• Spirituell gesund (19)

Selbstwertschätzung bedeutet, dass der Mensch das was ihm zu eigen ist als Wert und Kapital betrachtet, und weiß, dass Gott ihm Begabungen und das Potential und die  Voraussetzung für kontinuierliches  inneres Wachstum mitgegeben hat. Er kann daher  gestützt auf Gott große Schritte für sein Seelenheil in dieser und jener Welt tun.  Selbstwertschätzung zählt zu den Kriterien der spirituellen Gesundheit.

Wir begrüßen Sie zu einem weiteren Teil unserer Sendereihe "spirituell gesund“. Beim letzten Mal haben wir über die psychische Sicherheit gesprochen und gesagt, dass sie die spirituelle Gesundheit verbessert und Ruhe und Frohsinn ins Leben einkehren lässt. Heute wird es um die Selbstwertschätzung gehen. Auch diese ist Index für ein höheres Niveau an spiritueller Gesundheit.

Selbstwertschätzung bedeutet, seine Eigenschaften kennen, sie schätzen  und sich auf sie zu stützen. Der Mensch soll, das was ihm zu eigen ist, als Wert und Kapital betrachten und wissen, dass Gott ihm viele Begabungen und das Potential und die  Voraussetzung für kontinuierliches  inneres Wachstum mitgegeben hat. Er soll wissen, dass er  gestützt auf Gott große Schritte für sein Seelenheil in dieser und jener Welt unternehmen kann.  

                   

Selbstwertschätzung

 

 

Ein Mensch mit Selbstwertschätzung geht tapfer den Weg durchs Leben und erträgt dessen Härten,  um den Gipfel der Vervollkommnung zu erreichen. Wer nicht an seine eigenen Kräfte glaubt, findet Härten unerträglich und rechnet jeden Augenblick mit einer Niederlage. Daher geht er den Schwierigkeiten des Lebens aus dem Wege und manchmal sucht er sogar Zuflucht bei Drogen oder Alkohol.  Ein solcher Mensch kommt natürlich nicht in den Genuss spiritueller Gesundheit.

Wer nach spiritueller Gesundheit strebt, der soll seine Fähigkeiten erkennen. Er soll sich gestützt auf den Glauben an dieses Kapital darum bemühen, seine Mängel und Niederlagen zu begleichen. Durch diese Selbstwertschätzung wehrt er die Resignation ab und beseitigt grundlegend die falsche Vorstellung,  er sei schwach. Die Selbstwertschätzung ruft zugleich aufgrund des erreichten spirituellen Wohlbefindens Frohsinn und Eifer in ihm hervor.

Selbstwertschätzung besteht zum einen darin, dass der Mensch an seine Fähigkeit glaubt, zu denken, zu lernen, zu wählen und geeignete Entscheidungen zu treffen. Zum anderen besteht sie in der inneren Macht.  Die innere Macht  gibt dem Menschen die Kraft, Härten und Schwierigkeiten zu überstehen und keine Erniedrigung und Schmach zu akzeptieren. Ein Mensch der innere Macht und Größe  besitzt, weist eine so starke spirituelle Persönlichkeit auf und ist seelisch dermaßen stark, dass er sich nicht beirren und besiegen lässt. Selbst wenn er sich den heftigen Angriffen der Verdorbenheit und des Übels ausgesetzt sieht, bewahrt er seine Identität als Mensch und dies ist seinem Bewusstwerden über den Wert des Menschen und seine spirituelle Stellung zu verdanken.

In einigen Versen des Korans wie in dem Vers 10 der Sure Fatir (Sure  35  ) heißt es, dass Macht und Größe nur Gott gehören und im Vers 8 der Sure Munafiqin (Sure 63   ) lesen wir:

ولله العزه و لرسوله و للمومنین

„Doch Allah gehört die Macht, und auch Seinem Gesandten und den Gläubigen.“ 

 

Gläubige, die sich auf Gott stützen, gelangen an innere Macht und Größe. Auf diese innere Macht stützen sich alle gottesdienstlichen sowie sozialen, moralischen und wirtschaftlichen Konzepte des Islams.  Wenn der Mensch sein wahres würdiges Ich kennt, wird er keine Minderwertigkeit mehr empfinden und er wird nicht bereit sein, sein wertvolles Wesen gegen etwas anderes einzutauschen.  Wir erleben den Gipfel  dieser inneren Macht  am Aschura-Tag in Karbala, wo  Imam Husain zusammen mit einer kleinen Schar von Gläubigen den Islam bis zum Märtyrertod verteidigt. Die berühmte Losung dieses Imams am Aschura-Tag lautet:

هَیْهاتَ مِنَّا الذِّلَّةُ

„Von uns fern ist die Schmach.“

 Diese Losung zeigt, welche Bedeutung die innere Größe für Imam Husain einnimmt und welche Rolle sie bei seinem Kampf und dem Kampf seiner Helfer am Aschura-Tag gespielt hat. 

Selbstwertschätzung entspringt dem Selbstvertrauen und dem Vertrauen in Gott und darin, alle Angelegenheiten in Gottes Hände zu legen.  Ein Mensch mit Selbstwertschätzung  sucht bei der endlosen Macht Gottes Halt  und aus dieser Verbindung geht seine Standhaftigkeit und Ernsthaftigkeit bei Entscheidungen hervor.

Einige verwechseln diese Selbstwertschätzung mit einer übertriebenen Form von Selbstvertrauen.  Bei einem übertriebenen Selbstvertrauen stehen  die persönlichen Neigungen und egoistischen Wünsche an oberster Stelle. Diese Art von Selbstvertrauen ist in Wahrheit nichts anderes als Egozentrismus und daher verwerflich. Zweifelsohne führt ein solches Selbstvertrauen dazu, dass der Mensch sich überbewertet und falsch einschätzt. Jemand der glaubt, es genüge, dass er selber etwas wolle  und dass das richtig sei, was er für richtig hält und daher das geschehen müsse, was er will und ihm nichts in die Quere kommen könne, der hat  ein übertriebenes Selbstvertrauen  und ist auf dem Weg zur Selbstsucht und zum Egozentrismus.  Deshalb hat Imam Ali (Friede sei mit ihm) über diese Art von Selbstvertrauen gesagt:

من وثَقَ بنفسه خانتهُ

„Wer seinem Ego vertraut, den wird es im Stich lassen.“ 

 

Tags

Jun 11, 2018 01:42 CET
Kommentar