• Spirituell gesund (18) 

Psychische Sicherheit ist eine wichtige Voraussetzung für die  geistige, seelische und spirituelle Gesundheit. Derjenige erreicht diese Sicherheit  der auf dem Weg der Selbsterkenntnis und des Gottes-Eingedenksein ein Gottesdiener geworden ist.

Im letzten Teil sagten wir, dass jeder Muslim Pflichten hat, die er erfüllen soll und dass er nicht  gleichgültig in Bezug auf die Beziehungen zu sich selbst, zu Gott und zu den anderen Menschen sowie zur Umwelt bleiben darf. Der Muslim betrachtet es als richtig, Gott zu dienen. Durch  die Erinnerung an Gott ist er bestrebt, die höchste Stufe der spirituellen Gesundheit zu erreichen.

                           

Psychische Sicherheit ist eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit von Geist und Seele sowie die spirituelle Gesundheit. Wo Angst ist, kann keine Sicherheit herrschen. Psychische Sicherheit bedeutet daher, keine Angst zu empfinden. Diese Sicherheit ist ein Segen, denn durch sie gewinnt der Mensch innere Ruhe und Frohsinn im Leben.    Dieser Segen erreicht seinen Höhepunkt, wenn der Mensch sich selber gut kennt. Selbsterkenntnis verhilft ihm nämlich zur Gotterkenntnis.  

 

Derjenige erreicht diese Sicherheit,  der auf dem Weg der Selbsterkenntnis und des Gott-Eingedenkseins ein Gottesdiener geworden ist. 

In einem bekannten Hadith heißt es:

مَنْ عَرَفَ نفسَه فقد عَرَفَ ربَّه

Wer sich selber erkannt hat, der hat auch Gott erkannt.

 

Wer sich seler erkannt hat, der hat auch Gott erkannt

 

Wer sich und Gott richtig erkannt hat, der wird sich bewusst, dass er, auch wenn er viele materielle und immaterielle Dinge besitzt, dennoch Gott unterworfen ist. Gott ist sein Schöpfer und der Erschaffer aller Dinge und er, der Mensch,  und alle Geschöpfe sind in Wahrheit in Gottes Besitz.  Es ist kein Anlass sich zu schämen, Gottes Diener zu sein, sondern es ist für alle, die diese Wahrheit erkennt haben, sogar die größte Ehre. Imam Ali (Friede sei mit ihm) spricht in einem Gebet zu Gott: „O Gott es genügt  mir, dein Diener zu sein und es genügt mir die Ehre, dass du mein Herr bist. Du bist so, wie ich es möchte, so lass mich so werden, wie du es möchtest."

                            

Zur Erreichung psychischer Sicherheit und Zuversicht, welche das Niveau der spirituellen Gesundheit anhebt, muss der Diener Gottes intensiv Gottes eingedenk sein.

Gemäß dem Koran, ist innere Ruhe nur durch das Gedenken an Gott erzielbar. Im Vers 28 der Sure Rad (Sure 13) spricht Gott: 

أَلاَ بِذِکْرِ اللّهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ

„Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe!“

Gott gibt Sicherheit und wer Gottes gedenkt, der wird an psychische Sicherheit und innere Ruhe gelangen.  Es sei erwähnt, dass durch das Gedenken an Gott, auch die anderen Beziehungen des Menschen, nämlich die zu sich selber und zu den anderen Menschen und Geschöpfen gesunden. Einer der wichtigsten Schritte in Richtung der Gesundheit des Ichs und der Behandlung von seelischen Erkrankungen des Menschen und der Erreichung innerer Ruhe ist also das Gott-Eingedenksein. 

Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe

 

Je mehr der Mensch Gott eingedenk ist, desto mehr erkennt er auch sich selber. Aber wenn er Gott vergisst oder es versäumt an ihn zu denken, wird er auch sein eigenes wahres Ich – die Wahrheit seiner Existenz – vergessen. Daher heißt es im Koran im Vers 19 der Sure Haschr (Sure 59  )

وَ لا تَکُونُوا کَالَّذینَ نَسُوا اللَّهَ فَأَنْساهُمْ أَنْفُسَهُمْ

„Und seid nicht wie diejenigen, die Allah vergessen haben und die Er dann sich selbst hat vergessen lassen (und sie hat vergessen lassen, was sie tun müssen). Das sind die Frevler.“

 

Gemäß diesem Vers im Koran liegt die Selbstentfremdung des Menschen daran, dass er Gott vergessen hat.  Es ist eine Sünde, Gott zu vergessen  und zur Strafe für diese Sünde lässt Gott den Menschen sein wahres Ich vergessen.

Das Gott –Eingedenksein ist nicht nur einer der wichtigsten Schritte in Richtung der spirituellen Gesundheit und der Heilung von seelischen Erkrankungen und Erreichung von innerer Zuversicht und Frieden, sondern auch ein Schritt zur Beseitigung der Achtlosigkeit und ein Schritt in Richtung der Entfaltung der  menschlichen Begabungen und Möglichkeiten.  Laut Koran und gemäß der Vorgehensweise des Propheten vertreibt das Gott-Eingedenksein  in Form des Ritualgebetes, der gottesdienstlichen Handlungen und der Gebete die Ahnungslosigkeit und Unachtsamkeit des Menschen, so dass er zu allen Tageszeiten –morgens, mittags und abends, vor und nach dem Schlaf, beim und nach dem Essen,  wenn er krank ist und wenn es ihm wieder gut geht,  die ganze Woche über und zu jeder Zeit am Tag und an den religiösen Festen usw. -  auf angemessene Weise Gottes eingedenk ist.

                                     

Es gibt verschiedene Dhikr – Worte zum Gott-Eingedenksein, bei denen der Gläubigen wiederholt  Namen Gottes ausspricht. Zum  Beispiel wenn jemand wegen einer Sache beunruhigt ist und Angst hegt, soll er oft den folgenden Satz wiederholen:

 

 "حسبنا الله و نعم الوکیل    

„Gott genügt mir und wie gut ist er als Beschützer und Helfer!“

Oder wenn jemand viele Sorgen hat und in der Klemme steckt, soll er immer wieder sagen:  

لا اله إلاّ أنت ، سبحانک إنّى کنت من الظالمین

 

Was soviel bedeutet wie:

„Es gibt keinen Gott außer Dir und nur Du bist der Zufluchtssuche würdig, und du bist frei von jedem Mangel und ich war bestimmt jemand, der Unrecht getan hat.“

Natürlich ist dabei auf Folgendes  zu achten. Ein Dhikr wie diese ist sehr  nützlich und die Wiederholung der erleuchtenden Worte, die er enthält, hat  von sich aus eine Wirkung und richtet die  Aufmerksamkeit des Menschen auf Gott.    Aber im Kern geht es bei einem solchen Gott-Eingedenksein darum, dass sich der Mensch mit seinem ganzen Sein der  Gegenwart des Herrn dieser Welten, des Allmächtigen und Allweisen bewusst wird.  Diese völlige Aufmerksamkeit und Zuwendung zu Gott ist der Ausgangspunkt für sein Streben   nach guten Handlungen und durch sie entsteht ein fester Schutzwall zwischen ihm und der Sünde.

 

 

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Jun 04, 2018 22:35 CET
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