• Iranisches Kunsthandwerk (48 - Darai und Aba)

Wir möchten Ihnen heute zwei besondere Arten aus der iranischen manuellen Textilanfertigung vorstellen und zwar Darai-Baafi, (auch Ikat-Baafi) und Aba-Baafi.

Das Wort Ikat stammt von einem   malaiischen Verb ab, das soviel  wie schließen, verknoten oder wickeln bedeuten.  In Indien wird diese Textile  auch „Hol“ genannt, aber auf der malaiischen Halbinsel  heißt sie Ikat.   Ikat ist im Iran auch allgemein als „Darai“ bekannt.  In dem großen iranischen Wörterlexikon von Dehchoda stehen drei Bedeutungen für das Wort Darai und eine davon lautet: eine Art Seidenstoff.

Forscher sind der Ansicht, dass die Anfertigung dieses Stoffes  Jahrhunderte vor dem Wachstum der Handelsbeziehungen  von verschiedenen Völkern unabhängig voneinander erfunden worden ist. Die ältesten Ikat-Exemplare stammen aus Ägypten aus der Zeit 1100 vor Christus.  Auf den Mauern alter indischer Tempeln sehen wir Frauen in Gewändern aus der gleichen Stoffart abgebildet.  In Mexiko, Peru, Spanien und Westafrika und sogar in Japan hat man Ikat gewebt.

Früher wurde dieses Gewebe  in Kaschan und in den Städten der südiranischen Provinz Khuzistan angefertigt, aber heute gibt es nur noch in Yazd eine traditionelle Ikat-Weberei.

Die Herstellung von Ikat, sprich Darai,  ist eine Kombination von Färben und Weben. Es gibt zwei Methoden für die Hervorrufung eines Musters auf dem Ikat-Stoff. Entweder wird der Stoff nachträglich bedruckt oder es wird  während des Webens ein Muster auf die Ketten und/oder Schuss-Fäden aufgetragen. Letzteres ist ein schwieriges Verfahren, aber die Mühe lohnt sich.  Die Fäden werden geordnet und zu  dreißig oder vierzig Stück gebündelt und durch eines der vielen Löcher an einem   unteren und oberen  Balken geführt. Auf diese aufgespannten Fäden wird das Muster aufgetragen. Da beim Weben die Fäden etwas gezogen werden, ist das Muster abschließend ein wenig verzerrt aber das ist gerade das Besondere an den  Ikat- bzw.Darai-Stoffen.

Ikat-Muster sind meistens groß und einfach. Es handelt sich vornehmlich um geometrische Formen. Aus  Ikat oder Darai wurde früher Kleidung genäht. Solche Kleidung trugen die Reichen. Ikat war so wertvoll, dass er einer jungen Braut sozusagen als Besitz (Darai) in der  Aussteuer mitgegeben wurde.  Im Iran war Kleidung aus einem solchen Stoff  besonders in den Gebieten mit trockenem Wüstenklima üblich. Überhaupt war das Weben von Stoffen in solchen Gegenden, wo nur wenig Ackerbau möglich war, die wichtigste Einkommensquelle für die Bevölkerung. Heute widmet sich noch immer ein großer Bevölkerungsteil in Yazd diesem Kunsthandwerk.  

Für die Musterung des  Ikat- bzw. Darai-Stoff wird vor allen Dingen Grün,  Gelb und Rot verwendet und die Muster sind  Rhomben und Zypressen- oder Wolkenbilder. Darai-Stoffe werden oft in einem Format von 30 mal 90 cm   gewebt und für Tischdecken und für Dekor verwendet.

Meister Malek Thabet, ein  alterfahrener Ikat-Weber der Stadt Yazd, Zentraliran,  sagt, dass sich  keine zwei vollkommen gleiche Darai-Stoffe weben lassen. In seinen Augen ist  jedes Stück Darai wie ein einmaliger Edelstein, dem nie ein anderer Edelstein gleichen kann.  „Vielleicht lassen sich zwei ähnlich gemusterte Darai-Stoffe finden“, sagt Meister Thabet, „aber sie haben niemals  dasselbe Muster“.

