Wir setzen unsere Erläuterung zur Sure 36, Sure Ya Sin,  bei den Versen 71 bis 73 dieser Sure fort. Es heißt in diesen Versen wie folgt: 

(36: 71 – 76)

 

أَوَلَمْ يَرَوْا أَنَّا خَلَقْنَا لَهُم مِّمَّا عَمِلَتْ أَيْدِينَا أَنْعَامًا فَهُمْ لَهَا مَالِكُونَ

„Sehen sie denn nicht, dass Wir ihnen unter dem, was Unsere Hände gemacht haben, Vieh erschaffen haben, über das sie verfügen?“ (36: 71)

 

 وَذَلَّلْنَاهَا لَهُمْ فَمِنْهَا رَكُوبُهُمْ وَمِنْهَا يَأْكُلُونَ

„Und Wir haben es ihnen fügsam gemacht, so dass sie davon Reittiere haben und davon essen (können).“ (36: 72)

 

وَلَهُمْ فِيهَا مَنَافِعُ وَمَشَارِبُ ۖ أَفَلَا يَشْكُرُونَ

„Und sie haben an ihm (allerlei) Nutzen und (etwas) zu trinken. Wollen sie denn nicht dankbar sein?“ (36: 73)

 

In den obigen Versen werden einige Gaben und Gnaden, die Gott für die Menschen bereitstellte, und der Nutzen von Tieren für den Menschen genannt. Die meisten Tiere können nicht vom Menschen gezähmt werden aber einige kann der Mensch dermaßen gefügig machen,  dass er sich als ihr Besitzer betrachten  und aus ihnen Nutzen ziehen kann. 

 

Die Nutzung von Vieh ist im Zeitalter der Zivilisation und Modernisierung nicht zurückgegangen , sondern auf gewisse Weise hat sie sogar zugenommen. Während man früher aus der Milch von Kühen und Schafen einige wenige Arten von Getränken oder Speisen zubereiteten, gibt es heute zahlreiche Produkte die Tiermilch enthalten.  Aus dem Leder von Tieren werden viele Arten von Kleidung, Taschen und Schuhen angefertigt. Auch wenn  heute zahlreiche Bedarfsartikel des Menschen sowie Bekleidungsstücke aus künstlichem Material hergestellt werden, haben solche aus Leder oder Tierwolle wegen ihrer Qualität noch immer nicht an Beliebtheit verloren.  In vielen Gebieten auf der Welt und selbst in den modernen Armeen gelten Tiere wie Pferde und Kamele als bestes Mittel zur Überwindung von schwierigen Gebirgspässen- und zur  Durchquerung von Wüstengebieten oder zum Transport von Waren und Ausrüstung in diesen Gegenden. 

 

Ein großer Teil der Nahrung des Menschen erfordert eine Viehhaltung.  Die Schöpfungsordnung deckt dieses Bedürfnis der Menschheit durch die regelmäßige Fortpflanzung dieser Tiere auf geeignete Weise.

Aber der Mensch ist in Wahrheit nicht dankbar für diesen großen Segen und selten macht sich jemand Gedanken darüber, was passieren würde, wenn diese Tiere nicht wären und der Mensch nicht die Möglichkeit hätte, sie sich fügsam zu machen.

                            

Wir können uns merken:

Erstens: Die Erschaffung von Vieh wie Kühen, Schafen, Kamelen und weitere erfolgte für den Menschen.  Wenn es keine Tiere geben würde, insbesondere wenn es kein Vieh gäbe, wäre das Leben bestimmt problematisch für den Menschen, während die Tiere  jedoch nicht auf  Schwierigkeiten stoßen würden, falls keine Menschen auf der Erde existierten.

Zweitens: Es gehört zu den Segensgeschenken Gottes, dass es Tiere gibt und Gott es ermöglicht hat, dass der Mensch einige von ihnen zähmt. Wenn sie sich nicht zähmen ließen, dann wäre es für den Menschen sehr schwierig,  an Milch und Käse, Butter und Fleisch zu gelangen.

Drittens: Wer sich nicht der göttlichen Segnungen bewusst wird,  der vergisst es, dem Schöpfer des Daseins gegenüber dankbar zu sein.

