingt erst einmal überraschend.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist aber wieviel diese Waldflächen Anteil an der Gesamtfläche des Landes haben.

In Iran sind es rund 10 Prozent, aber in Deutschland sind es über 30 Prozent, in manchen Bundesländern wie Hessen über 40 Prozent.

Und in früheren Jahrhunderten waren die Waldflächen in Deutschland ja noch größer. Da kann man verstehen, das diese großen Waldflächen die Kultur der Menschen beeinflußt haben, wie hierzulande die Wüsten- und Steppenlandschaften die Bedeutung der Gärten in der Kultur Irans beeinflussten.

Aber kommen wir auf die Frage von Herrn Lipsius zurück, wie es um den Waldbestand in Iran bestellt ist.

Laut FAO wurden bis Ende 2007 mehr als ein Drittel der iranischen Wälder zerstört. Und diese Zerstörung geht einem Artikel von Iranjournal aus dem Jahr 2013 weiter. Darin heißt es: Iranische Forscher warnen, dass allein zwischen 2009 und 2012 jährlich etwa 100.000 Hektar Waldfläche im Land vernichtet wurden. Und der iranische Klimaforscher Nasser Karami warnte vor dramatischen Auswirkungen für die Zukunft: „Wenn diese Tendenz sich nicht unverzüglich ändert, wird Iran in dreißig Jahren keine Wälder mehr haben.“

Dem Artikel zufolge ist die Kaspische Waldregion in Nordiran mit riesigen Eichen, Buchen und Ahornen von einst 3,4 Millionen Hektar, bis ins Jahr 2013 auf 1,2 Mio. Hektar geschrumpft. 

Aber immer gibt es auch Hoffnungen und die iranische Umweltbehörde setzt sich dafür ein, dass dieser Prozess nicht fortgesetzt wird.

Über die forstliche Zusammenarbeit berichtet ein interessanter Artikel in den Nürnberger Nachrichten von Ende 2016. Demzufolge haben sich bayerische Forstexperten auf eine Reise in die kaspischen Laubwälder Irans begeben, wo sie den „Hyrcanischen Wald“, einen Urwald zwischen den Nordhängen des Elburs-Gebirges und dem Kaspischen Meer kennenlernen konnten. Die Wälder seien uralt und teilweise noch gänzlich unberührt, heißt es, und die Forstexperten stellten fest, dass die iranischen Wälder genauso aussehen wie der Steigerwald in Deutschland.

Demnach würden die deutschen Buchenwälder ohne Klimawandel und Eingriff des Menschen exakt so sein wie die kaspischen Wälder in Iran.

Seit 2015 gibt es auch eine Forschungskooperation zwischen den deutschen Forstexperten und iranischen Kollegen, um ermitteln zu können, woher die deutschen Arten entstammen. Dazu werde die Artenvielfalt erhoben und mit den Wäldern hier verglichen. Die Experten konnten bisher festmachen, dass es in den iranischen Wäldern noch Arten gibt, die in Deutschland längst ausgestorben sind und dass die Artenvielfalt im Iran ein insgesamt deutlich breiteres Spektrum aufweist als in Deutschland..

Dieser iranische Urwald hat seinen Namen Hyrkanien wohl von der altgriechischen Bezeichnung für das altpersische Wort Varkana „Land der Wölfe“. 

Einst lebte hier der heute ausgerottete Kaspische Tiger. Heute leben hier noch Persische Leoparden, Eurasische Luchse, Braunbären, Wildschweine, Wölfe, Goldschakale und viele andere Tiere. Dieses Ökogebiet ist außerdem ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel zwischen Russland und Afrika.

In den Hyrcanischen Wäldern findet man kaum Totholz, da wegen des warm-feuchten Klimas das tote Holz schnell verrottet.

In diesem besonderen Waldgebiet in Nordiran gibt es noch unzugängliche Urwälder in einer auf der Nordhalbkugel einmaligen „Virgin“-Qualität, das heißt in annähernd unberührtem Zustand - selbst ohne jegliche historische Beeinflussung durch frühere Kulturen. Das und die Tatsache, dass diese hyrcanischen Wälder auch während der Eiszeit weitgehend von der Vereisung der Nordhalbkugel verschont blieben, verleiht ihnen heute den Qualitätszustand eines sogenannten „hot spots“. Darunter versteht man in der internationalen Biodiversitätsdiskussion die Ballung sogenannter endemischer Arten, die nur an einem Ort und sonst nirgends vorkommen, also einen unwiederbringlichen Genpool darstellen.

Heute widmet sich unsere Hörerpostsendung ausschließlich der Natur und wir wollen zuguterletzt noch den grünen Umschlag, der in unserem Berliner Büro eintraf erwähnen. Absender war Hörerfreund Paul Gager aus Wien.

Die beigelegten Empfangsberichte vom 8. bis 11. April zeigen, dass er täglich unsere Sendungen hört.

Aber unser Wiener Hörerfreund interessiert sich nicht nur für die Kurzwellentechnik, das stellt er immer wieder unter Beweis. Neben seinem immer zu funktionieren scheinenden Iran-Radar, der uns über die mit Iran in Zusammenhang stehenden Nachrichten und Berichte in seiner Heimat informiert, ist seine Liebe zur und sein Interesse an der Natur auch immer wieder durch Beilagen zu den Empfangsberichten dokumentiert. Diesmal schickte er uns eine Broschüre, die vom Magistrat der Stadt Wien und deren Umweltschutzamt in Zusammenarbeit mit dem ‚Netzwerk Natur‘ dem Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramm erarbeitet wurde.

Mit Hilfe dieser Broschüre können die Menschen der österreichischen Hauptstadt und Dank Herrn Gager auch wir, mehr über das Leben dieser so sensibel auf Umweltzerstörungen reagierenden, empfindlichen Lebewesen lernen und eine Menge Schmetterlinge kennenlernen wie, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Himmelblauer Bläuling, Wachtelweizen-Scheckenfalter, Zitronenfalter, Komma-Dickkopffalter und viele andere mehr.

Die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima schreibt dazu: In Wien leben über 100 Tagfalterarten. Das ist für eine Großstadt beachtlich und zeigt uns, dass nicht nur Schutzgebiete, sondern auch kleine Grünoasen Lebensraum für seltene Tierarten bieten.

Die Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung schreibt in dieser Broschüre:

Artenschutz ist Lebensraumschutz. Mit unserem Programm Netzwerk Natur erhalten wir die Lebensräume für Schmetterlinge. So können sich auch die Menschen in der Stadt an der Vielfalt dieser Geschöpfe erfreuen.

Ob es solche Initiativen auch in deutschen Städten gibt, vielleicht haben Sie liebe Hörerfreunde ja Informationen!?

Und unsere Informationen darüber, wer uns sonst noch Post nach Berlin und Mails nach Teheran geschickt hat, die geben wir Ihnen dann beim nächsten Mal.

Wir erinnern gerne nochmal an das in knapp zwei Wochen bevorstehende Ottenauer Hörerklubtreffen am 12. Mai und schließen mit unserem heutigen Abschiedslied.

Mai 01, 2018 14:01 CET
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