• Alle sind eingeladen (5 - Miradsch des Propheten im Ramadan)

Gott hat die wichtigste Voraussetzung, die der Prophet für die Himmelfahrt mit sich brachte, im Heiligen Koran im ersten Vers der Sure Isra genannt und zwar die Eigenschaft, Diener Gottes zu sein. Dank seiner Gottdienstbarkeit wurde Prophet Mohammad (S) die  Gnade erwiesen, das Reich der Himmel zu bereisen.

Der Ramadan lächelt uns mit all seinen schönen Augenblicken in jeder Nacht bei dem herannahenden ersten Morgenlicht an und lädt uns ein, uns geistig und seelisch weiter zu vervollkommnen.  Wir sollten seinem Ruf auf beste Weise folgen  und durch das Fasten und die Einübung von guten Eigenschaften Gott unsere Dienstbarkeit zeigen. Gott möge uns läutern.

                            

Die heiligste Reise in der Menschheitsgeschichte ist der Miradsch des Propheten des Islams - seine Reise in die Himmel und erneute Rückkehr auf die Erde. Der Koran weist in der Sure Isra (Sure 17) darauf hin. In der Sure Isra heißt es im Vers 1:

 

سُبْحَانَ الَّذِی أَسْرَى بِعَبْدِهِ لَیْلاً مِّنَ الْمَسْجِدِ الْحَرَامِ إِلَى الْمَسْجِدِ الأَقْصَى الَّذِی بَارَکْنَا حَوْلَهُ لِنُرِیَهُ مِنْ آیَاتِنَا إِنَّهُ هُوَ السَّمِیعُ البَصِیرُ

 

„Preis sei Dem, Der Seinen Diener bei Nacht von der geschützten Gebetsstätte zur fernsten Gebetsstätte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, reisen ließ, damit Wir ihm (etwas) von Unseren Zeichen zeigen. Er ist ja der Allhörende, der Allsehende.“

 

An den beiden Wörtern "Nacht" (Lailan) und "reisen ließ" (Asra) erkennen wir dass die Himmelfahrt des Propheten sich in der Nacht ereignete. Gott ließ, wie  es in dem Vers heißt in einer Nacht Seinen Propheten von der Heiligen Moschee in Mekka zur Al-Aqsa-Moschee in Palästina kommen und von dort aus die Himmel bereisen.

Laut Überlieferung erschien Dschibril (Gabriel) dem Propheten in der Nacht der Himmelfahrt. Er führte ein Reittier namens Buraq mit sich. Der Prophet Gottes bestieg es und setzte sich in Richtung Bait-ul-Moqaddas (Jerusalem) in Bewegung. Weiter heißt es in der Überlieferung, dass der Prophet unterwegs in der Moschee von Medina und in der von  Kufa (Irak)  und anderen Heiligen Stätten das Gebetsritual verrichtete, bis er schließlich die Al-Aqsa-Moschee in Palästina  erreichte und in dieser Moschee in Gegenwart der Seelen großer Propheten wie Abraham, Moses und Jesus das  Gemeinschaftsgebet leitete. Dann trat er von dort aus seine Himmelfahrt an. Er durchreiste alle sieben Himmel, einen nach dem anderen, und in jedem Himmel erblickte er Erstaunliches.

Er erblickte in jener spirituellen Nacht  die verborgenen Himmelsreiche und Wunder der Schöpfung  und begegnete den anderen Propheten Gottes. Er erblickte das Paradies und die Hölle und sah wie schön es die Paradiesbewohner hatten und wie es den Hölleninsassen erging. Dschibril begleitete ihn auf dieser Himmelfahrt. Zusammen mit diesem besonderen Engel Gottes stieg der Prophet so weit auf, bis sie schließlich beim siebten Himmel angelangt waren. Ab da konnte Dschibril ihn nicht mehr begleiten. Er sagte zum Propheten: "Mir ist es nicht gestattet, diesen Ort zu betreten und wenn ich auch nur um eine Fingerspitze näher trete, werden mir meine Flügel und Federn verbrennen."

