Wir begrüßen Sie zu einem  weiteren Teil unserer Koran-Sendereihe, nicht ohne vorher für die Segnung des Propheten Mohammad und die Edlen aus seinem Hause zu beten.  Unsere heutigen Erläuterungen zur Sure 36, Sure Ya-Sin, setzen wir bei den Versen 66 und 67 dieser Sure fort.

(36: 66 - 70)  

 

In diesen beiden Versen lesen wir:

                

  وَلَوْ نَشَاءُ لَطَمَسْنَا عَلَىٰ أَعْيُنِهِمْ فَاسْتَبَقُوا الصِّرَاطَ فَأَنَّىٰ يُبْصِرُونَ                     

„Und wenn Wir wollten, würden Wir ihre Augen auslöschen. Und sie laufen dann zum Weg um die Wette, aber wie können sie da sehen?“ (36: 66)

 

وَلَوْ نَشَاءُ لَمَسَخْنَاهُمْ عَلَىٰ مَكَانَتِهِمْ فَمَا اسْتَطَاعُوا مُضِيًّا وَلَا يَرْجِعُونَ

„Wenn Wir wollten, würden Wir sie auf ihrer Stelle verwandeln, so dass sie nicht mehr vorangehen können und auch nicht zurückkehren.“ (36: 67)

 

Im letzten Teil ging es darum, wie die Übeltäter vor dem Jüngsten Gericht erscheinen und dass ihre Gliedmaßen über ihre Sünden aussagen. Die obigen nächsten beiden Verse handeln davon, dass Gott die Sünden nicht nur am Jüngsten Tag bestraft. Wenn Er möchte, erteilt er bereits den Sündern im Diesseits eine schwere Strafe. Das kann er ohne weiteres.

Wenn Gott will, verschleiert er ihnen ihre Augen, so dass sie nicht mehr sehen können. Sie können dann selbst den Weg, den sie täglich gegangen sind, nicht mehr sehen, geschweige denn, dass sie den anderen vorauseilen könnten,  und dies wird die geringste Strafe für sie sein.  Ebenso könnte Gott, wenn Er will,  sie in reglose Figuren verwandeln, so dass sie sich nicht mehr bewegen können, weder nach vorne noch nach hinten. Vielleicht werden diese beiden Strafen auch im Jenseits erfolgen, denn die Übeltäter  können ja den Weg ins Paradies, welches der Weg zu ewiger Glückseligkeit ist- nicht finden und irren ratlos in der weiten Ebene umher, in die sie nach der Auferstehung gebracht worden sind. Gegenüber dem Willen Gottes besitzen sie keinerlei Kraft, sich zu bewegen und vor der Strafe  und dem Ergebnis ihrer hässlichen Taten zu fliehen.

                 

Wir lernen:

Erstens: Schon im Diesseits ist der Mensch nicht vor der Strafe Gottes sicher. Also soll niemand das Risiko der göttlichen Bestrafung und des Verlustes von Segensgaben, die ihm im Diesseits zur Verfügung stehen,  außer Acht lassen.

Zweitens: Gott straft die Menschen im Diesseits nur in besonderen Fällen. Er lässt ihnen die Freiheit, sich selber für das Gute oder Schlechte zu entscheiden.

                            

Im nächsten Vers, dem Vers 68 der Sure 36 heißt es:

       

وَمَن نُّعَمِّرْهُ نُنَكِّسْهُ فِي الْخَلْقِ ۖ أَفَلَا يَعْقِلُونَ                    

„Wem Wir ein langes Leben gewähren, den lassen Wir in seiner Gestalt eine Kehrtwendung machen (es überkommen ihn Vergesslichkeit und Schwäche). Begreifen sie denn nicht?“ (36: 68)

                       

Nachdem Gott zuvor auf Strafen, die Er eventuell im Diesseits erteilt, hinweist, wird in dem Vers, den wir soeben nannten, daran erinnert, dass alle Menschen altern,  ihre geistigen und körperlichen Kräfte nachlassen und zunehmend wieder wie in ihrer Kindheit werden. Dies enthält auch indirekt die Mahnung, dass der Mensch in seiner Jugend oder spätestens vor dem Altern den richtigen Weg wählen und gehen soll.  Die Vorstellung, im Alter wieder auf den Weg Gottes zurückkehren und ein guter Mensch  zu werden, ist unrealistisch.

Der Mensch darf sich also nicht einbilden, dass seine Kräfte zunehmen werden, wenn er länger lebt. Alle Menschen, selbst die Mächtigsten unter ihnen, werden im Alter schwach. Es kann sogar sein, dass sie so schwach geworden sind, dass  jemand sie füttern oder ihre Kleidung wechseln muss, so wie dies jemand tun musste, als sie noch sehr klein  waren.  Man sollte daher, noch bevor man ins hohe Alter gelangt und schwach und hilflos wird, alle Gelegenheiten schätzen und nach besten Kräften, gute und konstruktive Werke vollbringen  und sich auf diese Weise selber in Hinblick auf Gottes Segen einen Gefallen tun und den anderen etwas nützen.

