• Iranisches Kunsthandwerk (49)

Ab dem heutigen Beitrag wollen wir das iranische Kunsthandwerk vorstellen, welches mit der iranischen Bekleidung zu tun hat.

 

Die Geschichte der Bekleidung ist Teil der Zivilisationsgeschichte. Diese Geschichte wird für den Iran gemäß den zu Verfügung stehenden historischen Quellen eingeteilt in drei große Zeitabschnitte:  die prähistorische Epoche, die Epoche der Achämeniden bis zum Beginn der Islamischen Ära (vom 6. Jahrhundert vor Christus bis zum 7. Jahrhundert nach Christus  , und die Islamische Ära.

                              

Das älteste Beispiel für die Bekleidung, die in prähistorischen Zeiten auf der iranischen Hochebene üblich war ist die Kleidung, die eine Menschenfigur aus  dem Jahr 4200 vor Christus zeigt.  Diese Figur hat ein großes Tuch um die Hüften gewunden. Das bedeutet,  dass der Mensch also zu der Zeit Stoffe aus Wolle anfertigen konnte und sich nicht nur mit Tierhäuten bekleidete.

 

Eine weitere alte Bekleidungsform ist von den Reliefzeichnungen aus dem 3. Jahrtausend vor Christus  abzuleiten. Es handelt sich um eine Bekleidung aus Leder mit einem einfachen Schnitt, wobei ein Schal am Oberteil über eine der Schultern gelegt wurde und die andere Schulter unbedeckt blieb.  Auf der Inschrifttafel  des bekannten Hammurabi-Gesetzes aus dem Jahre 2100 vor Christus thront oben der  Sonnengott, der den Gesetzestext in der Hand hält, während aus seinen Schultern Flammen züngeln.  Diese Figur trägt einen sechsfachen Männerrock mit einem Oberteil aus weichem Stoff. Allerdings ist die Abbildung nicht mehr gut erhalten und verschwommen.

Interessant ist, dass auf den Abbildungen aus der Zeit der Achämeniden niemals nackte Menschenfiguren zu sehen sind. Nacktheit galt unter dieser Herrscherdynastie als sehr  hässlich. Der griechische Historiker und Philosoph Xenophon  schreibt über die Bekleidung der Achämeniden: „Kyros hat diese Bekleidung  von den Medern übernommen  und alle die für ihn arbeiteten waren davon überzeugt, dass sie die gleiche Kleidung tragen sollen. Er war der Meinung, dass diese Kleidung die körperlichen Mängel bedeckt und der Mensch dadurch schöner und größer wirkt.“ Über die Form und Anfertigung dieser Kleidung ist viel diskutiert worden. Einige sagen,  dass es sich um eine einfache Stoffbahn handelte, die in der Mitte mit einer Öffnung für den Kopf versehen war.  Die Länge des Stoffes betrug das Doppelte der  Körpergröße und  in der Breite maß er zwei Handbreit. Andere sind aber der Ansicht, dass es sich um zwei getrennte feste  Stoffstücke gehandelt haben muss, die zugleich noch reich verziert waren.

                                

Bei archäologischen Ausgrabungen  im Iran hat man in der Schahr-e Suchteh („Verbrannte Stadt“) im Südosten Irans einige wenn auch nur sehr kleine Kleidungsreste gefunden. Diese Stadt ist älter als 5 Tausend Jahre. Die Kleidungsstücke bzw. ihre Reste gehörten zu  Figuren aus Metall, Eisen und Ton. Unter anderem hat man  eine weibliche Bronzefigur mit einem Gefäß auf dem Kopf entdeckt. Anscheinend stellt sie eine Frau beim Wassertragen dar. Diese Frauenfigur trägt ein langes Kleid aus einem Stück,  das bis zu den Fußknöcheln  reicht. Eine kleine Steinfigur   aus der Schahr-e Suchteh ist auf die in den östlichen Gebieten Irans wie Chorassan übliche Art und Weise bekleidet. Ihr Gewand ähnelt dem indischen Sari. Ein breiter Schal bedeckt die Schulter dieser Figur. Eine weitere prähistorische Art von Frauenbekleidung, über die man bei Ausgrabungen in der alten Stadt in Südost Iran erfuhr, ist ebenso lang und bis zu den Knien mit Plättchen bestickt.

Unter  den Figuren aus der Schahr-e Suchteh befinden sich einige wenige Beispiele für Männerbekleidung. An diesen ist  abzulesen, dass die Männer in dieser Stadt, die in einem warmen Gebiet lag, einen langen breiten Schal um die Hüften trugen. Eine der männlichen Lehmfiguren trägt aber ein besonders langes Gewand mit einem Obergewand, das vorne geschlossen ist.