Im siebten Himmel erblickte der Prophet  den Baum Sidrat-ul muntaha,  wo das höchste Paradies liegt. An dieser Stelle erreichte der Prophet den Höhepunkt seiner Annäherung an Gott. Er betrat ein von Licht durchflutetes Reich. Dort waren nur er und Gott und Gott gab ihm sehr wichtige Empfehlungen und Anweisungen mit. Er führte ein  wunderschönes Gespräch mit ihm, von dem das  Hadith-i Miradsch - die Miradsch-Überlieferung, berichtet. Nach Beendigung dieses Gespräches kehrte Mohammad (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) auf die Erde zurück. Vor Tagesanbruch befand er sich wieder in seinem Haus in Mekka. 

 

 

Gemäß den Überlieferungen hat sich die Himmelfahrt des Propheten vermutlich mehrere Male  ereignet. Eine der bekannten Himmelfahrten des Propheten ist die vom 17. Ramadan im zehnten Jahr nach seiner Aussendung.

Der Miradsch des Propheten zeichnet sich durch mehrere einmalige Merkmale aus. Er erlebte sie im Wachzustand und  körperlich und der Prophet erfuhr auf dieser spirituellen Reise über die Geheimisse der Himmel und der Erde. Welche Bedingungen erfüllte Mohammad (S), dass er  diese wundersame Reise antreten durfte?

Gott hat die wichtigste Voraussetzung dafür im ersten Vers der Sure Isra genannt und zwar die Eigenschaft, Diener Gottes zu sein. Dank seiner Gottdienstbarkeit wurde dem Propheten also die  Gnade erwiesen, das Reich der Himmel zu bereisen.

Der Koran und die Überlieferung belegen, dass sich die Himmelfahrt des Propheten ereignet hat. Der Glaube an dieses Ereignis gehört zum Islam und zur gemeinsamen Überzeugung aller muslimischen Religionsgruppen.  Auch gibt es in aufeinanderfolgenden Mitteilungen in der Geschichtsschreibung und einigen Bitt- und Pilgergebeten Hinweise auf dieses Ereignis und in einigen Überlieferungen wird jemand, der diese Wahrheit nicht anerkennt, als Ungläubiger bezeichnet. Der Edle Prophet Mohammad (S) betrat auf dieser wundersamen Reise einen Ort, welches kein Geschöpf, auch nicht der Engel Gottes, betreten darf.  Nach seiner Rückkehr von dieser Reise schilderte der Prophet den Menschen was er erlebt hatte, damit der Horizont der Menschheit sich über die  Grenzen der stofflichen Welt hinaus ausdehnt und der Blick des Menschen von dem Irdischen und Materiellen sich den Himmeln und dem himmlischen Reich zuwendet. 

Das Miradsch-Hadith enthält das edle Gespräch zwischen Gott und seinem Gesandten. Wir möchten einige Ausschnitte bringen.

                                

Der Prophet (S) sagte in der Miradsch-Nacht zu Gott: „O Herr!

Gib mir Anleitung, mit welchem Tun ich mich dir nähern soll!“ Da sprach Gott: „Mach deine Nacht zum Tag und deinen Tag zur Nacht.“ Der Prophet fragte: „Wie denn?“ Gott sprach: „Ersetze den Schlaf durch das Gebetsritual und deine Nahrung durch den Hunger! O Ahmad! Ich schwöre bei Meiner Macht und Herrlichkeit, dass ich jeden Diener,  der vor Mir für  vier Eigenschaften bürgt, ins Paradies einkehren lasse:

„Dass er seine Zunge  im Gaumen behält und nur  redet, wenn seine Worte ihm etwas nützen und fruchtbar sind; dass er sein Herz vor den satanischen Einflüsterungen beschützt, immer daran denkt, dass Ich über ihn im Bilde bin und sein Tun sehe und dass er das Hungern liebt.“

Dann sprach Gott weiter:

: " یا أحْمَد! لَوْ ذُقْتَ حَلاوَةَ الْجُوعِ وَالصَّمْتِ وَالخَلْوَةِ وَما وَرِثُوا مِنْها. قالَ: یا رَبِّ! ما مِیراثُ الجُوعِ؟ قالَ: الْحِکْمةُ وَحِفْظُ الْقَلْبِ وَالتَّقَرُّبُ إلَیَّ وَالْحُزْنُ الدّائِمُ وَخِفَّةُ الْمَؤُنَةِ بَیْنَ النّاسِ وَقَوْلُ الْحَقِّ وَلا یُبالِی عاشَ بِیُسْر أمْ بِعُسْر."