                         

 

Folgende Dinge können wir uns an dieser Stelle merken:

Erstens: Ein langes Leben beschert dem Menschen keine körperliche und geistige Erstarkung sondern es ist der Rückweg vom Gipfel der Kräfte in Richtung der Schwäche und Unfähigkeit.

Zweitens: Das Leben des Menschen ist begrenzt, auch wenn er zahlreiche Wünsche hegt. Wer sein begrenztes Leben am besten nutzt, ist der Gewinner.

Drittens: Was den Menschen rettet ist das richtige Denken und tieferes Nachdenken. Aber alles, was den Menschen die Vergänglichkeit des Lebens vergessen lässt, wie zum Beispiel die Jugend, bringt ihn in Wahrheit dem Unglück und dem Untergang nahe. 

                 

Wir sollten noch die Verse 69 und 70 der Sure Ya-Sin betrachten, nämlich:

 

وَمَا عَلَّمْنَاهُ الشِّعْرَ وَمَا يَنبَغِي لَهُ ۚ إِنْ هُوَ إِلَّا ذِكْرٌ وَقُرْآنٌ مُّبِينٌ

 „Und Wir haben ihn nicht das Dichten gelehrt, und es ziemt ihm (auch) nicht. Das ist doch nur eine Ermahnung und ein deutlicher Koran, “ (36: 69)

 

لِّيُنذِرَ مَن كَانَ حَيًّا وَيَحِقَّ الْقَوْلُ عَلَى الْكَافِرِينَ

„damit er warne, wer (im Innern) lebt, und das Wort (Gottes) gegen die Ungläubigen unvermeidlich fällig werde.“ (36: 70)

                                      

Im Anschluss an die Verse der Sure Ya-Sin über die Einheit Gottes und dann über das Jenseits spricht Gott über die Wahrhaftigkeit der Aussendung des Propheten und bekräftigt: Es ist keine Dichtung, was wir dem Propheten offenbart haben. Auch ist der Prophet kein Dichter.

Viele Verse im Koran insbesondere die Suren, die am Ende des Korans  stehen, sind melodisch und weisen  eine metrische Struktur auf, während jedoch der Prophet niemals Gedichte verfasst hat. Einige nannten den Propheten trotzdem einen Dichter und zwar aufgrund eines Aberglaubens, der  unter den Arabern herrschten. Diese dachten nämlich,  dass die Dichter mit den Geistern – den Dschinnen – in Verbindung stehen und diese sie das Dichten lehren. Da das, was der Prophet verkündete, für sie neu und ungewohnt war, verleumdeten sie den Edlen, indem sie behaupteten,  dass er wie die Dichter unter dem Einfluss von Geistern stehe, wenn er den Koran verliest.

Weiter heißt es an dieser Stelle in der Sure 36, dass das was der Prophet sagt, Gottes Wort ist, welches als Ermahnung an die Menschen dient und jeden, der nach Recht und Wahrheit sucht, mit seinen Warnungen vor den Gefahren und Schäden der egoistischen Wünsche  und Satans schützen soll.

Wenn verbohrte  Ungläubige  diese Verse hören, prallen sie natürlich von ihnen ab und haben keine Wirkung auf sie. Denn der Unglauben und ihre Widerspenstigkeit gegenüber Recht und Wahrheit haben sie dermaßen erfasst, dass ihr Herz und ihr Denken wie versteinert ist und das Wort Gottes nicht aufnehmen können. Jedenfalls wurde ihnen jedoch der letzte Beweis geliefert, damit sie am Jüngsten Tag sich nicht damit herausreden können, sie hätten Gottes Wort nicht vernommen.

                             

Wir können uns merken:

Erstens: Der Koran lehnt nicht generell das Dichten und die Dichter ab, sondern er weist die Behauptung zurück, dass der Prophet ein Dichter gewesen wäre oder dass der Koran Dichtung ist.

Zweitens: Der Koran ist keine Dichtung, die aufgrund dichterischer Phantasie verfasst worden wäre. Er ist das Wort Gottes, des Allwissenden,  und basiert auf Weisheit und Logik.

Drittens: Wer die Wahrheit nicht akzeptiert ist in Wirklichkeit tot. Der Mensch ist Mensch,  wenn sein Herz wach ist und sein Geist rein.  Daher lebt das Herz derjenigen, die wahrhaft glauben. Diese  Menschen leben wirklich, während die Ungläubigen in Wahrheit wie die Toten sind. Sie leben nicht wirklich, denn der Unglauben lässt das Herz absterben.

Mai 12, 2018 10:46 CET
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