                        

Es folgen die Vers 74 bis 76 der Sure 36:

 

وَاتَّخَذُوا مِن دُونِ اللَّـهِ آلِهَةً لَّعَلَّهُمْ يُنصَرُونَ

„Und sie haben sich anstatt Allahs Götter genommen, in der Hoffnung dass  sie Hilfe finden.“ (36: 74)

 

لَا يَسْتَطِيعُونَ نَصْرَهُمْ وَهُمْ لَهُمْ جُندٌ مُّحْضَرُونَ

„Sie (diese Götter) können ihnen jedoch keine Hilfe gewähren, obwohl sie ihnen (im Jenseits)  als eine (dienstfertige) Heerschar vorgeführt werden.“ (36: 75)

 

فَلَا يَحْزُنكَ قَوْلُهُمْ ۘ إِنَّا نَعْلَمُ مَا يُسِرُّونَ وَمَا يُعْلِنُونَ

„(O Prophet!) Ihre Worte sollen dich nicht traurig machen. Wir wissen ja, was sie geheimhalten und was sie offenlegen.“ (36: 76)

                                   

Ein Zeichen für die Undankbarkeit des Menschen gegenüber den göttlichen Segnungen besteht darin, dass er sich falschen Göttern zuwendet. Dies tun die Götzendiener ganz offen und einige Gläubige tun es insgeheim, ohne dass es sichtbar würde.

Sichtbare Götzenanbetung ist der Fall, wenn der Mensch offen bekennt: Ich bete diese bestimmte Person bzw. diesen bestimmten Gegenstand an, und dies tut. Bei unsichtbarer Götzenanbetung spricht der Mensch nicht davon, dass er einen Götzen anbetet, obwohl es in Wahrheit der Fall ist.  Zum Beispiel ist es eine versteckte Götzenanbetung, wenn der Mensch denkt, dass außer Gott eine bestimmte Person  in seinem Leben eine entscheidende Schlüsselrolle spielen würde und sagt: wenn diese Person nicht wäre, wäre ich arm dran,  oder:  nur weil diese Person mir geholfen hat, konnte ich an mein Ziel gelangen.

 Unterdessen ist es eine klare Angelegenheit, dass Dinge und Personen für sich alleine und unabhängig von  Gott keine Rolle  im Leben des Menschen spielen. Sie können also nicht Teilhaber Gottes sein. Alles geschieht, weil Gott es will. Er hat keinen Teilhaber. Natürlich setzt er  Gegenstände und Personen  ein, damit der Mensch durch sie an eine Segensgabe gelangt oder ihm durch sie ein  Dienst erwiesen wird.

 

Dann heißt es weiter in diesen Versen:

Am Jüngsten Tag, wenn selbst die bis dahin verborgen gebliebenen Taten des Menschen zu sehen sind, werden die Götzenanbeter hinter den falschen Göttern zu stehen kommen, als ob diese ihre Befehlshaber gewesen wären und sie, die Götzendiener, ihr Soldatenheer gebildet hätten. Die Götzendiener haben auf Erden in der Tat  blind dem Aberglauben gehorcht.                      

Der letzte der drei obigen Verse richtet sie an den Propheten und die Gläubigen, deren Vorbild er ist. Es wird den Gläubigen empfohlen, dass sie sich nicht über das,  was die Götzendiener Schlechtes sagen und Falsches über den Propheten und den Koran und die Religion Gottes behaupten, grämen sollen. Es heißt: Resigniert deswegen nicht. Überlasst sie Gott, denn  Gott ist über alles im  Bilde und wird sie entsprechend für ihre Vergehen bestrafen.

 

Wir sehen:

Erstens: Niemand und nichts auf der Welt kann auf gleicher Stufe mit Gott stehen. Alle materiellen und immateriellen Dinge sind nur Mittel und Instrumente seitens Gott des Allmächtigen und besitzen keinen von ihm unabhängigen Einfluss auf das Leben des Menschen.  Daher entbehrt die Götzenanbetung jeder soliden Grundlage.

Zweitens: Wenn wir andere um Hilfe bitten, ohne dabei an die Allmacht Gottes zu denken, so ist es eine Art Gottesleugnung und Gottesverleumdung (Schirk und Kufr). In Wahrheit hängt es nämlich immer von dem Willen Gottes ab, ob andere einem Menschen helfen können oder nicht.

Drittens: Wir sollten Acht geben, dass uns das unpassende Gerede der Religionsgegner nicht hinsichtlich der  Erfüllung unserer religiösen Pflichten nachlässig macht und resignieren lässt.

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Mai 12, 2018 10:49 CET
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