• Spirituell gesund (16)

Die spirituelle Gesundheit hängt nicht nur von der Qualität der Beziehungen des Menschen zu Gott, zu sich selber, der Gesellschaft und Natur ab, sondern es spielt auch das Gleichgewicht in  diesen Beziehungen eine wichtige Rolle.

Wir sagten bereits, dass die Optimierung der Nähe zu Gott das Hauptkriterium für die spirituelle Gesundheit bildet. Alle anderen Zeichen für spirituelle Gesundheit schließen sich diesem Hauptkriterium an.  In diesem Teil möchten wir darüber sprechen, dass die wahre Vollkommenheit des Menschen davon abhängt, dass seine Veranlagungen und Fähigkeiten sich im Einklang miteinander entfalten.  Dieses angemessene und harmonische Wachstum  wird durch ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den  viererlei Beziehungen und den Kräften des Menschen erzielt.

 

Aus der Sicht des Islam ist ein vollkommener Mensch in jeder Hinsicht ausgeglichen und hält Maß.  Der Islam spricht sich für  die Ausgeglichenheit sowohl in weltlichen als auch in religiösen Angelegenheiten aus  und lehnt Übertreibung und Untertreibung ab. Auch in politischen und sozialen Fragen befürwortet er diese Ausgeglichenheit und ist gegen das Extreme, denn jedes Extrem hat negative Folgen und ruft Probleme hervor. Gott möchte dass die Menschen, die Glück und Seelenheil, die Nähe zu Gott und die Vervollkommnung suchen und seelisch körperlich gesund sein wollen,  immer das Mittelmaß wählen.

Ein Weg zur spirituellen Gesundheit führt über die Ausgeglichenheit, sozusagen über die goldene Mitte, während jegliches Extrem, ob Über- oder Untertreibung, die spirituelle Gesundheit behindern. Extreme haben eine Wechselwirkung aufeinander:  Übertreibung löst in den meisten Fällen auch als Gegenreaktion Untertreibung aus.  Genauso wie das Gegenteil der Fall sein kann und Untertreibung Übertreibung hervorrufen kann. Dieser ungesunde Verlauf kann den Menschen krankmachen und aus dem Gleichgewicht bringen. Solange sich der Mensch nicht fest auf dem ausgewogenen Pfad der Mitte  zwischen Untertreibung und Übertreibung befindet,  wird es ihm nicht möglich sein, an Vollkommenheit zu gelangen.

Die Ausgeglichenheit verhilft zu einem gesunden Leben mit weniger Problemen. Imam Ali (a.s.) erinnert im Zusammenhang mit   der Ausgeglichenheit  an das lebendige Beispiel des Propheten.  Der Prophet hielt immer Maß, ob im Kreis der Familie oder  im Gesellschaftsleben, ob  in Anliegen der Regierung und Politik  oder  bei der Konfrontation mit den Feinden. Er hat  sich in jeder Situation vor Über- und Untertreibung gehütet und alle mit Nachdruck  dazu eingeladen, es ihm gleichzutun und im Leben immer Maß zu halten und den Weg der Mitte zu gehen:

یا ایها الناس علیکم بالقصد، علیکم بالقصد، علیکم بالقصد

Wie gesagt gehen viele individuelle und soziale Probleme und Abweichungen darauf zurück, dass der Grundsatz der Ausgewogenheit missachtet wird.  Ausgewogenheit entspricht der Vernunft  und Unausgeglichenheit spricht für Unwissenheit. Ein vernünftiger Mensch ist ein Mensch, der Maß hält und ausgeglichen ist. Laut den Lehren der Religion, ist jemand der diese Ausgewogenheit nicht beachtet, ein Dschahil - ein Unwissender.  Über einen unwissenden Menschen hat Imam Ali (F) gesagt:

 لا تری الجاهل الا مفرطا أو مفرطا 

„Du findest keinem Unwissenden, der nicht  über- oder untertreibt (Nahdschul Balagha, Hikmat 70) 

 

Wir haben hier das Wort Ausgeglichenheit für den arabischen Begriff Wasat verwendet. „Wasat“ bedeutet unter anderem Enthaltsamkeit von Über- und Untertreibung. Im Vers 31 der Sure Araf (Sure 7) heißt es:

کُلُوا وَاشْرَبُوا وَلَا تُسْرِفُوا إِنَّهُ لَا یحِبُّ الْمُسْرِفِینَ

„Esst und trinkt, aber seid nicht maßlos, fürwahr: Er (Gott) liebt nicht die Maßlosen.“

Der Mensch soll also bereits beim Essen und Trinken nur so viel zu sich nehmen, wie er braucht und nicht übertreiben und verschwenden.  Die Mahnung zum Maßhalten im Wirtschaftsleben bezieht sich auf das Ausmaß des Konsums. Wer nicht Maß hält, empfindet immer Unzufriedenheit und begeht Über- und Untertreibungen. In einer Gesellschaft in der Über- oder Untertreibungen gang und gäbe sind, kommt es zu vielen  moralischen Abweichungen, die ein Hindernis auf dem Weg zur spirituellen Gesundheit bilden, wie Stolz, Neid, Geiz Verschwendungssucht usw. 

Die Denkweise und Überzeugung des Menschen wirken sich effektiv auf sein Verhalten aus.  Wenn der Glaube mit gläubigem Handeln einhergeht und nicht von Über- oder Untertreibung überschattet wird, gibt der Mensch  niemals – auch nicht in sehr kritischen Situationen, die Treue zum Glauben auf oder gerät in Zweifel.  Aufgrund dieser Einstellung wird er immer einen ausgeglichenen Charakter und seine spirituelle Gesundheit beibehalten und die Islamischen Sitten und Gebote im Umgang mit anderen einhalten, damit er zur Wahrung und Festigung des spirituellen Wohls der Gesellschaft beiträgt.  Die spirituelle Gesundheit hängt nicht nur von der richtigen Beziehung des Menschen zu Gott, zu sich selbst und der Gesellschaft und Natur ab, sondern auch von dem ausgeglichenen Verhältnis zwischen ihnen, so dass der Mensch erst harmonisch wachsen kann, wenn er sich von Übertreibung und Untertreibung fernhält. 

 

Tags

Mai 22, 2018 06:33 CET
Kommentar