                                   

Aba-Baafi ist ein weiterer Zweig der traditionellen Webkunst. Das Weben von Abas ist schon seit langer Zeit in vielen iranischen Gegenden üblich gewesen, wie in Buschehr am Persischen Golf, in Nain in der Provinz Isfahan   und in Maschhad im nord-ostiranischen Chorassan. In historischen Büchern wird dieses Handwerk auch erwähnt.  Ein Aba ist ein langer weiter Übermantel mit kurzen Ärmeln, der nicht zugeknöpft wird. Er ist in den arabischen Ländern üblich, wird aber auch in anderen muslimischen Ländern getragen. Die Großen der Religion haben den Muslimen das Tragen eines solchen Abas empfohlen.

Der Aba ist heute  in den Farben Weiß, Schwarz und Braun üblich.  Die Araber tragen unter dem Aba ein langes weites Hemdgewand, genannt Dischdascha.  Seit dem Propheten Mohammad (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) hat man in den Städten auf der saudi- arabischen Halbinsel  Abas gewebt. Später wurde die Stadt Behbahan im Iran zum Zentrum für das Aba-Weben.

Aba-Baafi – das Weben von diesem Übermantel – gehört seit einem halben Jahrtausend zum  iranischen Handwerk. Iran führt auch heute noch Abas in verschiedenen Farben und Größen in muslimische Länder aus.

Das Aba-Weben ist in vielen Dörfern der Provinz Buschher am Persischen Golf üblich und ein großer Teil dieses kunsthandwerklichen Produktes wird in die Länder am Persischen Golf ausgeführt.  Aber auch in Nain, einem Stadtkreis in der Provinz Isfahan wird dieses alte Handwerk noch gepflegt. Die Abas aus Nain  sind rötlichbraun und rot und werden aus Wolle und Flaumhaar gewebt.   Das   Viertel Mohammadiyeh von Nain ist seit eh und je für seine  zahlreichen Aba-Webstuben bekannt.  In diesem Viertel ist am Tag in allen Sträßchen durch die offenstehenden Türen aus dem Untergeschoss der Häuser das Klappern der hölzernen Aba-Webstühle zu hören.

                                    

Der Aba wird aus dem Flaumhaar des Kamels und Schafswolle angefertigt. Nach dem Trocknen des gewaschenen Flaumhaares des Kamels wird es gesäubert. Die aussortierten geeigneten Flaumhaare  werden  schließlich mit einem handbetriebenen Spinnrad zu feinem Garn gesponnen. Nachdem der Aba-Stoff aus Flaumhaar und Schurwolle fertig gewebt und gebügelt wurde, wird daraus der Übermantel Aba genäht.

Schafswolle und Kamelhaar sind also das wichtigste Rohmaterial für einen Aba. Es ist noch nicht so lange her, dass man für die Kettenfäden die über den Webstuhl gespannt werden ebenso Wolle verwendete, aber heute benutzt man dafür Baumwollfäden.

Heutzutage bevorzugt man außerdem die Verwendung von Schafswolle anstelle von Kamelshaar, weil sie billiger und sauberer sowie  leichter erhältlich ist und der Aba-Stoff sich schneller weben lässt.  Dennoch trägt die Verwendung des Flaumhaars von Kamelen entschieden zur Qualität eines Abas bei.

 Die Länge eines Aba-Stoffes misst meistens 6 m. Es gibt ihn vor allem in den 4 Farben Schwarz, Dunkelbraun, Kamelfarben und Gelb.  Die natürliche Farbe des Kamel-Flaumhaares ist  hellbraun bis cremefarben und für die anderen Farben werden natürliche Färbemittel verwendet wie Walnussschalen, Färberkrapp und weitere. Übrigens werden im Iran  nicht nur für die Geistlichen sondern auch für Kinder   und in manchen Gegenden nicht nur für Männer sondern auch für Frauen Abas gewoben.  Sie sind entsprechend kleiner. In einigen iranischen Gebieten trägt die einheimische arabischsprachige Bevölkerung im Sommer einen sehr dünnen Aba als Übermantel.

 Das Aba-Weben ist übrigens ein Beruf, in dem nur Männer tätig sind.


 

 

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Mai 20, 2018 02:30 CET
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