 

„O Ahmad!  Wenn du nur wüsstest welchen Genuss das Hungern und das Schweigen und die Einsamkeit bescheren und welche Wirkungen sie haben.“ Der Prophet sagte: „O Gott! Welche Wirkung hat das Hungern?“ Er sprach:  „Weisheit, Schutz des Herzens, größere Nähe zu Mir, endlose Sehnsucht, ein Genügsamer unter den Menschen sein, Wahrheitstreue und jemand zu sein, für den es keine Rolle spielt, ob das Leben hart ist oder einfach. O Ahmad! Weißt du wann ein Diener in meine Nähe gelangt?“ Der Prophet sagte: „Nein, o mein Herr!“ Gott sprach: „Wenn er hungrig ist oder wenn er sich (vor Mir) niedergeworfen hat.“

 

Gemäß dem Miradsch –Hadith , welches das beeindruckende Gespräch zwischen dem Propheten Gottes und dem Allmächtigen widergibt, sind das Schweigen und das Fasten der erste Schritt, welche in das Reich der Gottdienstbarkeit und in die Nähe zu Gott führen. Imam Ridha (Friede sei mit ihm) hat über das Schweigen gesagt:

„Schweigen ist eines der Tore zur Weisheit. Schweigen bringt Liebe mit sich und ist Wegweiser des Menschen zu allem Guten.“

Solange die Zunge nicht gebändigt wird, und der Mensch sich vor keinem falschen sinnlosen Gerede fürchtet, wird er nicht auf dem Weg der Gottdienstbarkeit gelangen und damit nicht  sein hohes Ziel erreichen können.

Wenn jemand das Schweigen oben anstellt, wird er vor vielen verbalen Sünden sicher sein, wie Lüge, üble Nachrede, Lästern  und Verleumden. Natürlich ist Schweigen nicht immer richtig und hat nicht immer gute Folgen. Nur ein wohlüberlegtes Schweigen bringt Segen. 

Es gibt zahlreiche Überlieferungen über die Tugend der Schweigsamkeit. Um den Nutzen des Schweigens zu verdeutlichen, genügt schon das überlieferte Wort von Imam Sadiq (Friede sei mit ihm), in dem er den Weisen Luqman zitiert. Dieser hat zu seinem Sohn gesagt:

„Mein Sohn wenn du denkst dass Reden Silber ist,  so ist das Schweigen wahrlich Gold.“ (aus Al Kafi, Bd. 2, S. 114)

                                      

Gemäß dem Miradsch-Hadith ist auch das Hungern und Fasten ein einleitender Schritt für die Gottdienstbarkeit.  Das Hungern ist gemäß den Großen der Religion ein Mittel zur Läuterung von Geist und Seele, welches zum spirituellen Gott-Schauen führt und dem Menschen die Tore zur Erkenntnis und geistigen Vertiefung öffnet.

Wenn der Magen prall gefüllt ist, nimmt das Vermögen zur Erkenntnis ab. Ein Mensch der zu viel isst wird niemals ein besonders kluger Mensch sein und niemals die Geheimnisse des Verborgenen erschließen können. Die Völlerei zieht Willenlosigkeit und Lethargie nach sich, aber das Maßhalten beim Essen beschert Gesundheit, ein langes Leben und Erleuchtung des Herzen.

Übermäßige Nahrungsaufnahme beansprucht Gehirn und Körper  und verkürzt das Leben des Menschen.  Völlerei macht träge und müde.  Es gibt im Bahar ul Anwar, im ersten Band folgende Überlieferung:

: “مَا مَلَأَ آدَمِیٌّ وِعَاءً شَرّاً مِنْ بَطْنِه

 

„Das schlechteste Gefäß,  welches der Mensch füllt, ist der Magen.

 

Das Fasten ist die beste Hungerübung. Im Laufe der 29. bzw.  30 Tage des Monats Ramadan kann der Verdauungsapparat sich ausruhen und gewöhnt sich der Mensch daran, weniger zu essen.  Im Monat Ramadan nimmt dank des Fastens die triebhafte Begierde des Menschen noch besserem und schmackhafterem Essen ab.  Der fastende Mensch hat einen Schritt auf dem Weg zur Gottdienstbarkeit gemacht  und durch Durchführung seiner religiösen Pflicht das Reich der Erleuchtung betreten.

 

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Mai 31, 2018 02:52 CET
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