                                     

Ein besonderes Merkmal an der Bekleidung der Bevölkerung der Schahr-e Suchteh war die Verzierung.  In einer der Gräber hat man bei einer Toten Kleidung gefunden, die von oben bis unten mit Perlen und kostbaren Steinen geschmückt  war. Die Verstorbene muss aus einer reichen Familie gekommen sein. Die Einwohner von Schahr-e Suchteh trugen anscheinend auch  Schuhwerk. Denn bei Ausgrabungen in dieser mehr als 5 Tausend Jahre alten Stadt hat man auch Schnürsenkel und hölzerne Formen für Schuhe gefunden. Auch Gürtel aus Stoff waren üblich.  Die Archäologen haben außerdem in Schahr-e Suchteh  einen Haarreifen  und sogar eine Art von Steckblumen fürs Haar aus buntem Garn entdeckt. 

                              

Wichtige Aufschlüsse über die Bekleidung der Sassaniden, die von Anfang  3. bis Mitte 7. Jahrhundert nach Christus in Iran regierten, gibt das Felsrelief von Taq-e Bustan im westiranischen Kermanschah. Auf diesem Relief sind ungefähr 25 verschiedene Stoffe aus dieser Zeit erkennbar und verschiedene Arten von Bekleidung und  Kopfbedeckungen aus dieser Zeit zu sehen.  Das Oberhemd mit langen Ärmeln war in der Taille geschlossen und dazu trug man eine Hose aus dünnen stark gefalteten Stoff, die zu den Knöcheln hin enger wurde.

Typisch war auch eine glatte Tunika aus kräftigem Stoff, welche so lang war, dass sie  die Beinkleider bis zu den Knien bedeckte.

Auf dem Kopf trug man hohe oder runde Hüte wie bei den Parthern, die manchmal durch ein langes schmales Band festgebunden wurden und verziert waren.  Die  Stoffe waren mit  geometrischen Figuren gemustert oder  bestickt und manchmal mit Goldfäden durchwirkt.

                                       

Aus den erhalten gebliebenen Kleidungsstücken  und ebenso den verstreuten Äußerungen von Historikern und Schriftstellern  lässt sich darauf schließen, dass die iranische Bevölkerung in den ersten Jahrhunderten der Islamischen Ära die nach den Sassaniden begann,  die  gleichen Trachten wie vorher trug. Die Frauen trugen außer Hause das Kopftuch oder den Ganzschleier. Unter dem schwarzen Schleier trugen sie  einen weiten Rock oder eine weite Hose und  eine Bluse mit langen Ärmel, die bis zu den Knien reichte und über dieser Bluse eine kurze Weste mit Knöpfen und dazu einen Gürtel und einen Schal. 

Die Kopfbedeckung zu Beginn der Islamischen Ära waren Kronen und manchmal mit Edelsteinen besetzte Stirnbänder  Hüte, Turbane, Kopftuch und Schleier.  Das übliche Kopftuch wurde Maqnaeh genannt und dieses Wort kommt auch später in der iranischen   Literatur  vor wie in den Gedichten von Zahir Al Din Faryabi und Sanai. Es  wird heute noch für eine bestimmte Form des Kopftuches, welches am Arbeitsplatz üblich ist,  benutzt.

Schon vor der Islamischen Ära war eine Art Bekleidung üblich, die sich wie heute der Ganzschleier „Tschador“ nannte. Es handelt sich ebenso um einen langen Schleier, der mit einer Krone getragen wurde.  Auch nach Beginn der Islamischen Ära trugen die Frauen diese Bekleidung. Dieser Tschador  wurde in allen Epochen der Islamischen Regierungen im Iran von den Tahiriden bis zu den Ilchanen getragen und es gab ihn in den Farben Gelb, Hellblau und Schwarz.   In einigen Epochen wurden außer dem Ganzschleier auch seidene Gesichtsschleier Sitte.  In einem sehr alten Text, der in der Nationalbibliothek von Paris aufbewahrt wird, ist eine Miniatur zu sehen, welche Tarkan Chatun, die Mutter des Sultan Mohammad Charazmschah (11. Jahrhundert nach Christus)  zeigt, die von zwei Frauen begleitet wird. Die eine ihrer Begleiterin trägt  einen weißen Schleier und die andere einen Maqnaeh und einen schwarzen Ganzschleier.

Damit schließen wir für heute unseren Beitrag und laden Sie ein, beim nächsten Mal zusammen mit uns das Thema weiter zu verfolgen.



 

 

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Mai 30, 2018 02:40 CET
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